Politiker im Homeoffice

"Lachen hilft in jeder Krise"

03.04.2020 – Sie vermissen die Oma, sind ständig online und würden liebend gerne ihre Freunde treffen: Fünf Abgeordnete berichten vom Homeoffice und verraten ihre Tipps gegen Lagerkoller.

Kaum noch persönliche Kontakte – was fehlt Ihnen am meisten, beruflich und privat? 

Beruflich fehlt mir natürlich der persönliche Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch die vielen vertraulichen Hintergrundgespräche, die man gerade als Innenpolitiker führt. Das funktioniert jetzt leider nur sehr eingeschränkt, denn in meinem Bereich sind auch nicht alle Telefonate abhörsicher. 

Im Privaten habe ich Glück, denn ich habe eine kleine Familie, und mit der kann ich jetzt Zeit verbringen, die ich sonst nicht gehabt hätte. Da hat die Krise für mich also auch etwas Positives. Die Freunde und die erweiterte Familie fehlen aber natürlich schon. Ich kann zum Beispiel meinen Opa nicht mehr besuchen. 

Sind Sie technisch auf das digitale Arbeiten von zuhause vorbereitet? 

Ich bin fast ein bisschen positiv überrascht, wie gut das funktioniert. Allerdings wickle ich auch in meinem normalen Alltag schon relativ viel digital ab, habe Laptop und Tablet zuhause und auch einen Token, mit dem ich von Zuhause auf unser Portal zugreifen kann. Als Fraktion haben wir auch eine Art eigenes WhatsApp, Teamwire nennt sich das. Das ist abhörsicher und funktioniert auch sonst sehr gut. Beim Thema Video- und Telefon-Konferenzen gibt es noch ein bisschen Aufholbedarf. Manchmal funktioniert das Einwählen nicht oder die Übertragungsqualität ist schlecht, wenn mehrere Teilnehmer in der Leitung sind. 

Ich glaube, dass in dieser Krise eine Chance für Digitalisierungsprozesse steckt. Denn jetzt beschäftigen sich auch mal die Kollegen damit, die das vielleicht vorher ein bisschen beiseite geschoben haben. Ich hoffe, dass wir die digitalen Möglichkeiten auch nach der Krise weiter in unseren Alltag einfließen lassen. 

Was ist schwierig im Homeoffice? Und wie gehen Sie damit um? 

Wie viele andere auch können wir unser Kind derzeit nicht in die Kita schicken. Und so schön es ist, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, ist das natürlich auch eine Herausforderung. Ich bin in einem Spagat zwischen Kind bespaßen, mich mit meiner Frau unterhalten, Mittagessen organisieren und dazwischen Telefon-Konferenzen durchführen. Das führt mitunter zu witzigen Situationen, wenn das Kind einfach mal dazwischen platzt. Bisher bin ich da aber bei allen Gesprächspartnern auf großes Verständnis gestoßen, jeder hat da ja in den letzten Tagen ähnliche Erfahrungen gemacht. Es kann eine ernste Gesprächssituation ja auch auflockern, wenn die Kinder mit ihrer Fröhlichkeit das Gespräch ein Stück weit sprengen.  

Was funktioniert von zuhause aus vielleicht sogar besser? Gibt es neue Gewohnheiten, die Sie nach der Krise beibehalten möchten? 

Ehrlich gesagt sehe ich neben der Tatsache, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen kann, nicht viele Vorteile. Auch für die Kinder ist es ja schöner, wenn sie in der Kita Austausch mit anderen haben und so lernen, wie bunt und vielfältig die Gesellschaft ist.

Für eine Ausnahmezeit ist das alles machbar. Aber der soziale Kontakt ist ein sehr hohes Gut und sobald es möglich ist, möchte ich dann auch dahin zurück. Homeoffice kann den normalen Berufsalltag sicher ergänzen – aber nicht ersetzen.   

Ihr Tipp gegen Lagerkoller? 

Mir hilft es, den Tagesablauf weiter zu gestalten wie bisher. Also nicht bis mittags im Schlafanzug rumzulaufen, sondern zeitig aufzustehen, zu arbeiten, viel zu telefonieren, auch mal rauszugehen zum Einkaufen, um frische Luft zu bekommen. 

Ansonsten sind wir ja heute sehr privilegiert. Wäre uns das Anfang der 90er Jahre passiert, hätten wir das Internet in der Form noch nicht gehabt, hätte es noch nicht so viele Entertainment-Angebote gegeben. Ich zum Beispiel nutze die Zeit nachts, wenn meine Familie schläft, um mich mit Freunden online zu treffen und Playstation zu spielen. 

Kaum noch persönliche Kontakte – was fehlt Ihnen am meisten, beruflich und privat? 

In beiden Bereichen fehlt mir der persönliche Austausch am meisten. Im Privaten vermisse ich es, mit Freunden abends was Essen zu gehen und zu plaudern. Und beruflich bin ich die vielen Telefon-Konferenzen inzwischen etwas leid. Ich hänge permanent mit ich weiß nicht wie vielen Leuten am Telefon – ich freue mich einfach darauf, sie irgendwann wieder persönlich zu sehen. 

Sind Sie technisch auf das digitale Arbeiten von zuhause vorbereitet? 

Die technische Ausstattung ist schon sehr unterschiedlich. Ich persönlich kann gut von unterwegs und zuhause arbeiten, das machen Abgeordnete ja auch sonst viel. Bei meinen Büro-Mitarbeitern sieht das zum Teil anders aus. Es haben zum Beispiel nicht alle Laptops. Sie müssen ihre E-Mails auf dem Handy beantworten. 

Was den Kontakt zu den Menschen in meinem Wahlkreis angeht, habe ich schon mehrfach telefonische Bürger-Sprechstunden angeboten, zweimal auch explizit für Unternehmerinnen und Unternehmer, die jetzt Corona-bedingt Sorgen haben. Das wird auch gut angenommen. An den beiden Samstagen, an denen ich mit Unternehmen telefoniert habe, haben sich jeweils mehr als 30 Leute gemeldet. Und auch bei den normalen telefonischen Bürger-Sprechstunden rufen viele an.  

Trotzdem sind es natürlich viel weniger Begegnungen als sonst, wo man ja auch mal spontan auf der Straße angesprochen wird. Das ist schade, denn von genau diesen Begegnungen lebt die Politik ja auch. 

Was ist schwierig im Home-Office? 

Der Tagesrhythmus geht einfach ein bisschen verloren. Normalerweise stehe ich früh auf, mache Sport, frühstücke, fahre dann zur Arbeit und mache irgendwann Feierabend. Jetzt geht das alles ineinander über – und das jeden Tag. 

Was funktioniert von zuhause aus vielleicht sogar besser?

Man hat für manche Sachen mehr Zeit. Man hat weniger Termine, klar. Es kommt niemand ins Zimmer geplatzt mit irgendeinem Anliegen. Dafür klingelt das Telefon öfter, das stört dann auch wieder. 

Ihr Tipp gegen Lagerkoller? 

Sport. Raus gehen, laufen gehen – das ist ja im Prinzip der einzige Sport, der außerhalb der eigenen vier Wände gerade noch möglich ist. 

Von der AfD liegen derzeit noch keine Antworten vor. Sobald sie bei der Redaktion eingehen, werden sie hier veröffentlicht. 

Kaum noch persönliche Kontakte – was fehlt Ihnen am meisten, beruflich und privat? 

Das sind all die zwischenmenschlichen Begegnungen, die im Alltag relativ unbemerkt stattfinden. Der Kaffee zwischendurch, das private Gespräch am Rande. Wenn man Arbeitsbesprechungen per Video-Konferenz durchführt, konzentriert man sich doch eher auf die Sache und das wichtige Nebenbei fällt weg. 

Auch privat ist es derzeit natürlich schwieriger, soziale Kontakte zu pflegen und vor allem auch neue Leute kennenzulernen. 

Sind Sie technisch auf das digitale Arbeiten von zuhause vorbereitet? 

Wir setzen schon seit Beginn dieser Legislaturperiode stark darauf, digital arbeiten zu können. Meine Büro-Mitarbeiter haben alle eine breite Ausstattung mit elektronischen Geräten. Und unsere Fraktion hat auch ein eigenes Intranet-System, so dass wir uns weiterhin problemlos austauschen können. Am Anfang war das schon eine Umstellung, sich nur noch per Kamera und Mikrofon zu begegnen. Aber es funktioniert aus meiner Sicht sehr gut. 

Was ist schwierig im Home-Office? 

Mir fehlen die täglichen Routinen wie der Weg zur Arbeit. Zuhause vergesse ich mitunter, einfach mal eine Pause zu machen, und merke irgendwann: Ich sitze seit Stunden vorm Rechner und habe nicht mal einen Schluck Wasser getrunken. Da muss ich noch dazu lernen und mir angewöhnen, ab und zu geplante Unterbrechungen einzubauen. 

Was funktioniert von zuhause aus vielleicht sogar besser?

Der Nachteil ist zugleich auch ein Vorteil: Man wird weniger abgelenkt und kann konzentrierter arbeiten. Ich arbeite zuhause deutlich schneller. Obwohl ich natürlich hoffe, dass die Krise so bald wie möglich vorbei ist, hoffe ich doch auch, dass wir uns das beibehalten können: dass jeder auch mal von zuhause aus arbeiten kann und sich nicht immer zwingend in die Höhle des Löwen begeben muss, wo dann der große Stress ausbricht. 

Ihr Tipp gegen Lagerkoller? 

Zum einen hilft mir Spazierengehen. Zum anderen probiere ich aktuell, mich auch privat mit Freunden und der Familie per Video-Konferenz zusammenzuschalten. So ungewohnt das ist, man kann ja auch einfach mal über Skype einen Kaffee miteinander trinken. Das lockert den Tag auf jeden Fall auf.

Kaum noch persönliche Kontakte – was fehlt Ihnen am meisten, beruflich und privat?

Keine Videokonferenz und kein Telefonat kann den persönlichen Austausch ersetzen, sei es der Small Talk im Büro, auf der Straße, am Bahnhof oder bei Veranstaltungen. Ich bin außerhalb der Sitzungswochen viel unterwegs, das geht derzeit auch für Bundestagsabgeordnete nicht.

Sind Sie technisch auf das digitale Arbeiten von zuhause vorbereitet? 

Ja, mein Team und ich sind digital gut vernetzt. Wir nutzen seit Langem eine Arbeitsgruppen-Software, die sowohl aus den Büros als auch von zu Hause funktioniert. Auch die erste Video-Konferenz unserer Fraktion hat recht gut geklappt. Ich wünsche mir, dass der Bundestag eigenständige Lösungen für Telefon- oder Video-Konferenzen anbietet. Das ist schon aus Datenschutzgründen wichtig.

Was ist schwierig im Homeoffice? Und wie gehen Sie damit um?

Klar ist es umständlicher, sich mit anderen Abgeordneten und Mitarbeitern abzustimmen. Da hilft nur der häufigere Griff zum Telefon. Für die demokratische Praxis von Fraktionen und Parteien ist es insgesamt eine große Herausforderung, Abstimmungen innerhalb größerer Gruppen durchzuführen. In normalen Fraktionssitzungen geht das durch Handzeichen, bei einer Videokonferenz mit dutzenden Teilnehmenden ist das schon schwieriger.

Was funktioniert von zuhause aus vielleicht sogar besser? Gibt es neue Gewohnheiten, die Sie nach der Krise beibehalten möchten?

Ein Nebeneffekt der Krise wird sein, dass Homeoffice, Video- und Telefon-Konferenzen an Akzeptanz gewinnen. Es wird sicher häufiger hinterfragt werden, ob manche aufwändige Anreisen für kurze Sitzungen nicht unnötig sind. Es ist – insbesondere mit Blick auf die Beschäftigten – aber wichtig, dass Arbeits- und Privatsphäre gut zu trennen bleiben. Auch im Home-Office muss rechtzeitig Feierabend sein, egal ob noch E-Mails von der Arbeit kommen.

Ihr Tipp gegen Lagerkoller?

Regelmäßig Pause machen und an die frische Luft gehen. Und ein Foto davon bei Instagram veröffentlichen.  

Kaum noch persönliche Kontakte – was fehlt Ihnen am meisten, beruflich und privat?

Zunächst einmal ist mir bewusst, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen in einer privilegierten Situation bin: Ich habe die Möglichkeit für Homeoffice, habe ein sicheres Einkommen. Viele können es sich kaum leisten, nicht zu arbeiten oder es brechen ihnen Aufträge weg. Aber ich spüre die Einschnitte schon auch, vor allem im persönlichen Bereich: Wenn man mit der 92-jährigen Oma nur von der Straße übers Fenster sprechen kann und sie darauf besteht, dass man endlich reinkommt, weil sie die Situation nicht ganz versteht, dann merkt man, wie sehr Social Distancing schmerzen kann.  

Sind Sie technisch auf das digitale Arbeiten von zuhause vorbereitet? 

Mein Team hat schon vor der Krise öfters Homeoffice genutzt und war technisch dafür gerüstet – allerdings eigentlich nur für wenige Tage, nicht für Wochen. Der Austausch untereinander ist nun schwieriger – der berühmte Kaffeeklatsch geht eben jetzt nur über Telefon oder Konferenz. Das ist schon was anderes.

In der Fraktion haben wir erfolgreich auf Videokonferenzen umgestellt – das geht inzwischen sogar richtig gut. Und wir planen nun vermehrt Veranstaltungen komplett digital. Insgesamt gibt das der Digitalisierung sogar einen unerwarteten Schub.

Was ist schwierig im Homeoffice? Und wie gehen Sie damit um?

Politik lebt ja von Bildern: Die Kanzlerin im Plenum oder auf dem Weg nach Brüssel, das kennen wir. Aber Merkel zuhause im Homeoffice, um diese Krise zu meistern? Da fehlt uns die Vorstellungskraft. Wir Politiker und auch die Parteien leben davon, Menschen zu treffen, miteinander zu diskutieren, Veranstaltungen durchzuführen. Das alles ist vorerst auf die gewohnte Art und Weise nicht mehr möglich. Ich versuche nun wenigstens über Insta Live oder Webinare Räume zu schaffen, um sich auszutauschen. Den persönlichen Kontakt braucht es aber zukünftig trotzdem noch.

Was funktioniert von zuhause aus vielleicht sogar besser? Gibt es neue Gewohnheiten, die Sie nach der Krise beibehalten möchten?

Anstatt durchgetakteter Tage im Parlament verbringe ich meine Zeit in unzähligen Telefonkonferenzen, Fraktionssitzungen per Videokonferenz, mache bei Instagram Talks und hänge viel am Telefon, um mit Kolleginnen, Journalisten oder Betroffenen zu reden. Ich merke, dass wir am Bildschirm oder Telefon Redebeiträge prägnanter formulieren, das hilft schon auch mal, fokussierter zu sein - und es spart Zeit.

Aber das Persönliche geht eben etwas verloren. Wir versuchen daher in meinem Team, noch mehr auch Raum für Lachen und für private Gespräche zu finden. Kinderbetreuung, der Urlaub, den man absagen musste, der Besuch bei den Eltern, der ausfällt – dafür Ventile zu schaffen ist wichtig und hält den Spirit im Team aufrecht. Das sollten wir uns beibehalten.

Außerdem ganz wichtig: Nicht für jede Veranstaltung müssen wir vor Ort sein. Das geht heutzutage auch gut per Videoschalte. Da können wir uns alle hinterfragen, wie viele Reisen es wirklich benötigt. Und ob man für eine zweistündige Veranstaltung wirklich vier Stunden hin und dann wieder zurückfahren muss.

Ihr Tipp gegen Lagerkoller?

Ich habe einen Globus auf meinem Nachttisch stehen. In manchen Momenten drehe ich an ihm herum, um mich zu vergewissern: Die Welt da draußen ist größer als die 65 Quadratmeter. Und ansonsten: Lachen! Humor ist nicht verboten, im Gegenteil: Lachen hilft in jeder Krise. Sonst fällt einem irgendwann die Decke auf den Kopf.

(jk)

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