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Die Autorin

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Franziska Bulle (23)
arbeitet als Journalistin

Wahl-Spiel
"Bin jetzt um einiges schlauer"

30.06.2017 |

Mandate, Listen, Wahlkreise – wie funktioniert das Wahlrecht? Ein ehemaliger Lehrer hat dazu eine interaktive Präsentation erfunden. Fünf Jugendliche und junge Erwachsene haben für mitmischen.de mitgemacht.

Beim Spielen

Eine Herausforderung bestand darin, jeden Abgeordneten auf den richtigen Platz zu stellen. mitmischen-Autorin Franziska hat eine Idee. – © Michael Kuchinke-Hofer

Anna Portrait

Anna weiß jetzt, wie das deutsche Wahlrecht funktioniert: "Die Präsentation war echt interessant. Man hatte nicht nur ein Blatt vorm Gesicht, das man sich durchlesen musste, sondern konnte selbst etwas machen. Das war echt gut." – © Michael Kuchinke-Hofer

Jan Portrait

Jan kann sich das Spiel auch als Unterrichtsprojekt vorstellen: "Es wäre bestimmt gut, sich das über mehrere Wochen anzuschauen. So war es sehr viel auf einmal und man braucht schon Zeit, um alles zu verstehen." – © Michael Kuchinke-Hofer

Frances Portrait

Frances: "Es gibt viele Details, die man nach einem Mal Spielen und Zuhören nur schwer behalten kann. Selbst präsentieren könnte ich das Spiel noch nicht." – © Michael Kuchinke-Hofer

Jaschke und Valentin

Joachim Jaksch und Teilnehmer Valentin haben sichtlich Spaß bei der "Wahl aktiv"-Präsentation. – © Michael Kuchinke-Hofer

Laura Portrait

Laura findet die Präsentation sehr praxisnah: "Dadurch, dass man nicht nur zuhört, sondern auch zum Beispiel Personen vom Wahlkreis auf die Landesliste bewegen muss, kann man sich die Logik hinter dem Wahlrecht besser vorstellen." – © Michael Kuchinke-Hofer

Valentin Portrait

"Am Anfang waren sehr viele Sachen da. Es hat geholfen, alles selber machen zu können und am Ende konnte ich noch mal nachfragen. Das war wirklich gut", findet Valentin. – © Michael Kuchinke-Hofer

Das deutsche Wahlrecht ist verzwickt. Ich erinnere mich noch gut an meinen Politikprofessor, der in einer seiner Vorlesungen verlauten ließ, dass wir uns am besten gar nicht erst die Mühe geben sollen, es zu verstehen. Ich habe es dann auf meine innere To-Do-Liste gesetzt, weil er mit dieser Aussage meine Neugierde und meinen Ehrgeiz geweckt hatte. Vielleicht war genau das sein Plan.

Was zum Mitmachen

An einem Tag im Mai bekomme ich endlich die Möglichkeit, das deutsche Wahlrecht verstehen zu lernen: Mit fünf anderen jungen Leuten bin ich zu einer interaktiven Präsentation verabredet – was zum Mitmachen also, das kann sicher nicht schaden.

Joachim Jaksch, Initiator des Projekts "Wahl aktiv" und ehemaliger Lehrer, erklärt uns anhand von selbstgebastelten Baukästen, wie das mit den Wahlen läuft. Das "Wahl aktiv"-Projekt hat er zum ersten Mal für seine damaligen Schüler konstruiert. Inzwischen hat sich eine kleine Gruppe seiner ehemaligen Schützlinge gebildet, die mit Jaksch regelmäßig vor Schulklassen oder anderen Interessierten präsentiert.

Aus kompliziert wird verständlich

In einem kleinen Raum der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Berlin betrachten wir gemeinsam die umfangreiche Installation. Auf den ersten Blick kann ich nicht viel erkennen. Das Spiel erinnert mich sehr an eine Mischung aus einem "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel und einem Mosaik-Steckspiel aus meiner Kindheit. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Sitzverteilung spielerisch

Was wir vor uns sehen sind die verschiedenen Landeslisten, die Berliner Wahlkreise und Sitzkontingente der Bundestagswahl 2013. Joachim Jaksch erklärt, was ein Ausgleichsmandat ist und zieht mich mit dem Hin- und Herschieben der Holzfiguren, die jeweils einen Abgeordneten darstellen, in seinen Bann.

Ziel der Präsentation ist es, zu verstehen, wozu die Erst- und die Zweitstimme bei einer Bundestagswahl gut sind: mit der einen wird ein Kandidat im Wahlkreis gewählt, der später in den Bundestag einzieht. Mit der anderen wählt man eine Partei und bestimmt damit, welche Politiker über Landeslisten der Parteien später in den Bundestag kommen.

Das Spiel verdeutlicht diesen Prozess und zeigt, inwiefern dabei Ausgleichsmandate entstehen. Wenn ihr es ganz genau wissen wollt, könnt ihr euch später dazu dieses Erklärvideo anschauen. Wir nehmen jedenfalls eine Figur aus dem Wahlkreis und stellen sie erst einmal auf die Landesliste. Von dort wandern dann später einige weiter in den "Plenarsaal" – je nachdem wie viele Prozent die Partei erzielt.

Öffentliche Präsentation geplant

"Das deutsche Wahlsystem ist komplex, aber ich kann es euch mit dieser Präsentation erklären", meint Jaksch, als wir ihn etwas zweifelnd anschauen. "Ich möchte nicht nur euch überzeugen, dass das Wahlrecht mit ein wenig Konzentration zu verstehen ist, sondern auch alle anderen." Zur Bundestagswahl im September 2017 plant Jaksch deshalb eine große öffentliche Präsentation.

Auch wir versuchen ein wenig von seinem Enthusiasmus aufzunehmen. "Man merkt, dass in der Präsentation unheimlich viel Leidenschaft steckt. Es ist wirklich gut gemacht. Ich habe einiges mitgenommen", gibt mir Abiturient Jan als Feedback, "wenn man sich gut konzentriert hat, konnte man Schritt für Schritt alle Wahlrechtsknackpunkte verstehen."

Alles geklärt?

Während wir jeden einzelnen Schritt durchgehen, erklärt uns Herr Jaksch, dass die Ausgleichsmandate aufgrund der Überhangmandate entstehen. Das passiert, wenn eine Partei mehr Erststimmen als Zweitstimmen bekommen hat. Dann darf sie mehr Abgeordnete in den Bundestag schicken, als ihr nach den Zweitstimmen eigentlich zustehen – was aber wiederum ungerecht gegenüber den anderen Parteien ist. Eine verzwickte Geschichte, die in Deutschland mit Ausgleichsmandaten gelöst wird.

"Ich wusste vorher nicht so genau, was ein Ausgleichsmandat oder ein Überhangmandat ist. Dank der Präsentation von "Wahl aktiv" bin ich jetzt um einiges schlauer", erklärt Teilnehmer Valentin (13).

Wahl-Aktiv lebt von den Machern

Schülerin Anna (14) findet, dass die interaktive Präsentation auf jeden Fall etwas für ihre Klasse wäre: "Das würde bestimmt gut ankommen. Es ist interaktiv und wird so interessant für junge Leute."

Mein persönlicher Aha-Moment während der Präsentation war eindeutig die Stelle mit Überhang- und Ausgleichsmandaten. Für zu Hause ist die Präsentation allerdings leider nicht geeignet. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes sperrig, weil es unheimlich viele große Baukästen gibt und ohne die ruhige, erklärende Stimme von Herrn Jaksch und den anderen "Wahl aktiv"-Kennern ist sie kaum zu verstehen. Aber genau das macht das "Wahl aktiv"-Spiel aus. Es lebt von seinen Initiatoren, die mit Witz und noch mehr Wissen das deutsche Wahlrecht erklären. Und wenn ihr Lust bekommen habt, mitzumachen, schaut hier vorbei.

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