Interview
Wie arbeitet ein Bundestagsausschuss?
Leon Ecker
Wie entstehen Gesetze, bevor sie im Plenum diskutiert werden? Saskia Esken, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend erklärt im Interview, wie ein Ausschuss arbeitet: Von der Vorbereitung der Sitzungen über Anhörungen mit Expertinnen und Experten bis hin zu Empfehlungen an das Plenum.
Wie läuft die Arbeit in den Ausschüssen des Deutschen Bundestages ab? © DBT / Inga Haar
Abgeordnete bekommen viele Fachinformationen, die sie lesen und auswerten. Dabei werden sie von ihren Mitarbeitenden unterstützt. Diese bereiten Themen auf und unterstützen bei der inhaltlichen und organisatorischen Arbeit. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Fachgespräche und Anhörungen oder auch parlamentarische Frühstücke oder Abendveranstaltungen mit Verbänden und Interessengruppen zu veranstalten, um die betroffenen Gesellschaftsgruppen anzuhören. So holen wir uns verschiedene Perspektiven und Sichtweisen von außen ein und treffen Entscheidungen nicht „aus dem Bauch heraus“, sondern gründlich vorbereitet. In jeder Fraktion gibt es sogenannte Berichterstatterinnen und Berichterstatter für bestimmte Themen. Die beschäftigen sich besonders intensiv mit „ihrem“ Thema und erarbeiten sich so die notwendige fachliche Expertise. Ich bin zum Beispiel für schulische Bildung zuständig. So müssen sich nicht alle in jedes Thema gleich tief einarbeiten.
Saskia Esken (SPD)
ist seit 2013 Mitglied des Bundestages. Seit Mai 2025 ist sie die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Da gibt es drei Möglichkeiten: Die Themen kommen entweder vom Bundestag, aus den Ministerien oder sie werden vom Ausschuss in Eigeninitiative selbst eingebracht. Als Vorsitzende stelle ich dann die Tagesordnung gemeinsam mit den sogenannten Obleuten der Fraktionen zusammen.
In den Sitzungen beraten wir Gesetzentwürfe der Bundesregierung und Anträge der Fraktionen. Am Ende stimmen wir darüber ab. Der Ausschuss trifft aber keine endgültigen Entscheidungen, sondern gibt lediglich eine Empfehlung an das Plenum des Bundestags weiter.
Das Plenum ist das Fenster nach außen. Dort wird diskutiert, und die Bürgerinnen und Bürger können die Unterschiede der Haltungen der verschiedenen Fraktionen zu Themen erkennen. Die Themen werden im Plenum so eingeordnet, dass sie einfach verstanden werden können. Im Ausschuss ist es anders: Dort wird nicht für die Öffentlichkeit gesprochen, sondern fachlich gearbeitet. Hier wird mit Abkürzungen und Verweisen auf andere Gesetze gearbeitet. Die Zusammenarbeit im Ausschuss ist auch sachlicher, weil alle Beteiligten sich intensiv mit den Themen auskennen. Zudem kommt es oft vor, dass man bei fachlichen Themen über Fraktionsgrenzen hinweg einer Meinung ist.
Weil dort die fachliche Arbeit stattfindet. Im Bundestag gibt es sehr viele Themen. Deshalb arbeiten die Abgeordneten sehr stark arbeitsteilig. In den Ausschüssen sitzen die Fachpolitikerinnen und -politiker, die sich intensiv mit bestimmten Themen beschäftigen. Sie prüfen Gesetze genau, tauschen sich aus, erarbeiten Änderungsanträge und geben am Ende eine Empfehlung ab. Das ist die Grundlage für die Entscheidung im Plenum. Und wenn es dann dort zur Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Ausschusses kommt, können sich die anderen Abgeordneten darauf verlassen, dass die Ausschussmitglieder sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.
Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Mit welchen Themen beschäftigt sich der Ausschuss?
Bildung: frühkindlichen Bildung, Schule, berufliche Bildung, Weiter- und Erwachsenenbildung, soweit der Bund zuständig ist
Familie: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bessere Unterstützung für Eltern
Senioren: sozialen Sicherheit, Pflege, Umgang mit Einsamkeit
Frauen: Gleichberechtigung, wie sie das Grundgesetzt fordert
Jugend: gesundes und sicheres Aufwachsen, mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Social Media, Medienkompetenz, Schutz vor (digitaler) Gewalt
weitere Themen wie Freiwilligendienste, Demokratieprojekte, Kampf gegen Diskriminierung
Der Ausschuss setzt sich mit den Themen auseinander, die in der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend liegen.
Als Vorsitzende leite ich die Sitzungen und koordiniere die Arbeit des Ausschusses gemeinsam mit dem Sekretariat. Ich achte darauf, dass alles nach den Regeln abläuft, organisiere Termine und bin Ansprechpartnerin für Gesprächspartner von außen. Gleichzeitig bin ich aber auch ganz normale Abgeordnete und arbeite inhaltlich mit. Manchmal muss ich dann während einer Sitzung klar sagen, in welcher Rolle ich gerade spreche, ob als Vorsitzende oder als Vertreterin meiner Fraktion.
Anhörungen sind ein wichtiger Teil des Gesetzgebungsverfahrens. Dabei holen wir uns die Einschätzungen von Expertinnen und Experten zu konkreten Gesetzentwürfen ein.
Diese Rückmeldungen können durchaus dazu führen, dass Gesetzestexte noch verändert werden. Gesetzgeber ist schließlich nicht die Bundesregierung, sondern der Bundestag als Ganzes. Deshalb zitieren wir oft den bekannten Satz des ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck: „Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es hineingekommen ist.“ Das zeigt, wie wichtig die fachliche Expertise der Abgeordneten ist, aber auch das Einholen von Sichtweisen von außerhalb des Parlaments.
Leon Ecker
ist 19 Jahre alt und kommt aus Rheinland-Pfalz. Er hat in diesem Jahr sein Abitur absolviert und schreibt für die Lokalzeitung vor Ort. Besonders interessiert ihn alles rund um Politik, Bildung und Nachhaltigkeit. Er nutzt jede Gelegenheit, der Hauptstadt einen Besuch abzustatten.