PPP-Stipendiatin in den USA
Johanna, 15, von Rheinland-Pfalz nach Texas
1. Oktober 2026
Cowboystiefel und Football-Spiele: Zehn Monate lang nennt Johanna Texas ihr Zuhause. Hier nimmt sie euch mit in ihren Alltag zwischen High School, Softball-Training und amerikanischen Traditionen.
Johanna verbringt ihr PPP-Auslandsjahr in Texas. © privat
Hallo,
ich heiße Johanna, bin 15 Jahre alt und komme aus Nickenich bei Andernach in Rheinland-Pfalz. Dank des Parlamentarischen Patenschafts-Programms des Deutschen Bundestages darf ich ein Auslandsjahr in den USA machen und Deutschland als Juniorbotschafterin repräsentieren.
Mein Placement ist in Anna, im Großraum Dallas, Texas. Hier wohne ich bei Julie und Jose, meinen Gasteltern, und meiner gleichaltrigen Gastschwester Ilyana. Die Familie wird durch den Hund Bruce komplettiert.
An meiner High School spiele ich Softball und wirke in einem Kurzfilmprojekt mit, das sich mit den Gefahren von Künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Meine Hobbys in Deutschland sind Tanzen, Lesen, Musik hören und Zeit mit meinen Freunden verbringen.
Cowboyboots und Friday-Night-Football: Meine ersten Wochen in Texas
Am 10. August dieses Jahres flog ich mit den anderen PPPlern nach Washington, D.C. Zwei Tage lang wurden wir dort auf die Zeit bei unseren Gastfamilien vorbereitet. Am 12. August ging es dann für mich weiter nach Dallas, Texas, wo meine Gastfamilie mich sehr herzlich empfing. Seither habe ich schon Einiges erlebt. Wir waren bei Baseballspielen der Frisco Rough Riders und der Texas Rangers. Das waren Gänsehauterlebnisse! Die Fans unterstützen ihre Mannschaften begeistert.
Meine persönlichen Highlights sind aber die Footballspiele meiner High School, die alle zwei Wochen freitagabends stattfinden. Ich kannte diese Atmosphäre nur aus Filmen und hielt sie für übertrieben. Aber so ist es nicht, im Gegenteil: Es ist noch viel besser! Fast alle Schüler sind im Stadion und zu jedem Spiel gibt es ein Motto. Beim letzten Mal lautete es „Western“ und viele kamen in Boots und mit Stetson-Cowboyhut. Donnerstags gibt es vor dem Spiel eine Pep-Rallye, bei der Cheerleader und ein sogenanntes Drill-Team auftreten und die Schulgemeinschaft auf das Spiel einstimmen.
Schon in ihren ersten Wochen in den USA hat Johanna mehrere Football-Spiele besucht. Am liebsten mag sie aber die Spiele an ihrer eigenen High School. © privat
Die High School
Der Schulalltag unterscheidet sich deutlich von dem in Deutschland. Ich habe beispielsweise eine Vier-Tage-Woche und der Unterrichtet dauert von 8:15 Uhr bis 16:30 Uhr. Meine Fächer sind Englisch, „Sports and Entertainment Marketing“, „Anatomy and Physiology“, AP Physik, Precalculus, Softball und US-History. Es sind vollgepackte lange Tage. Vor allem die Naturwissenschaften sind anspruchsvoller als in Deutschland.
Auch der Unterricht selbst ist anders aufgebaut: In fast jeder Stunde gibt es ein Assignment, ähnlich einer Hausaufgabenüberprüfung. Es wird großer Wert darauf gelegt, dass man sich den Stoff selbständig erarbeitet – Eigeninitiative und Motivation ist absolute Voraussetzung. Dazu kommen Quizzes und Mastery-Tests. Ein Quiz ist vergleichsweise entspannt, ein Test schon etwas ernster, Mastery-Tests entsprechen etwa einer Klassenarbeit.
In „Sports und Entertainment Marketing“ wird es dagegen sehr praktisch: Wir suchen Sponsoren für ein dreitägiges Basketballturnier unserer Schule. Wir sind aufgefordert ein Sponsoring von mindestens 45.000 US-Dollar zu organisieren, unser angepeiltes Ziel liegt jedoch höher.
Zum Stundenplan gehört auch Softball. Montags und mittwochs geht es auf das Feld. Dort wird Schlagen, Fangen und Technik trainiert. Außerdem simulieren wir Spielsituationen. Dienstags und Donnerstags trainieren wir im schuleigenen Gym: dienstags „arm-day“, donnerstags „leg-day“ mit Übungen wie Bankdrücken, Kniebeugen mit Gewichten und Klimmzüge. Das Niveau ist hoch und die Workouts sind echt anstrengend.
Community-Hours
Als Stipendiatin muss ich mindestens 25 Community-Hours sammeln, also gemeinnützige Arbeit verrichten. Fast acht Stunden habe ich schon. Ich packe jeden Dienstag Lunches für Kinder aus meinem Schuldistrikt, die sich selbst keines kaufen können. Außerdem habe ich bei einem Footballspiel am Concession Stand (Kiosk) Essen zubereitet und verkauft.
Johanna verbringt viel Zeit an ihrer High School, da gehört natürlich auch Homecoming dazu. © privat
Homecoming
Am 3. Oktober ist Homecoming an meiner High School und dazu gehört in Texas eine besondere Tradition: die Homecoming Mums. Das sind große Anstecker aus Bändern, Kunstblumen und Glitzer, oft mit Kuhglocken, in den Schulfarben und mit Namen oder Zahlen verziert. Ursprünglich trug man dazu echte Chrysanthemen („mums“), doch mit der Zeit wurden de Anstecker immer größer und aufwendiger. Frei nach dem hier gelebten Motto: „Everything is bigger in Texas.“