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Erklärvideo
Wie funktioniert die Bundestagswahl?

27.06.2017 |

Erststimme, Zweitstimme, Fünfprozenthürde: In unserem Scribble-Video erfahrt ihr Schritt für Schritt wie die Bundestagswahl abläuft.

© mitmischen.de

Das ist das Reichstagsgebäude in Berlin, es ist der Sitz des Deutschen Bundestages. Hier arbeiten Politikerinnen und Politiker, die Bundestagsabgeordneten. Sie treffen wichtige Entscheidungen für unser Land. So wählen sie zum Beispiel die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler, ändern bestehende Gesetze oder verabschieden neue Gesetze und kontrollieren die Bundesregierung.

Doch wer bestimmt, welche Politiker im Bundestag sitzen?

Das entscheiden die Deutschen bei der Bundestagswahl. Alle vier Jahr können Bürger, die mindestens 18 Jahre alt sind, ihre Stimme abgeben. Die gewählten Volksvertreter bilden dann für eine Legislaturperiode das Parlament. Im Grundgesetz steht, dass die Abgeordneten in "allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl" gewählt werden.

Was bedeutet das genau?

Fangen wir mit dem Stichwort "allgemein" an: "Allgemein" ist die Wahl, weil alle Deutschen wählen dürfen – und zwar unabhängig von Geschlecht, Einkommen, Religion, Beruf oder politischer Überzeugung. Allerdings müssen sie zum Zeitpunkt der Wahl 18 Jahre alt sein. "Unmittelbar" sind die Wahlen, weil die Abgeordneten direkt und ohne zwischengeschaltete Wahlmänner oder Wahlfrauen von den Bürgern bestimmt werden. "Frei" ist die Wahl, weil es verboten ist, die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Wahlentscheidung zu beeinflussen oder unter Druck zu setzen. Die Wähler sollen sich frei ihre Meinung bilden und zu einer Entscheidung kommen.

Die Wahl ist "gleich", weil jede Stimme gleich viel zählt.

"Geheim" ist die Wahl, weil sichergestellt ist, dass der Wähler den Stimmzettel unbeobachtet ankreuzen kann. Die Bürger stimmen in Wahlkabinen ab, die von außen nicht einsehbar sind. Und die ausgefüllten Stimmzettel werden gefaltet in die Wahlurnen geworfen, sodass niemand erkennen kann, wer was angekreuzt hat.

Fünf Worte sind hier also besonders wichtig, fassen wir noch einmal zusammen:
Die Abgeordneten des Bundestages werden in "allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl" gewählt.

Wie läuft die Bundestagswahl genau ab?

Jeder Wahlberechtigte erhält einige Wochen vor der Abstimmung eine Wahlbenachrichtigung. Er hat die Möglichkeit, per Briefwahl abzustimmen, oder am Wahltag in ein Wahllokal zu gehen. Die Bürger können zwei Stimmen abgeben: die Erststimme und die Zweitstimme.

Bei der Erststimme stehen Personen zur Auswahl. Es sind die Kandidaten, die in einem Wahlkreis gegeneinander antreten. Die Bewerber sind fast immer Mitglied einer Partei. Schließlich besagt das Grundgesetz, dass die Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken. Die Parteimitgliedschaft der Kandidaten ist aber kein Muss. Jener Politiker, der in einem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt, erhält auf jeden Fall einen Sitz im Bundestag. Hier spricht man von einem Direktmandat. Bei der Zweitstimme stehen Parteien zur Auswahl. Die Zweitstimmen entscheiden, wie viel Prozent der Sitze eine Partei im Bundestag insgesamt besetzen kann. Vor der Wahl veröffentlichen die Parteien Listen für jedes Bundesland mit Namen von Politikern, die sie in den Bundestag entsenden möchten. Diese kommen dann neben den direkt gewählten Kandidaten ins Parlament, wenn die Partei die Fünf-Prozent-Hürde schafft.

Fünf-Prozent-Hürde – was ist das?

Nicht jede Partei, die auf dem Wahlzettel zur Auswahl steht, schafft es in den Bundestag. Eine Partei muss bundesweit mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, um im Bundestag vertreten zu sein. Aber Achtung: Direktkandidaten, die ihren Wahlkreis gewinnen – also durch die Erststimme -, kommen immer ins Parlament, auch unabhängig von der Fünf-Prozent-Klausel. Doch ihre Partei bekommt keine weiteren Sitze im Bundestag. Dabei gibt es eine Ausnahme: Wenn die Partei mindestens drei Direktmandate gewinnt. Dann wird auch das Zweitstimmenergebnis der Partei bei der Sitzvergabe berücksichtigt – auch wenn es unter fünf Prozent liegt. Und dann gibt es noch die Überhang- und die Ausgleichsmandate.

Überhang- und Ausgleichsmandate – was ist das?

Beginnen wir mit den Überhangmandaten. Diese entstehen, wenn eine Partei mehr Direktkandidaten in den Bundestag entsenden darf, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis eigentlich zustehen würden. Diese Berechnungen werden pro Bundesland durchgeführt. Ein Beispiel: Eine Partei würde nach ihrem Anteil an Zweitstimmen in einem Bundesland 15 Sitze bekommen. Sie hat aber in 17 Wahlkreisen des Bundeslandes mit ihren Kandidaten die Mehrheit der Stimmen gewonnen. Dann bekommt sie 17 Sitze im Parlament – macht zwei Überhangmandate. Damit die anderen Parteien dadurch nicht benachteiligt werden, gibt es die sogenannten Ausgleichsmandate. Stehen einer Partei nämlich laut Zweitstimme zum Beispiel 20 Prozent der Sitze im Bundestag zu, muss das auch so bleiben. Dazu wird die Gesamtzahl der Sitze des Bundestages so lange erhöht, bis das Verhältnis entsprechend der Zweitstimmen wieder gewahrt ist. Spätestens am dreißigsten Tag nach der Wahl tritt der Bundestag zusammen. Dann beginnen die Abgeordneten mit ihrer Arbeit.

Mehr Informationen zur Bundestagswahl und zum Parlament findet ihr auf mitmischen.de – dem Jugendportal des Deutschen Bundestages.

Kommentare

 

Simon schrieb am 03.10.2017 20:19

Wie man eine simple Wahl verkomplizieren kann ... jetzt weiß ich auch warum das Steuersystem so kompliziert ist. Ich habe das Gefühl die Politiker haben Langeweile und haben nix besseres zu tun als sich immer neue Features einfallen zu lassen. Wenn man damit sein Unterhalt verdient schön ... ich habe nicht die Zeit alles zu Studieren. Das mit den Überhang und Ausgleichsmantaden gehört abgeschafft und die wichtigere Zweitstimme sollte als Erststimme gekennzeichnet werden. Das wäre schonmal ein Anfang ... bin offen für noch simplere Wahlen....

 

 

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