Zum Inhalt springen

IPS Afrika 2026

Kultur geht durch den Magen

Was macht ihre Heimat aus? Darüber haben sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten des IPS-Programms Afrika 2026 Gedanken gemacht und etwas mitgebracht, um den anderen Stipendiaten ihr Land näherzubringen.

An einem ovalen Tisch sitzen mehr als zehn Leute und reden miteinander. Zwei stehen am Kopfende des Tisches und zeigen eine Präsentation.

Während des IPS-Programms Afrikanische Staaten 2026 erfahren die Stipendiatinnen und Stipendiaten viel über den Bundestag und seine Abläufe. Beim Programmpunkt „Das besondere Ding“ dreht sich alles um die Kulturen der anderen Teilnehmer. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

Die 15 Teilnehmenden des diesjährigen Internationalen Parlaments-Stipendiums Afrika kommen aus sechs verschiedenen Ländern, die über den ganzen Kontinent verteilt sind. Mehr als 5.000 Kilometer liegen zum Beispiel zwischen Senegal und Uganda. Wenn man von Deutschland aus 5.000 Kilometer zurücklegt, kann man es beispielsweise nach China schaffen.

Während sie die meiste Zeit des Programms Wissen über den Bundestag und die deutsche Politiklandschaft sammeln, stellen sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten beim Programmpunkt „Das besondere Ding“ gegenseitig etwas vor, das die Kultur ihres Heimatlandes ausmacht. Dadurch lernen sie einander besser kennen, erfahren von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Eins konnte man auf jeden Fall feststellen: Kultur geht durch den Magen.

Eine Collage zeigt zwei Bilder vom selben Raum, in dem junge Leute an einem ovalen Tisch sitzen und sich austauschen.

Etwas über die Kultur der anderen erfahren und dabei Unterschiede und Gemeinsamkeiten entdecken. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

Gemeinsam essen als Teil der Identität

Eine Stipendiatin aus Namibia hat Biltong mitgebracht: getrocknetes Fleisch, das gerne mit Essig, Salz, Koriander und Pfeffer zubereitet wird. Biltong ist ein traditioneller Snack, der sich sehr gut für weite Reisen eignet, da er nicht gekühlt werden muss, proteinreich ist und lange satt macht. In der modernen Küche gebe es inzwischen verschiedene Geschmacksrichtungen von Biltong, eine vegetarische Alternative allerdings nicht, erklärt die Stipendiatin.

Ohne Fleisch kommt das berühmte Gericht Jollof Reis aus Nigeria aus. Vier der Stipendiatinnen und Stipendiaten des diesjährigen IPS-Programms kommen aus dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, in dem es mehr als 250 ethnische Gruppen gibt. So stellen sie unterschiedliche Gerichte vor, die typisch für die Regionen sind, aus denen sie kommen. Doch alle ethnischen Gruppen können sich auf den Jollof Reis einigen, der mit Tomaten, Zwiebeln und Gewürzen zubereitet wird. Jollof Reis isst man auch in vielen anderen afrikanischen Ländern, wo man das Gericht teils unter anderen Namen kennt. „Im ganzen westlichen Afrika gibt es eine Rivalität, welches Land den besten Jollof Reis zubereitet“, erklärt einer der nigerianischen Stipendiaten schmunzelnd. „Aber eigentlich ist klar, dass es in Nigeria den besten Jollof Reis gibt.“ Darüber können alle lachen.

Drei Frauen sitzen an einem Tisch, auf dem Mikrofone angebracht sind. Hinter ihnen stehen zwei Frauen und zwei Männer. Der eine Mann spricht und neben ihm ist eine Aufnahme von einem Reisgericht zu sehen.

Nigeria ist ein großes Land, doch in allen Regionen wird traditionell Jollof Reis gegessen. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

Der Stipendiat aus Senegal stellt das Nationalgericht Ceebu Jën vor, was „Reis und Fisch“ bedeutet, woraus das Gericht auch besteht. Ceebu Jën steht für Gemeinschaft und Gastfreundschaft und wird traditionell gemeinsam aus einer großen Schüssel gegessen.

Ein Zeichen der Gastfreundschaft

Die drei jungen Leute aus Ghana haben nichts zu essen, sondern einen handgewebten Stoff mitgebracht, der Kente heißt. Die unterschiedlichen ethnischen Gruppen des Landes weben den Stoff in unterschiedlichen Mustern, die Farben symbolisieren aber immer Natur und Wachstum (Grün), Reichtum und Führungsstärke (Gold), Macht und Mut (Rot) sowie Reife und Verantwortung (Schwarz). Als Anschauungsmaterial dienen Schals und eine Tasche. Auf den Schals, die gerne als Gastgeschenk dienen, sind außerdem sogenannte Adinkra-Symbole zu sehen, welche für Konzepte und Sprichwörter stehen – zum Beispiel: „Hilf mir, damit ich dir helfen kann.“

Eine Collage zeigt verschiedene junge Leute bei einer Präsentation.

Nicht aus den jeweiligen Kulturen wegzudenken: Handgewebter Kente aus Ghana und Tee aus Kenia. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

Vier Stipendiatinnen aus Kenia haben sich für das wichtigste landwirtschaftliche Exportprodukt ihres Landes entschieden: Chai, also Tee. Am beliebtesten sei der Schwarztee, der mit Milch und Zucker im Topf gekocht und den ganzen Tag zwischendurch getrunken wird. Der Tee ist ein wichtiger Teil der kulturellen Identität Kenias und ein Zeichen für Gastfreundschaft. „In Kenia gibt es kein Treffen ohne Tee“, sind sich die vier Frauen einig. Manche Leute würden sich nur gegenseitig besuchen, weil sie einen Tee trinken wollen. Natürlich gibt es den kenianischen Tee nicht nur lose, sondern auch in Beuteln und in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.

Zum Abschluss gibt es ein Rätsel von den beiden Teilnehmerinnen aus Uganda: „Wer kennt Rolex?“ Nach kurzer Verunsicherung erklären sie, dass es nicht um die Uhr, sondern um beliebtes Streetfood aus Uganda geht, eine Art kleiner Fladenbrot-Wrap, in den ein Gemüseomelette eingerollt ist. Neben anderen typischen ugandischen Snacks wie gerösteten Sojabohnen, Erdnüssen, Maiskörnern und Kochbananen-Chips haben die beiden auch Rolex für alle zum Probieren dabei, die sie selbst zubereitet haben.

Eine Collage zeigt links Mitbringsel wie Nüsse und Tee, rechts nehmen sich Leute mitgebrachtes Essen aus einer Alufolie.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben verschiedene Snacks wie geröstete Nüsse und Sojabohnen oder Tee zum Probieren mitgebracht. Gerade die frisch zubereiteten Rolex wollte sich niemand entgehen lassen. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl