Zum Inhalt springen

IPS global 2026

Demokratie hat viele Gesichter

Von März bis Juli findet das diesjährige Internationale Parlaments-Stipendium global statt. Die Stipendiaten werden in dieser Zeit einmalige Einblicke in die parlamentarische Demokratie Deutschlands und in die Büros der Abgeordneten des Deutschen Bundestages erhalten. Vier der Teilnehmer haben vor Programmstart ihre Erwartungen mit uns geteilt.

Drei Frauen in Porträtansicht nebeneinander, die linke mit schwarzem Oberteil und verschränkten Armen, die mittlere mit blauem Oberteil und langen Ohrringen, die rechte mit gemustertem Pullover und langen Haaren.

Katarzyna, Anudari, Anna und auch Jairo werden über die nächsten Monate einen tiefen Einblick in die parlamentarische Demokratie Deutschlands erhalten. © privat

Katarzyna
Zur Person
Person mit zusammengebundenem Haar trägt schwarzen Blazer und schwarzes Shirt und steht mit verschränkten Armen vor grauem Hintergrund

Katarzyna (Polen)

ist 27 Jahre alt und arbeitet aktuell an ihrer Masterarbeit für ihr Studium in Verwaltungswissenschaften.

Wie kam es dazu, dass du Deutsch gelernt hast?

Ich habe in der Schule begonnen, Deutsch als zweite Fremdsprache zu lernen. Außerdem habe ich während der Sommerferien meine Tante in Karlsruhe besucht und in dieser Zeit Unterricht an einer Sprachschule genommen. Später war ich auf einem bilingualen Gymnasium, an dem ich an zahlreichen spannenden Initiativen und Veranstaltungen teilnehmen konnte. Anschließend habe ich mich entschieden, Germanistik zu studieren.

Welche Themen beschäftigen dich aktuell und wofür setzt du dich ein?

Ich setze mich für Gleichberechtigung ein und vertrete die Auffassung, dass sich die Rolle der Frau nicht darauf beschränkt, Kinder zu bekommen und zu erziehen. Frauen in Spitzenpositionen werden häufig als weniger kompetent oder weniger wertvoll wahrgenommen und schlechter behandelt als Männer.

Ebenso wichtig sind mir die Tierrechte. Ich bin der Meinung, dass die Rechte von Tieren besser geschützt werden sollten. Dazu gehört für mich nicht nur gesetzlicher Schutz, sondern auch ein stärkeres Bewusstsein in der Gesellschaft für artgerechte Haltung und respektvollen Umgang mit allen Lebewesen.

Inwiefern spielt deutsche Politik in deinem Heimatland eine Rolle?

Die deutsche Politik spielt in Polen eine wichtige Rolle. Deutschland ist einer der engsten politischen und wirtschaftlichen Partner Polens. Politische Entscheidungen, die in Deutschland getroffen werden, haben daher auch einen gewissen Einfluss auf die polnische Politik.

Was die deutsch-polnische Zusammenarbeit betrifft, sind die politischen Parteien in Polen jedoch nicht immer einer Meinung. Einige setzen sich für eine enge und konstruktive Zusammenarbeit mit Deutschland ein, während andere Deutschland kritischer gegenüberstehen und dessen Politik stärker hinterfragen.

Was erwartest du vom IPS-Programm und worauf bist du besonders gespannt?

Von dem Programm erhoffe ich mir, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, von denen ich auch in Zukunft profitieren kann. Darüber hinaus möchte ich mein Wissen vertiefen, neue Perspektiven gewinnen und wertvolle Kontakte knüpfen. Besonders gespannt bin ich auf das Praktikum bei Abgeordneten und die Aufgaben, die mich dort erwarten. Ich freue mich darauf, einen direkten Einblick in die parlamentarische Arbeit zu erhalten und die politischen Entscheidungsprozesse aus nächster Nähe kennenzulernen.

Worüber würdest du dich gerne mit den anderen IPSlern austauschen?

Ich interessiere mich besonders für Geschichte und Kultur und möchte daher mehr über die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern erfahren.

Darüber hinaus möchte ich mich mit den Anderen über politische Systeme, gesellschaftliche Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen in ihren Ländern austauschen. Es ist für mich besonders spannend zu sehen, wie unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen politische Entscheidungen sowie das Zusammenleben in verschiedenen Gesellschaften beeinflussen und prägen.


Jairo
Zur Person

Jairo (Kolumbien)

ist 29 Jahre alt und arbeitet an der Universität Medellín, seiner kolumbianischen Heimatstadt, als Deutschlehrer.

Wie kam es dazu, dass du Deutsch gelernt hast?

Ich habe Philosophie studiert und stand dadurch der deutschen Sprache und Kultur bereits sehr nahe. Außerdem habe ich ein Stipendium erhalten und konnte als Austauschstudent in Gießen studieren.

Welche Themen beschäftigen dich aktuell und wofür setzt du dich ein?

Ich setze mich für das Empowerment indigener und lokaler Gemeinschaften ein, insbesondere bei der Überarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Klimaschutz, Biodiversitätsschutz und Biodiversitätsfinanzierung.

Inwiefern spielt deutsche Politik in deinem Heimatland eine Rolle?

Es gibt zahlreiche Institutionen, Organisationen sowie eine hohe Anzahl an Initiativen in unterschiedlichen Bereichen, die die enge Verbindung zwischen Deutschland und Kolumbien zum Ausdruck bringen. Beide Länder arbeiten beispielsweise in der Energie- und Klimapolitik eng zusammen. Sie haben bei der Energiewende ähnliche Ziele und Herausforderungen. Doch sie sind nicht nur wirtschaftlich verbunden: Initiativen im Biodiversitäts- und Klimaschutz oder in der Friedensbildung zeigen das breite bilaterale Interesse. Diese Zusammenarbeit wird selbstverständlich auch von den im Bundestag getroffenen Entscheidungen beeinflusst, die wichtige Impulse für die weitere Entwicklung geben können.

Was erwartest du vom IPS-Programm und worauf bist du besonders gespannt?

Ich wünsche mir, einen tieferen und praktischen Einblick in die deutsche Arbeitskultur zu erhalten und den Alltag im Team einer Abgeordneten oder eines Abgeordneten kennenzulernen. Besonders freue ich mich darauf, eine so politische und multikulturelle Stadt wie Berlin zu erleben.

Worüber würdest du dich gerne mit den anderen IPSlern austauschen?

Ich würde mich besonders gerne über unsere jeweiligen politischen Realitäten und gesellschaftlichen Herausforderungen austauschen. Mich interessiert, wie politische Bildung, Klimapolitik oder der Umgang mit Diversität in ihren Ländern gestaltet wird. Außerdem würde ich gerne über unterschiedliche Perspektiven auf Demokratie, internationale Zusammenarbeit und nachhaltige Entwicklung sprechen.


Anudari
Zur Person
Person mit zusammengebundenem Haar trägt ein blaues traditionelles Kleid mit floralem Muster und langen Ohrringen vor grünem Hintergrund mit Blumen

Anudari (Mongolei)

ist 25 Jahre als und hat gerade ihren Master in Governance und Public Policy abgeschlossen. Sie arbeitet als Deutschlehrerin und gibt ihre Erfahrungen als Mentorin an internationale Studenten weiter.

Wie kam es dazu, dass du Deutsch gelernt hast?

Als Kind hatte ich die Gelegenheit, zwei Jahre in Deutschland zu leben. Nach meiner Rückkehr in die Mongolei habe ich die Sprache zunächst als Herausforderung empfunden und mich ein bisschen distanziert. Mit der Zeit habe ich jedoch die Freude am Deutschlernen wiederentdeckt, und die Sprache gibt mir inzwischen enorme Stärke und Selbstvertrauen.

Wie bist du auf das IPS aufmerksam geworden und was war deine Motivation, dich dafür zu bewerben?

Auf das Programm bin ich über die Website der Deutschen Botschaft in der Mongolei aufmerksam geworden. Drei Jahre habe ich mir Zeit genommen, bis ich mich bereit fühlte, mich zu bewerben. Ich wollte vorher genügend akademische und berufliche Erfahrungen sammeln, um diese Chance optimal nutzen zu können. Die Möglichkeit, direkt in den deutschen politischen Alltag einzutauchen, hat mich von Anfang an begeistert.

Inwiefern spielt deutsche Politik in deinem Heimatland eine Rolle?

Deutschland ist ein wichtiger Partner in der Entwicklungszusammenarbeit, im Wissensaustausch und bei Governance-Reformen. Ich verfolge die politischen Entwicklungen in Deutschland sehr aufmerksam, vor allem die Wahlen, weil Deutschlands langjährige Erfahrung mit der personalisierten Verhältniswahl wertvolle Orientierung bietet. In Deutschland hat dieses System über viele Jahre zur Reifung der Parteienlandschaft in einem Verhältniswahlsystem geführt, während die Mongolei kürzlich von einem Mehrheitswahl- zu einem System der personalisierten Verhältniswahl gewechselt ist. Insgesamt ist Deutschland für die Mongolei der „dritte Nachbar“ und ein zentraler europäischer Partner, der sowohl die bilaterale Zusammenarbeit als auch die internationale Vernetzung unterstützt.

Was erwartest du vom IPS-Programm und worauf bist du besonders gespannt?

Ich hoffe, mein akademisches Wissen in Public Policy und Governance in der Praxis anzuwenden und ein tieferes Verständnis für die Politikgestaltung zu gewinnen. Durch meine bisherige Erfahrung im öffentlichen Sektor, besonders bei der Umsetzung politischer Maßnahmen, ist das für mich ein natürlicher Schritt, um nun die Prozesse der Politikgestaltung selbst näher kennenzulernen. Die Analyse von Politik im akademischen Umfeld ist wertvoll, aber die eigentliche Herausforderung liegt darin, sie in komplexen, realen Situationen umzusetzen. Ich freue mich darauf, aktiv an diesen Prozessen teilzunehmen und von Fachleuten zu lernen, die Politik tatsächlich gestalten.

Worüber würdest du dich gerne mit den anderen IPSlern austauschen?

Ich bin neugierig darauf, zu sehen, wie Demokratie in verschiedenen Ländern gelebt wird. Sie hat viele Gesichter und lässt sich nicht auf ein Modell reduzieren. Darüber hinaus ist mir beim ersten Treffen der Stipendiatinnen und Stipendiaten besonders aufgefallen, wie vielfältig die Teilnehmenden sind – von klassischer Kunst bis zu „Hardcore“-Ingenieurwissenschaften. Genau diese Vielfalt interessiert mich sehr. Der Austausch wird mein Verständnis erweitern und mir neue Impulse geben, um die Entwicklung der Demokratie in der Mongolei weiterzudenken.


Anna
Zur Person
Person mit langen Haaren und silbernen Ohrringen trägt einen grob gestrickten Pullover mit verschiedenen Mustern und steht vor einem Baum mit grünen Blättern

Anna (USA)

ist 25 Jahre alt und studierte bis vor kurzem Politikwissenschaften im Master an der Universität Innsbruck.

Wie kam es dazu, dass du Deutsch gelernt hast?

Ich wollte immer die gleichen Dinge machen wie meine zwei älteren Brüder. Sie hatten Deutsch in der Schule, also habe ich es auch gewählt. Ich habe die Sprache sofort geliebt und wollte immer weiterlernen und mehr über die verschiedenen Kulturen erfahren. Wirklich gefestigt hat sich mein Deutsch jedoch erst, als ich vor dreieinhalb Jahren nach Österreich gezogen bin. Jetzt freue ich mich auf meine Zeit in Deutschland, um mein Hochdeutsch weiter zu verbessern.

Welche Themen beschäftigen dich aktuell und wofür setzt du dich ein?

Momentan interessiere ich mich vor allem für kulturellen Austausch und Menschenrechte. Wir leben in einer schwierigen Zeit, in der es viele Kriege und Migrationsbewegungen gibt. Ich glaube, dass interkulturelles Verständnis deshalb immer wichtiger wird. Ich hoffe auf eine Gesellschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenleben und gemeinsam etwas beitragen können.

Wie bist du auf das IPS aufmerksam geworden und was war deine Motivation, dich dafür zu bewerben?

Letztes Jahr hat mich eine Freundin auf das Programm aufmerksam gemacht, und das Timing hat sehr gut gepasst. Was mich am IPS besonders reizt, ist die Möglichkeit, die parlamentarische Demokratie eines großen europäischen Landes von innen zu erleben. Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen, der Bedrohung durch rechtspopulistische Strömungen und zunehmender Politikverdrossenheit halte ich es für wichtiger denn je, demokratische Prozesse zu stärken und aktiv mitzugestalten.

Inwiefern spielt deutsche Politik in deinem Heimatland eine Rolle?

In den USA ist Deutschland einer der wichtigsten Partner in Europa. Besonders in sicherheits- und wirtschaftspolitischen Fragen spielt Deutschland eine zentrale Rolle. Ich möchte beobachten, wie Themen wie Zölle oder die militärische Aktionen der USA in Nahost diese Beziehung beeinflussen könnten. Mich interessiert vor allem, wie sich die transatlantische Zusammenarbeit in Zukunft entwickeln wird.

Worüber würdest du dich gerne mit den anderen IPSlern austauschen?

Über das Essen! Ich finde, Essen ist etwas scheinbar Einfaches, das Menschen aber immer näher zusammenbringt. Gemeinsames Kochen und Essen schafft auf jeden Fall gegenseitiges Verständnis.