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Ausstellung Junge Kunst für Europa im Bundestag

Der Bundestag stellt aktuell Bilder junger Künstlerinnen und Künstler aus. Im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs für Schüler haben sie ihre Sorgen und Wünsche in Kunst verwandelt.

Viele Werke der Ausstellung heben die Vielfalt Europas hervor und setzen sich für Toleranz ein.© Maibrit Breuer, 19 Jahre

"Mein Herz tanzt, es ist eine wunderbare Ausstellung", schwärmte Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen). Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages eröffnete gestern im Bundestag eine Bilder-Schau unter dem Titel "Europa gestalten". Aus dem ganzen Bundesgebiet waren junge Künstler und Künstlerinnen nach Berlin gekommen, um ihre Werke vorzustellen. Diese entstanden im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs, einem der ältesten Schülerwettbewerbe Europas.

In einem Gebäude des Bundestages, dem Paul-Löbe-Haus, werden die Bilder von nun an zu sehen sein. Auch von außerhalb kann man einen Blick durch die große Glasfront auf die Werke erhaschen, und zwar ganz in der Nähe der U-Bahn-Station Bundestag.

Roth lobte die Arbeiten der jungen Künstler: "Es sind super tolle künstlerische Werke dabei, die vielen Parteigeneralsekretärinnen und -sekretären Ideen geben würden für ihre politischen Plakate", sagte sie. Die Arbeiten würden mit viel Empathie und künstlerischer Finesse zeigen, was es bedeutet, sich für das "Haus Europa" einzusetzen.

Das Bild eines Schlagzeug spielenden Skeletts gefiel Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth besonders gut. Vielleicht auch, weil sie selbst einmal Managerin einer Punkband war.©Tim Lüddemann // Kunstwerk: Luc Schlinck, 18 Jahre

„Brexit war ein großer Schlag“

Wie es aussehen kann, wenn dieses "Haus Europa" auseinanderfällt, zeigt Emily Hager mit ihrem Bild. Sie hat sich selbst in ihrem Zimmer gezeichnet. Sie blickt erschrocken an ihre Decke, in der sich ein großes Loch mit der Fahne Großbritanniens auftut. Damit thematisiert sie, was für einen großen Schock der Brexit auslöste und was für eine große Lücke er hinterlässt. Als Brexit wird der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union bezeichnet.

"Verwandte von mir kommen selbst aus Großbritannien", erzählte sie. "Sie hatten überlegt, wegen des Brexits nach Deutschland auszuwandern." Europa ist für sie eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt und füreinander da ist. Mit dem Brexit hat sich das geändert. Zudem könne man "seine Familie nicht mehr so einfach besuchen. Das ist ein schwerer Schlag", sagte sie.

Emily freut sich, dass sie ihr Werk im Bundestag ausstellen kann. © Tim Lüddemann

"Europa ist ein solidarischer Staatenbund"

Mathilda zeigt mit ihrem Bild den Weg, den Menschen auf der Flucht erleben. Am Anfang stehen Menschen mit Waffen, die die weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen repräsentieren – die Fluchtursachen. Am Ende stehen Menschen, die sich an den Händen halten und die europäischen Staaten symbolisieren sollen. Wenn sie zusammenhalten, könnten sie die Menschen aufnehmen und ihnen helfen, sagt Mathilda.

"Europa ist ein solidarischer Staatenbund", sagte sie zu ihrem Bild. "Mir ist wichtig, dass die Differenzen nicht entscheidend sind." Stattdessen sollten die Staaten Europas in Krisen, aber auch in guten Zeiten, zusammenstehen und diese Zeiten gemeinsam durchstehen. Dann würden Krisen auch weniger schlimm sein.

Mathilda zeigt ihr Werk, mit dem sie auf Menschen aufmerksam machen möchte, die auf der Flucht sind. © Tim Lüddemann

„Zusammen, aber vielfältig“

Luca Knickelmann erstellte drei Plakate zum Begriff „Friedensraum“. Dazu nahm er Fotos aus der Vergangenheit und stellte sie selbst gemalten Bildern gegenüber. Eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche wird durch das wiederaufgebaute Exemplar ergänzt, ein Grenzzaun durch die ohne Grenzen verbundenen Staaten abgelöst und ein Nationalsozialist im Dritten Reich, der ein antisemitisches Plakat hält, wird durch eine Zeichnung mit vielen religiösen Symbolen ersetzt.

„Europa gehört zusammen, bleibt aber vielfältig“, sagt Luca mit Blick auf seine Arbeit. Sie soll dafür stehen, dass es in Europa keine Kriege mehr gibt und stattdessen die Staaten Europas zusammenarbeiten. Dennoch sollten sie aber kulturell und religiös abwechslungsreich bleiben können und sich gegenseitig mit Toleranz begegnen, sagt er.

Lucas' Bild besteht aus drei Plakaten, die Frieden, Zusammenarbeit und Toleranz ausdrücken sollen. © Tim Lüddemann

Zusammen mehr erreichen

Emily, Mathilda und Luca sind über ihre Schulen auf den Wettbewerb aufmerksam geworden. Die Einladung in den Bundestag begeisterte alle drei. „Es ist ein tolles Gefühl, hier im Bundestag zu sein und auch mit Claudia Roth zu reden“, sagte Emily. Man merke, "dass die Politiker auch nur ganz normale Menschen sind“.

Mathilda findet es wichtig, dass sie und die anderen eingeladen worden sind. Dies zeige auch, dass junge Leute eine Idee davon haben, was in der Politik laufe. Sie könnten mitgestalten und erleben, wie es im Bundestag abläuft.

Für Luca lautet die Kernbotschaft der Ausstellung: „Wenn wir in Europa zusammenhalten, können wir mehr erreichen“.

Weitere Bilder beschäftigen sich etwa mit Umweltthemen, wie der Verschmutzung der Ozeane oder dem Klimawandel. © Mathilda Maria Friedrich, 16 Jahre

Der „Europäische Wettbewerb“

Der Verein "Europäische Bewegung Deutschland" ruft seit 1953 zum „Europäischen Wettbewerb“ auf. Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr aufgefordert, sich künstlerisch mit dem Thema Europa auseinanderzusetzen.

„Kinder und Jugendliche sollen motiviert werden, sich zum aktuellen Geschehen eine Meinung zu bilden. Damit bekommen sie die Möglichkeit, sich direkt in politischen Prozesse einzubringen“, erklärte Janine Hartmann, Projektleiterin des „Europäischen Wettbewerbs“. Im letzten Jahr nahmen rund 75.000 Schülerinnen und Schüler an dem Wettbewerb teil. 47 von ihnen können ihre Arbeiten nun im Bundestag ausstellen.

(tl)

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