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IPS global 2026

Internationaler Austausch und praxisnahe Politikarbeit

Ein knappes halbes Jahr verbringen die Teilnehmer des Internationalen Parlaments-Stipendiums in Berlin und im Bundestag. Was waren bislang ihre Highlights? Was hat sie besonders überrascht? Und von welchen Erfahrungen werden sie Zuhause erzählen?

Micaela
Zur Person
Eine junge Frau steht vor einem Banner.

Micaela (Argentinien)

ist 26 Jahre alt, hat Politikwissenschaft an der Universität von Buenos Aires studiert und nach dem Abschluss als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Landtag gearbeitet. Sie beschäftigt sich vor allem mit Politik im Bereich von sozialer Gerechtigkeit.

Wie findest du das IPS-Programm bisher?

Diese Erfahrung ist wirklich unvergleichbar. Die ersten Wochen zusammen mit den anderen IPSlerinnen und IPSlern waren toll: Wir haben uns kennengelernt, und der interkulturelle Austausch war wirklich augenöffnend. Jetzt im Büroalltag lerne ich sehr viel: Ich besuche Ausschusssitzungen und bereite sie vor und recherchiere zu unterschiedlichen Themen, vor allem im Bereich Arbeit und Soziales. Und ich begleite meinen Abgeordneten zu unterschiedlichen Terminen. Dadurch bekomme ich einen sehr spannenden Einblick in den parlamentarischen Alltag.

Der Bundestag ist riesig und beeindruckend. Ich verirre mich immer noch manchmal und kann oft kaum glauben, dass ich tatsächlich gerade hier in einem Abgeordnetenbüro arbeite.

Inwiefern unterscheiden sich die parlamentarische Arbeit und Politik in deinem Heimatland von der in Deutschland?

Da Argentinien ein präsidentielles System hat, unterscheidet sich die parlamentarische Arbeit tatsächlich deutlich von der in Deutschland. Der Kongress beschäftigt sich vor allem mit der Gesetzgebung und der Kontrolle der Exekutive. Die Ministerinnen und Minister sind jedoch nicht Teil des Parlaments, sondern die Ministerien sind von der Legislative unabhängig und werden von ihr kontrolliert. Die Abgeordnetenbüros beschäftigen sich vor allem mit der Vorbereitung und Analyse von Gesetzen. Das empfinde ich hier in Deutschland als sehr unterschiedlich, da die meisten Gesetzentwürfe von der Bundesregierung vorbereitet werden.

Was war bisher dein Highlight?

Die Reise nach Leipzig am Anfang des Programms war auf jeden Fall ein Highlight. Außerdem war ich schon zweimal mit Julia, einer Mitarbeiterin aus meinem Abgeordnetenbüro, im Stadion von Union Berlin, und das hat sich ein bisschen wie Zuhause angefühlt. Inzwischen bin ich wirklich ein Union Berlin-Fan geworden.

Außerdem freue ich mich noch sehr auf den IPS-Empfang und meine Wahlkreisreise.

Wovon wirst du Zuhause auf jeden Fall erzählen?

Neben der Alten Försterei (Stadion von Union Berlin) werde ich natürlich auch von allem anderen erzählen: von meinen neuen Freundinnen und Freunden aus allen Ecken der Welt, meinen Erfahrungen im Büro und rund um den Bundestag sowie vom Leben in Berlin allgemein.

Liana
Zur Person
Eine junge Frau steht an einem Redepult.

Liana (Armenien)

ist 24 Jahre alt und hat an der Französischen Universität in Jerewan Jura im Bachelor studiert. Anschließend hat sie in Kiel einen Master an der Christian-Albrechts-Universität gemacht und ein Praktikum am Amtsgericht absolviert.

Was hat dich bislang in deiner Zeit im Deutschen Bundestag am meisten überrascht?

Am meisten hat mich überrascht, wie viel Arbeit und wie viele Details hinter der politischen Arbeit im deutschen Parlament stehen. Besonders während der Sitzungswochen herrscht ein enormer Zeitdruck, den man sich von außen kaum vorstellen kann. Beeindruckend finde ich vor allem, wie Abgeordnete, die gleichzeitig Staatssekretärinnen oder Staatssekretäre in Ministerien sind, zwei volle Terminkalender miteinander koordinieren. Sehr spannend ist für mich auch der Besuch des Plenums. Die Debatten dort wirken ganz anders als im Fernsehen, weil man die echten Emotionen und die Dynamik zwischen den Parteien direkt miterlebt. Besonders faszinierend finde ich, dass genau durch diese Diskussionen Gesetze entstehen, die das Leben im ganzen Land beeinflussen und regulieren. Das macht die parlamentarische Arbeit für mich so interessant und inspirierend.

Inwiefern unterscheiden sich die parlamentarische Arbeit und Politik in deinem Heimatland von der in Deutschland?

Die Politik und parlamentarische Arbeit in Armenien unterscheiden sich von der in Deutschland vor allem durch die politische Entwicklung und Stabilität. Deutschland hat eine lange demokratische Tradition mit starken Institutionen, klaren Regeln und einem stabilen Parteiensystem. In Armenien ist die Demokratie noch im Wandel. Dort spielen einzelne Politiker, Protestbewegungen und Sicherheitsfragen eine größere Rolle.

Der politische Fokus eines Landes wird stark von seiner geopolitischen und sicherheitspolitischen Situation geprägt. In Armenien spielen aufgrund regionaler Konflikte und Sicherheitsherausforderungen außen- und sicherheitspolitische Themen eine zentrale Rolle. In Deutschland hingegen stehen aufgrund der stabileren Sicherheitslage häufiger wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen im Vordergrund. Diese Unterschiede haben mein Verständnis für politische Prioritäten und internationale Perspektiven deutlich erweitert.

Was war bisher dein Highlight?

Mein persönliches Highlight des IPS-Programms war die Erkenntnis, dass wir trotz unserer kulturellen, religiösen und persönlichen Unterschiede sehr viele Gemeinsamkeiten haben. Während des Programms habe ich verstanden, dass wir alle ähnlichen Gefühle, Emotionen und Wünsche teilen. Egal, wie verschieden wir sind – es gibt immer Dinge, die uns verbinden und uns einander näherbringen als Menschen.

Besonders erwähnenswert ist für mich, dass es während des Programms einen speziellen Programmpunkt gab, bei dem jede Delegation etwas Besonderes aus ihrem eigenen Land präsentierte. Das war für mich besonders faszinierend, da es immer spannend ist zu sehen, welche Werte und Traditionen den Menschen in verschiedenen Ländern wichtig sind und welche kulturellen Errungenschaften sie mitbringen. Manche stellten besondere Gegenstände aus ihrem Land vor, andere beeindruckende Gebäude oder traditionelle Gerichte. Einige präsentierten Tänze, wieder andere Spiele. Durch diese Erfahrung bekommt man die Länder aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen und durch diesen Austausch weiß ich jetzt viel mehr über die anderen Länder.

Was durftest du bislang im Rahmen deines Praktikums im Abgeordnetenbüro machen?

Ich habe juristische sowie politische Recherchen durchgeführt, Informationen aufbereitet und schriftlich ausgearbeitet. Außerdem habe ich neue Gesetzesentwürfe analysiert, deren Kernpunkte zusammengefasst und mich auch mit möglichen Kritikpunkten auseinandergesetzt.

Besonders spannend war für mich zudem die Beschäftigung mit verschiedenen Bürgeranfragen, da diese sehr unterschiedliche und aktuelle Themen betreffen. Die Arbeit im Büro ist äußerst abwechslungsreich: Mit jeder neuen Aufgabe ergeben sich neue Herausforderungen und zugleich bekommt man die Möglichkeit, sich intensiv mit neuen Themen auseinanderzusetzen.

Ich nehme auch an unterschiedlichen Veranstaltungen teil und begleite meine Abgeordnete bei einigen Terminen. Dadurch erhalte ich vielfältige Einblicke in politische Prozesse und den Arbeitsalltag in der Politik, was ich persönlich als besonders bereichernd und interessant empfinde.

Wovon wirst du Zuhause auf jeden Fall erzählen?

Zuhause werde ich auf jeden Fall erzählen, dass sich alle, die Interesse an Politik und Recht haben, unbedingt für dieses Programm bewerben sollten. Man bekommt die einmalige Gelegenheit, direkt zu sehen, wie parlamentarische Arbeit funktioniert, wie Gesetze entstehen und wie Demokratie im Alltag gelebt wird. Besonders faszinierend ist auch, wie Menschen aus verschiedenen Ländern ihre Kulturen und Traditionen an einem Ort zusammentragen.

Es ist eine großartige Möglichkeit, etwas Spannendes mit Nützlichem zu verbinden: Man kann wertvolle Kenntnisse während Studienreisen, Seminaren oder im Abgeordnetenbüro erwerben und gleichzeitig am kulturellen Austausch teilnehmen. Für mich persönlich ist das eine unglaublich bereichernde Erfahrung.

Ivan Alexander
Zur Person
Ein junger Mann steht auf einer Dachterrasse, im Hintergrund sieht man den Deutschen Bundestag.

Ivan Alexander (Slowakei)

ist 25 Jahre alt und hat einen Magister in Übersetzen und Dolmetschen für Englisch und Deutsch. Er arbeitet als Referent für Kommunikation und internationale Beziehungen für die slowakische Selbstverwaltungsregion Trenčín.

Was war bisher dein Highlight des IPS-Programms?

Vor allem die Ausflüge: nach Sachsenhausen, Leipzig, zu den Ministerien, zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, und in naher Zukunft, in den Wahlkreis des Abgeordneten, bei dem ich das Praktikum mache. Es ist toll, dass wir immer eine Führung hatten, Zeitzeugen oder Mitarbeiter der Ministerien oder des Fernsehens treffen konnten und verschiedene Fragen zu ihrer Arbeit, zur Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien und zu ihrem Nutzen für die deutschen Bürger stellen durften.

Was hat dich bislang in deiner Zeit im Deutschen Bundestag am meisten überrascht?

Mich hat die Offenheit überrascht – nicht nur der Menschen im Parlament, sondern auch des Parlaments selbst: dass ich die Möglichkeit habe, Einblicke zu gewinnen oder sogar an Sitzungen, Terminen und anderen Aktivitäten teilzunehmen, die selbst ein deutscher Bürger nicht hat. Überrascht hat mich auch, wie sehr alles durch Regeln und Ordnung funktioniert, wie reibungslos alles abläuft und dass Probleme, falls sie auftreten, blitzschnell gelöst werden.

Inwiefern unterscheiden sich die parlamentarische Arbeit und Politik in deinem Heimatland von der in Deutschland?

Auf jeden Fall im Maßstab. Die Slowakei ist ein 5,5-Millionen-Volk, und wenn ich bedenke, dass allein Berlin etwa vier Millionen Einwohner hat, ist das unglaublich. Auch der Umfang der Themen, die in Deutschland behandelt werden: 24 Ausschüsse im Bundestag vs. 19 im slowakischen Nationalrat, 630 Abgeordnete im Bundestag vs. 150 im Nationalrat. Ich denke, dass der Bundestag von den deutschen Bürgern als vertrauenswürdiger angesehen wird, er wird mehr respektiert und als professioneller wahrgenommen. Hier wird jedes Gesetz, jede Rede oder Abstimmung ernster genommen, und es werden nicht nur kontroverse Themen medial oder gesellschaftlich aufgegriffen. Themen wie Digitalisierung, Souveränität oder öffentliche Verwaltung werden hier sowohl politisch als auch gesellschaftlich intensiver behandelt. In der Slowakei habe ich mich mit diesen Themen kaum beschäftigt, aber jetzt, im Abgeordnetenbüro, wird mir bewusst, welche wichtige Rolle sie spielen.

Worauf freust du dich noch besonders?

Ich freue mich auf den IPS-Empfang, wo ich beim Bühnenprogramm helfe, mein Land vorstelle und sehen kann, wie meine Mitstipendiaten ihre Länder präsentieren, und ich die Möglichkeit haben werde, mit Gästen wie Botschaftern, Abgeordneten, Ministern und anderen zu sprechen. Außerdem freue ich mich auf die Reise in den Wahlkreis des Bundestagsabgeordneten und auf die Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen dort.

Wovon wirst du Zuhause auf jeden Fall erzählen?

Auf jeden Fall von den Orten, die ich in Berlin und außerhalb besucht habe. Über die einzigartige, großartige Erfahrung, die das Bundestagspraktikum ist, und darüber, wie mir dieses Praktikum geholfen hat, nicht nur meinen Horizont zu erweitern, sondern auch wie ich mich durch diese Erfahrung weiterentwickelt habe – sowohl menschlich als auch beruflich.

Sarah
Zur Person
Porträtaufnahme einer jungen Frau mit langen braunen Haaren.

Sarah (Palästinensische Gebiete)

ist 29 Jahre alt und hat drei Jahre lang an einer Universität in ihrer Heimat in den Bereichen internationale Beziehungen, akademische Zusammenarbeit und Projektarbeit gearbeitet. Zuvor hat sie einen Master in European Studies an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gemacht, wodurch sich ihr Interesse an demokratischen Institutionen und politischem Dialog vertieft hat.

Wie gefällt dir das IPS-Programm bisher?

Das IPS-Programm hat meine Erwartungen übertroffen. Für mich fühlt es sich wie ein wahr gewordener Traum an, die Möglichkeit zu haben, im Deutschen Bundestag zu arbeiten und deutsche Politik und Diplomatie aus nächster Nähe zu erleben, anstatt nur darüber in Büchern zu lesen oder sie in den Nachrichten zu verfolgen. Man bekommt die Chance, Plenarsitzungen, Fraktionssitzungen zu besuchen und einen tiefen Einblick in die deutsche Politik zu gewinnen. Plötzlich fühlt sich Demokratie nicht mehr fern oder theoretisch an, sondern wird etwas, das man aus erster Hand erlebt.

Was das Programm besonders einzigartig macht, ist seine internationale Atmosphäre. Man trifft Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen, Hintergründen und politischen Realitäten – es fühlt sich an, als könnte man mehrere Länder der Welt besuchen und ihre Kulturen in einem Gebäude kennenlernen. In einem Gespräch tauscht man politische Ideen aus, und im nächsten kulturelle Unterschiede, während man sich gleichzeitig an das Leben in Deutschland anpasst. Die Gespräche während unserer Pausen in der Bundestagskantine sind genauso interessant und lehrreich wie die offiziellen Sitzungen selbst. Insgesamt ist es eine außergewöhnliche Erfahrung, sowohl politisch als auch persönlich.

Inwiefern unterscheiden sich die parlamentarische Arbeit und Politik in deinem Heimatland von der in Deutschland?

Aus Palästina kommend ist Politik nichts, das fern oder abstrakt ist; sie ist ein Teil unserer Identitäten und unseres Alltags. Politik wird oft durch unsere geografischen Spannungen geprägt. Das schafft natürlich eine sehr unterschiedliche politische Atmosphäre im Vergleich zu der, die ich in Deutschland erlebe. Die palästinensische Politik ist seit Jahrzehnten durch die Besatzung und das Fehlen eines vollständig souveränen Staates geprägt. Das beeinflusst, wie Politik im Alltag funktioniert. Politik ist oft direkt mit dem politischen Alltag verbunden, etwa mit Bewegungseinschränkungen, wirtschaftlicher Instabilität und Sicherheitsbedenken. Dadurch kann Politik viel unmittelbarer wirken und stärker an die Instabilität der wirtschaftlichen und politischen Situation angepasst sein, und Institutionen arbeiten oft unter Druck und Unsicherheit.

Im Gegensatz dazu hat mir meine Erfahrung im Bundestag gezeigt, wie strukturiert, stabil und institutionalisiert die parlamentarische Arbeit in Deutschland ist. Politische Prozesse sind klar organisiert, basieren auf etablierten Verfahren und sind von langfristiger Planung geprägt.

Was war bisher dein Highlight?

Es ist schwierig, eine einzelne herausragende Erfahrung zu wählen, da es während meines IPS-Aufenthalts mehrere Momente gab, die mir immer in Erinnerung bleiben werden.

Dazu gehören Besuche und Exkursionen wie der Besuch im Bundesrat, im Bundesministerium der Verteidigung sowie die Auftaktveranstaltung, bei der wir die Gelegenheit hatten, politische Persönlichkeiten zu treffen und uns mit ihnen auszutauschen.

Gleichzeitig sticht für mich besonders die tägliche Arbeit im Büro eines Mitglieds des Deutschen Bundestages hervor. Durch die Gänge des Parlaments zu gehen und an Plenarsitzungen, Ausschusssitzungen und Fraktionssitzungen teilzunehmen, ist eine wirklich einzigartige und unvergessliche Erfahrung.

Ich freue mich besonders darauf, noch tiefer in die parlamentarische Arbeit einzutauchen und weitere Einblicke in die Abläufe im Bundestag zu gewinnen. Außerdem freue ich mich darauf, noch mehr Sitzungen und Diskussionen mitzuerleben, meine Aufgaben im Büro weiter zu vertiefen und mein Verständnis für politische Prozesse in der Praxis weiter auszubauen.

Wovon wirst du Zuhause auf jeden Fall erzählen?

Ich würde darüber sprechen, wie beeindruckend es ist, der Politik im Deutschen Bundestag so nahe zu sein, sowie über die deutsche Diplomatie und deutsche Politik und darüber, wie das politische System in Deutschland strukturiert ist.