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Felix Schröder (21)
studiert Geschichte und Anglistik

Wahlkreis-Serie: Sauerland
"Land braucht starke Stimme"

19.09.2017 |

Der Hochsauerlandkreis im Süd-Osten Nordrhein-Westfalens ist der flächenmäßig größte Wahlkreis des Bundeslandes. Dirk Wiese – Bundestagsabgeordneter in der SPD-Fraktion – ist hier zu Hause und vertritt diesen Wahlkreis als Listenkandidat im Parlament. Felix hat ihn einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.

Felix war mit Dirk Wiese fast den ganzen Tag an der frischen Luft: ganz normal als Abgeordneter aus dem Sauerland. – © Felix Schröder

Dirk Wiese schaut sich auch die Landwirtschaft in seinem Landkreis genau an: Hier mit Landwirt Brüggemann in Meschede-Berge. – © Felix Schröder

Eine Große Fläche des Hochsauerlandkreises ist Wald: Dirk Wiese ist hier mit Lucas von Fürstenberg auf einem Hochsitz, der auf dem 700 Hektar großen Waldgrundstück des Forstwirts steht. – © Felix Schröder

Der Ort Schmallenberg-Bödefeld ist ein beliebter Urlaubsort mit vielen Wanderwegen und dem längsten Skilift im Sauerland. Das Dorf ist Naherholungsgebiet für viele Menschen aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden. – © Felix Schröder

Antonius Brüggemann aus Meschede-Berge ist Landwirt. Er steht an diesem sonnigen Morgen vor einer seiner Weiden – daneben Dirk Wiese und ich. Im Hintergrund thronen die grünen Sauerländer Wälder. Brüggemanns Kühe grasen gemütlich in der Sonne, während er über einige Probleme nachdenkt: Seine Mähdrescher dürfen nur zu bestimmten Zeiten auf der Straße fahren. Das stört ihn bei der Organisation seiner Arbeit. Dirk Wiese ist sofort beim Thema. "Die Regelung ist überholt. Das werde ich mal mit dem Landrat besprechen", verspricht der 34-Jährige.

Erste Legislaturperiode

Land- und forstwirtschaftliche Flächen gibt es hier im Hochsauerland zur Genüge. Auch Dirk Wiese blickt, wenn er aus seinem Wahlkreisbüro schaut, auf den Wald. Der Wahlkreis grenzt an das nördliche Hessen. Eine wirkliche Großstadt mit über 100.000 Einwohnern gibt es hier nicht. Bekanntere Städte sind Winterberg, Arnsberg oder Brilon, wo der Abgeordnete auch aufgewachsen ist und immer noch lebt. Er ist dort 1983 geboren, hat Rechtswissenschaften studiert und seine ersten Erfahrungen in der hiesigen Kommunalpolitik gesammelt. "Ich wollte, dass 2003 der damalige Bürgermeister von der SPD in meiner Heimatstadt Brilon Bürgermeister bleibt und mir war klar, dass ich dafür mehr machen wollte, als einfach nur zu wählen. Also habe ich mich engagiert."

Wiese beendet zurzeit seine erste Legislaturperiode als Bundestagsabgeordneter. Seit diesem Jahr ist er Parlamentarischer Staatssekretär für Wirtschaft und Energie. In dieser Funktion unterstützt er vor allem die Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Für die Bundestagswahl am 24. September tritt Wiese als Direktkandidat im Hochsauerlandkreis an gegen Patrick Sensburg (CDU), Reinhard Prange (Linke), Annika Neumeister (Grüne), Hans-Martin Schaefer (AfD), Carlo Cronenberg (FDP) und Christa Hudyma (Freie Wähler). Auf der Landesliste für Nordrhein-Westfalen ist Wiese auf Platz 13.

"Tolle Unternehmen und Betriebe"

44 Prozent aller Erwerbstätigen des Hochsauerlandkreises arbeiten in der Industrie. Unternehmen wie die Brauerei Veltins, der Socken- und Strumpfhosenhersteller Falke oder der weltweit tätige Bademöbel-Hersteller Burgbad sind hier beheimatet. Die Arbeitslosenquote (Stand März 2017) liegt mit 4,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (sechs Prozent).

Wenn jemand fragen würde, was das Besondere am Sauerland ist, würde Wiese ihm antworten, dass man im Sauerland gut leben könne: "Ich würde ihm unsere tollen Unternehmen und Betriebe zeigen, beispielsweise das Industrie- und Gewerbegebiet in Brilon." Es gebe viele Vorteile gegenüber der Großstadt. "Auf dem Land ist es schöner, seine Kinder aufwachsen zu sehen", sagt der 34-Jährige. Zudem würde er die Natur vor der Haustür anpreisen.

Ein Landmensch in Berlin

Dirk Wiese macht an diesem sonnigen Augusttag seine vierte landwirtschaftliche Tour, bei der er verschiedene forst- und landwirtschaftliche Betriebe besucht und mit den Besitzern spricht. Der Wahlkreis ist mit 1960 Quadratkilometern in Nord-Rhein Westfalen der größte, allerdings leben dort nur 263.000 Menschen. Während sich hier 134 Menschen auf einem Quadratkilometer aufhalten, leben zum Beispiel in Berlin auf einem Quadratkilometer etwa 3.948 Menschen.

In Berlin würden ihm seine Familie, die Natur und die Landschaft oft fehlen, so Wiese. "In der Großstadt weiß man nicht, wer im Hochhaus nebenan wohnt. Im Sauerland passen die Leute mehr aufeinander auf."

Es fährt kein Bus

Seinen nächsten Stopp macht er an diesem Tag bei dem Forstwirt Lucas von Fürstenberg. Dem 33-Jährigen gehören 700 Hektar Waldfläche. Diese ist so groß, dass das Reichstagsgebäude über 525 Mal auf der Fläche Platz hätte. Der Forstwirt von Fürstenberg schwärmt stolz von seinem Holz, das immer noch ein guter Rohstoff sei. Er beklagt, dass in Städten nicht immer das Bewusstsein vorhanden sei, wie viel Zeit benötigt wird, Bäume zu pflanzen und wie viel Mühe es kostet, die Baumbestände zu pflegen.

Von Fürstenberg kennt den Kontrast zwischen Stadt und Land gut. Bevor er den Forstbetrieb samt dem kleinen Sägewerk übernahm, hat er in Frankfurt (Oder) BWL studiert und danach acht Jahre in Berlin gelebt. In dem kleinen Sauerländer Dorf fehlt dem Forstwirt allerdings die Mobilität, die er aus der Großstadt gewohnt ist. "Hier in unserem kleinen Ort fährt kein Bus mehr", sagt er, "bis in den nächsten Ort sind es zwei Kilometer."

Azubi-WGs

Dem Abgeordneten Wiese ist das Problem der fehlenden Mobilität nicht neu. Sie schreckt auch oft junge Menschen ab, im Hochsauerland zu leben, weiß der SPD-Politiker: "Es wird immer schwieriger, Auszubildende für Handwerksberufe im Sauerland zu begeistern", sagt er. Es gebe aber einige Initiativen, beispielsweise die Idee, junge Handwerker aus dem benachbarten Ruhrgebiet ins Sauerland zu ziehen. Wiese spricht von "Azubi-WGs", die ausprobiert werden sollen.

Schnellere Netze

Insbesondere der Ausbau der Infrastruktur, also Straßen und Schienen, liegen dem Angeordneten in seinem Wahlkreis am Herzen. "90 Prozent der Fläche Deutschlands ist ländlicher Raum, da wohnen die meisten Menschen. Auch liegt dort die wirtschaftliche Stärke", so Wiese. Deshalb müsse der Raum unter besonderen Kriterien beurteilt werden. "Der ländliche Raum braucht eine starke Stimme in Berlin", bekräftigt Wiese.

Ein weiteres seiner Anliegen ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur, um Unternehmen im Landkreis zu halten – und auch um neue Unternehmen anzulocken. Durch Fördergelder von Bund und Ländern will er erreichen, dass bis 2018 überall im Hochsauerlandkreis 50 Mbit-Leitungen liegen. "Wir sind noch nicht da, wo wir gerne sein würden. Für die Industrie brauchen wir noch schnellere Gigabit-Netze", sagt Wiese.

Schwarz-Gelb soll verhindert werden

Die Sauerländer dieses Wahlkreises wählten 2013 den CDU-Kandidaten Patrick Sensburg mit 56 Prozent direkt in den Bundestag. In dem mehrheitlich katholischen Wahlkreis (68 Prozent) wählen die Einwohner traditionell christdemokratisch. Während Wiese noch mit dem Landwirt Brüggemann im Gespräch ist, hat es eine Wespe auf ihn abgesehen. Der Politiker wischt wild durch die Luft, bis sie verschwindet. "Im Fußball ist schwarz-gelb gut", sagt der Unterstützer von Borussia Dortmund. "In der Politik und bei Wespen ist schwarz-gelb ganz bestimmt nicht gut."

Die Vorstellung des Wahlkreises ist Teil einer Serie. Bis zur Bundestagswahl 2017 stellt mitmischen.de acht Wahlkreise aus ganz Deutschland vor, die Autoren besuchen den jeweiligen Abgeordneten. Dabei werden alle Fraktionen des Bundestages berücksichtigt.

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