Stipendiatin aus den USA

Grace, 18, Köln

15.05.2020 – Die Nachricht, dass ihr Austauschjahr wegen der Corona-Krise frühzeitig abgebrochen wird, traf Grace hart. Sie hätte gern mehr Zeit gehabt, sich von ihrer Gastfamilie und ihren Freunden zu verabschieden und Danke zu sagen - denn sie nimmt viel mit aus den Monaten in Köln.

März 2020: Der Abschied – Schmerz, Dankbarkeit und viele Erinnerungen

Am 12. März wachte ich auf und erwartete, einen ganz normalen Tag zu erleben. Nachdem ich aufgestanden war, gefrühstückt und ein bisschen mit meinen Gasteltern geredet hatte, machte ich mich auf den Weg zur Schule. In der ersten Stunde des Tages, Geschichte, lasen wir gerade die deutsche Übersetzung von Woodrow Wilsons Rede „Peace Without Victory“, Frieden ohne Sieg, da wir gerade darüber sprachen, warum die USA sich am Ersten Weltkrieg beteiligt hatte. Im Geschichtsunterricht zuhause in Amerika hatten wir im letzten Jahr etwas ganz Ähnliches gemacht, und es war interessant, das gleiche Thema aus einer anderen Perspektive anzugehen.

Nach dem Unterricht unterhielt ich mich mit ein paar Klassenkameraden, bevor dann die dritte Deutsch-Klausur des Jahres anstand. Das Thema war romantische Dichtung und in der Klausur sollten wir ein Gedicht von Joseph von Eichendorff lesen und analysieren. Natürlich würde mein Text nicht so gut geschrieben sein wie die Texte meiner Mitschüler. Trotzdem kam ich stolz und zufrieden aus dem Klassenzimmer, denn ich hatte etwas geleistet, dass noch vor sechs Monaten unmöglich erschienen wäre.  

Ein Tag voller gemischter Gefühle

Der 12. März fing also großartig an. Nicht nur, dass ich mich wohl damit fühlte, auf Deutsch zu kommunizieren – dazu kam ein schönes Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Vor meinem Austausch hätte ich gedacht, dass ich für all das viel länger brauchen würde, und ich bin froh und dankbar, dass ich so schnell so weit gekommen bin.

Der Rest des 12. März brach mir das Herz. Später an diesem Tag kam die E-Mail, in der stand, dass mein Austauschprogramm aufgrund von COVID-19 verkürzt wurde und dass ich in weniger als 48 Stunden zurück in die USA fliegen würde.  

Viel zu wenig Zeit, um Danke zu sagen

Die folgenden zwei Tage waren anstrengend, sowohl emotional als auch körperlich. Obwohl es mir gelang, all meine Sachen in meinen Koffer zu packen, hatte ich das Gefühl, so viel zurücklassen zu müssen – meine Pläne für die letzten drei Monate in Deutschland ebenso wie den Fortschritt, den ich im Deutschen noch hätte machen können. Vor allem aber musste ich abreisen, ohne mich richtig von meiner Gastfamilie und meinen Freunden verabschieden zu können. Ich bin so dankbar für ihre Hilfe und Unterstützung und ich hätte so gerne mehr Zeit gehabt, um mich zu bedanken.

Trotz allem macht es mich glücklich, dass ich in meinen letzten Monaten in Deutschland so viele coole Sachen gemacht habe... 

Meilenstein Facharbeit

Ein wichtiger Meilenstein war für mich die Facharbeit, die ich kurz vor meiner Abreise abgegeben habe. Eine Facharbeit ist ein wissenschaftlicher Aufsatz von acht bis zwölf Seiten, den deutsche Schüler in einem Unterrichtsfach schreiben müssen. Ich wählte Biologie aus und beschäftigte mich mit der Frage, wie die wissenschaftliche Gemeinschaft die Entwicklung und Ausbreitung von Supererregern verhindern kann.

Am Anfang machte mir die Vorstellung, eine Facharbeit schreiben zu müssen, große Angst. Ich hatte zuhause auf der Highschool schon viele ähnliche Arbeiten verfasst, so dass ich wusste, wie viel Arbeit auf mich zukommen würde, auch ohne die zusätzliche Herausforderung, in einer fremden Sprache zu schreiben.

Aber ich entschied, die Herausforderung anzunehmen und mein Bestes zu geben. Zuerst recherchierte ich das Thema und griff dabei auf englische und deutsche Quellen zurück. Ich brauchte relativ lang, um die deutschen Quellen zu lesen, aber mit Geduld und meinem deutsch-englischen Wörterbuch verstand ich sie am Ende ganz gut. Dann schrieb ich den Aufsatz komplett auf Englisch, um ihn anschließend ins Deutsche zu übersetzen.

Das Ganze dauerte ziemlich lange. Aber die Zeit und die Mühe haben sich auf jeden Fall gelohnt. Meine Fähigkeit, auf Deutsch zu schreiben, hat sich dadurch sehr verbessert. Die Facharbeit wurde so kurz vor der Abreise zum Beweis meiner Fortschritte.  

Höhepunkt Karneval

Ein riesen Event, das ich kurz vor meiner Abreise noch erleben durfte, war der Karneval. Darauf hatte ich mich schon seit Monaten gefreut – und ich wurde nicht enttäuscht. Schon am 11. November, dem offiziellen Karnevalsbeginn, hatte ich festgestellt, dass dieses Fest auf Köln eine enorm einigende Wirkung hatte, vielleicht auch auf ganz Deutschland. Und so ging es mir im Februar wieder.

Ob bei der “Sitzung” meiner Schule oder bei der Party in meiner Nachbarschaft, Fremde schienen im Karneval viel freundlicher zueinander zu sein als sonst. Alle teilten die Begeisterung für das Fest und ihre Differenzen schienen für den Moment unwichtig. Für mich als Außenseiter war das besonders eindrücklich. Eine der liebsten Erinnerungen, die ich aus Deutschland mitbringe, ist am Karneval mit Freunden zu singen und zu tanzen, die ich erst seit sechs Monaten kannte, in einer Sprache, die ich erst seit acht Monaten lernte, und mich trotzdem zuhause zu fühlen.

Faszination Europa

Anfang Februar besuchten meine Gastmutter und ich Roermund in den Niederlanden. Ein Aspekt des europäischen Lebens, der mich immer noch fasziniert, ist, dass die Städte und Länder so nah bei einander liegen. In den USA konnte ich zwei Stunden fahren und war immer noch im gleichen Bundesstaat. Beneidenswert, dass man hier keine zwei Stunden fahren musste, um in einem anderen Land zu landen.

Die erste Hälfte des Tages verbrachten wir damit, Roermund zu erkunden. Roermund ist eine pittoreske kleine Stadt, die mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird. Genauso werde ich mich immer an den extremen Wind an diesem Tag erinnern. Mitunter war es so windig, dass ich einfach nicht gerade laufen konnte. Das war einfach lustig. Ich werde viele solcher lustigen kleinen Erinnerungen mitnehmen. Das ist eine meiner Erkenntnisse der letzten Monate: wie wichtig Humor in stressigen Zeiten ist.

Jetzt wäre ich eigentlich in Berlin...

Jetzt ist es schon zwei Monate her, dass ich Deutschland verlassen habe. Wenn ich noch in Deutschland wäre, dann wäre ich diese Woche in Berlin, würde den Deutschen Bundestag und die US-Botschaft besuchen. Von allen Plänen, die ich für die letzten drei Monate meines Austauschs hatte, bin ich um die Berlin-Reise am traurigsten.

War es eine Enttäuschung, Deutschland früher als erwartet verlassen zu müssen? Absolut. Aber ich versuche, mich daran zu erinnern, wie viel Glück ich habe. Ich habe das Glück, gesund zu sein. Ich habe das Glück, dass Corona keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen auf meine Familie hat. Und ich habe das riesige Glück, überhaupt nach Deutschland gekommen zu sein.

Ich nehme so viel mit aus den sieben Monaten: kulturelle Einblicke, viel, viel bessere Deutschkenntnisse, neue Freundschaften. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich irgendwann wieder nach Deutschland zurückkommen werde.  

November 2019: Auf den Spuren der deutschen Kultur – und der eigenen Geschichte

Während ich das hier schreibe, bin ich schon seit 108 Tagen in Deutschland – und fast zwölf Wochen bei meiner Gastfamilie. Ich fühle mich bei ihnen inzwischen sehr wohl und gut integriert. Am Anfang mussten wir auch immer wieder Englisch sprechen, aber jetzt sprechen wir fast nur noch Deutsch miteinander, worauf ich sehr stolz bin. Wenn sich in diesen zwölf Wochen irgendetwas an mir geändert hat, dann mein Deutsch-Level. Ich habe nicht geahnt, dass ich es so schnell lernen würde und ich bin gespannt, welche Fortschritte ich im Laufe des Austauschjahres noch machen werde. 

Tag der deutschen Einheit in den Weinbergen 

Außer Deutsch zu sprechen, haben meine Gastfamilie und ich noch viele andere tolle Sachen gemacht. Am Tag der deutschen Einheit haben wir einen Ausflug in die Weinberge in Ahrweiler gemacht. Wir sind den ganzen Tag durch die Weinberge gewandert und haben Trauben gegessen. In den USA verbringe ich viel Zeit in den Bergen, es war schön, auch hier ein bisschen in der Natur zu sein. Die Blätter begannen gerade, ihre Farbe zu verändern, und dieser Tag war perfekt, um den Herbstbeginn zu feiern.

Aber vor allen habe ich es genossen, meine Gastfamilie besser kennenzulernen. Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, war ich ein bisschen besorgt, ob ich mich in der neuen Familie gut zurechtfinden würde. Aber meine Gastfamilie war so freundlich und hat mir den Einstieg hier viel leichter gemacht als ich vermutet hätte. 

Halloween und Karneval 

Seit ich hier bin, durfte ich schon einige Feiertage miterleben. Halloween fand ich im Vergleich zu den USA ein bisschen enttäuschend. Aber Karneval hat das mehr als wieder gut gemacht. Wenn Köln für irgendetwas berühmt ist, dann für seinen Karneval. Offiziell beginnt er am 11. November um 11.11 Uhr. Am 11. November bin ich mit meiner Gastschwester und ein paar Freunden um den Kölner Dom gelaufen und habe die stadtweite Aufregung um den Karnevalsbeginn miterlebt. 

Die meisten Leute, die ich in der S-Bahn und in der Stadt gesehen habe, waren verkleidet. Das hatte ich erwartet. Was ich nicht erwartet hatte, war der Stolz der Kölner auf ihre Stadt. Das hat mich ein bisschen auf die große Parade in den USA am vierten Juli, unserem Nationalfeiertag, erinnert.

Der Karneval hat zwar katholische Wurzeln, aber mir erschien er viel mehr als ein Fest, an dem die Kölner ihre Stadt feiern. Viele Leute trugen Rot und Weiß, die Stadt-Farben, oder das Logo vom F.C. Köln. In der Schule spielten viele meiner Mitschüler Karneval-Lieder, die extra für und über Köln geschrieben wurden, und trugen rot-weiß-gestreifte Shirts und Socken. Es hat mich sehr bewegt zu sehen, dass so viele Menschen so zusammengekommen sind. Ich freue mich sehr darauf, im Februar mit meiner Schule zum Karnevalsumzug zu gehen. 

Sind Amerikaner wie Pfirsiche und Deutsche wie Kokosnüsse?

Ein Aspekt der deutschen Kultur, der mich besonders interessiert hat, war zu erleben, wie Deutsche miteinander kommunizieren und interagieren. Bevor ich hergekommen bin, habe ich diesen Vergleich gehört: „Amerikaner sind wie Pfirsiche, Deutsche wie Kokosnüsse.“ Das soll heißen: Amerikaner sind außen weich und innen hart. Sie schließen gerne vorübergehende, oberflächliche Freundschaften. Deutsche dagegen brauchen mehr Zeit, um Freundschaften zu schließen, aber wenn sich eine Beziehung entwickelt hat, wird sie lange anhalten. Außerdem werden Amerikaner oft als sehr freundliche, aber nicht sehr direkt oder ehrlich wahrgenommen. Deutsche scheinen viel direkter zu sein. Allerdings kann ich bisher diese Stereotypen bestätigen. 

Ein kultureller Unterschied, der mir aber aufgefallen ist: Deutsche haben tendenziell eine stärkere Meinung. Meine Gastfamilie sagt oft im Scherz, dass ich nicht sagen darf „Es ist mir egal“, weil ich das am Anfang oft gesagt habe. Dinge, die mir nicht sehr wichtig sind, zum Beispiel was wir zum Abendbrot essen oder wo wir im Bus sitzen, scheinen ihnen wichtiger zu sein. Amerikaner sind generell eher flexibel und passen sich an, Deutsche dagegen haben meist eine bestimmte Meinung und wollen dann auch danach handeln.

Englisch-Unterricht mit der deutschen Klasse

Ein besonders faszinierendes Erlebnis war für mich der Englisch-Unterricht mit meinen deutschen Mitschülern. Es ging um den „American Dream“ und ich war sehr gespannt zu erfahren, wie deutsche Schüler dazu und zu den USA allgemein stehen. Traditionell bedeutet der Ausdruck „American Dream“, dass Menschen in die USA einwandern können und dass sie, wenn sie nur hart genug arbeiten, sich jeden Traum erfüllen können. So schienen das auch meine Mitschüler verstanden zu haben, und viele von ihnen glaubten nicht daran, dass der „American Dream“ existiert.

Ich würde zustimmen, dass diese traditionelle Vorstellung nicht stimmt, aber meine persönliche Interpretation dieses Begriffs sieht ein bisschen anders aus. Ich glaube, der “American Dream” bedeutet, dass jeder, der in den USA lebt, das Recht auf ein sicheres, bequemes Mittelklasse-Leben haben sollte, ohne Angst vor Armut oder Verfolgung. Ich glaube nicht, dass die USA das aktuell jedem, der dort wohnt, garantieren kann, aber ich glaube daran, dass wir zumindest immer auf dieses Ziel hinarbeiten.  

Noch eine spannende Erkenntnis war für mich, wie Deutsche die amerikanische Geschichte betrachten. Wir haben im Unterricht in kleinen Gruppen Vorträge über wichtige Ereignisse der amerikanischen Geschichte gehalten, zum Beispiel über die Unabhängigkeitskriege oder die Menschenrechtsbewegung. Was die anderen darüber erzählt haben, war zwar korrekt, aber ziemlich vereinfacht, was mich ein bisschen frustriert hat.

Anderseits hat es mich an meine Rolle als Botschafterin erinnert. Für deutsche Schüler ist es vielleicht einfach, im Internet Fakten über die amerikanische Geschichte zu finden, aber wie sollen sie die Perspektive von jemandem verstehen, der in den USA aufgewachsen ist? Als ihre Mitschülerin konnte ich ihnen eine persönlichere und detailreichere Sicht auf die amerikanische Geschichte näher bringen. 

Multikultureller Deutsch-Kurs 

Im Oktober hatte ich zwei Wochen Schulferien und entschied mich, in dieser Zeit einen Deutsch-Kurs zu belegen. Ich war überrascht über die Vielfältigkeit der anderen Schüler in diesem Kurs. Es gab neben mir zwei türkische Schüler, zwei chinesische, einen britischen und einen argentinischen.

Obwohl natürlich alle Englisch sprachen, redeten wir nur Deutsch miteinander. Das war eine andere Erfahrung als die, die ich in meinem Sprach-Camp vor dem Austausch gemacht habe, in dem alle Teilnehmer englischsprachige Amerikaner waren. Obwohl wir im Deutsch-Kurs alle aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen kamen, hat unser Wunsch, Deutsch zu lernen, uns zusammengeschweißt, was ich sehr schön fand. 

Erkenntnisse über die englische Sprache 

Die Zeit in der Sprachschule hat auch meine Perspektive auf die englische Sprache erweitert. An meinem ersten Tag war ich bei einem Einführungstreffen, bei dem ich die Einzige war, deren Muttersprache Englisch war. Trotzdem wurde das Treffen auf Englisch gehalten, nicht auf Deutsch, wie ich vermutet hätte. Ein paar Tage später hörte ich zufällig die Unterhaltung zwischen einem türkischen Schüler und einem Lehrer. Der Schüler lernte Vokabeln, indem er sich die englische Bedeutung der deutschen Wörter einprägte. Der Lehrer erinnerte ihn daran, dass er sichergehen sollte, dass er die Wörter auch auf Türkisch kenne, seiner Muttersprache.

Deutsch zu lernen ist so schon schwer genug – ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer es wäre, wenn ich es nicht im Kopf ins Englische übersetzen würde, sondern in eine dritte Sprache. Mir war natürlich vorher schon bewusst, dass Englisch die Weltsprache ist, aber diese Beobachtung machte mir erst richtig bewusst, was das bedeutet. Ich muss wohl nicht extra dazu sagen, wie außerordentlich privilegiert ich mich fühle, Englisch als Muttersprache zu sprechen.  

Spuren meiner Familiengeschichte in Köln 

Ein paar Tage bevor ich nach Washington D.C. geflogen bin, um mit meinem Austauschprogramm zu beginn, schickte mir mein Vater ein Kopie des Briefes, den er 1993 von meiner Großtante zweiten Grades bekommen hatte. Damals lebte mein Vater in Düsseldorf und sie in Jerusalem. 

In dem Brief geht es um eine Synagoge in Köln, in der mein Ururgroßvater Rabbi war, und um eine Schule für jüdische Kinder, die mein Großvater besuchte. Auch um einen Kastanienbaum am Erich-Klibansky-Platz geht es, unter der die Familie meines Großvaters im Sommer gerne saß und Limonade trank. Vor ein paar Wochen haben meine Gastfamilie und ich den Erich-Klibansky-Platz besucht. Dort fanden wir den Baum und die Schule. Heute gibt es in der Gegen kleine Kunst-Galerien und Wohnungen. Es gibt einen Brunnen, der an die 1.100 jüdischen Kinder erinnert, die während des Holocaust deportiert oder umgebracht wurden. Zum Glück hat mein Großvater Deutschland früh genug verlassen, er gehörte also nicht zu diesen Kindern. Es war ein düsterer Ausflug, aber auch ein wichtiger Einblick, wie die Geschichte meine eigene Familiengeschichte beeinflusst hat. 

Meine nächsten Monate in Deutschland versprechen genauso aufregend zu werden wie die letzten. Ich freue mich sehr auf die Weihnachtsmärkte und die Karnevalsfeiern. Und natürlich darauf, mein Deutsch weiter zu verbessern. Tschüss! 

September 2019: Hoffnungen und Ziele für ein Jahr in Köln

Hi! Ich bin Grace und 18 Jahre alt. Ich komme aus Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah und werde mein Austauschjahr in Köln verbringen. Während ich diesen Blog-Eintrag schreibe, sitze ich in Hedersleben, einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt. Die letzten drei Woche habe ich hier Deutsch gelernt. Nächste Woche ziehe ich bei meiner Gast-Familie ein. Sie besteht aus Gast-Oma, Gast-Mutter, Gast-Vater, Gast-Schwester und Gast-Bruder. Ich freue mich sehr darauf, bei ihnen zu leben und mit der Schule anzufangen.

In den USA gehe ich zur High School. Später möchte ich an der University of Chicago studieren. Ich bin noch nicht ganz sicher, was – aber ich interessiere mich für Politikwissenschaften, Philosophie, Chinesisch und, natürlich, Deutsch. In meiner Freizeit tanze ich gerne, spiele Violine, laufe, klettere und reise. 

Meine Familiengeschichte 

Es gibt viele Gründe, warum ich beim Parlamentarischen Patenschafts-Programm mitmachen wollte. Entsprechend habe ich auch eine Reihe von Zielen für dieses Jahr. Mein Großvater wurde als deutscher Jude in Köln geboren. Mit sieben Jahren ist seine Familie aus Deutschland geflohen, aus Angst davor, wegen ihrer Religion verfolgt zu werden.

Schließlich ließ er sich in den USA nieder, wo er meine Großmutter heiratete. Ihr Sohn, mein Vater, hat als Kind kein Deutsch gelernt. Trotzdem lernte er seine kulturelle, sprachliche und religiöse Herkunft sehr schätzen. So bin auch ich aufgewachsen – mit Achtung vor meinem kulturellen Erbe, die irgendwann zu dem Wunsch wurde, die deutsche Kultur als Teil meiner Identität für mich zu entdecken.

Als ich 14 war, bekam ich die deutsche Staatsangehörigkeit nach Artikel 116 (2) des Grundgesetzes. Dieses Gesetz gesteht den Nachfahren derjenigen, die vor dem Holocaust aus Deutschland geflohen sind, die deutsche Staatsangehörigkeit zu. Obwohl ich dafür sehr dankbar bin, fühle ich mich auch ein Stück weit unwürdig. Schließlich spreche ich kein Deutsch und habe bis jetzt nicht viel Zeit in Deutschland verbracht.

Zwei Ziele habe ich also für dieses Jahr: Erstens will ich dahin kommen, dass ich mich deutsch fühle – nicht nur, weil ich die Staatbürgerschaft habe, sondern weil ich mich mit der deutschen Kultur und den Menschen hier identifiziere. Zweitens möchte ich mein Deutsch so weit verbessern, dass ich meine Staatsbürgerschaft irgendwann tatsächlich nutzen kann, um hier zu leben und zu arbeiten. 

Ich hoffe außerdem, dass ich mich dieses Jahr über in meiner neuen Gemeinschaft engagieren kann. Ich würde liebend gerne meine Hobbys weiterführen, ob es das Tanzen, das Laufen oder das Viola-Spielen ist. Meine Gast-Schwester und ich haben schon darüber gesprochen, im Herbst ein paar Rennen gemeinsam zu laufen. Ich freue mich auch darauf, neue Aktivitäten auszuprobieren und vielleicht sogar neue Leidenschaften zu entdecken.

Ganz besonders interessiere ich mich dafür, hier gemeinnützige Arbeiten zu übernehmen. Was immer das genau sein wird, ich hoffe, es wird mir gelingen, dabei viel Deutsch zu sprechen und persönliche und bedeutungsvolle Verbindungen zu den Menschen hier aufzubauen. Das war’s für heute, danke fürs Lesen.

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