PPP-Stipendiaten in den USA
Lea, 16, von Augsburg nach Texas
Mit ihrem Auslandsjahr in den USA hat sich Lea auf das bisher größte Abenteuer ihres Lebens begeben. Hier erfährst du, wie es ihr zwischen Weihnachten bei 25 Grad, Chick-fil-A und Homecoming ergeht.
Lea tauscht während ihres Auslandsjahres die Augsburger Altstadt gegen die texanische Weite ein. © privat
Hey!
Ich bin Lea, 16 Jahre alt und komme aus Augsburg. Dank des PPP-Stipendiums darf ich für ein Schuljahr in Fort Worth, Texas leben. Ich freue mich darauf, euch Einblicke in mein Leben hier in den USA zugeben.
Seit fünf Monaten lebe ich nun meinen Traum in den USA. An manchen Tagen fühlt es sich an, als wäre ich mitten in einem Film. An anderen Tagen hingegen ist alles schwer, und ich sehne mich nach Deutschland, meiner Familie und dem Vertrauten.
Doch fangen wir von vorne an
Ich habe meine Zusage für das PPP-Stipendium im Februar erhalten. Im Mai fand für mich das Vorbereitungsseminar in Bad Bevensen statt. Dort habe ich 25 andere Stipendiaten kennen gelernt und es wurde das erste Mal ein bisschen realer, dass ich tatsächlich für zehn Monate in die USA gehe.
Nach dem Vorbereitungsseminar habe ich täglich gehofft, eine Info zu bekommen, wer meine Gastfamilie ist und wo in den USA meine Gastfamilie lebt. Es hat leider sehr lange gedauert, bis eine Gastfamilie für mich gefunden wurde. Das ist zwar nichts Ungewöhnliches, dennoch hatte es zur Folge, dass ich die Einführungstage in Washington, D.C. verpasst habe. Somit konnte ich leider nicht gemeinsam mit vielen anderen Jugendlichen – die ich erst kurz zuvor über das Vorbereitungsseminar kennengelernt hatte – in dieses große Abenteuer starten.
Doch dann, endlich: Zehn Tage nach meinem ursprünglich geplanten Abflug bekam ich meine Gastfamilie zugeteilt. Plötzlich ging alles ganz schnell. Wochen- und monatelang hatte ich darauf gewartet und mich gefragt: Wer wird meine Gastfamilie sein? Wo werde ich leben? Auf welche Highschool werde ich gehen?
Alles neu
Und auf einmal saß ich im Flugzeug – auf dem Weg in das bisher größte Abenteuer meines Lebens.
Schon am dritten Tag meines Auslandsjahres hatte ich meinen ersten Highschool-Tag. Alles war neu: die vielen unbekannten Gesichter, die riesige Schule, ein völlig anderes Schulsystem und nicht zu vergessen – eine Sprache, die nicht meine Muttersprache ist. Ich durfte meinen Stundenplan selbst wählen und wurde von Mitschülern sowie Lehrern sehr freundlich aufgenommen. Die ersten Tage und Wochen waren zwar teilweise extrem überfordernd, aber ich habe mich durchgeschlagen.
Ich erlebte mein erstes Footballspiel – und es war einfach unglaublich. Schon während des Schultages beginnt die Einstimmung: Eine halbe Stunde, in der sich die gesamte Schulgemeinschaft trifft. Cheerleader und Tänzer treten auf, die Band spielt und alle fiebern dem Spiel am Abend entgegen. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Abends dann das eigentliche Spiel – voller School Spirit, mit fantastischer Musik, Tänzen und einer Halbzeitshow, die man so aus Filmen kennt. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.
Auch Homecoming durfte ich zum ersten Mal miterleben. Die Einstimmung darauf findet mit einer Motto-Woche statt. In Texas trägt man dabei traditionell einen Kranz um den Hals. Das Footballspiel markiert den Beginn der Homecoming-Woche, bei dem auch der Homecoming King und die Queen gekrönt werden. Der anschließende Tanz in der geschmückten Turnhalle, mit festlichen Kleidern und besonderer Atmosphäre, war einfach wunderschön.
Ganz im Zeichen des Homecoming: Zum Homecoming-Footballspiel wird in Texas ein reich verziertes „Mum“ getragen. Zum Homecoming-Ball ist Lea mit ihren Freundinnen gegangen. © privat
Die kleinen Momente und schweren Tage
Und dann sind da noch die kleinen Momente: zum ersten Mal bei Chick-fil-A essen oder sich mit anderen Austauschschülern aus der Umgebung treffen. Genau diese Augenblicke bleiben für immer im Herzen.
Doch es gibt auch die schweren Tage: Tage, an denen man wegen der Sprache nicht alles versteht und sich frustriert fühlt. Tage, an denen man Freundesgruppen durch die Hallways laufen sieht und die eigenen Freunde aus Deutschland schmerzlich vermisst. Wochenenden, an denen niemand Zeit hat und man sich einsam fühlt. Momente, in denen man sich einfach nach Familie, Nähe und Vertrautem sehnt. Und selbst an den schönsten Tagen wünscht man sich manchmal, dass Familie oder Freunde diese Erlebnisse mit einem teilen könnten.
Ein essentieller Teil des Auslandsjahres: Die Freundschaften zwischen den Austauschschülern selbst. Hier gemeinsam in Houston im Space Center der NASA. © privat
So waren meine ersten Monate in den USA: voller unglaublicher Momente – und dennoch oft sehr herausfordernd.
Nach dreieinhalb Monaten wechselte ich meine Gastfamilie. Obwohl der Weg dahin für mich schwer war, war es das Beste, was mir passieren konnte. Von einem Tag auf den anderen verschwand mein Heimweh, und ich konnte mein Leben hier endlich richtig genießen.
Ich feierte Thanksgiving mit meiner neuen Gastfamilie, die sich bereits nach zwei Wochen wie eine zweite Familie anfühlte. Das viele leckere Essen, die gemeinsamen Gespräche und ein neues Fest auf diese Weise erleben zu dürfen, war etwas ganz Besonderes.
Dann kam die Weihnachtszeit – geprägt von 25 Grad und Sonnenschein. Schnee gab es keinen, doch die Texaner wissen genau, wie man trotzdem Weihnachtsstimmung verbreitet. Lichterketten, geschmückte Häuser, Weihnachtsmusik und viele Traditionen machten diese Zeit einzigartig und unvergesslich.
Da Weihnachtsfest hat Lea gemeinsam mit ihrer neuen Gastfamilie verbracht. © privat
Gipfelfest
Zuerst Weihnachten, dann Silvester – und plötzlich war die Hälfte meines Auslandsjahres vorbei.
Besonders die letzten eineinhalb Monate gehören zu den wertvollsten meines bisherigen Lebens. In dieser Zeit habe ich mich endlich angekommen gefühlt, durfte unzählige neue Erinnerungen sammeln und mein Leben hier in vollen Zügen genießen.
Umso größer ist jetzt meine Vorfreude auf die zweite Hälfte meines Auslandsjahres. Auf all das, was noch kommt, auf weitere Erfahrungen, neue Herausforderungen und Momente, die mich prägen und begleiten werden – weit über dieses Jahr hinaus.
Spring Break
In meiner Spring Break standen gleich zwei Trips an. Am Freitag, dem letzten Schultag, bin ich direkt nach der Schule mit meiner Gastfamilie ins Auto gestiegen und wir sind nach San Antonio, Texas, gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir bei Buc-ee’s angehalten, um zu Abend zu essen. Für mich war das ein echtes Highlight, denn Buc-ee’s ist nicht einfach nur eine Tankstelle – es ist riesig und eher wie ein großer Shop, in dem man alles Mögliche findet. Besonders beeindruckt haben mich die über 100 Zapfsäulen und natürlich das leckere Essen. Nach diesem langen Tag sind wir alle müde ins Bett gefallen.
Am Samstag haben wir in einem gemütlichen Café gefrühstückt und anschließend eine Bootstour auf dem Fluss gemacht. Zum Mittagessen waren wir in einem mexikanischen Restaurant – und typisch Texas: Die Portionen waren so groß, dass sie noch locker fürs Abendessen gereicht haben. Danach sind wir zur Abkühlung in den Pool gesprungen. Im März schwimmen zu gehen ist für mich immer noch kaum vorstellbar! Zum Sonnenuntergang sind wir auf einen Turm gefahren und hatten von dort eine wunderschöne Aussicht über die Stadt.
Lea ist in der einen Woche Springbreak viel herumgekommen: Sie war in San Antonio, Texas, aber auch in South und North Carolina. © privat
Am nächsten Tag haben wir eine historische Gegend besucht und viel über die texanische Revolution gelernt. Am Nachmittag durfte natürlich auch ein bisschen Shopping nicht fehlen. Am Montag ging es leider schon wieder nach Hause – aber das nächste Highlight ließ nicht lange auf sich warten: Wir waren bei einem Eishockeyspiel. Die Stimmung dort war einfach unbeschreiblich.
Am Ende der einwöchigen Schulpause bin ich dann noch nach South Carolina geflogen, um Freunde zu besuchen. Ich habe viele neue Orte kennengelernt und sogar einen weiteren Staat, North Carolina, gesehen. Es ist absolut nicht selbstverständlich, während eines Auslandsjahres so viel reisen zu können, und ich bin unglaublich dankbar für diese besondere Woche Spring Break.
Track and Field
Sport spielt in den USA eine riesige Rolle, deshalb war für mich von Anfang an klar, dass ich einem Team beitreten möchte. Ich habe mich für Leichtathletik (Track and Field) entschieden. Wir haben ein halbes Jahr trainiert, bevor im Februar endlich die Wettkämpfe begannen – jede Woche hatten wir einen Wettkampf und das über zwei Monate hinweg. Klingt anstrengend? Ist es auch! Aber gleichzeitig gehört es zu den besten Erfahrungen meines gesamten Auslandsjahres.
Mein erster Wettkampf in den USA war besonders aufregend. Früh am Morgen ging es mit meinem Team im typischen amerikanischen Schulbus zum Wettkampfort. Alles war neu und spannend. Ich war ursprünglich für den 200-Meter-Sprint und eine 200-Meter-Staffel eingeplant. Doch kurz vor dem Start verletzte sich ein Teammitglied, das eigentlich in der 100-Meter-Staffel laufen sollte – und plötzlich wurde ich gefragt, ob ich einspringen kann. Es kam völlig unerwartet, aber genau solche Momente bleiben für immer in Erinnerung. Ich hatte unglaublich viel Spaß, war am Ende fast traurig, dass es schon vorbei war – und wir haben sogar den zweiten Platz erreicht.
Durch den Teamgeist und die Leichtathletik-Wettkämpfe fühlt sich Lea so richtig in ihrem Auslandsjahr angekommen. © privat
Der ganze Tag war einfach großartig: Das Team feuert einen lautstark an, wenn man läuft, und freut sich ehrlich mit einem nach dem Rennen. Dieser Teamgeist ist etwas ganz Besonderes. Auch die darauffolgenden Wettkämpfe waren jedes Mal das Highlight meiner Woche. Die Erfolge, die wir gemeinsam als Team erlebt haben, machen diese Zeit noch unvergesslicher.
Leider neigt sich die Saison schon dem Ende zu, und ich weiß jetzt schon, dass ich diesen Teamspirit, die Motivation und die Energie, die jeder Einzelne mitbringt, sehr vermissen werde. Seitdem die Track-Saison angefangen hat, bin ich hier wirklich angekommen und die Zeit vergeht wie im Flug.