Stipendiatin aus den USA

Grace, 18, Köln

02.09.2019 – Ihr Großvater wurde als deutscher Jude in Köln geboren und floh mit sieben vor den Nazis in die USA. Grace möchte in ihrem Austauschjahr ihrer Familiengeschichte nachspüren. Ein Stipendienprogramm des Bundestages und des US-Kongresses machen es möglich.

September 2019: Hoffnungen und Ziele für ein Jahr in Köln

Hi! Ich bin Grace und 18 Jahre alt. Ich komme aus Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah und werde mein Austauschjahr in Köln verbringen. Während ich diesen Blog-Eintrag schreibe, sitze ich in Hedersleben, einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt. Die letzten drei Woche habe ich hier Deutsch gelernt. Nächste Woche ziehe ich bei meiner Gast-Familie ein. Sie besteht aus Gast-Oma, Gast-Mutter, Gast-Vater, Gast-Schwester und Gast-Bruder. Ich freue mich sehr darauf, bei ihnen zu leben und mit der Schule anzufangen.

In den USA gehe ich zur High School. Später möchte ich an der University of Chicago studieren. Ich bin noch nicht ganz sicher, was – aber ich interessiere mich für Politikwissenschaften, Philosophie, Chinesisch und, natürlich, Deutsch. In meiner Freizeit tanze ich gerne, spiele Violine, laufe, klettere und reise. 

Meine Familiengeschichte 

Es gibt viele Gründe, warum ich beim Parlamentarischen Patenschafts-Programm mitmachen wollte. Entsprechend habe ich auch eine Reihe von Zielen für dieses Jahr. Mein Großvater wurde als deutscher Jude in Köln geboren. Mit sieben Jahren ist seine Familie aus Deutschland geflohen, aus Angst davor, wegen ihrer Religion verfolgt zu werden.

Schließlich ließ er sich in den USA nieder, wo er meine Großmutter heiratete. Ihr Sohn, mein Vater, hat als Kind kein Deutsch gelernt. Trotzdem lernte er seine kulturelle, sprachliche und religiöse Herkunft sehr schätzen. So bin auch ich aufgewachsen – mit Achtung vor meinem kulturellen Erbe, die irgendwann zu dem Wunsch wurde, die deutsche Kultur als Teil meiner Identität für mich zu entdecken.

Als ich 14 war, bekam ich die deutsche Staatsangehörigkeit nach Artikel 116 (2) des Grundgesetzes. Dieses Gesetz gesteht den Nachfahren derjenigen, die vor dem Holocaust aus Deutschland geflohen sind, die deutsche Staatsangehörigkeit zu. Obwohl ich dafür sehr dankbar bin, fühle ich mich auch ein Stück weit unwürdig. Schließlich spreche ich kein Deutsch und habe bis jetzt nicht viel Zeit in Deutschland verbracht.

Zwei Ziele habe ich also für dieses Jahr: Erstens will ich dahin kommen, dass ich mich deutsch fühle – nicht nur, weil ich die Staatbürgerschaft habe, sondern weil ich mich mit der deutschen Kultur und den Menschen hier identifiziere. Zweitens möchte ich mein Deutsch so weit verbessern, dass ich meine Staatsbürgerschaft irgendwann tatsächlich nutzen kann, um hier zu leben und zu arbeiten. 

Ich hoffe außerdem, dass ich mich dieses Jahr über in meiner neuen Gemeinschaft engagieren kann. Ich würde liebend gerne meine Hobbys weiterführen, ob es das Tanzen, das Laufen oder das Viola-Spielen ist. Meine Gast-Schwester und ich haben schon darüber gesprochen, im Herbst ein paar Rennen gemeinsam zu laufen. Ich freue mich auch darauf, neue Aktivitäten auszuprobieren und vielleicht sogar neue Leidenschaften zu entdecken.

Ganz besonders interessiere ich mich dafür, hier gemeinnützige Arbeiten zu übernehmen. Was immer das genau sein wird, ich hoffe, es wird mir gelingen, dabei viel Deutsch zu sprechen und persönliche und bedeutungsvolle Verbindungen zu den Menschen hier aufzubauen. Das war’s für heute, danke fürs Lesen.

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