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Umfrage
Teilen oder nicht teilen?

Eine junge draußen in der Natur

Nach schlechten Erfahrungen mit Mitfahrgelegenheiten teilt sich Milena jetzt lieber Bus und Zug mit anderen Reisenden. – © privat

Gibt es beim Teilen Grenzen? Bundestags-Abgeordnete und mitmischen.de-Autoren verraten euch, was sie gerne teilen und was nicht.


Was teilst du alles?

Wenn mein Freund und ich in den Urlaub fahren, gucken wir immer, ob wir eine Unterkunft über eine Tauschplattform finden können. Das Gefühl, in einer fremden Stadt in einer normalen Wohnung zu schlafen, ist doch ein ganz anderes als im Hotel. Früher habe ich mit Freunden auch viel Couchsurfing gemacht, also kostenlos bei anderen Leuten übernachtet. Dabei lernt man immer nette Menschen kennen, bekommt die besten Städtetipps und meist auch noch das tollste Essen obendrauf. Ich liebe außerdem die ganzen Carsharing-Möglichkeiten. Meine alten Klamotten versuche ich manchmal online über Kleidertauschbörsen zu tauschen – das klappt aber leider nicht immer.

Was würdest du niemals teilen?

Mein Fahrrad würde ich eher ungern einer anderen Person überlassen, weil ich darauf einfach zu sehr angewiesen bin und es nicht entbehren kann. Mein Handy oder meinen Computer zu teilen, käme für mich auch nicht in Frage. Dafür lagern auf beiden Geräten zu viele persönliche Daten.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

Teilen heißt meist mehr Zwischenmenschlichkeit und Nachhaltigkeit, aber häufig auch Kompromisse machen. Teilen kann günstiger sein, ist aber manchmal auch mit mehr Aufwand verbunden. Wenn sich bei Mitfahrgelegenheiten viele Menschen zusammen in einen Wagen setzen, ist das nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch sehr viel geselliger, als alleine zu reisen. Ich habe auf Autofahrten schon die absurdesten Geschichten gehört. Andererseits habe ich mit Mitfahrgelegenheiten auch oft schlechte Erfahrungen gemacht, von Zu-Spät-Kommern über überbuchte Autos, Raser, Schleicher und Kettenraucher. So, dass ich mittlerweile fast immer die Bahn oder den Bus nehme. Das dauert zwar manchmal länger oder kostet mehr, aber – ja, das klingt als wäre ich 90 Jahre alt – mein Stresslevel bleibt unten.

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Wenn er selbst nicht ins Stadion kann, teilt der Abgeordnete Marcus Weinberg (CDU/CSU) schon mal seine St. Pauli-Dauerkarte. – © Gundula Stein

Was teilen Sie alles?

Es gilt die chinesische Weisheit: Wer Kraft hat, soll anderen helfen; wer Weisheit besitzt, andere lehren; wer Reichtum erwirbt, ihn mit anderen teilen. Am liebsten teile ich Glück, Freude und Zufriedenheit. Und ich teile gerne Zeit, wenn vorhanden. Und die teile ich am liebsten mit meinem kleinen Sohn. Manchmal teile ich auch meine St. Pauli- Dauerkarte mit Freunden, aber nur dann, wenn ich nicht ins Millerntor-Stadion gehen kann. Denn der Fußball ist nach meiner Familie meine zweite große Leidenschaft. Ich teile aber auch Fotos auf Facebook, die Freude an gutem Essen oder meinen Geburtstagskuchen.

Was würden Sie niemals teilen?

Meine Privatheit! Die gehört mir und meiner Familie! Und einiges andere kann ich gar nicht teilen, so etwa ein Auto! Ich habe nämlich keins. Durch Hamburg fahre ich am liebsten mit meiner Vespa oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch mein Haus teile ich nur mit meiner Familie und meinen Freunden. Über eine Plattform würde ich es nicht anbieten. Mein Haus ist mein Rückzugsort, der wirklich nur meiner Familie und mir gehört.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

Ich sehe viele Vorteile beim Teilen, es ist nicht nur ökonomisch und erspart uns ungenutzte Kapazitäten. Aber es sollte eine Unterscheidung zwischen dem Teilen im privaten Umfeld und dem Teilen über kommerzielle Anbieter mit wirtschaftlichen Interessen vorgenommen werden. Gerade bei kommerziellen Anbietern muss darauf geachtet werden, dass das geltende Recht eingehalten wird. Im privaten Umfeld gilt für mich vor allem, das man beim Teilen nie den Spaß daran aus den Augen verlieren sollte, anderen Menschen eine Freude zu bereiten.

Eine junge Frau sitzt in einem Auto.

Juliane nutzt Carsharing, denn manchmal geht es nicht ohne Kofferraum. – © privat

Was teilst du alles?

In speziellen Situationen bin ich ein großer Fan von Carsharing – zum Beispiel, wenn ich etwas im Möbelhaus einkaufen will oder Freunden bei dem Getränkeeinkauf für ihre nächste Party helfe. Ein eigenes Auto zu haben, ist gerade in einer größeren Stadt völlig überflüssig. Aber hin und wieder ist ein Kofferraum doch ganz praktisch. Hätte jemand in meinem Freundeskreis ein Auto, würde ich mir das dann einfach ausleihen. Aber so bin ich begeisterte Nutzerin der Carsharing-Angebote.

Was würdest du niemals teilen?

Ich bin öfter mal für mehrere Tage nicht in der Stadt und könnte damit eigentlich gut Geld verdienen, indem ich meine Wohnung untervermiete. Gemacht habe ich es aber noch nie. Warum nicht? Das kann ich gar nicht so einfach sagen. Ich hätte einfach kein gutes Gefühl dabei, wenn völlig Fremde in meiner eigenen Wohnung Urlaub machen würden. Es wäre wohl anders, wenn ich in nur ein Zimmer in einer WG hätte und wüsste, dass noch jemand ein Auge drauf werfen kann.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen ?

So praktisch es auch sein mag, Dinge mit anderen zu teilen, dieses ganze Sharing-Prinzip erfordert doch ziemlich viel Eigeninitiative. Schon vor Monaten habe ich mich bei einer Plattform angemeldet, wo Lebensmittel geteilt anstatt weggeworfen werden sollen. Bisher habe ich aber noch kein einziges Lebensmittel gerettet – und zwar hauptsächlich aus zeitlichen Gründen. Entweder passten mir die Abholzeitpunkte nie oder ich hätte bis ans andere Ende der Stadt fahren müssen. Ich habe das Gefühl, dass man es so sehr wollen muss, dass man dann auch für das ein oder andere Opfer bereit sein muss.

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Für den SPD-Abgeordneten Dr. Johannes Fechner ist klar: Teilen kann die sozialen Strukturen in der Nachbarschaft stärken. – © DBT/Melde

Was teilen Sie alles?

In unserer Wohnungseigentümergemeinschaft teilen wir uns die Gartengeräte. Daran zeigt sich, dass in einer Gemeinschaft Ressourcen und Kosten gespart werden können, wenn Dinge des alltäglichen Lebens geteilt werden. Darüber hinaus nutze ich gelegentlich ein Fahrrad der Deutschen Bahn in Berlin. Mein Büroteam in Berlin teilt mit anderen Büros eine Spülmaschine.

Was würden Sie niemals teilen?

Gegenstände, die mir persönlich sehr wichtig sind (zum Beispiel Laptop, Kamera), würde ich nicht teilen, alltägliche Gebrauchsgegenstände – wie ein Fahrrad oder Gartengeräte – schon.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

Teilen kann große Vorteile bieten, etwa, wenn teure Gegenstände wie beim Carsharing gemeinsam angeschafft werden. Auch kann es die sozialen Strukturen in der Nachbarschaft oder in der Hausgemeinschaft stärken und Menschen in der Gemeinschaft Zugang zu Produkten ermöglichen, deren Finanzierung eine Einzelperson überfordert. Kommerzielle Sharing-Dienste wie etwa Uber oder Airbnb brauchen aber klare Regeln. Solche Dienste dürfen bestehende Sozialstandards nicht umgehen oder Scheinselbstständigkeit entstehen lassen. Im Sinne des Verbraucherschutzes muss für den Verbraucher immer klar sein, ob es sich bei einem Sharing-Angebot um einen privaten oder kommerziellen Anbieter handelt. Denn der Verbraucher muss wissen, ob er beispielsweise bei Schäden versichert ist, welche Gewährleistungsrechte er hat und was mit seinen Daten geschieht. Bei diesen Fragen besteht Regulierungsbedarf, den wir derzeit diskutieren.

Eine junge Frau steht vor einem Gebäude.

Nadine weiß, wer Dinge ausleiht, erhält sie manchmal nicht mehr zurück. – © privat

Was teilst du alles?

An diese Frage kann man natürlich sehr philosophisch rangehen, da ich mir zum Beispiel mit allen anderen Menschen unsere Erde und deren Ressourcen teile. Materiell betrachtet teile ich eigentlich sehr wenig. Manchmal leiht sich meine beste Freundin ein Kleidungsstück von mir aus. Zusammen mit meinem Nachbar habe ich mir außerdem ein Fahrrad angeschafft, weil wir das beide nur gelegentlich benötigen. Darüber hinaus teile ich öfter mal meine Bücher, die ich zum Lernen benötige, mit einigen anderen Studierenden. So muss nicht jeder das gleiche Werk kaufen.

Was würdest du niemals teilen?

Da denke ich sofort an meinen Laptop. Zum einen, weil ich diesen selbst ständig benötige. Zum anderen sind dort sehr persönliche Sachen abgespeichert, die niemand außer mir sehen soll. Gleiches gilt für mein Smartphone. Abgesehen davon würde ich aus hygienischen Gründen niemals meine Zahnbürste, meinen Lippenstift oder Ähnliches mit meinen Freundinnen teilen.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Dinge, die ausgeliehen wurden, manchmal einfach nicht mehr zurückgegeben werden. Das passiert nicht immer mit Absicht, aber trotzdem ärgert mich so etwas natürlich. Zudem passiert es gerade bei Büchern immer mal wieder, dass diese nicht vollkommen unbeschadet zum Eigentürmer zurückkommen, weil zum Beispiel versehentlich eine Seite geknickt wurde.

Herbert Behrens

Für Herbert Behrens (Die Linke) gehört das Teilen zum solidarischen Handeln. – © Büro Behrens

Was teilen Sie alles?

Als Linker teile ich viel und gerne, das gehört für mich zu einem solidarischen Handeln dazu. Essen, mal einen Schlafplatz oder auch Werkzeug ist bei mir immer zu haben. Bei Sharing Economy geht es aber nicht um "Teilen" an sich, sondern um die Vermittlung von Dienstleistungen und Dienste mit Gewinnerzielungsabsicht.

Was würden Sie niemals teilen?

Vor diesem Hintergrund halte ich es für mich und andere nicht für zumutbar, Vermittlern mein Bett zur Vermarktung zur Verfügung zu stellen, was zum Beispiel airbnb als Geschäftsmodell entdeckt hat.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

Wie gesagt geht es beim Teilen um Hilfsbereitschaft, Uneigennützigkeit und den ökologisch begründeten Vorsatz, etwas nutzen zu wollen, ohne es gleich kaufen zu müssen. Dieses Teilen im eigentlichen Sinne braucht keine zusätzlichen gesetzlichen Regulierungen. Es dient einem solidarischen Gemeinwesen und ist ein Gewinn für eine demokratische Gesellschaft. Geht es aber um die Vermittlung von Angebot und Nachfrage, dann müssen die gleichen Bedingungen gelten, wie für kommerzielle Makler auch. Sobald der Schritt zur Gewinnmaximierung zum Leitmotiv des "Teilens" gemacht wird, unterliegt es den gleichen Zwängen und Konkurrenzbedingungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Das heißt Kosten minimieren und Erträge maximieren. Ressourcen zu schonen wird dabei bekanntermaßen häufig zur Nebensache. Sharing Economy und Teilen sollte nicht gleichgesetzt werden.

Eine junge Frau lächelt in die Kamera.

Auch das Teilen hat seine Grenzen: Ihren Freund möchte Andrea ganz für sich. – © privat

Was teilst du alles?

Ich teile Lebensmittel. Wenn ich etwas übrig habe, stelle ich das ins Internet. Andere können es dann kostenlos bei mir abholen. Das ist super. So muss ich nichts wegwerfen wenn ich in den Urlaub fahre.

Ich teile meine Wohnung und sogar mein Zimmer. Zum einen mit meinen Mitbewohnern, die fast immer da sind, aber auch mit Fremden. Entweder über Airbnb oder auch über Couchsurfing. Gerade Couchsurfen finde ich super, um die ganze Welt kostengünstig zu bereisen. Außerdem lernt man so immer spannende Menschen kennen und lernt den fremden Ort durch Einheimische kennen.

Ich teile mein Auto: Wann immer es geht, nehme ich Mitfahrer mit. So sparen alle und gerade auf langen Strecken ist es netter. Oft fahre ich auch bei anderen mit.

Was würdest du niemals teilen?

Ich würde niemals meinen Freund teilen. Eine polygame Beziehung wäre nichts für mich. Ich hoffe natürlich, dass mein Freund mich auch nicht teilen möchte. Ich teile sonst echt gerne, aber mein Freund ist da die Ausnahme.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

Der größte Vorteil ist für mich die Kostenersparnis. Je mehr Menschen ein Zimmer nutzen, umso günstiger wird es. Je mehr Menschen in meinem Auto mitfahren, umso günstiger wird es. Zum anderen macht es natürlich auch Spaß, anderen Menschen eine Freude zu machen. Egal ob ich sie kostenlos bei mir aufnehme oder ihnen Essen schenke. Teilen ist einfach toll!

Nachteile würde ich es nicht nennen, eher Nebenwirkungen. Klar, wenn ich meine Wohnung teile, bin ich nie alleine. Das wäre natürlich manchmal schon schön, aber fast immer genieße ich die Gesellschaft und die Menschen um mich herum. Bei der Mitfahrgelegenheit muss man sich vorab um alles kümmern und es wäre manchmal entspannter, einfach irgendwann loszufahren, ohne Treffpunkte und Zeiten einhalten zu müssen.

Valerie Wilms

Die Nachhaltigkeitsbeauftrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Dr. Valerie Wilms kann sich nicht vorstellen, ihre Wohnung zu teilen. – © Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Was teilen Sie alles?

Bisher bin ich nur gelegentliche Carsharing-Nutzerin. Allein daran sieht man auch das ganze Problem der Sharing Economy: Sie ist bisher noch nicht bei der Masse angekommen. Für mich ist sie dennoch verbunden mit der Hoffnung, Ressourcen besser zu nutzen ohne an Lebensqualität zu verlieren. Es ist aber noch ein weiter Weg, bis die Sharing Economy wirklich Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch hat.

Was würden Sie niemals teilen?

Sehr persönliche Dinge sind mir zu wichtig, um diese von anderen nutzen zu lassen. Meine Wohnung gehört hierzu; genau so wie mein Handy. Das sind für mich besondere und persönlich zu schützende Bereiche, die ich nicht teilen möchte.

Welche Vor- oder Nachteile gibt es beim Teilen?

In der Sharing Economy schlummert ein erhebliches Potenzial. Ein privates Auto steht zum Beispiel über 23 Stunden am Tag ungenutzt herum und man kann quasi zusehen, wie es immer mehr an Wert verliert. Das ist echte Verschwendung von Ressourcen. Ich glaube, dass viele ihr Auto teilen würden. Aber die meisten schrecken zurück, weil unklar ist, ob man ausreichend versichert ist. Dazu gibt es Gesetze, die das Teilen nur eingeschränkt erlauben. Wenn man einen Fahrdienst mit dem eigenen Auto anbietet, bekommt man Probleme mit den Taxifahrern, die durch ein Gesetz besonders geschützt sind. Ich finde aber, wir sollten das Autoteilen umfassend möglich machen. Unsere Mobilität würde damit flexibler und günstiger.

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