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Lexikon



Hammelsprung

Abstimmung im Bundestag, bei der Abgeordnete durch verschiedene Türen den Plenarsaal betreten

Einmal hüpfen bitte: Ja, Nein oder Enthaltung. Zwischen diesen drei Türen müssen die Abgeordneten sich entscheiden. – © DBT/Lichtblick/Achim Melde

Lasst euch nicht von dem Namen irritieren, der Begriff hat nichts mit Tieren zu tun! Der Hammelsprung ist eine besondere Abstimmungs- und Zählart im Deutschen Bundestag.

Steht keine namentliche Abstimmung auf dem Programm, dann wird im Bundestag per Handzeichen oder über das Prinzip "Aufstehen vs. Sitzen bleiben" abgestimmt. Die Abgeordneten werden in diesen beiden Fällen nicht einzeln gezählt, um die Mehrheit festzustellen; das würde bei den vielen Abstimmungen im Bundestag viel zu lange dauern. Die Mehrheit wird vom Sitzungsvorstand – also Sitzungspräsident und zwei Schriftführer – "festgestellt", oft ist es nämlich deutlich erkennbar für was die Mehrheit gestimmt hat. Wenn allerdings der Sitzungsvorstand Zweifel am Ergebnis hat, kann die Stunde des Hammelsprungs schlagen. Eine andere Möglichkeit für einen Hammelsprung: Die Beschlussfähigkeit des Bundestages wird angezweifelt, damit der Bundestag beschlussfähig ist muss nämlich mindestens die Hälfte der Abgeordneten anwesend sein. Mit dem Hammelsprung wird bei Zweifeln an der Beschlussfähigkeit bei einer anstehenden Abstimmung gleichzeitig überprüft, ob der Bundestag beschlussfähig ist, also mindestens die Hälfte der Abgeordneten anwesend sind.

Und wo wird gesprungen?

Der Hammelsprung läuft so ab: Alle Abgeordneten verlassen zunächst den Plenarsaal und kommen anschließend durch eine von drei Türen wieder hinein. Über den drei Türen steht ''Enthaltung", ''Ja'' und ''Nein''. Wie viele Abgeordnete durch die jeweilige Tür kommen, das zählen jeweils zwei Schriftführer an jeder Tür. Das Ergebnis wird von dem Sitzungspräsidenten verkündet, und fertig ist der Hammelsprung. Ganz ohne Springen.

Und wieso jetzt "Hammelsprung"?

Und wie kam man eigentlich auf den Namen? Der gehört fest zur parlamentarischen Alltagssprache, obwohl er es nie als Begriff in die Geschäftsordnung des Bundestages geschafft hat. Der Begriff wurde schon mit Einführung dieser Abstimmungsart 1874 im Reichstag der Kaiserzeit eingeführt, warum und woher der Begriff kommt ist aber unklar. Jedenfalls fand sich später im 1894 eingeweihten Reichstagsgebäude über einer der Abstimmungstüren sogar ein Holzbild, in der eine Szene aus dem griechischen Werk "Odyssee" abgebildet war. Ein einäugiger Riese, der erblindet war, wollte verhindern, dass ihm Odysseus auf einem Widder reitend entkommen konnte. Weil der Riese nichts mehr sehen konnte, strich er seinen  Widdern über den Rücken. Mit diesem Bild wurde ironisch die vorhandene parlamentarische Zählpraxis und ihre Bezeichnung aufgegriffen. Übrigens hat es dem Riesen nichts genutzt: Odysseus hatte sich unter dem Bauch eines Widders festgekrallt und konnte dem Riesen damit entkommen.