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Die Autorin

Maxi Köhler

Maxi Köhler (18)
ist Abiturientin

Wirtschaft
Es geht aufwärts, aber…

20.04.2018 |

Werdet ihr nach Schule oder Studium leicht einen Job finden und ist genug Geld für Soziales oder Bildung da? All dies steht im Jahreswirtschaftsbericht, den die Regierung dem Parlament vorgelegt hat. Maxi hat nachgefragt, was drin steht. Das kommt auf uns zu!

Infografik Jahreswirtschaftsbericht 2018

Wie viel wir shoppen, arbeiten oder investieren - im Jahreswirtschaftsbericht finden sich alle Zahlen. – © dpa-infografik

Läuft bei uns: Die Deutschen produzieren mehr Produkte und Dienstleistungen, die Arbeitslosenquote sinkt, Löhne und Gehälter steigen, und die Bürger und die Unternehmen zahlen entsprechend viel Geld in Form von Steuern an den Staat. Das sagen Experten für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr voraus. Wirtschaft? Okay, ... ich bin raus! Nicht so voreilig. Dr. Matthias Heider (Union), stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, hat ein paar gute Argumente, warum das Thema doch ganz spannend sein könnte.

Was bisher geschah

Also nochmal von vorne: Ende Januar hat die damalige geschäftsführende Bundesregierung im Parlament den Jahreswirtschaftsbericht für das Jahr 2018 vorgestellt. "Die Bundesregierung gibt mit dem Jahreswirtschaftsbericht eine Einschätzung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung für das kommende Jahr ab, die als Leitlinie für die Wirtschaftspolitik gedacht ist", erklärt Matthias Heider. "Basis dafür ist ein Gutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch die fünf Wirtschaftsweisen genannt." Mit einer dieser "Wirtschaftsweisen" hat sich Noah unterhalten. Das Interview könnt ihr hier lesen.

Traumjob ja oder nein?

Experten wie Heider und seine Kollegen jedenfalls können aus dem Bericht zum Beispiel herauslesen, ob sich Deutschland eher auf einen Auf- oder Abschwung einstellen muss. Und das hat gravierende Folgen für uns alle – eine davon ist zum Beispiel, ob die heutigen Schüler und Studenten leicht, schwer oder gar nicht ihren Traumjob finden werden. Oder ob genug Geld da sein wird, sozial Schwache zu unterstützen.

Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses gehören übrigens zu den ersten, die den Bericht zu Gesicht bekommen. Die Bundesregierung gibt den Abgeordneten so die Möglichkeit, die Informationen zu überprüfen und Fragen an die Bundesregierung zu stellen.

Was steht drin?

Aber was steht denn nun genau drin? "Für dieses Jahr gibt es eine sehr gute Prognose. Die Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Aufschwung des Bruttoinlandsproduktes von 2,3 bis 2,4 Prozent, was ein enorm guter Wert ist", so Heider. Das Bruttoinlandsprodukt gibt den Gesamtwert aller Güter, also Waren und Dienstleistungen an, die während eines Jahres in einem Land hergestellt werden. Im Jahr 2017 ist das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent gestiegen.

Arbeit für fast alle

Noch mehr gute Nachrichten: Die Arbeitslosenquote hat 2017 den niedrigsten Stand seit 25 Jahren erreicht, nämlich 5,7 Prozent. Für das Jahr 2018 rechne man damit, dass die Zahl der Menschen, die arbeiten (Fachjargon: Erwerbstätige) noch weiter ansteigt, auf etwa 44,8 Millionen Beschäftigte. Das ist gut, denn diese zahlen alle Steuern und viele Euros in die Sozialsysteme. Die Folge: Der Staat kann reichlich Geld in Schulen, Straßen, den Umweltschutz oder die Unterstützung von Bedürftigen und Kranken stecken.

Volle Kneipen

Außerdem werden die Löhne und Gehälter voraussichtlich um vier Prozent steigen, um einiges stärker als in den letzten fünf Jahren, wo der Wert bei durchschnittlich 1,6 Prozent lag. Das ist ebenfalls gut, weil die Leute dann viel Geld ausgeben – Restaurants, Kneipen, Handwerker, Läden oder etwa andere Firmen profitieren davon.

Da die Inflation, also die Preissteigerungsrate, mit 1,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017, wo sie bei 1,8 lag, sogar abnimmt, erwarten die Wirtschaftsweisen keine Lohn-Preis-Spirale. Eine Lohn-Preis-Spirale bedeutet, dass höhere Löhne die Inflation, also die Geldentwertung, antreiben: Auf jede Preissteigerung folgt eine Lohnerhöhung, folgt eine Preissteigerung und so weiter.

Ausland kauft unsere Produkte

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist also sehr gut, wir befinden uns in einem stabilen wirtschaftlichen Aufschwung. "Das ist eine Phase der Hochkonjunktur, die auch langfristig Wachstumspotenzial hat", fasst Matthias Heider das zusammen. Vereinfacht gesagt heißt das: Es könnte auch in den nächsten Jahren mehr produziert und verdient werden.

Ein Grund für diese gute Lage ist neben dem starken privaten Konsum in Deutschland, dass das Ausland zunehmend deutsche Autos, Maschinen und andere Produkte kauft. Die Wirtschaftsweisen verzeichnen eine steigende Nachfrage für Produkte aus Deutschland und deutsche Exportunternehmen erzielten 2017 das vierte Rekordjahr in Folge. Auch Asien und die USA verzeichnen ein solides Wachstum und der Welthandel legt kräftig zu, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) im Januar bekannt gab. Davon profitiert Deutschland als Exportland sehr – wir verkaufen ins Ausland und freuen uns über zahlungskräftige Abnehmer.

Strafe per Zoll, aber wofür?

Was kurz nach der Veröffentlichung des Jahreswirtschaftsberichts geschah: Ende Januar kündigte der Präsident der USA, Donald Trump, an, Strafzölle in Höhe von 25 Prozent beim Export von Stahl und Aluminium in die USA erheben zu wollen, um so der Metallbranche in den USA wirtschaftlich zu helfen. Er stellt sich das so vor: Da chinesische Stahlarbeiter eine Tonne Stahl deutlich billiger herstellen als amerikanische, wird der chinesische Stahl mittels des Strafzolls künstlich teurer gemacht. Der Kunde kann nun also amerikanischen und chinesischen Stahl in etwa zum gleichen Preis kaufen, der China-Stahl verliert seinen Wettbewerbsvorteil.

Atempause

Dieses Vorhaben schränkt aber den weltweiten freien Handel ein und hätte auch Deutschland geschadet: "Aus diesem Grund ist der erst Anfang März ernannte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier sofort nach Trumps Bekanntgabe in die USA gereist, um das Schlimmste abzuwenden", sagt Heider. "Deutschlands Wirtschaft ist sehr exportorientiert und liefert zum Beispiel vor allem Autos und Chemikalien in die USA. Die Strafzölle hätten Deutschland also sehr getroffen und möglicherweise Arbeits- und Ausbildungsplätze gefährdet", erklärt der Wirtschaftsexperte.

Kurz vor Inkrafttreten der Strafzölle am 23. März haben die USA die EU-Länder sowie weitere Partnerstaaten von den Zöllen nun ausgenommen – allerdings nur bis zum 1. Mai, bis dahin soll weiter über neue Handelsbeziehungen diskutiert werden.

Fachkräfte, wo seid ihr?

Doch auch eine innerdeutsche Herausforderung beschäftigt die Wirtschaft: In deutschen Betrieben gibt es einen erheblichen Fachkräftemangel, vor allem im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Gesundheits- und Pflegebereich. "Noch nie waren in Deutschland so viele Menschen beschäftigt wie jetzt", sagt Heider. "Trotzdem sehen wir noch Potential, gerade bei jungen Menschen. Die Regierung muss sich dafür einsetzen, mehr junge Menschen in eine Ausbildung zu bringen."

Außerdem müsse die Bundesregierung eine intelligente Einwanderungspolitik betreiben, damit weiterhin Fachkräfte aus Europa nach Deutschland kommen, so Heider. Denn im Jahreswirtschaftsbericht 2018 heißt es ganz klar: "Der Beschäftigungsaufbau der letzten zehn Jahre war in diesem Umfang nur durch Zuwanderung aus der EU möglich."

Kritik gab es im Plenum unter anderem, weil die Digitalisierung nicht vorankommt. Matthias Heider sagt dazu: "Tatsächlich müssen wir uns in den nächsten Jahren intensiv mit der Digitalisierung auseinandersetzen, das heißt wir müssen die Infrastruktur in Deutschland ausbauen und ein schnelleres Breitbandnetz schaffen."

Und wie geht es weiter?

Aber was steht als nächstes an? Heider: "Wir sind in einer Hochkonjunktur und müssen aufpassen, dass die Wirtschaft sich nicht überhitzt. Ich bin auch der Meinung, dass man generell in Zukunft über eine große Steuerreform nachdenken sollte und zwar nicht nur für die Unternehmen, sondern für alle. Es gibt schon andere Länder in Europa, die das vormachen. Die Bundesregierung muss nun zügig mit ihrer Arbeit beginnen."

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