Recycling

Mehr aus Plastik rausholen

25.04.2019 – In Deutschland wird nur ein Bruchteil des Plastikmülls wiederverwertet. Der Umweltausschuss diskutierte jetzt, wie sich daran etwas ändern lässt. "Rezyklate" heißt das Zauberwort.
Voll Bio - aber schlecht zu recyceln? Die Bestandteile von Milch- und Saftverpackungen sind meistens nicht leicht zu zerlegen und wiederzuverwerten. © picture alliance/chromorange

Zurück in den Kreislauf

Aus altem Plastik kann etwas Neues entstehen. Das Zauberwort heißt dabei "Rezyklat". Was das genau ist, dazu später mehr. Der Umweltausschuss des Bundestags hat sich 10. April nämlich mit der folgenden Frage beschäftigt: "Wie können wir Rezyklate aus Kunststoffverpackungen verstärkt im Kreislauf führen?" Antworten erhofften sich die Abgeordneten in dem Fachgespräch von vier Experten. Na, dann mal los.

Was sind Rezyklate?

Eine Plastikfirma beschreibt es so: Rezyklate sind Sekundärrohstoffe als Basis für die Herstellung von Qualitäts-Neuprodukten. Um zu Rezyklaten zu werden, müssen die verdreckten Joghurtbecher, gebrauchten Tetrapacks und Einwegflaschen einen aufwendigen Prozess durchlaufen: sortieren, reinigen, aufbereiten, mit Zusatzstoffen umschmelzen. Am Ende haben wir dann das Rezyklat, einen verarbeitungsfähigen Kunststoff mit definierten Eigenschaften, aus dem sich beispielsweise neue Sneakers herstellen lassen. Ein Großteil der Rezyklate wird allerdings nicht in Schuhe verwandelt, sondern in Produkte, die zum Bauen oder Verpacken gebraucht werden.

Rezyklate sind deshalb so wichtig, weil sie zu geschlossenen Stoffkreisläufen führen. Das bedeutet: Möglichst alles, was neu hergestellt wird, ist aus schon mal gebrauchten Stoffen gemacht. Dann landet weniger Plastikmüll in der Natur und wir brauchen weniger Erdöl, um neues Plastik herzustellen.

Die Sache mit dem Lebensmittelkontakt

Den Anfang im Fachgespräch machte Dr. Isabell Schmidt (IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen). Die Vertreterin der Verpackungshersteller begrüßte das Vorhaben, die Stoffkreisläufe zu schließen. Die Branche habe sich das Ziel gesetzt, bis 2025 rund 90 Prozent recycling- oder mehrwegfähige Verpackungen auf den Markt zu bringen, momentan liege die Quote bei 75 Prozent. Das bedeutet: Aktuell kann man aus einem Viertel des Verpackungsmülls nix Gescheites herstellen.

Warum ist das so? Dr. Isabell Schmidt sagt: Zu wenige der Rezyklate eignen sich zum Beispiel, um Lebensmittelverpackungen herzustellen. Es gibt aber auch noch ein paar andere Gründe. Schmidt regte an, die Sammlung und das Recycling der Abfälle zu verbessern und gleich beim Herstellen von Verpackungen darauf zu achten, dass sich diese auch gut recyceln lassen.

Her mit der Rezyclatquote

Michael Wiener (Duales System Holding GmbH & Co. KG) verwies darauf, dass für Rezyklat-Hersteller vor allem die mangelnde Nachfrage ein großes Problem sei. Heißt: Zu wenige Firmen wollen Dinge aus Rezyklaten herstellen. Deswegen hätten die Rezyklat-Hersteller auch kein Geld für technologische Verbesserungen.

Zudem seien Rezyklate meist um 25 Prozent teurer als neue Kunststoffe. Wiener forderte deshalb eine verbindliche Quote für den Einsatz von Rezyklaten. Eine solche Quote würde den Markt "deutlich und verlässlich ankurbeln".

Nur 12,3 Prozent

Eric Rehbock (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung) sagte, man müsse da hinkommen, dass die Industrie sich glaubhaft rechtfertigen müsse, wenn sie keine Rezyklate einsetzt. Dabei sei auch die Politik in der Pflicht. Aktuell betrage der Rezyklatanteil an der verarbeiteten Kunststoffmenge in Deutschland gerade mal 12,3 Prozent. Diese Rezyklate stammten aber noch nicht mal komplett aus Verpackungsmüll, sondern zum großen Teil aus Abfällen, die bei der Herstellung von Verpackungen anfallen.

Design for Recycling

Wie auch andere Sachverständige betonte Rehbock die Bedeutung des "Design for Recycling". Insbesondere mehrlagige Folien stellten aktuell ein Problem dar, diese seien "nicht auseinanderzukriegen". Würde man die Anforderungen an die Haltbarkeit reduzieren, könnte recyclingfähigeres Material eingesetzt werden. Das muss man sich so vorstellen: Tetrapacks und andere Verpackungen werden oft aufwendig produziert, indem man verschiedene Layer aus verschiedenen Stoffen übereinander klebt. Wenn man das nicht täte, ließen sich die Verpackungen zwar viel besser recyceln, aber der Apfelsaft darin wäre nicht so lange haltbar. Um den Verpackungsmüll, der nur verbrannt werden kann, zu verringern, müssten wir uns also mit Apfelsaft anfreunden, der nicht ein ganzes Jahr haltbar ist, sondern vielleicht nur drei Wochen.

Mehr Pfandverpackungen

Auch Dr. Henning Wilts (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) sagte, dass in Deutschland Abfall noch zu wenig genutzt werde. Die Nachfrage nach Rezyklaten sei einfach zu gering. Er plädierte ebenfalls für eine Rezyklatquote. Dadurch würden die Unternehmen gezwungen, zu forschen und zu investieren und es wäre auch für eine dauerhafte Nachfrage gesorgt. Wilts kann auch einem Pfand für weitere Kunststoffverpackungen etwas abgewinnen. Die Einführung des Pfandsystems für PET-Einwegflaschen habe zu einer Standardisierung geführt und den Kreislauf geschlossen.

Nun wisst ihr Bescheid, wie das mit den Rezyclaten läuft. Falls ihr noch mehr Einzelheiten wollt, schaut euch den Video-Mitschnitt des Fachgesprächs an!

(DBT/ah)

Kommentare