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Der Autor

Ein dunkelhaariger Junge schaut in die Kamera

Jens Augspurger (20)
studiert Politikwissenschaft

Wahlkreis-Serie: Mannheim
"Offen für Neues"

20.09.2017 |

Mannheim ist die drittgrößte Stadt in Baden-Württemberg, nach Stuttgart und Karlsruhe. Direkt am Rhein und Neckar gelegen, bildet die einstige Kurfürstenresidenz einen wichtigen Teil der Metropolregion. Hier lebt Dr. Gerhard Schick – Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen. Jens hat sich seinen Wahlkreis für euch mal etwas genauer angeschaut.

Jens hat Dr. Gerhard Schick (Grüne) einen Tag lang in seinem Wahlkreis Manhheim begleitet. – © privat

Das Mannheimer Schloss ist die ehemalige Kurfürstenresidenz und heute Sitz der Universität - mit einer der wichtigsten Wirtschaftsfakultäten. – © privat

Zwei Flüsse sorgen in Mannheim dafür, dass alles in Bewegung bleibt. Am Neckar und am Rhein treffen sich die Mannheimer auch gerne in ihrer Freizeit. – © privat

Mannheim feiert das Fahrradjubiläum. Es wurde hier vor 200 Jahren von Carl Drais erfunden. – © privat

Schon im "Bad’ner Lied", der inoffiziellen Hymne der Region, heißt es seit Ende des 19. Jahrhunderts "Zu Karlsruh' ist die Residenz, in Mannheim die Fabrik/In Rastatt ist die Festung und das ist Badens Glück." Mannheim, das ist eine Industriestadt durch und durch. Bis heute, rund 150 Jahre später, hat sich daran nicht viel geändert: Mannheim ist eine Arbeiterstadt. Dennoch haben die Mannheimer mit den drei vergangenen Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 eine lange Tradition gebrochen und jeweils den Kandidaten der CDU mit der Zweitstimme in den Bundestag gewählt. Abgesehen von 1994 lag die SPD bei den Erststimmen sonst immer vorn.

Mannheimer im Bundestag

Neben dem Wahlkreisabgeordneten mit Direktmandat, Nikolas Löbel (CDU), sitzen derzeit noch zwei weitere Abgeordnete aus Mannheim im Bundestag, die über die Landesliste gewählt wurden. Gökay Akbulut (Die Linke) und Dr. Gerhard Schick, der seit 2005 für Die Grünen im Parlament sitzt. Mit ihm treffe ich mich im Mannheimer Stadtteil Gartenstadt im Vorfeld einer Informationsveranstaltung. Als ich in dem kleinen italienischen Restaurant auf Herrn Schick warte, kommen mir viele Fragen in den Kopf. Wie fühlt sich eine solche Veranstaltung eigentlich für Politiker an? Wie ist es, wenn man in Berlin im Bundestag sitzt und dann zurück in den Wahlkreis kommt? Und wie förmlich muss das Ganze dann ablaufen?

Kein Heimspiel

Schick kommt leger daher und sagt, dass er sich besonders auf die Veranstaltung an diesem Abend freut. Obwohl es eigentlich kein Heimspiel für ihn im klassischen Sinne ist. "Wir sind hier nicht gerade im Grünen-Einzugsgebiet, aber die Menschen interessieren sich dennoch für unsere Themen."

Der Diplom-Volkswirt ist seit 2007 auch finanzpolitischer Sprecher seiner Fraktion und damit besonders an Wirtschaftsthemen und Versorgungsgerechtigkeit interessiert. An diesem Abend lädt der Grünen-Kreisverband zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Bürgerversicherung ein. Schick hält einen kurzen Vortrag mit vielen Fakten, danach ist viel Zeit für Fragen eingeplant.

"Zwei-Klassen-Gesundheitssystem"

Die Bürgerversicherung ist für den Finanzexperten ein wichtiges Thema, dass er gerade auch mit den Mannheimern besprechen will. Für ihn und seine Partei sei sie "die Alternative zum bestehenden Zwei-Klassen-Gesundheitssystem". Schick erklärt, das aktuelle Gesundheitssystem verschlinge eine Menge Geld vor allem für bürokratischen Aufwand, in der Bürgerversicherung könnte man dagegenwirken und so viele Menschen besser versorgen. Der Abend ist gut besucht, es sind Bürger aus vielen Stadtteilen gekommen.

Viele Fragen

Schick geht es vor allem darum, die Versicherungsbeiträge besser zu verteilen, sagt er. Als er schließlich vorrechnet, wie sich mit einem anderen Versicherungssystem Geld sparen ließe, werden viele Fragen gestellt. Die Bürgerversicherung wird auch von der SPD und den Linken in ähnlicher Form gefordert, doch die Menschen fürchten, die Veränderung könnte auch Verschlechterungen mit sich bringen. Beispielsweise in einer möglichen Übergangsphase. Außerdem fragen viele, ob ihre privaten Zusatzabsicherungen nichtig werden würden.

"Offen und interessiert"

Im Gespräch verrät mir Schick, dass er die Mannheimer insbesondere für ihre Offenheit schätzt. "Viele Leute hier sorgen sich und sind politisch interessiert. Das gefällt mir besonders gut, es macht die Stadt aus. Gerade in einer so vielfältigen Stadt, wo es durch Einwanderer und die Aufnahme von Flüchtlingen zunehmend auch multikulturell zugeht."

Mit großem Handelshafen, Pharma-, Chemie- und Automobilindustrie bieten die hiesigen Unternehmen den rund 300.000 Einwohnern viele Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,3 Prozent recht gering. Zuwanderung und Industrie haben das Stadtbild in den letzten Jahrzehnten deutlich geprägt. Aber auch die Vielfalt der Möglichkeiten und die Lebensqualität sind in der Stadt dadurch immer weiter gestiegen und Mannheim ist zu einer kleinen Kulturmetropole geworden.

"Wir brauchen Alternativen"

"Offen für Neues sein", will auch Schick zum seinem Motto machen. Denn es ist gerade das, was er an seinen Mitmenschen schätzt und in seinem Wahlkreis immer wieder erfährt. Das hat ihn auch an dem Abend unseres Treffens motiviert: an einem Ort über die Bürgerversicherung zu sprechen, der eigentlich keine klassische Grünen-Hochburg ist.

Neu ist auch die Umgestaltung der Stadt. Nach Schicks Meinung ist sie eine der großen und faszinierenden Herausforderungen, vor der Mannheim derzeit steht: In Mannheim sind mit dem Abzug der US-Streitkräfte 2011 große Flächen frei geworden, die als neue Stadtteile wirtschaftlich, kulturell und mit Wohnangeboten in die Stadt integriert werden müssen. Eine der ehemaligen Kasernenflächen wurde im Jahr 2015 kurzerhand als Flüchtlingsheim zur Verfügung gestellt.

Freiheit und Zuwanderung

Finanzthemen liegen dem finanzpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion selbstredend am Herzen, seit 2011 ist er auch Mitglied im Finanzmarktgremium des Bundestages. Außerdem setzt er sich für die Freiheit Europas ein – und Migration. "Ich denke, die Zuwanderung ist ein Thema, um das wir uns besser kümmern müssen", sagt er. Mannheim sei für ihn dabei ein Ort, der mit gutem Beispiel, vorangehe, "aber auch hier muss noch viel gemacht werden". "Fremdenfeindlichkeit, Prostitution und soziale Schieflage sind brennende Probleme, die in der Stadt angegangen werden müssen, um das Zusammenleben zu verbessern", meint er. Es sind Mannheimer Themen, aber in Berlin werden die Rahmenbedingungen zu ihrer Lösung geschaffen.

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