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IPS global 2026

Die Zukunft wird heute entschieden

Naomi Webster-Grundl

Vor welchen Herausforderungen stehen junge Abgeordnete, welche Rolle spielt KI in der politischen Arbeit und wie kann politische Erneuerung gelingen? Die Teilnehmer des IPS global 2026 hatten die Gelegenheit, all diese Fragen an die Abgeordneten Jeanne Dillschneider und Jan Dieren zu richten.

Leute sitzen in einem Ausschusssaal des Bundestages.

Die Abgeordneten Jan Dieren (SPD) und Jeanne Dillschneider (Bündnis 90/Die Grünen) stellen sich den Fragen der IPS-Teilnehmer. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

In einem vollbesetzten Ausschusssaal im Bundestag sitzen an diesem Tag junge Leute aus der ganzen Welt. Sie sind Stipendiatinnen und Stipendiaten des Internationalen Parlaments-Stipendiums und verbringen ein knappes halbes Jahr in Berlin und im Bundestag.

Heute haben sie einen Termin mit zwei Abgeordneten, die unter den sich angeregt unterhaltenden Stipendiaten gar nicht weiter auffallen, denn Jeanne Dillschneider (Bündnis 90/Die Grünen) und Jan Dieren (SPD) fügen sich mit ihren 30 beziehungsweise 34 Jahren gut in die Altersspanne der IPS-Teilnehmer ein. Die Veranstaltung läuft unter dem Titel „Jung, engagiert, politisch – Die neue Generation im Bundestag“; die Stipendiatinnen und Stipendiaten sind aufgefordert, den Abgeordneten Fragen aller Art zu stellen, und davon machen sie mit großem Interesse Gebrauch.

Die Fragesteller kommen unter anderem aus Georgien, Ägypten, USA, Kolumbien, Frankreich, Tschechien, Albanien, Kroatien, Usbekistan und Polen – die Fragen drehen sich um Themen von Feminismus, über Wasserverbrauch von KI und Online-Kriminalität bis hin zum politischen Selbstverständnis der SPD und der Regierungsverantwortung der Grünen in Baden-Württemberg.

Leute sitzen in einem Ausschusssaal des Bundestages.

© mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

KI, Verteidigung, Klimaschutz

Viele der Fragen richten den Blick in die Zukunft. Zum Beispiel: Wie kann eine politische Erneuerung gelingen? Jan Dieren (SPD) sieht das als große Herausforderung – auch für seine Partei. „Es ist vor allem auch die Aufgabe der Sozialdemokratie eine Zukunftsperspektive im Sinne der Menschen zu entwickeln und umzusetzen.“ Auch Jeanne Dillschneider (Bündnis 90/Die Grünen) sieht es als unabdingbar, dass Politik und Parteien offen für Veränderung seien: „Es ist wichtig, sich auf politische Veränderungen einzulassen und nicht zu erstarren in den aktuellen Krisenzeiten, um den Menschen eine Orientierung zu geben.“

Die IPS-Teilnehmer interessieren sich außerdem dafür, inwiefern Künstliche Intelligenz für politische Entscheidungsprozesse genutzt wird und ob Aufrüstung und Klimaschutz vereinbar sind. Dillschneider, die Mitglied im Verteidigungsausschuss ist, erklärt, dass sie es angesichts der aktuellen Lage für alternativlos halte, dass Deutschland verteidigungsfähig werde, was mit dem Klimaschutz aber leider kaum vereinbar sei. „Deshalb ist es wichtig, dass Techniken, die für die Aufrüstung entwickelt werden, auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können wie Medizin, Verkehr oder eben auch Klimaschutz.“

Collage von drei Bildern, auf denen Leute in einem Ausschusssaal des Bundestages.

© mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

Zukunftsperspektiven

Großes Interesse der Stipendiatinnen und Stipendiaten richtet sich auf die Dynamik zwischen den Parteien und ihrer jeweiligen Jugendorganisation. Dieren, der 2025 zum zweiten Mal in den Bundestag gewählt wurde, findet, dass junge Leute oft ein besseres Gefühl für Zukunftsperspektiven haben und es somit ein sehr produktiver Konflikt sein könne, wenn die jungen Parteimitglieder – bei der SPD die „Jusos“ – Dinge in Frage stellen, die „schon immer so gemacht wurden“. Auch Dillschneider schätzt das kritisch-konstruktive Verhältnis zwischen ihrer Partei und der Grünen Jugend, deren Aufgabe sie genau darin sehe, der Partei einen Spiegel vorzuhalten und den Finger in die Wunde zu legen.

Und welchen Auftrag sehen Jeanne Dillschneider und Jan Dieren bei sich als junge Abgeordnete? „Ich möchte die Interessen aller Leute vertreten“, erklärt Dieren. Für Dillschneider steht klar im Fokus, dass sie besonders die Perspektiven von jungen Menschen und Frauen vertreten möchte, da sie diese als unterrepräsentiert wahrnimmt. „Themen wie der Wehrdienst oder der Umgang mit KI betreffen vor allem junge Menschen, weil sich dadurch entscheidet, wie die Zukunft aussehen wird. Und deswegen gehören junge Leute mit an den Tisch, wo Entscheidungen getroffen werden.“