Organspende

Wärt ihr bereit, Herz oder Niere zu spenden?

09.10.2019 – Jeden Tag sterben Menschen, weil sie vergeblich auf eine Organspende warten. Deshalb sollen die Gesetze nun geändert werden.
Frau formt mit ihren Händen ein Herz
Eine Spende ist ein freiwilliger Akt der Freundlichkeit – so argumentieren Anhänger der sogenannten Zustimmungslösung. © shutterstock.om/Light Field Studios

Ungefähr 9.400 Patienten warten in Deutschland aktuell auf ein Spenderorgan. Im Jahr 2018 wurde aber bundesweit nur 955 Mal ein Organ gespendet – das ist zu wenig, um allen Kranken zu helfen. Es gab zwar in den letzten Jahren immer wieder große Aufklärungskampagnen, die die Menschen dazu motivieren sollten, sich einen Organspendeausweis zuzulegen. Weiterhin erklären sich aber nicht genug Menschen bereit, nach ihrem Tod Herz, Niere oder etwa Leber zu spenden. 

Deshalb gibt es Überlegungen, die gesetzliche Grundlage für Organspenden zu ändern. Schon Ende 2018 gab es eine erste allgemeine Orientierungsdebatte zu dem Thema. Im Juni hat der Bundestag erstmals über zwei verschiedene Gesetzentwürfe debattiert. Beide stammen nicht von einer Fraktion, sondern von fraktionsübergreifenden Gruppen. 

Außerdem wurde ein Antrag der AfD-Fraktion diskutiert.

Variante 1: Freie Entscheidung zur Organspende 

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und eine Gruppe von Abgeordneten verschiedener Fraktionen haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der grundlegend vorsieht, dass sich weiterhin jeder freiwillig für eine Organspende entscheiden kann. Allerdings soll den Menschen die Entscheidung leichter gemacht werden. 

Über ein Online-Register soll man sich ganz einfach für die Organspende registrieren können. Dort könnte man seine Entscheidung aber auch jederzeit wieder rückgängig machen. Hausärzte sollen darüber hinaus ihre Patienten bei Interesse alle zwei Jahre über Möglichkeiten zur Organspende beraten. 

Variante 2: Automatisch Organspender, wenn kein Widerspruch vorliegt 

Der zweite Vorschlag wurde von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach unterbreitet und wird ebenfalls von einer fraktionsübergreifenden Gruppe unterstützt. Ihr Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder zum Organspender wird, der dem nicht ausdrücklich widersprochen hat. Nur so könne man deutlich mehr Kranke retten als bisher. Für den Widerspruch beziehungsweise die Zustimmung soll ein Register entstehen. 

Gegen die Widerspruchslösung äußerte Annalena Baerbock rechtliche Bedenken. Sie stehe im Konflikt mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, das in der Verfassung verankert sei. 

Karl Lauterbach argumentierte dagegen, das Recht werde nicht infrage gestellt, da ja jeder widersprechen könne. Er verwies darauf, dass es in 20 der 28 EU-Länder bereits eine solche Widerspruchslösung gebe.

Antrag der AfD: Vertrauen schaffen 

Die AfD fordert in ihrem Antrag, das ganze Verfahren der Organspende so verständlich zu machen, dass die Menschen ihm vertrauen und sich dann freiwillig dazu entschließen, Spender zu werden. Zum Beispiel soll eine unabhängige öffentlich-rechtliche Institution geschaffen werden, die den Vorgang beaufsichtigt und kontrolliert.  

Für mehr Information und Kommunikation zum Thema Organspende argumentierte ein Großteil aller Abgeordneten. 

Die Debatte im Bundestag war mitunter sehr emotional – ein Blick ins Video lohnt sich

Experten-Meinungen 

Bevor im Plenum abgestimmt wird, beschäftigt sich aktuell der Gesundheitsausschuss mit den Gesetzentwürfen. Am 25. September gab es hierzu eine öffentliche Anhörung. 

Von den eingeladenen Experten machten sich vor allem die Mediziner stark für die doppelte Widerspruchslösung, zum Beispiel Vertreter der Bundesärztekammer. Ein Arzt der Berliner Klinik Charité berichtete, die Wartezeit für eine Niere liege bei etwa neun Jahren. Das sei „katastrophal“. 

Kritik an der Widerspruchslösung äußerte dagegen die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Bedenken hatten auch einige Rechtsexperten. 

Hier könnt ihr in die Ausschuss-Sitzung reinschauen: 

Wenn ihr euch darüber informieren wollt, wie aktuell die Gesetzeslage beim Thema Organspende ist, wie man Organspender wird und wie die Spende abläuft, dann schaut euch am besten die Themenseite des Bundesministeriums für Gesundheit dazu an. 

(DBT/jk) 

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