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IPS-Alumni

Rückblick auf eine prägende Zeit

Niklas Nachtigall

Jedes Jahr begrüßt der Bundestag junge Menschen aus der ganzen Welt zum Programm des Internationalen Parlaments-Stipendiums, damit sie das deutsche Parlament unmittelbar kennenlernen können. Drei Stipendiatinnen und ein Stipendiat aus dem IPS-Jahrgang 2016 blicken im Interview auf ihre Erfahrungen von vor zehn Jahren zurück und erzählen, wie das IPS ihren weiteren Weg beeinflusst hat.

Eine Gruppenaufnahme von Leuten, die in einem Raum auf einer ausladenden Treppe sitzen und in den hinteren Reihen stehen.

Im Bundestag trafen aktuelle IPS-Teilnehmer auf Alumni aus dem IPS-Jahrgang 2016 und konnten sich so über ihre Erfahrungen austauschen. © Niklas Nachtigall

Arnisa
Zur Person
Porträtaufnahme einer Frau in schwarzer Kleidung vor einer grauen Betonwand.

Arnisa (Albanien)

war Teil des IPS-Jahrgangs 2016 und ist aktuell als Rule of Law Research Officer bei der NGO Democracy Reporting International in Berlin tätig.

Deine Zeit mit IPS ist jetzt zehn Jahre her. Was bedeutet es für dich, wieder hier im Bundestag zu sein und die anderen Alumni zu treffen?

Es ist sehr emotional für mich, weil es nach zehn Jahren das erste Mal ist, dass ich wieder in den Gebäuden des Bundestages stehe. Für mich schließt sich ein Kreis, weil ich jetzt hier in Berlin einen Job bekommen habe. Es ist wirklich besonders, nach Stationen in meiner Heimat in Albanien undin Wien wieder hier zu sein.

Jetzt sehe ich die aktuellen IPSler und fühle mich wieder wie 25. Durch meine eigenen Erfahrungen hier weiß ich, wie besonders die Zeit ist, die die IPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten gerade erleben. Hier über die Flure des Bundestages zu gehen, politische Prozesse aus nächster Nähe zu erleben und Teil dieses Umfelds zu sein, ist etwas ganz Besonderes, auch wenn sie vielleicht erst später realisieren, wie prägend diese Zeit ist.

Wie sah dein Alltag damals aus? Was ist dir daraus in Erinnerung geblieben?

Ich war viel im Petitionsaustausch tätig, hatte aber auch engen Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern. Das war beides sehr interessant für mich und bei beidem habe ich die Transparenz und die Ansprechbarkeit aller Verantwortlichen sehr geschätzt. Ich finde, die Gebäude mit den vielen Glasflächen spiegeln diese Offenheit sehr gut wider.

Den Abgeordneten, bei dem ich damals Praktikum gemacht habe, durfte ich zu vielen Terminen und Veranstaltungen begleiten. Mit ihm und auch dem Team verbinde ich sehr schöne und auch lustige Momente, an die ich bis heute gerne zurückdenke.

Du bist mittlerweile Juristin und arbeitest im Bereich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Welche Rolle hat das IPS für deinen beruflichen Weg gespielt?

Ich hatte schon immer ein großes Interesse an der Schnittstelle zwischen Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Für mich gehören beide Themen eng zusammen. Auch in meinem Berufsleben habe ich mich viel mit Fragen der Antikorruption und der Justizreform in Albanien beschäftigt. Mittlerweile arbeite ich bei der NGO Democracy Reporting International. Das IPS-Stipendium hat mich sehr darin bestärkt, diesen Weg weiterzuverfolgen.

Warum würdest du das IPS empfehlen?

Ich finde, das IPS unterscheidet sich durch seinen internationalen Charakter von vielen bilateralen Programmen. Wir waren damals 120 Menschen aus 56 Ländern und standen ständig im Austausch untereinander. Man hat praktisch immer jemanden aus dem Programm getroffen – im Bundestag, auf der Straße und im Supermarkt. Die kulturellen Begegnungen habe ich immer sehr geschätzt. Für mich war das eigentlich die beste Zeit meines Lebens.

Piotr
Zur Person
Porträtaufnahme eines Mannes im Anzug, der vor einer grauen Wand mit bunter Kunst steht.

Piotr (Slowakei)

war 2016 IPS-Stipendiat und arbeitet aktuell als Assistenzprofessor und Koordinator für das Erasmus+ Programm an der Cardinal Stefan Wyszynski Universität Warschau.

An was erinnerst du dich besonders, wenn du an IPS denkst – zehn Jahre nach deiner Zeit mit dem Programm?

Für mich sind es viele Erinnerungen und Erfahrungen, die ich mit der Zeit und dem Bundestag verknüpfe. Während der IPS-Zeit war ich gerade in den finalen Zügen meines Studiums und forschte zum rechtlichen Status politischer Oppositionen in demokratischen Staaten. Da der Abgeordnete, bei dem ich Praktikum gemacht habe, damals Oppositionspolitiker war, bot sich für mich eine sehr gute Gelegenheit, aus nächster Nähe zu erleben, wie die Opposition im Bundestag arbeitet.

Wie hat dir das IPS mit Blick auf deinen jetzigen Beruf geholfen?

Ich habe mir vor meiner Ankunft hier in Berlin noch einmal meine IPS-Bewerbung von 2015 angeschaut. Damals habe ich geschrieben, dass es mein berufliches Ziel ist, dazu beizutragen, internationale Konflikte auf Grundlage internationalen Rechts zu lösen. Rückblickend ist es schön zu sehen, dass mich mein beruflicher Weg tatsächlich in diese Richtung geführt hat. Seitdem habe ich viel zu Fragen der Konfliktforschung gearbeitet und beschäftige mich in meiner jetzigen Position an der Universität in Warschau noch immer viel mit diesen Themen. Deshalb bin ich sehr glücklich, sagen zu können, dass sich dieser Traum mittlerweile erfüllt hat.

Was würdest du zukünftigen IPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten raten?

Ich denke, das IPS bietet eine wunderbare Gelegenheit, hinter die Kulissen demokratischer Prozesse zu schauen. Besonders geprägt hat mich aber der Kontakt zu den anderen IPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten. Dass Menschen aus unterschiedlichsten politischen Systemen und mit verschiedenen Hintergründen beim IPS zusammenkommen, hat mich offener für neue Perspektiven gemacht. Genau diese Offenheit und die Bereitschaft, Neues zu lernen, kann ich zukünftigen Bewerberinnen und Bewerbern auch ans Herz legen.

Salome
Zur Person
Porträtaufnahme einer Frau vor einer grauen Betonwand, die sich an einer Geländer lehnt.

Salome (Georgien)

war Teilnehmerin des IPS im Jahr 2016 und arbeitet aktuell als Leiterin der Rechtsabteilung beim Public Safety Management Center im Ministerium für Innere Angelegenheiten in Georgien.

Deine Zeit mit IPS ist jetzt zehn Jahre her. Was bedeutet es für dich, wieder hier im Bundestag zu sein und die anderen Alumni zu treffen?

Als ich das Angebot bekommen habe, die Alumni des IPS wiederzusehen, war ich wirklich sehr begeistert. Das ist eine gute Gelegenheit, nach zehn Jahren einmal zurückzublicken und sich auch mit den anderen Alumni über Politik auszutauschen, denn in der Zeit seit unserem IPS-Programm hat sich sehr viel verändert. Die regelbasierte Weltordnung ist massiv erschüttert und das spüren wir jeden Tag. Für kleine Länder wie Georgien ist eine starke und stabile Europäische Union daher besonders wichtig. Genau deshalb steht für mich der politische Austausch mit den anderen Alumni im Vordergrund.

Wie sehr hilft es, über das IPS Kontakt zu Menschen aus verschiedenen Ländern zu haben?

Ich bin mit einigen IPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten in ständigem Kontakt. Wir tauschen uns aus – besonders mit den ukrainischen Alumni. Wir diskutieren viel über politische Fragen. Das hilft sehr und diese Zusammenarbeit ist mir sehr wichtig.

Wenn du an die Zeit mit dem IPS-Programm zurückdenkst – woran erinnerst du dich besonders?

Als mir mitgeteilt wurde, dass ich dem Büro des Bundesinnenministers Thomas de Maizière zugeteilt worden bin, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Das Praktikum dort hat dann meine beruflichen Vorstellungen komplett verändert. Vor meiner Teilnahme wollte ich Richterin werden. Ich hatte die Richterprüfung schon bestanden und war fest entschlossen, diese Laufbahn einzuschlagen. Während der Zeit des Praktikums beim Innenminister kam ich dann sehr intensiv mit Themen wie Migration und innerer Sicherheit in Berührung. Nach meiner Rückkehr nach Georgien habe ich mich dann direkt beim georgischen Innenministerium beworben und arbeite jetzt seit über sechs Jahren in Georgien als Leiterin der Rechtsabteilung beim Public Safety Management Center des georgischen Innenministeriums. Das IPS war also wie eine Brücke zwischen meiner juristischen Ausbildung und meiner jetzigen Arbeit im öffentlichen Sicherheitssektor.

Was macht das IPS für dich aus?

Dass beim IPS Menschen aus verschiedenen Ländern und politischen Hintergründen zusammenkommen, macht es sehr vielfältig. Mehr denn je braucht Europa politisch engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen. Wir sehen, dass Frieden, Sicherheit und Stabilität nicht mehr selbstverständlich sind und es braucht deshalb umso mehr politisches Engagement.

Lucie
Zur Person
Porträtaufnahme einer Frau in rosa Blazer, die an einem Stehtisch steht.

Lucie (Tschechien)

war 2016 IPS-Stipendiatin und arbeitet aktuell als Beraterin des Präsidenten im Senat des tschechischen Parlaments.

Woran erinnerst du dich besonders, wenn du an deine IPS-Zeit denkst?

Ich habe vorhin mit einer anderen IPS-Stipendiatin gesprochen und wir waren uns einig, dass es eine Zeit voller Freiheit und neuer Möglichkeiten war. Dass wir diese Erfahrungen machen durften, ist nicht selbstverständlich, und ich habe es als großes Privileg empfunden, hier im Bundestag zu arbeiten und in Berlin zu leben.

Du bist auch heute weiter im politischen Feld tätig. Wie hat dich die IPS-Zeit mit Blick auf deinen Berufsweg geprägt?

Ich war bis heute eigentlich immer im politischen Bereich tätig und das IPS hat mich in der beruflichen Orientierung auf jeden Fall bestärkt, meinen Weg in diesem Bereich weiterzuverfolgen. Die Erfahrungen im Bundestag haben später den Start in meinen Job im tschechischen Parlament deutlich vereinfacht. Auch wenn sich beide Parlamente unterscheiden, hat es mir auf jeden Fall geholfen, die Abläufe des Bundestages zu kennen.

Warum würdest du das IPS besonders empfehlen?

Ich finde, man bekommt einen sehr guten Einblick in politische Prozesse. Um die Arbeit des deutschen Parlaments aus nächster Nähe kennenzulernen, ist das IPS eine sehr gute Gelegenheit. Besonders ist für mich aber auch das internationale Netzwerk. Selten trifft man so viele Menschen mit so verschiedenen Hintergründen. Aber auch zu den IPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten aus meinem Land habe ich viel Kontakt. Beides ist für mich persönlich und beruflich sehr wichtig.

mitmischen-Autor

Niklas Nachtigall

…studiert Deutsch und Politikwissenschaft auf Lehramt. Außerdem verfolgt er leidenschaftlich gerne die politischen Prozesse und das Zeitgeschehen im politischen Berlin. Niklas interessiert sich aber nicht nur für Politik, sondern auch für Fotografie. Er schreibt also nicht nur, sondern fotografiert auch für mitmischen.de.