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Die Autorin

Ein dunkelhaariges Mädchen schaut in die Kamera

Juliane Fiegler (26)
studiert Gender Studies

Nachwuchs-Coder
Frisch Gehacktes

11.03.2016 |

Eine App, die Flüchtlingen helfen soll oder ein WLAN-Router, der nur funktioniert, wenn eine Pflanze ausreichend Wasser bekommt: Ideen wie diese können Jugendliche beim Projekt "Jugend hackt" in die Tat umsetzen.

Drei Teilnehmerinnen von "Jugend hackt" sitzen hinter ihren PCs.

Die Teilnehmer von "Jugend hackt" arbeiten ein Wochenende lang an ihren Ideen und werden dabei von ehrenamtlichen Mentoren unterstützt. – © 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf (creative commons)

"Jugend hackt" – da denkt man gleich an fiese Viren, Cyberangriffe und Datenklau. Doch mit illegalen Machenschaften hat das Projekt, das unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird, wenig zu tun, erklärt Paula Glaser: Die 29-Jährige arbeitet aktuell hauptberuflich für "Jugend hackt" und weiß um die ursprüngliche Bedeutung von "hacken": sich ein System genau anzusehen, es zu verstehen, es auseinanderzunehmen und dann neue Dinge damit auszuprobieren.

Hackathon - was ist das?

Und das ist genau das, was bei den Events von "Jugend hackt" passiert: In Städten wie Berlin oder Hamburg kommen Coder und Bastler von 12 bis 18 Jahren für ein Wochenende zu sogenannten Hackathons zusammen und entwickeln Anwendungen, die das Leben erleichtern oder die Welt ein Stück besser machen sollen. In Kleingruppen arbeiten sie intensiv an ihren Ideen. Dabei werden die Teenager von Mentoren betreut, die als Entwickler oder Programmierer bereits fest im Berufsleben stehen. Am Ende des Wochenendes stellt jede Kleingruppe ihre Idee vor. Die besten werden von einer Jury ausgezeichnet.

Den Namen "Jugend hackt" wählte Gründerin Maria Reimer vor drei Jahren bewusst. Zum einen, weil ein Angebot für Jugendliche fehlte, die gerne programmieren. Zum anderen soll der offizielle Namen dem Begriff "hacken" seinen kriminellen Beigeschmack nehmen.

"Code und Ethik" verbinden

Das Ziel von "Jugend hackt" ist es vor allem, die Verbindung zwischen Code und Ethik herzustellen. Jugendliche sollen darüber nachdenken, wie sie ihre Fähigkeiten einsetzen und durch sie auch politisch aktiv werden können. So soll ihnen bewusst werden, dass Technik nicht nur um der Technik Willen cool sein kann, sondern dass sie damit auch einiges anstellen können – im positiven Sinn.

Die Hackathons sind dafür das beste Beispiel: Sie stehen immer unter einem gesellschaftspolitischen Thema, an dem sich die jungen Kreativen orientieren können, letztes Jahr etwa "Refugees welcome". Während dieses Hackathons ist die App und Website "Germany says welcome" entstanden – eine Plattform, die Geflüchteten den Start in Deutschland erleichtern und Ehrenamtliche vernetzen soll. Die Plattform gibt es noch immer und wird mittlerweile von öffentlichen Geldern gefördert.

WLAN durch Fahrradfahren

"Eine andere Gruppe", erinnert Paula Glaser sich, "wollte Jugendlichen das Thema Umwelt näher bringen." Wie schaffen wir das? Indem wir ihnen das Internet wegnehmen – das haben sich die jungen Entwickler damals gedacht. Daraufhin haben sie einen WLAN-Router mit einer Pflanze, einem Bewässerungssystem und einem Fahrrad verbunden. Der Router ging nur an, wenn die Pflanze durch das Strampeln auf dem Fahrrad ausreichend bewässert wurde.

Einige Jugendliche wollten das Bewusstsein dafür schärfen, wie leicht Inhalte im Internet veränderbar sind. Sie programmierten einen Proxy, also eine Kommunikationsschnittstelle im Netzwerk, durch die alle Bilder auf den aufgerufenen Websites durch Katzenfotos und alle negativen Begriffe durch positive ersetzt wurden – zum Beispiel "Hass" durch "Liebe".

Jeder kann mitmachen

Mitmachen können bei den Hackathons alle, die in den Altersgrenzen liegen. Tiefgehende Vorkenntnisse sind nicht notwendig, allerdings wäre es von Vorteil, gewisse Basics wie HTML zu kennen. Dadurch ist es einfacher, an dem Wochenende produktiv mitzugestalten. Aber auch Jugendliche ohne Vorkenntnisse haben schon erfolgreich an Hackathons teilgenommen – sie wurden etwas intensiver von ihren Mentoren betreut.

Paula Glaser ist 2014 zu "Jugend hackt" gekommen, als sie ihre Masterarbeit darüber geschrieben hat. Dabei hat sie vor allem die psychologischen Folgen des Projekts für die Jugendlichen untersucht. Heraus kam, dass für viele der mehr als 100 teilnehmenden Jugendlichen ein solches Hackathon-Wochenende oft das erste Mal ist, dass sie unter Gleichaltrigen sind, die genauso ticken wie sie. Dort werden sie nicht komisch angeguckt, wenn sie darüber reden, wie man einen Server aufsetzt. Sie spüren in dieser Umgebung, dass sie mit ihrer Begeisterung für Codes nicht allein sind. Das bestärkt sie ungemein in dem, was sie gerne tun und es fällt ihnen nach den Wochenenden oft leichter, sich mit ihren technischen Fähigkeiten wirklich zu identifizieren.

Die meisten Hacker sind Jungs

Die Mentoren spielen ebenfalls eine große Rolle für die Teenager – sie werden zu richtigen Vorbildern, die in der Entwicklerszene fest verankert sind. Die Erwachsenen selbst hätten sich oft gewünscht, dass es ein Programm wie "Jugend hackt" schon in ihrer Jugend gegeben hätte und wollen so der neuen Entwicklergeneration etwas geben, was sie nicht hatten, erzählt Paula Glaser.

Einen Großteil der Jugendlichen bei den Hackathon sind Jungs. Der Mädchenanteil liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent. Das ist für ein solches Projekt zwar nicht schlecht, das Team will aber verstärkt daran arbeiten, Mädchen mit ins Boot zu holen.

Die Finanzierung immer neu

Neben Maria Reimer, der Gründerin des Projekts, und Paula Glaser gehört noch Daniel Seitz zu "Jugend hackt". Er ist erfahrener Medienpädagoge und kümmert sich auch um andere Projekte. Programm-Gründerin Maria Reimer ist derzeit in Elternzeit.

Aktuell geht es für "Jugend hackt" wieder in die Planung und Organisation der regionalen, kleineren Hackathons in Hamburg, Ulm, Köln und Dresden. Hier erfahrt ihr, wie ihr mitmachen könnt. In den genannten vier Städten arbeiten ebenfalls kleine Teams für das Programm.

Wenn ihr auch Lust bekommen habt, könnt ihr euch beispielsweise die Ergebnisse des Berlin-Hackathons von Oktober anschauen.

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