Corona-Pandemie
Und wie hast du die Pandemie erlebt?
Wechselunterricht, Online-Lehre, Stoßlüften, Maskenpflicht, Abstandsregel. Die mitmischen-Autorinnen und -Autoren, die alle zum Zeitpunkt der Pandemie noch in der Schule waren, teilen ihre Erfahrungen.
Fernlehre, Abstandsregeln und der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen haben für viele Kinder und Jugendliche die Erfahrung der Corona-Pandemie geprägt. © picture alliance / imageBROKER | Liam Cleary
Von den ersten Schulschließungen im März 2020 erfuhren wir als Familie am Kapstädter Flughafen, Südafrika. Ich habe mich erstmal riesig gefreut: Zwei Wochen länger Ferien? Hätte schlimmer kommen können.
Während des ersten Lockdowns wurde an meiner Schule in Hamburg viel ausprobiert und improvisiert. Videokonferenzen gab es in der ersten Zeit kaum. Technische Schwierigkeiten sorgten zu Beginn des Homeschoolings für Stress. Ansonsten habe ich mich – wie viele meiner Freunde – zunächst nicht daran gestört, dass kein regulärer Schulbetrieb stattgefunden hat. Das kam dann erst mit den mehrmaligen Verlängerungen der Schulschließungen.
Zwischendurch verbrachten wir als Familie einige Zeit in Süddeutschland. In unserem Dorf mit rund sechseinhalbtausend Einwohnern kam mir der Lockdown nicht so einschränkend vor, wie in der Großstadt. Ab dem zweiten Lockdown gab es dann auch täglich mehrere Videokonferenzen, die den Tag dadurch etwas schulähnlicher strukturierten.
Als die Lockdowns 2021 fortgeführt wurden, hatten die wenigsten meiner Freunde noch Spaß am Homeschooling. Wegen der noch immer geltenden Kontaktbeschränkungen hatten wir uns in letzter Zeit nur selten gesehen und freuten uns daher auf den regulären Schulbetrieb.
Unsere ersten Tage im Wechselunterricht (sprich: Präsenzunterricht im halben Klassenverband) waren von Unsicherheiten geprägt. Nachdem wir so oft gehört hatten, dass wir Kontakte einschränken müssten, um eine Coronainfektion und -verbreitung zu verhindern, war es merkwürdig, gemeinsam mit anderen wieder in der Schule zu sein. Einen Mund-Nasenschutz mussten wir dabei im gesamten Schulgebäude tragen.
Die neunte Klasse war seit 2020 das erste Schuljahr, das sich weitestgehend normal anfühlte. Zweimal pro Woche mussten wir uns morgens im Unterricht einem Coronaselbsttest unterziehen. Während es zu Beginn immer ein wenig unruhig wurde, wenn wir auf die Testergebnisse warteten, waren die Tests irgendwann Formsache, bis sie schließlich ganz abgeschafft wurden.
Jetzt, da ich fünf oder sechs Jahre später auf die Zeit zurückblicke, fällt es mir manchmal schwer, zu glauben, dass diese ganze Coronageschichte wirklich real war. Hätte man mir 2019 erzählt, dass sämtliche Schulen und Geschäfte schließen, Staaten auf der ganzen Welt ihre Grenzen dichtmachen und es Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren geben würde – ich hätte es für einen Science-Fiction-Film gehalten.
Während der Corona-Pandemie hat sich mein Alltag vor allem durch deutlich weniger soziale Kontakte verändert. Schule, Freunde treffen oder der Vereinssport - alles ist plötzlich weggefallen. Der Alltag hat sich auf das eigene Zuhause verlagert, was auf Dauer belastend war.
Besonders prägend waren für mich die Schulschließungen und die Kontaktbeschränkungen. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr wie vorher. Der Unterricht fand nur noch digital statt – wenn überhaupt. Gerade am Anfang, aber auch noch bis ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie, haben Online-Plattformen oder Videokonferenzen oft nicht richtig funktioniert. Das hat das Lernen zusätzlich erschwert.
Trotzdem gab es für mich auch positive Aspekte. Man musste lernen, sich selbst besser zu organisieren und eigenständig zu arbeiten. Dadurch wurde das Lernen und auch das Leben teilweise strukturierter, weil man mehr Verantwortung für den eigenen Alltag übernehmen musste. Diese Selbstständigkeit ist etwas, das mir auch im Nachhinein noch hilft. Doch vor allem jüngeren Menschen fiel das verständlicherweise schwer.
Von der Politik habe ich mich nicht immer besonders abgeholt gefühlt. Natürlich stand der Gesundheitsschutz im Vordergrund, das ist auch richtig. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass die Situation von Jugendlichen zu wenig berücksichtigt wurde. Viele Entscheidungen wurden über die Köpfe der Kinder und Jugendlichen hinweg getroffen. Informationen wurden in Pressekonferenzen spät in der Nacht, dazu mit Fachbegriffen, öffentlich gemacht.
Für eine mögliche zukünftige Pandemie wäre mir daher vor allem eines wichtig: bessere Kommunikation und das Mitdenken der jungen Generation. Ständig wechselnde Regeln, spontane Entscheidungen, wie erneute plötzliche Schulschließungen, waren für viele überfordernd. Außerdem sollte es gezieltere Unterstützung für junge Menschen geben, da nicht alle Eltern oder das persönliche Umfeld diese Belastung auffangen können.
Das persönliche Umfeld hat für mich daher eine wichtige Rolle gespielt. Familie und Freunde haben viel abgefedert, gerade wenn Frust oder Unsicherheit da waren. Ohne diesen Rückhalt wäre die Zeit deutlich schwieriger gewesen.
Die Corona-Pandemie hat meinen Alltag damals stark verändert. Besonders während der Lockdowns habe ich gemerkt, wie wichtig soziale Kontakte für mich sind. Schule fand plötzlich nur noch online statt, was anfangs ungewohnt, aber auch herausfordernd war. Es fiel mir schwer, mich zu motivieren und den Überblick zu behalten, da klare Strukturen fehlten. Gleichzeitig hat mir diese Zeit aber auch gezeigt, wie selbstständig ich arbeiten kann.
Besonders prägend war für mich die Einschränkung von Freizeitaktivitäten. Sport, Treffen mit Freunden oder einfach spontane Unternehmungen waren kaum möglich. Dadurch habe ich vieles mehr wertschätzen gelernt, das vorher selbstverständlich war.
Trotz der schwierigen Situation gab es auch positive Aspekte. Ich hatte mehr Zeit für meine Familie und konnte mich intensiver mit meinen eigenen Interessen beschäftigen. Außerdem habe ich gelernt, flexibler mit Veränderungen umzugehen.
Der Übergang zurück zur „Normalität“ war für mich teilweise ungewohnt. Wieder regelmäßig in der Schule zu sein und viele Menschen zu treffen, war für mich anfangs ungewohnt und es hat einige Zeit gebraucht, bis sich der normale Alltag wieder selbstverständlich angefühlt hat. Dennoch war ich froh, dass ein Stück Alltag zurückgekommen ist.
Unterstützt habe ich mich vor allem durch mein persönliches Umfeld gefühlt, weniger durch politische Entscheidungen. Für zukünftige Pandemien halte ich es für wichtig, die Perspektive von Kindern und Jugendlichen stärker zu berücksichtigen. Besonders im Bildungsbereich sollten bessere und alltägliche digitale Lösungen und mehr Unterstützung geschaffen werden, damit niemand langfristig Nachteile erfährt.