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Der Autor

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Samuel Nepomuk Schwarz (20)
studiert Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft

An der Wahlurne
"Ein Fest für die Demokratie!"

28.09.2017 |

Nicht nur der Bundespräsident ging am Sonntag in einer Grundschule in Berlin Zehlendorf wählen, auch zahlreiche Erstwähler gaben dort ihre Stimme ab. Samuel war dort und hat sich umgehört.

Frank-Walter Steinmeier

Wenn der Bundespräsident kommt, ist die Presse nicht weit – © Jonas Geue

Mein Wecker klingelt an diesem Tag erstaunlich früh für einen Sonntag, müde ziehe ich mich an, schnappe mir meinen Regenschirm und setze mich in die Bahn in Richtung des Berliner Stadtteils Zehlendorf.

Nass und grau

Nebel liegt über der Stadt, die Straßen sind nass, der Himmel grau, eigentlich ein ganz normaler Herbsttag in unserer Hauptstadt. Doch der 24. September 2017 ist kein gewöhnlicher Sonntag in der Bundesrepublik Deutschland: Es ist Wahltag! Nach monatelangem Wahlkampf entscheidet an diesem Tag das Volk, wer es für die nächsten vier Jahre im 19. Bundestag vertreten soll.

Ich habe deshalb eine besondere Verabredung, und zwar mit dem "ersten Bürger des Staates", unserem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD). In einer Grundschule in Zehlendorf wird er heute gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender seine Stimme abgeben. Auf einer kleinen Bühne im Musikraum der Schule, der heute als Wahllokal dient, warte ich mit den Kamerateams der großen Sender und dutzenden Fotografen auf das Eintreffen des Bundespräsidenten.

Plötzlich wird es vor der Tür des Wahllokales unruhig, ein Raunen geht durch die Wand aus Journalisten, denn der Bundespräsident und seine Gattin reihen sich in die Schlange der Wartenden im Schulflur ein. Noch kann ich ihn nicht sehen, aber das Klacken der Kameras verkündet das langersehnte Ende der Warterei.

Blitzgewitter wie beim Film

Mit einem breiten Lächeln schreitet Frank-Walter Steinmeier die Reihe der Pressevertreter ab, begrüßt uns und die Walhelfer, lässt sich seinen Stimmzettel geben und verschwindet in einer der Wahlkabinen. Die Sekunden verstreichen, gespannt harren die Fotografen hinter den Suchern ihrer Kameras aus, warten den Moment ab, da der Bundespräsident die Kabine verlässt und auf die Urne in der Mitte des Raumes zugeht. Dann – wie auf ein unsichtbares Zeichen – beginnt das Blitzgewitter und der unscheinbare Klassenraum verwandelt sich in eine Szene wie auf einer Filmpremiere mit rotem Teppich. Mit einem breiten Lächeln präsentiert Frank-Walter Steinmeier seinen gefalteten Wahlzettel und lässt ihn, gut sichtbar für die Kameras, in die Urne fallen und verlässt mit seiner Entourage den Raum.

Schnell packen wir unsere Sachen auf der Pressetribüne zusammen und eilen in das Foyer der Schule, wo der Bundespräsident noch einige Worte an die Presse richten wird. Hier spricht er sich für geheime, freie und faire Wahlen aus und dankt dem Bundeswahlleiter Dieter Sarreither und den vielen Helfern, die heute im Einsatz sind und zum Gelingen dieser Wahl beitragen.

Erstwähler: Starke EU

Und dann ist es auch schon vorbei. Nach den obligatorischen Selfies mit Bürgern verschwindet Frank-Walter Steinmeier wieder im grauen Berlin. Doch das Wahllokal bleibt nicht leer. Eine lange Schlange aus jungen und alten Menschen zieht sich durch das Schulgebäude. Ich spreche Fabia (19) an, eine von circa drei Millionen Erstwählern bei dieser Wahl, sie möchte ihr Recht auf Mitbestimmung wahrnehmen und mit ihrer Stimme etwas für ein umweltfreundliches Deutschland tun. So ähnlich sieht das Francis (18), für ihn ist die Wahl der Grundpfeiler der Demokratie, denn "wer nicht wählt, der verspielt seine Chance auf Mittbestimmung." Für das Deutschland nach den Wahlen wünscht er sich eine starke Europäische Union (EU) und er spricht sich für ein offenes und internationales Deutschland aus.

Gute Laune

Ich treffe Ann-Katrin und Ronja, die beiden sind heute nicht nur das erste Mal bei einer Bundestagswahl als Wähler dabei, sie haben sich auch gleich bereiterklärt, als Wahlhelfer zu unterstützen, um mehr von der Wahl und vor allem der Demokratie mitzubekommen. Unter ihrem Recht auf Wahl verstehen sie die Möglichkeit, mitzugestalten und ihre Chance auf Veränderung zu nutzen. Für das Deutschland nach der Wahl wünschen sich die beiden auch ein starkes Bekenntnis zur EU und eine liberalere, weltoffene Richtung.

Im Eingangsbereich kommen mir zwei vergnügte Jugendliche entgegen, ich spreche sie an und frage nach dem Grund für ihre gute Laune. "Wir feiern heute ein Fest für die Demokratie!", ruft mir die eine freudig entgegen. Mit vielen Eindrücken und dem guten Gefühl, dass gerade auch junge Menschen dieses Land mitgestalten wollen, verlasse ich Zehlendorf und eile durch den Berliner Regen zurück in den 218. Wahlbezirk, um selbst mein Kreuzchen zu machen und mitzufeiern beim "Fest der Demokratie".

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