PPP-Stipendiaten in den USA
Kristin, 17, von Rheinland-Pfalz nach Indiana
1. Oktober 2026
Für zehn Monate tauscht Kristin ihre reinland-pfälzische Heimat gegen den Mittleren Westen der USA ein. Begleite sie während ihrer Zeit in einem deutlich digitaleren Schulalltag und bei all den großen und kleinen Abenteuern, die sie während ihres Auslandsjahres erleben wird.
Kristin gemeinsam mit ihrer Gastmutter (links). © privat
Hey!
Ich bin Kristin, 17 Jahre alt, und verbringe mit dem PPP mein Austauschjahr in der Nähe von Indianapolis im Bundesstaat Indiana. Eigentlich komme ich aus Rheinland-Pfalz und darf hier meine Heimat vertreten. In meiner Freizeit arbeite ich ehrenamtlich mit Kindern, tanze und spiele sowohl in Deutschland als auch in den USA in der Theatergruppe meiner Schule. Ich freue mich sehr darauf, mit dem PPP neue Aspekte einer Kultur kennenzulernen, neue Menschen zu treffen und ganz viele vielfältige Erfahrungen machen zu können.
Als ich vor zwei Jahren zufällig auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) gestoßen bin, war mir klar: Ein Auslandsjahr mit dem PPP ist ab sofort mein größter Traum. Auch dass mein Wahlkreis in meinem ersten Bewerbungsjahr kein Schülerstipendium bekommen hat und ich damit in der letzten Runde rausgeflogen bin, hat mir diesen Traum nicht nehmen können. Und das war gut so: Ich habe mich ein zweites Mal beworben und jetzt lebe ich seit ungefähr sieben Wochen meinen Traum in den USA!
Ende Januar habe ich meine Zusage erhalten, im Mai mein Placement und heute lebe ich in einer unglaublich liebenswerten Familie in Indiana, im Midwest. Am Anfang dachte ich, ich lande mitten im Nirgendwo, aber ich könnte heute nicht glücklicher mit meinem Placement sein. Meine Gastfamilie wirkt vielleicht auf den ersten Blick unkonventionell, aber ich hätte es wirklich nicht besser treffen können!
Mein Abenteuer beginnt
Für mich ging es am 10. August los. Von Frankfurt flog ich mit einem von meiner deutschen Organisation begleiteten Gruppenflug nach Washington, D.C. Die Fahrt zum Flughafen und der Abschied von meiner Mutter waren emotional und chaotisch. Ich war sehr froh, dass ich währenddessen ganz viele Leute, die ich auf meinem Vorbereitungsseminar schon lieb gewonnen hatte, um mich herum hatte. Wir haben diese Emotionen alle zusammen erlebt, haben zusammen geweint, waren aber auch zusammen super aufgeregt und haben uns gegenseitig abgelenkt.
Ich habe auch erstmal nicht realisiert, dass ich Deutschland jetzt für zehn Monate verlasse. Der acht-Stunden-Flug war super angenehm, das vegetarische Essen zwar teilweise fragwürdig, aber dafür hatten wir super viel Spaß zusammen. Wir waren auf dem Flug immerhin insgesamt über 80 Austauschschüler aus drei Organisationen.
In Washington hatten wir am nächsten Tag einen Willkommens-Workshop. Wir haben Infos über unser Programm bekommen und hatten die Möglichkeit, anzukommen, obwohl wir wahrscheinlich alle mit Jetlag gekämpft haben. Es war super, andere Austauschschüler kennenzulernen und sich auszutauschen. Am Mittwoch sind wir dann zu unseren Gastfamilien geflogen. Die Flugbegleiter auf unserem Flug waren echt nett und interessiert und haben uns am Ende über die Durchsage ein schönes Auslandsjahr gewünscht.
Und dann war ich plötzlich schon in Indianapolis und habe meine Host-Mom kennengelernt. Alles ging so unglaublich schnell!
Die ersten Wochen
Meine ersten Wochen waren eine einzige emotionale Achterbahnfahrt. Ich habe mich in meiner Gastfamilie von Anfang an relativ wohl gefühlt, auch wenn es mir teilweise schwer fiel, meinen Platz in einer neuen Familie zu finden. Die ersten zwei Wochen waren noch voller Adrenalin und spannender Neuheiten, dementsprechend hatte ich kaum Heimweh. Woche drei war dagegen sehr schwer für mich; ich hatte wenig Kraft und habe die Geborgenheit meines Zuhauses vermisst. Aber gleichzeitig war ich sehr beschäftigt, was mich definitiv vom Heimweh abgelenkt hat.
Es war auf jeden Fall eine sehr aufregende Zeit, denn ich habe ganz viele neue Leute kennengelernt, neues Essen probiert, neue Orte gesehen und in einer ganz neuen Kultur gelebt. Dadurch hatte ich am Anfang jedoch oft Sorge, unhöflich zu sein, etwas „Falsches“ zu sagen oder etwas zu tun, was man in einer anderen Kultur eben nicht sagt oder macht. Es gibt auch nach sieben Wochen noch Dinge und Momente, in denen ich verwirrt bin oder selbst nicht ganz weiß, was ich tun soll, weil ich die neue Kultur noch nicht so gut kenne.
Meine High School
Ich liebe meine High School und fühle mich unglaublich wohl in der Community. Die Schule umfasst ca. 450 Schüler und neben mir gibt es noch sechs andere Austauschschüler. Wir alle haben unsere Schließfächer nebeneinander und verstehen uns echt super. Die Leute in meiner High School sind super nett. Allein am ersten Schultag sind unzählige Schüler auf mich zugekommen, haben sich vorgestellt, Fragen gestellt und waren grundsätzlich super lieb zu mir. Daher habe ich mich nach meinem ersten Tag in der High School schon sehr wohl gefühlt.
Was mich definitiv geschockt hat, war, dass wir unsere Rucksäcke nicht mit in die Klassenräume nehmen dürfen. Stattdessen müssen sie in unseren Schließfächern bleiben und wir müssen unsere Chromebooks und alles andere so tragen. Da hat es definitiv nicht geholfen, dass ich die ersten Tage super überfordert mit dem Schloss von meinem Schließfach war und es ohne Hilfe nicht aufbekommen habe.
Und wenn wir schon bei Chromebooks sind, das war definitiv auch ein Kulturschock! An meiner Schule hier läuft alles digital: Aufgaben werden auf den Chromebooks bearbeitet und online abgegeben. Das ist definitiv moderner als meine deutsche Schule!
In den ersten sieben Wochen von Kristins Auslandsjahr hat sich viel um Sport gedreht: So hat sie ihr erstes Footballspiel erlebt und ist Teil der Fußballmannschaft ihrer High School. © privat
Amerikanische High Schools haben meistens auch ziemlich viele Clubs und Sportarten. An meiner Schule spiele ich im Fußballteam, habe eine Rolle in einem Theaterstück und bin in FCCLA, einem Club, in dem wir soziale und wohltätige Veranstaltungen planen. Ich bin echt froh, dass ich diese ganzen Aktivitäten mache. Es kann zwar stressig werden, aber dafür habe ich schon so viele liebenswerte Personen kennenlernen können, besonders die Girls aus dem Soccer-Team.
Homecoming-Week
Der School-Spirit ist ein weiterer großer Part des Schullebens hier, den ich sehr genieße. Generell ist die Gemeinschaft hier viel stärker als ich es aus Deutschland gewohnt bin, aber vor allem bei besonderen Events merkt man das. Letzte Woche war zum Beispiel die Homecoming-Week. Wir hatten jeden Tag ein anderes Motto, zu dem man sich passend angezogen hat. An einem Tag haben wir Togas getragen wie die alten Griechen, an einem anderen Tag Outfits wie Adam Sandler. Es hat echt Spaß gemacht, die Outfits anderer zu sehen.
Am Freitag war das Homecoming-Football-Spiel, bei dem die Stimmung echt super war und auch der Homecoming King und die Homecoming Queen verkündet wurden. Am Samstag war dann der Homecoming-Tanz, so eine unwirkliche Erfahrung! Davor: gemeinsames Fertigmachen mit einer Gruppe der Mädchen aus dem Fußballteam und anschließend zusammen Fotos machen, bevor es dann zum Tanz ging. Alle sahen so toll aus und ich hatte so viel Spaß, mit allen zusammen zu feiern.
In ihren ersten Wochen hat Kristin schon viel erlebt: Mit ihrer Gastfamilie war sie am Michigansee und mit ihren Freundinnen aus dem Fußball-Team ist sie zum Homecoming-Ball gegangen. © privat
Meine Gastfamilie
Meine Gastfamilie ist etwas unkonventionell und definitiv nicht das, was man sich als Erstes vorstellt, aber ich hätte nicht mehr Glück haben können!
Die Kernfamilie besteht aus meiner Host-Mom und meinem Double Placement, eine weitere Austauschschülerin, die mit mir in meiner Gastfamilie lebt. Meine Gastmutter ist Anfang 30, hat keinen Partner oder Kinder und arbeitet als Englischlehrerin an meiner High School. Mein Double Placement ist eine Norwegerin in meinem Alter. Zu dritt sind wir ein richtig cooles Trio.
Und zu Hause ist es wegen der Haustiere auch nie ruhig; wir haben zwei Hunde und zwei Katzen. Meine Gastmutter hat außerdem eine relativ große Familie, darunter ihre Eltern, Großeltern und Geschwister mit Kindern. Wir sehen uns alle mindestens einmal pro Woche. Ich genieße den ganzen Trubel des Zusammenseins sehr, vor allem mit den Kindern. Die Familie hat mich echt super süß aufgenommen. Gleich an meinem zweiten Abend hier habe ich alle kennengelernt und wir haben einen Spieleabend gemacht.
An einem meiner ersten Wochenenden haben wir zusammen ein Spiel der Indianapolis Colts besucht, die Football-Mannschaft von Indianapolis. Das Stadion war so groß und es war echt eine verrückte Erfahrung. Die Mutter meiner Host-Mom hatte die ganze Familie eingeladen und wir haben uns davor noch extra Merch besorgt.
Am Wochenende danach war ich mit meiner gesamten Gastfamilie am Michigansee campen. Vom Campingplatz ist man nur zehn Minuten bis zum See gelaufen, und es war einfach wie am Meer. Es gab Wellen, Sandstrand und sogar Dünen, und vom Strand konnte man Chicago in der Entfernung sehen. Der Trip hat super viel Spaß gemacht.
Und that’s it!
Das war mein Auslandsjahr bis jetzt, oder zumindest ein kleiner Teil. Es ist unmöglich, über alles zu berichten, auch wenn ich das gerne würde. Ich freue mich schon darauf, meinen zweiten Blogpost zu schreiben!