Pro und Contra

Werbeverbote für E-Zigaretten

22.07.2020 – Der Bundestag hat beschlossen, dass es keine Plakatwerbung mehr für elektronische Zigaretten geben darf. Julia findet das gut, Laurenz hat auch Gegenargumente.
Links ein "Daumen hoch"-Symbol im grünen Kreis, darüber das Bild einer jungen Frau. Rechts ein "Daumen runter"-Symbol im roten Kreis, darüber das Bild eines jungen Mannes
Gehört Zigaretten-Werbung verboten? mitmischen-Autoren diskutieren. © shutterstock.om/Roman Bykhalets & privat

Julia: "Aufklärung ja – Werbung nein"

57 Prozent der Deutschen sind für ein Werbeverbot für Zigaretten jeder Art. In allen anderen EU-Staaten wurde das bereits umgesetzt. Und nun hat auch der Deutsche Bundestag beschlossen, E-Zigaretten mit herkömmlichen nikotinhaltigen Zigaretten gleichzustellen. Das bedeutet, dass auch für elektronische Zigaretten keine Werbung mehr gemacht werden darf.

Im Klartext heißt das: keine Glimmstängel mehr zum Beispiel auf Bussen oder großen Plakaten am Hauptbahnhof. Ab 2022 soll die Umsetzung starten. Ab Januar 2024 geht es dann auch der Werbung für E-Zigaretten an den Kragen.

Ist das gut so?

Die E-Zigarette scheidet in Deutschland immer noch die Geister. Ist sie gut oder schlecht? Bringt sie mehr Vorteile oder mehr Nachteile? Gehört sie in die Kategorie Fluch oder in die Rubrik Segen? Meiner Meinung nach ist sie ein bisschen von beidem. Allerdings rechtfertigen die wenigen Vorteile keine plakative und offensichtliche Werbung.

Jedes Jahr sterben tausende Menschen an den Folgen konventioneller Zigaretten. Deshalb sollten Tabak-Werbeverbote so umfassend wie möglich gestaltet werden. Aber was ist mit den E-Zigaretten? Sie sind zwar weniger schädlich, aber deswegen noch lange nicht harmlos. Deswegen ist es wichtig, dass die Vorteile und Risikofaktoren ausreichend erklärt und verbreitet werden.

Meiner Meinung nach vermitteln Zigaretten und E-Zigaretten ihren Konsumenten zwei verschiedene Lebensgefühle. Herkömmliche Zigaretten haben irgendwie das Image von „cool“ und „wild“, wohingegen E-Zigaretten eher einen weniger coolen, alternativen Ruf genießen. Werbung für E-Zigaretten könnte gerade Jugendliche dahingehend beeinflussen, dass sie diese Variante für ungefährlich halten und erst deshalb dazu umschwenken.

Gute Aufklärung ja – direkte Werbung nein

Ein gutes Beispiel für eine ausführliche Aufklärung über den Gebrauch von E-Zigaretten ist Neuseeland. Dort hat sich die Regierung auf die Fahne geschrieben, das Land bis 2025 rauchfrei zu machen. Das Gesundheitsministerium informiert auf seiner Seite „Vaping Facts“ („Dampf-Fakten“) ausführlich und anschaulich darüber.

Sie drücken es dort auch recht einfach und verständlich aus: Alles, was wir unnötigerweise außer Luft in unsere Lungen saugen, ist nicht gut, Punkt. Deswegen sollten junge Leute gar nicht erst damit anfangen. Ich finde, dass dieses Argument alle anderen übertrifft. Schließlich sind unsere Lungen nun mal ausschließlich für eine Sache da: zum Atmen von Luft!

Allerdings sagen die Experten auf der neuseeländischen Seite auch, dass elektronische Zigaretten Rauchern helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. Sie beleuchten also beide Seiten, sagen aber auch klar, dass es noch nicht genügend Langzeitstudien zu diesem Thema gibt.

Im Jahr 2019 wurden zum Beispiel in den USA in kurzer Zeit über 2.000 Patienten mit schweren Lungenkrankheiten gemeldet, von denen 39 sogar letztendlich gestorben sind. Alle waren Raucher von E-Zigaretten. Wie genau sich diese auf die Gesundheit auswirken, muss also noch über einen längeren Zeitraum genau beobachtet und erforscht werden.

Bis zu dem Tag, an dem sich mit einhundertprozentiger Sicherheit sagen lässt, dass der Konsum von E-Zigaretten nicht schädlich ist, finde ich, dass es keine Werbung dafür geben sollte.

Laurenz: „Warum darf für Alkohol geworben werden, nicht aber für Zigaretten?“

Lange Zeit war ein Werbeverbot für Tabakprodukte ein umstrittenes Thema. Besonders die Union wollte dem nicht zustimmen. Das Argument: Legale Produkte müssen auch legal beworben werden dürfen. Doch nun hat sich eine Mehrheit gefunden und für ein Werbeverbot von Zigaretten – auch von E-Zigaretten – gestimmt. 

Studien belegen, dass besonders Jugendliche bedingt durch Werbung gerne mal zur Zigarette greifen. Genau das soll unter anderem verhindert werden. Doch wie sieht es bei elektronischen Zigaretten aus?

Zigarette gleich E-Zigarette?

Die Tabakindustrie argumentiert, dass durch das generelle Verbot der Werbung nicht wirklich klar werde, dass es sich bei E-Zigaretten um eine weniger gesundheitsschädliche Alternative handle. Dieser Meinung ist auch der Abgeordnete der FDP-Fraktion Gero Clemens Hocker.

In der Ausschuss-Anhörung im Bundestag sagte auch Prof. Dr. med. Martin Storck, Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie in Karlsruhe, dass die Gleichbehandlung von „Verbrennungszigaretten und risikoreduzierten Varianten" – also von Tabak- und E-Zigaretten – ein „falsches Signal“ sende. Zwar seien E-Zigaretten keineswegs risikofrei, aber sie setzten doch immerhin 90 Prozent weniger Schadstoffe frei. 

Todesfälle durch E-Zigaretten?

Vor einiger Zeit kam es in den USA vermehrt zu Todesfällen, die mit dem Konsum von E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden konnten. Allerdings ging es da um THC-Produkte, die teils illegal erworben wurden. In Deutschland sind eine Vielzahl von stark gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen verboten. Todesfälle sind hier daher nicht bekannt. 

Warum kein Werbeverbot für Alkohol?

Eine weitere Frage, die ich mir stelle, ist der Umgang mit Alkohol. E-Zigaretten sind legale Produkte, dürfen aber ab 2024 nicht länger beworben werden. Warum dann Alkohol?

Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit steht: „6,7 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Etwa 1,6 Millionen Menschen dieser Altersgruppe gelten als alkoholabhängig.“ Missbräuchlicher Alkoholkonsum sei einer der wesentlichen Risikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen (zum Beispiel Krebserkrankungen, Erkrankungen der Leber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und für Unfälle. Analysen gehen von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder bedingt durch den Konsum von Alkohol aus. Bei mir klingelt da etwas...

Ist das Werbeverbot sinnvoll?

Ob ein Werbeverbot von E-Zigaretten nun wirklich so eine effektive Möglichkeit ist, um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Risiken zu bewahren, wird sich zeigen. Ich glaube, allein damit ist es nicht getan. An dem ein oder anderen Punkt muss die Bundesregierung sicher nochmal über Gefahrenpotentiale von verschiedenen Drogen nachdenken. 

Außerdem: Ist 2024 nicht ein bisschen spät?

Es gibt bereits ein Werbeverbot für Tabakprodukte im Radio, Fernsehen, in der Presse und sämtlichen anderen Online-Diensten. Durch die Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes soll sich das auch auf Außenwerbung und auf E-Zigaretten ausweiten. Für Tabakerhitzer wird das Ganze ab 2023 und für elektronische Zigaretten sogar erst ab 2024 in Kraft treten. Wenn ein Gesundheitsrisiko besteht und Werbung maßgeblich mit dem Konsum einhergeht, warum wartet man noch so lange?

Kommentare