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Leonard Kehnscherper (21)
studiert Publizistik

Finanzexperte
"Der Dollar spielt in einer anderen Liga"

10.11.2015 |

Währungen einen Korb geben? In der Finanzwelt gibt es das. Und weil die so kompliziert ist, haben wir Dr. Joachim Nagel von der Deutschen Bundesbank ein paar ganz einfache Fragen gestellt.

Mann mit Brille und Anzug gestikuliert.

Dr. Joachim Nagel, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bundesbank, ist Experte für Finanzmärkte. – © Presse

Notenbanken wird stets eine große Macht zugesprochen, also etwa dem amerikanischen Federal Reserve System (FED), der Europäischen Zentralbank oder der Deutschen Bundesbank – weshalb?

Notenbanken sind die Währungshüter eines Wirtschaftsraumes und sorgen für ein robustes Finanz- und Bankensystem. Sie sorgen dafür, dass die Preise und Währungen stabil bleiben. Das ist deshalb so wichtig, da Geld bei jedem Kauf oder Verkauf von Waren oder Dienstleistungen eine wesentliche Rolle spielt. Darüber hinaus spielt für die Entscheidung, in einem Land zu investieren, das Vertrauen in die Währung eine entscheidende Rolle. Die Herausforderung für jede Währung ist es, sich täglich neues Vertrauen zu erarbeiten.

Inwiefern kann eine Zentralbank eine Währung beeinflussen?

Grundsätzlich hat jede geld- oder währungspolitische Entscheidung einer Notenbank Auswirkungen auf den Außenwert der Währung. Eine Notenbank kann den Wechselkurs ihrer Währung direkt oder indirekt beeinflussen. Die Schweizer Nationalbank hat zum Beispiel bis zum Januar dieses Jahres direkt am Devisenmarkt Euro gekauft und den Wert des Schweizer Franken gegenüber dem Euro dadurch gezielt beeinflusst. Dazu wurde der Wechselkurs fixiert und die Notenbank versprach, dass man stets 1,20 Franken für einen Euro erhalten würde.

Und wie geht eine indirekte Beeinflussung?

Mit dem sogenannten Transmissionsmechanismus der Geldpolitik. Eine konkrete Maßnahme ist beispielsweise die Senkung des Leitzinses. Dadurch kann die Vergabe von Krediten und das Sparverhalten beeinflusst werden. Kredite werden günstiger und die Wirtschaft kann wachsen, weil Unternehmen günstiger investieren können. Der Außenwert der Währung sinkt typischerweise durch eine Leitzinssenkung, da die Anlage in dieser Währung weniger Zinsen abwirft.

Was hat es eigentlich mit dem "Währungskorb" auf sich?

Der Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) enthält die wichtigsten Währungen der Welt. Mit sogenannten Sonderziehungsrechten können IWF-Mitgliedsländer im Notfall Kredite in einer Währung aus dem Währungskorb erhalten. Man kann sich diese Sonderziehungsrechte wie eine künstliche Währung des IWF vorstellen.

Welches sind die wichtigsten Währungen?

Der US-Dollar, das britische Pfund, der japanische Yen und der Euro sind derzeit im Währungskorb enthalten und die am meisten gehandelten Währungen. Daneben ist die chinesische Währung Renminbi in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden und wird mittlerweile häufiger gehandelt als der japanische Yen. Deshalb wird derzeit auch diskutiert, ob der Renminbi neben Dollar, Pfund, Yen und Euro auch bald in den IWF-Währungskorb aufgenommen werden soll.

Ist es vorstellbar, dass der Euro oder der Renminbi, auch Yuan genannt, den Dollar als wichtigste Leitwährung ablösen wird?

Der US-Dollar spielt nach wie vor in einer anderen Liga, weil er weltweit für den Großteil aller Transaktionen genutzt wird. Neben dem US-Dollar kann es aber auch noch andere Leitwährungen geben.

Welche Umstände können zur Abwertung einer Währung führen?

Eine Währung kann indirekt und direkt durch eine Notenbank beeinflusst werden – wie beispielsweise durch die Devisenmarktinterventionen der Schweiz. Dies ist typischerweise der Fall, wenn sich ein Land ein Wechselkursziel in seiner Geldpolitik setzt. Oftmals werden Währungen aber abgewertet, weil sich das Vertrauen der Investoren in das Land abschwächt und diese Geld aus dem Land abziehen. Durch eine gezielte Abwertung der Währung kann ein Land kurzzeitig einen Wettbewerbsvorteil erzielen, da seine Waren im Ausland billiger werden. Dieser Effekt ist aber aufgrund der Anpassungsprozesse, wie zum Beispiel einer höheren Inflationsrate, meist nur von kurzer Dauer.

Über die Jahre treten immer mehr Länder der Eurozone bei. Warum ist es ein solches Tabu, dass sich bisherige Mitgliedstaaten daraus auch wieder verabschieden?

Zunächst einmal ist es ja schon bemerkenswert, dass sich mittlerweile 19 Staaten zu einer Währungsunion zusammengeschlossen haben. Vertraglich ist aber ein Ausstieg nicht geregelt. Bei einem Austritt würden die Finanzmärkte die Frage stellen: "Wer könnte der nächste sein?" Und da sind wir wieder bei der Vertrauensfrage.

Was sind die größten Herausforderungen für den Euro?

Wichtig ist die Rückkehr zur strikten Einhaltung der ursprünglich vereinbarten Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Die Höchstgrenzen für Haushaltsdefizite und Schuldenstände der einzelnen Länder sind notwendig für eine stabile Währungsunion. Denn eine Währungsunion souveräner Staaten kann nur über Regeln funktionieren, die von allen Mitgliedern befolgt werden. Eine tiefergehende Integration könnte sich neben der einheitlichen Währung auch auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Euroraums beziehen. Dieser Weg hin zu einer Fiskalunion scheint derzeit aber politisch nicht gewünscht.

Über Joachim Nagel:

Dr. Joachim Nagel ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, verantwortlich für die Bereiche Märkte, Informationstechnologie und Controlling. Nagel studierte Volkswirtschaftslehre in Karlsruhe und schloss 1997 seine Promotion ab. Der Arbeitsort des 49-Jährigen ist die deutsche Finanzmetropole Frankfurt am Main.

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