Bericht der Regierung

Wie läuft es mit der Weiterbildung?

15.03.2021 – Wer im Berufsleben mithalten will, muss sich regelmäßig weiterbilden. Dabei hilft auch der Staat. Wie das in 2020 funktionierte, zeigt ein Bericht, der auch benennt, wo es noch hakt.
Zwei Programmiererinnen arbeiten am Rechner
IT-Berufe gehören zu den „Top-Zielen“ der beruflichen Weiterbildung. © shutterstock.com/BalanceFormCreative

Technischer Wandel, demografischer Wandel und – die Corona-Pandemie: Diese drei Dinge prägten die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2020. So beschreibt es die Bundesregierung in ihrem ersten Bericht über die Förderung der beruflichen Weiterbildung.

Soll heißen: Wer arbeitet, muss immer wieder neue technische Dinge lernen. Die Menschen, die arbeiten, werden im Schnitt immer älter. Und durch Corona war ohnehin nochmal vieles anders als sonst.

Einen solchen Bericht muss die Regierung in jeder Legislaturperiode, also mit jedem neu gewählten Bundestag, vorlegen. Für die Jahre 2017 bis 2019 und – soweit Daten vorlagen – auch für das erste Halbjahr 2020 geschah dies nun erstmals Anfang des Jahres.

Beschäftigte auf technologischen Wandel vorbereiten

Erste Grundlage dafür ist das sogenannte Qualifizierungschancengesetz, das zu Beginn des Jahres 2019 in Kraft trat. „Im Kern geht es darum, in Zeiten des technologischen Wandels dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten von heute auch die Chance haben, die Arbeit von morgen zu machen“, erklärte etwa ein Jahr später der Bundesminister für Arbeit, Hubertus Heil (SPD), das Gesetz mit dem langen Namen.

Zweite Grundlage ist das sogenannte „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ oder auch „Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung“. Dieses trat im Mai 2020 in Kraft.

Kurz: Menschen, ob mit oder ohne Beruf, sollen die Chance haben, sich weiterzubilden. Und wie das bisher geklappt hat und angenommen wurde, schildert die Bundesregierung in ihrem Weiterbildungsbericht. Was steht also drin?

Eine Million Menschen erreicht

Die Gesetze ermöglichen, dass überwiegend Arbeitslose, aber auch Beschäftigte, an Weiterbildungen durch die Bundesagentur für Arbeit teilnehmen können. Das sind zum Beispiel Weiterbildungen, die Zusatzqualifikationen im ausgeübten Beruf bieten oder in andere Berufe mit Zukunftsperspektiven umschulen.

Besonders bedeutend entwickelten sich laut Bericht Weiterbildungen, die mit einem Abschluss in der Altenpflege endeten. Zu den „Top-Zielen“ der Weiterbildungen zählten auch die Berufsgruppen „Büro und Sekretariat“, „Fahrzeugführung im Straßenverkehr“ sowie „Softwareentwicklung und Programmierung“. Insgesamt haben in den vergangenen vier Jahren rund eine Million Menschen an solchen Weiterbildungen teilgenommen.

57,5 Prozent weniger – durch Corona

Durch die Corona-Pandemie ab dem Frühjahr 2020 mussten nicht nur Schulen und Kitas, sondern auch Bereiche der Bundesagenturen für Arbeit schließen. Dadurch konnten Beratungen und Vermittlungen nicht vor Ort, sondern nur telefonisch oder digital per Videochat stattfinden.

Im April 2020 brachen die Teilnahmen an Weiterbildungen stark ein: Im Vergleich zum April 2019 hätten insgesamt 57,5 Prozent weniger Menschen eine Weiterbildung begonnen. Am stärksten sei der Rückgang der Weiterbildungswilligen bei den Alleinerziehenden, bei Personen ohne Berufsabschluss und bei Jüngeren gewesen, schreibt die Regierung.

Digitales Klassenzimmer – auch für Weiterbildungen

Als die Bundesregierung ihren Bericht erstellte, gab es noch keine Zahlen für die zweite Jahreshälfte 2020. Aber sie gehe davon aus, dass coronabedingt weniger Menschen an Weiterbildungen teilnehmen konnten als im Vorjahr. Viele Bildungsträger hätten außerdem ihre Formate der Weiterbildung spontan auf ein digitales Klassenzimmer umstellen müssen, was zu Beginn schwerfiel: „Neue digitale Formate wurden während des ersten Lockdowns zunächst kaum entwickelt.“

Alternativ habe man sich eher auf Telefonate, Videochats oder das Herunterladen von digitalen Unterlagen beschränkt. Die Bundesregierung spricht für den Zeitpunkt von einer „Stabilisierung des Förderangebotes“.

Zudem herrsche „weitgehende Einigkeit, dass digitale Angebote soziale Disparitäten verstärken können“. Das heißt, dass Unterschiede zwischen sozialen Schichten bestehen: Wer sich etwa eine gute technische Ausstattung für digitale Weiterbildung leisten kann, ist im Vorteil.

Dennoch: Ein „sehr großer Teil“ der Weiterbildungen, die die Bundesagentur für Arbeit online bewirbt, seien „schon heute“ Onlineangebote in verschiedenen virtuellen Formaten.

Wie sich die Pandemie auf die Digitalisierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung auswirke, könne die Bundesregierung noch nicht beurteilen. Es sei wahrscheinlich, „dass Bildungsträger, die aufgrund der Corona-Pandemie auf alternative Lernformen umstellten, ihr Bildungsangebot auch künftig diesbezüglich flexibel ausrichten“, schlussfolgert der Bericht.

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