Tourismus

„Schade um die ausgefallene Messe“

05.03.2020 – Die internationale Reise-Messe ITB wurde wegen des Corona-Virus abgesagt. Der Tourismus-Ausschuss des Bundestages musste seinen Besuch dort streichen - Laura auch. Sie sollte einen Stand für ihre Hochschule betreuen. Und jetzt?
Laura mit ihrem Hund am Strand.
„Das Schöne am Tourismus ist, dass Reisen per se bereits etwas Positives ist“, sagt Laura. © privat

Wann hast du erfahren, dass die ITB in Berlin ausfällt? 

Tatsächlich genau in der Sekunde, in der die Eilmeldung von der Tagesschau raus ging und auf meinem Handy angezeigt wurde. Aber es war ja auch die Tage zuvor schon unsicher, ob die ITB stattfinden würde oder nicht. Erst hieß es, die Sicherheitsauflagen für die Veranstaltung würden stark erhöht. Letztendlich wurde am 28. Februar dann aber doch entschieden, dass das nicht umsetzbar ist. Deshalb fällt die ITB jetzt komplett aus.  

Wie denkst du über die Entscheidung?

Wenn man sich im Verhältnis anschaut, welche Sicherheitsmaßnahmen momentan überall auf der Welt getroffen werden, ist die Entscheidung natürlich nachvollziehbar. Ich bin mir aber noch nicht so sicher, wie ich generell zu der gesamten Thematik stehe. Ich finde, durch die starke Medienpräsenz wird eher kollektive Angst geschürt, die uns nicht weiterhilft.

Für uns ist es auf jeden Fall schade, dass die Messe nicht stattfinden wird. Die Aussteller-Unternehmen trifft es natürlich noch mal schlimmer. So eine Messe ist ein wichtiger Punkt in den Terminkalendern von Touristik-Firmen. Sie investieren viel Geld und Arbeit in die Messe-Woche. Und auch für ihre Geschäftsbeziehungen ist die Messe wichtig. 

Was passiert jetzt mit eurem Projekt, das ihr auf der ITB umsetzen wolltet?  

Wir werden das auf einer anderen Veranstaltung machen, vielleicht in einem Familienzentrum oder bei einem Sportfest für Kinder.

Euer Thema ist „Gesundheit-Ernährung-Bewegung im Jugendtourismus“. Wie lassen sich diese drei Dinge verbinden, ohne dass es zum nervigen Zwang wird? Schließlich wollen sich viele Jugendliche im Urlaub erholen und Spaß haben...

Das war genau unsere Aufgabe: Kinder an gesunde Ernährung heranzuführen, ohne, dass sie überhaupt merken, dass sie gerade gesund leben. Wir sollten uns kreative Ideen ausdenken, wie man das schaffen kann.

Und wie schafft man es?

In dem wir zum Beispiel das Wort "gesund" vermeiden, da dieses Wort direkt zu einer Abwehrhaltung der Kinder führen kann. Stattdessen sagen wir "ausgewogen".Wir wollen den Fokus der Kinder darauf lenken, was ihnen Spaß bringt. Denn etwas Gutes für sich zu tun, wie eben ausgewogener zu essen, sich mehr zu bewegen und sich zu entspannen, ist automatisch auch "gesund". Die Kinder kommen zu uns an den Stand, haben Spaß und merken gar nicht, dass sie dabei etwas für ihre Gesundheit tun.

Was für Aktionen habt ihr euch dafür ausgedacht?

Wenn man bei einem Jugendreise-Veranstalter etwas bucht, sind das häufig Camps. Wir laden die Kinder deshalb zu unserem „Gut drauf“-Camp ein. Wir bieten zu den drei Themen Essen, Bewegen und Entspannen verschiedene Zonen an. In unserer Camp-Küche können sich die Kinder verschiedene Smoothies mixen lassen. Dann gibt es Bewegungsspiele, bei denen man gemeinsam Yogaübungen macht oder Koordinationsspiele, damit die Kinder sich kennenlernen und ein bisschen in Bewegung kommen. Zusätzlich gibt es eine Chill-Out-Zone, in der sich die Kinder entspannen, Mandalas malen oder Freundschaftsbänder knüpfen können. Alles kleine alltägliche Sachen, die den Kindern guttun.

Wie kam es denn überhaupt dazu, dass ihr als Studenten euch auf einer Messe präsentieren solltet?

Durch das Modul „Learner’s Company“, bei dem wir als Studenten der Hochschule Bremen mit verschiedenen Firmen kooperieren, um Praxis-Erfahrung zu sammeln. In unserem Fall ist das die Jugendreise Akademie. An die wenden sich zum Beispiel Jugendreise-Veranstalter, wenn sie Mitarbeiter suchen. Unser zweiter Partner ist "Gut drauf"-Reisen. "Gut drauf" ist ein Programm von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, deren Ziel es ist, dass Kinder und Jugendliche sich im Alltag gesund ernähren, bewegen und auch entspannen. So haben wir zwei Ansprechpartner, die mit uns diesen Messe-Stand konzipiert haben. Dadurch entstand auch unsere Aufgabe, einen Pavillon auf der Messe zu gestalten.

Du studierst „Angewandte Freizeitwissenschaft“ an der Hochschule Bremen. Was lernt ihr da genau?

Alles, was man später für eine Beschäftigung im Tourismus oder der Freizeitbranche benötigt, wie die typischen Grundlagen der BWL, Fremdsprachen und Informatik. Dazu kommen Module wie Psychologie, Ökologie und Nachhaltigkeit, Sport und Gesundheitsberatung, Freizeit- und Tourismusmarketing und vieles mehr. Zuletzt haben wir zum Beispiel im Modul „Reiseorganisation und Gästeführung“ verschiedene Themenführungen durch Bremen erarbeitet. 

Was interessiert dich am Tourismus besonders?

Das Schöne am Tourismus ist, dass Reisen per se bereits etwas Positives ist. Ich verkaufe ein Produkt, über das sich der Kunde einfach freut. Ich trage dazu bei, Menschen etwas Gutes zu tun, und das finde ich wirklich schön.

Welche beruflichen Möglichkeiten gibt es in der Freizeit-Branche?

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Als Arbeitgeber kommen beispielsweise Reiseveranstalter, Reisebüros, Airlines und Hotels in Betracht. Darüber hinaus können Freizeitwissenschaftler im Stadtmarketing, im Bereich Sport und Gesundheit, zum Beispiel bei Krankenkassen oder großen Sportvereinen, im Eventmanagement, auf Messen, Festivals und in Kulturhäusern oder im Nationalpark-Management eingesetzt werden. Und natürlich gibt es pädagogische Aufgaben in Kulturzentren oder in der Jugendarbeit.

Hast du schon konkrete Berufspläne?

Dadurch, dass ich vor dem Studium bereits eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau absolviert habe, habe ich zur Tourismus-Branche bereits einen besonderen Bezug. Aber ich finde auch das Arbeiten im Seminar- oder Event-Bereich ziemlich interessant. Dort geht es mehr um Teamwork. Auch könnte ich mir eine Aufgabe im Personalentwicklungsbereich eines Unternehmens vorstellen. Mitarbeiter ihren Interessen und Begabungen nach zu fördern und fordern und damit dazu beitragen, dass es ihnen in ihrem Job gut geht, das wäre auch was für mich. Letztendlich sind glückliche und zufriedene Menschen meistens auch die besseren und leistungsfähigeren Mitarbeiter im Unternehmen.

Über Laura Wittneben

Laura ist 23. Nach der Schule hat sie erst ein Auslandsjahr in den USA (Hawaii und New York) verbracht, dann eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau gemacht. Jetzt studiert sie im dritten Semester im „Internationalen Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft” an der Hochschule Bremen.

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