PPP-Stipendiatin in den USA
Viktoria, 17, von Hessen nach Kalifornien
30. September 2026
Mit dem PPP-Auslandsjahr in den USA ist für Viktoria ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Abschied von Zuhause war natürlich trotzdem nicht leicht, doch ihr neues Leben in Kalifornien war das auf jeden Fall wert.
Für Viktoria ist mit dem Auslandsjahr in Kalifornien ein Traum in Erfüllung gegangen. © privat
Heyy,
ich bin Vicki, bin 17 Jahre alt und komme aus dem Wahlkreis Bergstraße. Dank des Parlamentarischen Patenschafts-Programms darf ich dieses Schuljahr 2026/27 als Juniorbotschafterin in den USA leben.
In Deutschland habe ich Ballett getanzt, bin geritten und war Teil des Schulsanitätsdiensts. Außerdem bin ich interessiert an Politik, weswegen ich beispielsweise eine Podiumsdiskussion organisiert habe.
Jetzt lebe ich in Dixon, Kalifornien. Hier in den USA bin ich Teil des Cheer-Teams und helfe im „Rams-Vault“. Das ist ein Club der Schule, mit dem wir Lebensmittel und Kleidung sammeln und an Schüler verteilen, die wir damit unterstützen können.
Momentaufnahme
Der Wind weht um meine Beine und ich blicke in die strahlenden Gesichter der Menschen, die aufgereiht wie beim Militär vor mir stehen. Die Sonne strahlt in mein Gesicht. Die Band fängt an zu spielen. Laute Rufe von der Tribüne hallen getragen vom Wind zu meinen Ohren. Ich fange an, meine Arme zu bewegen und höre die grün-weißen Pom-Poms laut rascheln. Dann höre ich das Getrampel und sehe, wie die Football-Mannschaft, angeführt von einem Spieler, der stolz die Flagge trägt, an uns vorbeirauscht. Der Boden bebt. Sie rennen während grüner Nebel sie begleitet und jeden beeindruckt.
Aber jetzt nochmal von vorne…
Ich habe mir schon lange gewünscht ein Auslandsjahr zu machen und nach meiner Bewerbung für das PPP hatte ich Anfang November einen Bewerbungstermin bei einer Austauschorganisation, wo ich neben Debatten, Präsentationen und Tests auch ein Interview absolvierte. Anfang Dezember bekam ich dann eine Mail: Ich gehörte zu den Finalisten meines Wahlkreises. Die nächsten Wochen zogen sich ewig. Würde mein Wunsch vom Auslandsjahr in Erfüllung gehen?
Ich prüfte jeden Tag mehrmals den Briefkasten, meine Mails und auch den Spam-Ordner. Und dann eines Morgens Mitte Januar war mein E-Mail-Ordner nicht mehr leer: Eine E-Mail von der Austauschorganisation! Darin stand:
„Liebe Viktoria, aktuell haben wir von deinem Patenabgeordneten die offizielle Mitteilung erhalten, dass du für deinen Wahlkreis das Stipendium des 43. PPP erhalten hast – herzlichen Glückwunsch!“
Ich spürte, wie mein Herz einen Hüpfer machte. Vielleicht war es gar nicht mein Herz, sondern ich selbst. Ich hatte das Stipendium! Ich rannte zu meinen Eltern und zeigte ihnen die E-Mail. Sie freuten sich riesig für mich, genauso wie meine Freunde.
Zeit der Ungewissheit
Die Wochen und Monate vergingen, begleitet von einem Berg an Papierkram. Ich traf meinen Patenabgeordneten und durfte ein interessantes Vorbereitungsseminar in Berlin besuchen, wo ich auch einige der anderen Stipendiaten kennenlernte, die ich mittlerweile stolz meine Freunde nennen darf.
Dann waren es nur noch zwei Wochen bis zum Abflug und ich hatte immer noch kein Placement, also keine Gastfamilie. „Liegt es an mir? Hätte ich der Bewerbung noch ein Video hinzufügen sollen? Klang ich unsympathisch? Warum will mich niemand?”, all diese Zweifel gingen mir durch den Kopf. Die Tage zogen sich und die Ungewissheit plagte mich.
Doch dann brachte wieder eine Mail die Erlösung. Ich überflog den Anfang und sah nun dick gedruckt: Dixon, California. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich würde die nächsten zehn Monate in Kalifornien leben! Ich rief sofort meine Eltern an und schrie in das Telefon, weil ich es selbst noch nicht ganz glauben konnte: „Ich bin in Kalifornien! Ich werde in Kalifornien leben! Oh mein Gott! Kalifornien.“
Next Home: California
Ich las die Infos zu meiner Gastfamilie: eine Gastmutter, ein erwachsener Gastbruder und ein Mädchen aus Belgien, das auch ein Auslandsjahr macht, ein sogenanntes Double-Placement. „Hoffentlich sind alle nett und hoffentlich haben sie Haustiere“, dachte ich. Ich scrollte weiter nach unten und da stand es: drei Hunde, zwölf Katzen und zwei Schlangen. The Golden State of America. Mit Haustieren. Vielen Haustieren! Einem Double-Placement, einem Gastbruder und einer Gastmutter, die Anwältin und Drehbuchautorin ist. Das klingt doch nicht real. Aber es war real. Egal, wie oft ich die Zeilen von vorne las, es standen immer dieselben Worte da.
Abschied und Anfang
Ich hasse dieses Gefühl. Abschied. Vermissen, obwohl man noch nicht mal weg ist. Wenn mich jemand fragen würde, was bis jetzt das Schwerste an meinem Auslandsjahr war, dann würde ich ihm diese Situation beschreiben: Abschied nehmen von meinen Freunden und meiner Familie. Am Flughafen zu stehen und die Stimme meiner Eltern zu hören: „Wir haben dich lieb“ und „Wir sind stolz auf dich“.
Endlich in den USA! Viktoria wurde am Flughafen von ihrer Gastfamilie in Empfang genommen. © privat
Da saß ich nun im Flugzeug und schaute auf die Wolken, die unter uns vorbeizogen. Ich hatte ein Seminar in Washington, D.C., in dem wir nochmal viele Infos bekamen, und schließlich saß ich schon im Flugzeug nach Sacramento. Ich lief zum Ausgang des Flughafens und da standen sie mit einem Willkommensplakat: meine Gastfamilie. Wir fuhren nach Hause, ich betrat das Zimmer, in welchem ich die nächsten zehn Monate schlafen würde. Ich begrüßte die Hunde und Katzen. Das Haus ist groß, hell und einladend. Mein Double-Placement und ich gingen noch am selben Tag zu unserem ersten Cheer-Training, wo uns die anderen Mädchen freundlich willkommen hießen.
Schule und Freizeit
Am nächsten Morgen begann mein erster Schultag in der Dixon High. Mein Gastbruder ging mit mir ins Sekretariat und ich erhielt mein Chromebook und meinen Stundenplan, auf dem Englisch, AP Psychologie, Keramik, Yoga, Politik und Kindesentwicklung (habe ich inzwischen gegen Mathe getauscht) standen. Es war ein aufregender Tag voller neuer Eindrücke: Schule, Cheer-Training, Hausaufgaben und ab ins Bett. Schon an diesem ersten Tag habe ich viele Menschen getroffen, mit denen ich mittlerweile eng zusammengewachsen bin.
Im Alltag angekommen zwischen Cheer-Training, neuen Freunden, Haustieren und Familien-Ausflügen. © privat
An Wochenenden unternahm ich etwas mit Freunden und meiner Familie: Wir schauten uns ein Baseballspiel in San Francisco an, besuchten das Winchester Haus, gingen auf einen Jahrmarkt und shoppen. Ich probierte die Fast-Food-Ketten Taco Bell, I-N-Out, Raising Can’s sowie verschiedene mexikanische Restaurants aus. Und ich bereitete Spätzle und Schnitzel für meine Gastfamilie zu.
Angekommen
Ich hatte unglaublich viel Spaß bei meinem ersten Footballspiel. Doch dann kam das erste Homegame. Erinnert ihr euch noch an die Situation, die ich am Anfang beschrieben habe? Der bebende Boden, der Nebel, das Rascheln? Das war der Moment, als die Footballspieler das Feld betraten. Eindrucksvoll. Laut. Beinahe angsteinflößend. Das war der Moment, in dem mich das Adrenalin beflügelte: In diesem Moment wusste ich, dass es all den Abschiedsschmerz, all die Tränen und Stunden an Papierkram wert war.
Auf dem Football-Feld wurde Viktoria so richtig bewusst, wie froh sie ist, den Schritt ins Auslandsjahr gewagt zu haben. © privat