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PPP-Stipendiat in den USA

Jesper, 16, von Bayern nach Nebraska

29. Oktober 2026

Für Jesper ist durch das PPP der Traum vom Auslandsjahr in den USA wahr geworden. Hier berichtet er von seinem neuen Alltag und den offenen Begegnungen, die für ihn das Leben in den USA ausmachen.

Eine Frau hält ein Willkommensschild, neben ihr steht ein junger Mann und hat den Arm um sie gelegt. Beide lächeln in die Kamera.

Jesper hat es nach einer langen Anreise nach Nebraska geschafft und wurde von seiner Gastmutter in Empfang genommen. © privat

Zur Person

Servus!

Ich bin Jesper, komme aus Dachau in Bayern und verbringe gerade ein Austauschjahr in den USA.

Der Traum, einmal für längere Zeit in den USA zu leben, begleitet mich schon ziemlich lange. Ich glaube, ungefähr seit ich zehn Jahre alt war, stelle ich mir vor, wie es wäre, ein Jahr lang auf der anderen Seite des Atlantiks zu leben. Damals hab ich wahrscheinlich selbst nicht geglaubt, dass dieser Traum irgendwann tatsächlich wahr werden würde.

Ich bin unglaublich gespannt, was mich in den USA alles erwartet. Ich freue mich darauf, neue Menschen kennenzulernen, andere Perspektiven zu entdecken und den amerikanischen Alltag einmal selbst mitzuerleben, anstatt das Land nur aus Filmen und Erzählungen zu kennen. Ich nehme euch hier ein bisschen mit durch mein Austauschjahr und freue mich, von meinen Erlebnissen zu berichten!

Ein Traum wird wahr

Auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm, kurz PPP, bin ich eher zufällig gestoßen. Eines Tages bin ich auf Instagram über einen Beitrag dazu gestolpert und dachte mir: Das wäre perfekt für mich! Also habe ich mich sofort beworben und mich auf das Abenteuer eingelassen. Was dann folgte, war ein Auswahlprozess, der sich über ungefähr ein halbes Jahr hingezogen hat. In dieser Zeit habe ich natürlich immer wieder darüber nachgedacht, ob es am Ende wirklich klappen würde.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich die Zusage-Mail bekommen habe. Als ich gelesen habe, dass ich das Stipendium tatsächlich bekomme, bin ich komplett ausgerastet und habe einfach losgeschrien. Danach bin ich sofort zu meinem Bruder und anschließend zu meinen besten Freunden, um ihnen die Nachricht zu überbringen. Ich konnte mein Glück in diesem Moment kaum fassen!

Ein paar Tage vor meinem Abflug hatte ich außerdem die Gelegenheit, meine Patenabgeordnete kennenzulernen. Ich bin ihr wahnsinnig dankbar, dass sie mich für das Stipendium ausgewählt und mir damit diese einmalige Chance ermöglicht hat. Ohne das PPP wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht hier in den USA und könnte all diese tollen Erfahrungen gar nicht machen. Umso mehr freue ich mich, dass es geklappt hat und mein Traum jetzt tatsächlich wahr wird.

Reisetag und erste Eindrücke

Vier Tage vor meinem Abflug habe ich endlich erfahren, bei welcher Gastfamilie ich mein Austauschjahr verbringen würde. Da blieb nicht mehr viel Zeit: Innerhalb von vier Tagen musste ich meinen Koffer packen, die letzten Dinge organisieren und mich von allen verabschieden. So richtig realisiert, dass es jetzt tatsächlich losgeht, hatte ich wahrscheinlich noch gar nicht.

Am Morgen meines Abflugs wurde ich am Flughafen noch von meinen Freunden überrascht. Das war ein richtig schöner Moment, bevor es für mich endgültig losging. Kurz darauf saß ich auch schon im Flugzeug in Richtung USA. Mein Ziel: Papillion in Nebraska, ein Vorort von Omaha, wo ich die nächsten zehn Monate verbringen würde.

Meine Reise führte mich zuerst nach Chicago. Dort musste ich mein Gepäck abholen und für den Anschlussflug nach Omaha noch einmal neu einchecken. Der Weiterflug hatte allerdings Verspätung, weshalb ich erst einmal am Gate warten musste. Die Zeit habe ich genutzt, um meine Familie in Deutschland anzurufen und Bescheid zu geben, dass ich gut angekommen war, mein Anschlussflug aber später gehen würde.

Danach telefonierte ich mit meiner Gastmutter Lynda. Sie freute sich schon sehr darauf, mich endlich kennenzulernen. Im Gespräch erzählte sie mir auch von ihrem Lieblingspopcorn von Garrett Popcorn Shops in Chicago. Das Karamellpopcorn kannte sie noch aus ihrer Kindheit und vermisste es, weil sie es in Nebraska nicht einfach bekommen konnte. Da dachte ich mir, dass ich ihr damit eine kleine Freude machen könnte.

Also machte ich mich auf die Suche nach dem Laden. Ganz so einfach war das am Flughafen allerdings nicht, und ich verlief mich zwischendurch ein bisschen. Irgendwann fand ich den Stand aber doch und kaufte das Popcorn. Zum Glück passte es noch in meinen Rucksack. Ich freute mich schon darauf, Lynda damit zu überraschen.

Nach einer Weile ging es endlich weiter nach Omaha. Während des Fluges kam ich mit der Frau ins Gespräch, die neben mir saß. Sie fragte mich ganz spontan, woher ich komme und warum ich nach Omaha fliege. Als ich ihr erzählte, dass ich aus Deutschland komme und für ein Austauschjahr in Nebraska bleiben würde, war sie sofort begeistert. Sie fing an, mir jede Menge Tipps zu geben und zu erzählen, was ich in der Gegend unbedingt erleben sollte. Nebenbei erzählte sie mir auch ziemlich viel aus ihrem eigenen Leben. Wir redeten fast den ganzen Flug über, und die Zeit verging dadurch unglaublich schnell.

Solche Begegnungen fand ich von Anfang an richtig schön. Obwohl wir uns vorher überhaupt nicht kannten, war sie total offen und interessiert. Das gab mir sofort ein gutes Gefühl und machte mich noch neugieriger auf das Leben in den USA.

Welcome to the USA

Als wir schließlich in Omaha landeten, warteten meine Gasteltern schon auf mich. Mein Gastvater Scott stand draußen beim Auto und machte schon alles für meine Koffer bereit, während meine Gastmutter Lynda im Ankunftsbereich auf mich wartete. Als ich sie sah und sie mich mit einem breiten Lächeln begrüßte, war ich einfach erleichtert und super glücklich, endlich da zu sein. Wir umarmten uns und machten erst einmal ein gemeinsames Foto. In diesem Moment hatte ich sofort das Gefühl, dass das ein tolles Jahr werden könnte und ich bei genau den richtigen Menschen gelandet war.

Natürlich durfte auch meine kleine Überraschung nicht fehlen. Als ich Lynda das Popcorn aus Chicago überreichte, freute sie sich riesig. Aus Deutschland hatte ich natürlich auch noch ein paar Geschenke für meine Gastfamilie mitgebracht.

Ein junger Mann, ein älterer Mann und eine ältere Frau posieren nebeneinander für das Foto. Jeder hat ein Lebkuchenherz um den Hals.

Jesper hat seinen Gasteltern und seinem Gastbruder Lebkuchenherzen als Gastgeschenk mitgebracht. © privat

Am Ende des Tages war ich ziemlich müde, aber vor allem glücklich. Ich war endlich in den USA angekommen, hatte meine Gastfamilie kennengelernt und schon die ersten netten Begegnungen erlebt. Natürlich war noch alles neu und ungewohnt, aber ich freute mich darauf, jetzt richtig in mein Austauschjahr zu starten.

Ein Stück Bayern in Nebraska

Wie erklärt man amerikanischen Schülern eigentlich, was Bayern so besonders macht? Genau das durfte ich vor Kurzem selbst ausprobieren. Im Rahmen meines PPP-Stipendiums gehört es auch dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren und den Menschen in den USA etwas über Deutschland zu erzählen. Ich finde es schön, dass ich während meines Austauschjahres nicht nur die amerikanische Kultur kennenlernen darf, sondern auch selbst etwas aus meiner Heimat mitbringen kann. Besonders gefreut habe ich mich deshalb, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, einen Tag an der Schule meiner Gastmutter zu verbringen. Sie ist Lehrerin an einer katholischen Middle School in Omaha und hat mir angeboten, dort einen Vortrag über Deutschland und Bayern zu halten.

Zugegeben, am Anfang war ich schon ein bisschen nervös, vor einer ganzen Klasse zu stehen und über meine Heimat zu erzählen. Das legte sich aber ziemlich schnell, denn die Achtklässler waren wirklich interessiert und stellten mir viele Fragen. Ich erzählte ihnen von Deutschland, von Bayern, unseren Landschaften und Traditionen und natürlich auch von unserem Dialekt. Außerdem erklärte ich ihnen, wo Deutschland überhaupt in Europa liegt.

Damit ich ihnen nicht nur Bilder zeigen konnte, hatte ich auch ein paar Dinge aus Deutschland mitgebracht: meine Lederhose und einige Euroscheine. Vor allem die Lederhose fanden die Schüler richtig interessant. Es war cool zu sehen, wie neugierig sie auf etwas waren, das für mich selbst ganz normal ist.

Eine Grundschulklasse, in der die Schülerinnen und Schüler an iPads arbeiten.

Bevor Jesper seinen Vortrag über Bayern in einer Grundschulklasse gehalten hat, hat er sich mit den Kindern unterhalten und ihnen ein bisschen bei ihren Aufgaben geholfen. © privat

Botschafter einer Fußballnation

Gleichzeitig gab es natürlich auch Fragen, bei denen ich schmunzeln musste. Eine davon war, ob ich Fußball spiele und ob ich ein guter Fußballspieler bin. Diese Frage habe ich inzwischen wirklich schon unzählige Male gehört. Offenbar gehört Fußball für viele einfach zu Deutschland dazu und man geht schnell davon aus, dass jeder Deutsche selbst auf dem Platz steht.

Für mich war der Tag eine richtig tolle Erfahrung. Es ist spannend, zu merken, wie andere Menschen auf Dinge reagieren, die man selbst aus dem Alltag kennt, und welche Vorstellungen sie von Deutschland haben. Ich bin meiner Gastmutter sehr dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben hat. Ohne sie hätte ich diesen Tag wahrscheinlich nicht so erlebt. Es hat mir viel Spaß gemacht, den Schülern etwas über Bayern zu erzählen und gleichzeitig selbst etwas Neues kennenzulernen.

Für mich zeigt genau das, was einen Schüleraustausch so besonders macht: Man lernt nicht nur ein anderes Land kennen, sondern teilt auch ein Stück von sich selbst mit den Menschen dort. Und manchmal braucht es dafür gar nicht viel. In meinem Fall waren es eine Lederhose, ein paar Euroscheine und ganz viele Fragen über Fußball :)