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Veranstaltung zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie

„Eure Stimmen sind zu kurz gekommen“

150 junge Menschen waren am 20. April 2026 zu Gast im Bundestag – eingeladen von der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie und der Kinderkommission, um von ihren Erfahrungen während der Pandemie zu berichten. Am Ende präsentierten die zwölf bis 25-Jährigen ihre Empfehlungen dazu, was bei einer künftigen Pandemie anders laufen solle.

Eine Collage zeigt links junge Leute, die einen Raum betreten. An die Wand wird ein Bild projiziert, auf dem der Bundestagsadler abgebildet ist und Herzlich Willkommen steht. Auf dem rechten Bild sieht man Leute im selben Raum von hinten sitzen.

© Deutscher Bundestag / Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur

„Eure Stimmen sind zu kurz gekommen“, so begrüßte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die 150 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf Einladung der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ und der Kinderkommission am 20. April in den Bundestag gekommen waren. Sie sollten berichten, wie es ihnen in der Pandemie ergangen ist und was anders laufen müsse, wenn es noch einmal zu einer ähnlichen Situation käme.

Bundestagspräsidentin: „Das Parlament hört heute zu“

„Es wäre sträflich, wenn man nach so einer Pandemie nicht lernt“, betonte die Bundestagspräsidentin. Diese Zeit sei ein tiefer Einschnitt für alle gewesen und vieles, was in der Zeit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene hätte stattfinden sollen, sei ausgefallen und könne nicht einfach nachgeholt werden. Ziel sei, es künftig besser zu machen: „Sollte es so etwas noch einmal geben, ist es für uns in der Politik wichtig zu wissen, was wir nicht wiederholen dürfen.“

Die Bundestagspräsidentin dankte den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie sich die Zeit nähmen, von ihren Erfahrungen zu berichten. „Das Parlament hört heute zu“, so Klöckner. „Niemand kann etwas Falsches sagen, jeder wird gehört.“

Enquete-Vorsitzende: „Die Kommission leistet Detektivarbeit“

Auch die Vorsitzende der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie, Franziska Hoppermann (CDU/CSU), freute sich, von den Perspektiven so vieler junger Menschen zu lernen. „Die Enquete-Kommission leistet Detektivarbeit und versucht herauszufinden, was in der Pandemie gut gelaufen ist und was nicht.“

Ziel sei es, für eine künftige Pandemie oder Katastrophe besser aufgestellt zu sein, sodass politische Entscheidungen schneller, fairer und verständlicher getroffen werden könnten. Dafür würden die Perspektiven der jungen Menschen gebraucht. „Berichtet, was ihr vermisst habt, was euch Sorgen gemacht hat“, appellierte sie an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Alle Erfahrungen seien wertvoll.

Eine Collage zeigt drei Leute, die zu einem Publikum sprechen.

Der Vorsitzende der Kinderkommission, Michael Hose (CDU/CSU), Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und die Vorsitzende der Enquete-Kommission, Franziska Hoppermann (CDU/CSU), begrüßen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. © Deutscher Bundestag / Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur

KiKo-Vorsitzender: „Starkes Zeichen“

Michael Hose (CDU/CSU), Vorsitzender der Kinderkommission des Bundestages, sagte, dass die Corona-Zeit Wunden gerissen habe und die noch nicht alle verheilt seien. „Das wird auch mit der Veranstaltung heute nicht gelingen“, so Michael Hose, „aber dass ihr hier seid, ist ein Anfang.“ Es sei auch ein „starkes Zeichen“, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die ersten seien, deren Erfahrungen auf diese Weise in die Arbeit der Enquete-Kommission einfließen würden.

Wunsch nach mehr Transparenz

Einfließen in die Arbeit der Enquete-Kommission wird auch das, was die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihren Gruppen als Wünsche und Empfehlungen erarbeitet haben. Das reichte von den Forderungen, die Schulen vollständig zu digitalisieren und dem Distanzunterricht eine klare Struktur zu geben, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und soziale Kontakte pflegen zu können bis hin zu dem Wunsch, Kindern mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen beispielsweise bei der Frage des Impfens.

Mehrfach tauchte auch der Wunsch auf, dass in einer ähnlichen Krise klar und transparent kommuniziert werde. Dies fördere die Glaubwürdigkeit, und Glaubwürdigkeit fördere Akzeptanz.

Gehört werden

Bei Gesprächen mit einigen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Mittagspause wurde klar, dass alle froh waren, an der Veranstaltung teilnehmen zu können. Manche zeigten sich aber gleichzeitig skeptisch, ob die Ergebnisse dessen, was besprochen wurde, auch bei der Enquete-Kommission ankommen würden. Hier ein paar Stimmen:

„Wenn man was ändern will, muss man auch was tun. Deshalb habe ich mich beworben und sage hier heute meine Meinung.“
„Ich bin noch nicht wahlberechtigt und deswegen fühlt es sich sehr gut an, in den Bundestag eingeladen zu werden und seine Meinung sagen zu können.“
„Sonst hat man immer das Gefühl, im Bundestag diskutieren ältere Leute. Und dass jetzt die Meinung von uns gehört wird, ist einfach wichtig, weil junge Leute Dinge oft anders sehen und wahrnehmen als Ältere.“
„Diese Veranstaltung gibt mir auf jeden Fall das Gefühl, gehört zu werden.“
„Die Veranstaltung erscheint mir etwas zu kurz, als dass dabei wirklich fundierte Ergebnisse herauskommen könnten.“
„Es ist toll, hier zu sein und ich erhoffe mir natürlich, dass das, was wir hier erzählen, Einfluss auf die Arbeit der Enquete-Kommission hat, aber so richtig vorstellen, kann ich mir das nicht.“
„Ich fühlte mich in der Pandemie mental sehr belastet und möchte einfach, dass mir mal jemand zuhört, der Entscheidungen getroffen hat. Ich gebe niemandem die Schuld daran, wie es mir geht. Aber es soll auch nicht untergehen, was die Zeit mit mir gemacht hat.“
„Es ist schade, dass wir nicht direkt mit Abgeordneten sprechen können. Wir können unsere Erfahrungen erzählen. Das ist gut. Aber ich würde auch gerne erklärt bekommen, warum manches entschieden wurde. Das könnte mir helfen.“