PPP-Stipendiatin in den USA
Lotte, 16, von Leipzig nach New Orleans
25. September 2026
Ein Auslandsjahr in der Heimat des Jazz: In ihrem Blog nimmt Lotte euch mit in ihr Leben in New Orleans.
© privat
Hey!
Ich bin Lotte, 16 Jahre alt und komme aus Leipzig. In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden, mache Leichtathletik und spiele Klavier. Es war schon immer mein Traum, ein Auslandsjahr zu machen, weil ich gerne reise und ich es eine gute Möglichkeit finde, um andere Kulturen und neue Leute kennenzulernen. Durch das PPP ist dieser Traum für mich nun wahr geworden und ich lebe für die nächsten zehn Monate in New Orleans, Louisiana. Ich freue mich darauf, euch regelmäßig Einblicke in meinen Alltag zu geben und euch von meinen Erfahrungen während meines Auslandsjahres zu berichten.
Wie alles begann
Ich wollte eigentlich schon immer ein Auslandsjahr machen und das PPP schien mir perfekt dafür. Nach einer langen Bewerbungsphase, mehreren Auswahlgesprächen und viel Warten erhielt ich im Februar endlich die Zusage. Anfang Mai hatte ich dann eine Vorbereitungswoche in Berlin, bei der ich viele andere Stipendiaten kennenlernen durfte. Dadurch fühlte sich das Auslandsjahr zum ersten Mal ein bisschen realer an.
Danach begann das Warten. Ich habe täglich auf neue Informationen gehofft und mir immer wieder die gleichen Fragen gestellt: Wo werde ich hinkommen? Wer wird meine Gastfamilie sein? Anfang August wusste ich immer noch nichts Neues und wurde langsam immer aufgeregter. Dann kam endlich die lang ersehnte Nachricht. Ich habe mich total gefreut – bis ich gelesen habe, dass ich schon in drei Tagen abfliegen sollte. Plötzlich habe ich mich gefragt, wie ich das alles überhaupt schaffen soll.
Die nächsten Tage vergingen blitzschnell und nach etwas Chaos, aber auch ganz viel Vorfreude, stand ich auf einmal am Flughafen. Ich glaube, bis zu diesem Moment hatte ich noch gar nicht richtig realisiert, worauf ich mich da eigentlich eingelassen hatte. Und auch jetzt kann mein Kopf immer noch nicht ganz verstehen, dass ich hier noch so lange bleiben werde.
Als Lotte endlich erfuhr, dass sie ihr PPP-Jahr in New Orleans verbringen wird, ging alles ganz schnell: Abflug in drei Tagen. In New Orleans wurde sie dann unter anderem von ihrer Gastschwester Rachel abgeholt. © privat
Alles wie im Film
Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmama Rebecca, meinem Gastpapa John, meinen Gastgeschwistern Rachel und Elias sowie den beiden Hunden Louis und Opal. Rachel ist genauso alt wie ich und wir gehen auch in dieselbe Klasse, was total schön ist, da ich durch sie jemanden habe, an dem ich mich orientieren kann und der mir gerade am Anfang vieles erklärt. Mein Gastbruder Elias ist schon auf dem College und ich habe ihn deshalb bisher nur am Telefon kennengelernt. Aber auch er wirkt total nett und ich bin wirklich sehr glücklich mit meiner Gastfamilie.
Ich bin mitten in der Nacht hier angekommen und bin dann eigentlich sofort ins Bett gegangen. Am nächsten Tag mussten alle zur Arbeit und in die Schule, sodass ich den Großteil des Tages alleine verbracht habe. Doch schon das Haus hat mich ein bisschen an einen Film erinnert. Als mir dann die Nachbarschaft gezeigt wurde, hat sich dieses Gefühl noch verstärkt: große Autos, riesige Vorgärten und breite Straßen. Ich war total begeistert und John hat immer geschmunzelt, wenn ich mich über einen Truck, einen Schulbus oder einen typisch amerikanischen Briefkasten gefreut habe.
Bienvenue à l’école!
Ich gehe auf keine klassische amerikanische Highschool, sondern auf das „Lycée Français“, eine Schule, an der sowohl auf Englisch als auch auf Französisch unterrichtet wird. Ich hatte zwar schon vorher Französischunterricht, aber das ist überhaupt nicht damit vergleichbar. Hier bin ich jeden Tag von Französisch umgeben und muss mich immer wieder aufs Neue daran gewöhnen, zwischen den beiden Sprachen zu wechseln. Meine Fächer durfte ich nicht selbst wählen, sondern ich habe einen festen Stundenplan. Wir sind gerade einmal 38 Schüler in der gesamten 11. Klasse, was aber auch schön ist, weil sich dadurch alle kennen. Ich habe schnell Anschluss gefunden und schon erste Freundschaften geschlossen.
Einblick in meinen Alltag
Rachel hatte mich schon vor meinem Abflug gefragt, ob ich Teil des Schwimmteams werden möchte, und ich habe natürlich begeistert zugesagt. Was sie mir allerdings nicht erzählt hat: Das Training findet vor der Schule statt. Und so muss ich jeden Morgen schon um 5:30 Uhr aufstehen und habe dann eine Stunde Training. Danach geht es direkt in die Schule, in der ich von 8 bis 16 Uhr bin – mit gerade einmal einer 30-minütigen Mittagspause.
Am Anfang war das schon etwas überfordernd für mich: zwei Sprachen, lange Schultage und dazu noch jede Menge Hausaufgaben. Denn was mir sofort aufgefallen ist: Hausaufgaben und Noten spielen hier eine viel größere Rolle als an meiner Schule in Deutschland. Mittlerweile habe ich mich aber ganz gut daran gewöhnt.
Außerdem habe ich mit Volleyball angefangen. Ich bin zwar noch nicht wirklich gut darin, aber es macht total viel Spaß und ich wurde vom Team super aufgenommen. Wenn ich zum Beispiel einen Ball bekomme oder eine Übung gut ausführe, applaudieren alle, loben mich oder klatschen mit mir ab. Es ist total schön, so supported zu werden.
Lotte ist begeistert von der Vielseitigkeit von New Orleans und fühlt sich auch dank ihrer gleichaltrigen Gastschwester schon nach wenigen Wochen angekommen. © privat
New Orleans – Stadt der Kulturen
New Orleans ist eine total schöne und historisch sehr interessante Stadt. Sie ist stark von verschiedenen Kulturen und Einwanderung geprägt. Im 18. Jahrhundert kamen zunächst viele Franzosen und später auch Spanier hierher, um ein ein neues Leben anzufangen. Heute kann man das im „French Quarter“ sehen, dem ältesten Viertel der Stadt. Ich war an meinem ersten Wochenende mit Rachel dort und es hat mir sehr gut gefallen. Im 19. Jahrhundert sind auch ungefähr 1.000 Deutsche hierher ausgewandert. Es gab sogar einen Stadtteil namens „Little Saxony“, also kleines Sachsen. Die Deutschen haben auch das Bier nach New Orleans gebracht. Davor wurde hier nämlich nur Wein getrunken.
New Orleans ist außerdem die Geburtsstätte des Jazz. Ganz genau lässt sich zwar nicht sagen, wann Jazz entstanden ist, aber die Musik entwickelte sich hier aus dem Zusammenspiel verschiedener Kulturen und musikalischer Traditionen. Heute kann man die Musik an vielen Straßenecken hören.
Unterschiede und Klischees
Mit einem Kulturschock hatte ich tatsächlich nicht zu kämpfen. Klar ist vieles anders: Alles ist ein bisschen größer, es gibt überall Klimaanlagen und die Menschen sind viel offener und kommen leicht ins Gespräch. Ich habe mich vor meinem Auslandsjahr aber so gut wie möglich vorbereitet, indem ich Erfahrungsberichte und Ratgeber gelesen habe, und ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist. Es liegt wahrscheinlich außerdem daran, dass ich in keiner „typischen“ amerikanischen Familie gelandet bin. Meine Gasteltern sind beide Ärzte und legen viel Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Außerdem gibt es Sprudelwasser und gutes Brot, wovon ich mich gedanklich schon verabschiedet hatte.
Es stimmt aber, dass hier fast alles mit dem Auto zurückgelegt wird. Ich bin zu Hause eigentlich immer mit dem Fahrrad gefahren, weshalb das schon eine Umstellung für mich war. Auch der Müll wird hier nicht getrennt, was für mich ebenfalls ungewohnt ist. Ansonsten merke ich aber jeden Tag, dass viele Klischees eben doch nicht auf jeden zutreffen, und genau das finde ich an meinem Auslandsjahr so spannend.
Und so ist der erste Monat auch schon fast um. Ich freue mich auf alles, was noch vor mir liegt.