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73. Europäischer Wettbewerb

Kritisches Denken in Acryl

23. September 2026 Naomi Webster-Grundl

„Dein Europa: Recht, Respekt – Realität?!“ Das war das Motto des 73. Europäischen Wettbewerbs. Einige der Schülerinnen und Schüler, deren Arbeiten ausgezeichnet wurden, hatten die Möglichkeit, ihre Werke im Bundestag vorzustellen.

Zwei gezeichnete Bilder: Das eine zeigt Menschen, die Schach spielen und auf deren Köpfen auch Schach gespielt wird. Ein in Flammen stehender Engel steht in einer dunklen und kaputten Stadt, ein weiß leuchtendes Kind hält einen Stern, in einer Gedankenblase sieht man grünen Wald und Sonnenschein.

Diese beiden Arbeiten des 73. Europäischen Wettbewerbs werden für ein paar Wochen im Wirtschaftsministerium ausgestellt. © Rebecca Rose Mathew; Hannah Rottner

Sie haben Bilder gemalt, Gedichte geschrieben, Modelle gebaut, sich Geschichten ausgedacht und Videos gedreht. Viele der Schülerinnen und Schüler haben sich im Unterricht mit einer der 13 Aufgaben des Europäischen Wettbewerbs befasst, andere haben in ihrer Freizeit daran gearbeitet und ihre Lehrer anschließend „gezwungen“, die Arbeiten einzureichen, wie sie scherzhaft erzählten.

Ein Raum mit einem großen Bildschirm, junge Leute sitzen auf Stühlen und schauen auf die Leinwand, die eine Schwarz-Weiß-Zeichnung zeigt.

Eine Schülerin stellt das Bild vor, das sie zum Thema „Die Gedanken sind frei“ gemalt hat. © mitmischen.de/Naomi Webster-Grundl

Die Gedanken sind frei

Mehrere der Werke, die im Bundestag vorgestellt wurden, beschäftigen sich mit dem Satz „Die Gedanken sind frei“. Die Schülerinnen und Schüler haben sich gefragt: Wie frei sind meine Gedanken wirklich? Inwiefern werden meine Gedanken von der Meinung anderer beeinflusst? Was bedeutet Freiheit – wo fängt sie an und wo hört sie auf? Inwiefern spielt Manipulation eine Rolle? Wie beeinflussen sich Realität und Gedanken gegenseitig? Eine Gruppe fand in ihrem Video das Fazit: „Die Gedanken sind frei, aber nur wenn wir es zulassen.“

Zwei Gemälde: Eines dunkel mit roter und weißer Schrift und einem männlichen Gesicht, das andere eine Schwarz-Weiß-Zeichnung von zwei Mädchen. Die eine flüstert der anderen etwas zu.

Die Gedanken sind frei. Oder? Damit haben sich mehrere Schülerinnen und Schüler künstlerisch auseinandergesetzt. © Lucía Messina;Sophia Bussinow

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ – beim Umgang mit diesem Zitat aus Goethes „Faust“ gab es sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Während eine Schülerin in einem mit Acryl und Bleistift gemalten Bild die Menschenrechte, die sich aus dem Grundgesetz in die Realität übersetzen, darstellte, warf eine andere Schülerin mit einem selbstgeschriebenen Gedicht und dazu gedrehten Video einen sehr kritischen Blick auf die Bedeutung dieses Satzes. Wer ist Mensch und wer darf es hier nicht sein? Für wen gelten nicht die gleichen Rechte? Die anderen Schülerinnen und Schüler zeigten sich sehr beeindruckt, wie das Gedicht mit unverstellter Klarheit Alltagsrassismus, Sexismus, fehlende Inklusion und Queerfeindlichkeit anprangert.

Ein Gemälde, auf dem Hände und verschiedene Utensilien zu sehen sind.

Die Menschenrechte dargestellt als konkrete Gegenstände und Bilder. © Frieda Meinert

Wohnen als Selbstverständlichkeit

Eine weitere Aufgabe des Wettbewerbs hatte „Wohnen als Selbstverständlichkeit“ zum Thema. Die Schülergruppen haben sich teilweise von Wohnkonzepten in ihrem Umfeld inspirieren lassen und teils sogar Umfragen mit Bewohnern durchgeführt. Verschiedene bunte Bilder und ein aufwändig gebasteltes Modell versuchen Antworten auf die Frage zu geben: Wie kann Wohnen als nachhaltiges, inklusives und Mehrwert schaffendes Konzept aussehen? 

Ein Foto einer Brachfläche neben einer Zeichnung, die die Fläche mit bunten Häusern und einem Teich zeigt.

Jeden Tag laufen sie auf ihrem Schulweg an dieser ungenutzten Fläche vorbei. Die Schüler haben sich gefragt: Wie könnte man hier Wohnraum und Gemeinschaft schaffen? © Benedikt Lill, Pia Thüsing, Lennard Korda

Die eingereichten Arbeiten zeigen, mit welcher Begeisterung, Kreativität und mit welch kritischem Blick die Schülerinnen und Schüler sich mit gesellschaftlichen Fragen künstlerisch auseinandersetzen.

Lust, selbst mitzumachen?

Das übergeordnete Thema des 74. Europäischen Wettbewerbs lautet: „Europa gerecht gestalten: Was kostet die Zukunft?“ Wer Lust hat, mitzumachen, findet alle Informationen hier.