Positions-Check
Wie kann der Führerschein günstiger werden?
Im bundesweiten Durchschnitt kostet der Führerschein 3.400 Euro – sehr viel Geld für viele junge Menschen. Im Oktober 2025 hat das Bundesverkehrsministerium vorgeschlagen, wie die Fahrausbildung günstiger werden kann. Das beschäftigt gerade auch die Verkehrsminister und -ministerinnen der Bundesländer. Was halten die Bundestagsfraktionen von den Vorschlägen? Und erinnern sich ihre Vertreter noch daran, wie viel sie selbst für den Führerschein bezahlt haben?
© IMAGO / Rupert Oberhäuser
Mit 16 Jahren habe ich den Traktor und 1991, mit fast 18 die Prüfung für meinen PKW-Führerschein gemacht, der nach meiner Erinnerung damals 2.000 DM gekostet hat. Meinen LKW-Führerschein habe ich als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr gemacht. Danach habe ich noch den Busführerschein erworben und bin über zehn Jahre neben meiner Arbeit als Geschäftsführer einen Bus gefahren.
Henning Rehbaum
sitzt seit 2021 für den Wahlkreis Warendorf im Deutschen Bundestag. Er ist unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses und Mitglied der AG Verkehr der CDU/CSU-Fraktion.
Ich setze mich derzeit intensiv mit den Vorschlägen aus Ministerium und Branche auseinander, spreche mit Fahrschulen, Fahrschülern, Logistikverbänden und Verkehrsexperten, um zu einem ausgewogenen Urteil zu kommen. Insgesamt halte ich die meisten Vorschläge für gut und geeignet, die Fahrausbildung moderner und weniger bürokratisch zu machen, was auch zu einer Kostensenkung führen wird. Die geplante Reduzierung des Fragenkatalogs für den PKW-Führerschein von aktuell 1169 Fragen um knapp 30 Prozent auf 840 Fragen ist dafür ein super Beispiel. Besonders die Reduktion der Sonderfahrten wird zur Kostensenkung beitragen. Der Laienausbildung stehe ich offen gegenüber, wird sie ja durch den Unterricht in der Fahrschule ergänzt. Fahrpraxis ist unbestritten der entscheidende Faktor für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr. Andere europäische Länder wie Österreich machen das mit der dortigen Laienausbildung bereits seit Jahrzehnten erfolgreich vor.
Den kompletten Wegfall des Theorieunterrichts in Präsenz sehe ich etwas kritischer. Digitale Lernangebote (z. B. Apps zur Prüfungsvorbereitung) haben sich zwar als sinnvolle Ergänzung etabliert, können jedoch den pädagogischen Mehrwert des gemeinsamen Lernens im Schulungsraum nicht ersetzen. Ich gehe davon aus, dass sich ein gesunder Mix aus Theorieunterricht per App und in Präsenz etablieren wird. Ein weiterer Punkt: Statt für mehr Kostentransparenz ausschließlich Kosten und Bestehensquoten zu veröffentlichen, sollte auch die durchschnittliche Anzahl der benötigten Fahrstunden ausgewiesen werden. Entscheidend ist ja für den Preis auch, mit wie vielen Fahrstunden die Prüfung erfolgreich bestanden wird.
Die Kosten für den Führerschein sind in der Tat zu hoch. Gerade für junge Menschen in Dörfern und Kleinstädten ist und bleibt der Führerschein gelebte Freiheit im Alltag, Unabhängigkeit von den Eltern und oft auch Eintrittskarte für die berufliche Existenz. Deshalb ist es richtig, jetzt etwas zu unternehmen, damit der Führerschein nicht zum Luxusgut wird. Es gibt Preisfaktoren, auf die die Politik Einfluss hat, wie den Einsatz von Simulatoren, die die Fahrstunde günstiger machen. Zur ehrlichen und realistischen Betrachtung gehört aber auch zu sagen, dass die Ausbildungskosten stark von der individuellen Motivation und Lernfähigkeit der Fahrschüler abhängen. Und da gibt es nach Aussage der Fahrlehrerverbände große regionale Unterschiede. Die einen haben schon mit Eltern auf dem Feldweg fahren geübt, die anderen fahren mit der U-Bahn zur Schule und haben kein Gefühl für das Autofahren. Engagierte Fahrschüler, die „dranbleiben“ und fertig werden wollen, absolvieren die Ausbildung in der Regel schneller und günstiger. Oft helfen auch Vorkenntnisse im Straßenverkehr, um die Fahrstundenanzahl und das Risiko einer Wiederholungsprüfung gering zu halten. Wer beispielsweise einen Moped- oder Traktorführerschein gemacht hat, hat oft einen Vorsprung. Mein Wunsch wäre eine grundlegende Reform aller Führerscheinklassen, die nicht nur den PKW-Führerschein, sondern auch Bus- und LKW-Führerschein günstiger macht.
Ich habe meinen Führerschein im Januar 1984 gemacht. Ich weiß nicht mehr genau, was ich dafür bezahlt habe und vermute, dass es etwas mehr als 1.000 DM waren.
Wolfgang Wiehle (AfD)
sitzt seit 2017 im Deutschen Bundestag. Er vertritt die AfD-Fraktion als Obmann im Verkehrsausschuss.
Eine Reform ist dringend notwendig. In unserem Antrag vom 12. Januar 2026 „Führerschein für 1 Euro – Bezahlbarer Führerschein für Ausbildung und Arbeit“ führen wir von der AfD-Fraktion unsere Hauptpunkte in Bezug auf den B-Führerschein auf. Es gibt einige Überschneidungen mit den Vorschlägen aus dem Bundesverkehrsministerium. Der Fragenkatalog gehört gekürzt, irreführende Antwortmöglichkeiten müssen entfernt werden und er soll kostenlos zugänglich gemacht werden. Testweise soll einem Teil der Prüflinge erlaubt werden, den theoretischen Unterricht komplett in selbstständigem Lernen durchzuführen. Hier kann deutlich von der Digitalisierung profitiert werden. Die Prüfzeit wurde im Januar 2021 von 45 auf 55 Minuten verlängert; diese Maßnahme hat ihren Zweck verfehlt und muss korrigiert werden. Eine kürzere Prüfzeit mildert auch direkt den Engpass bei den Prüfern ab, da die gleiche Anzahl an Prüfern wieder mehr Prüfungen abnehmen kann.
Die von der ad-hoc Arbeitsgruppe des Verkehrsministers vorgeschlagene Laienausbildung sehe ich kritisch. Sicherlich würde sie in einem Ersteffekt die Kosten senken, da die hohe Anzahl der Übungsstunden ein treibender Kostenfaktor ist. Nun ist die Vielzahl der Übungsstunden aber notwendig, da viele Fahrschüler eben noch nicht reif für den Straßenverkehr sind – in einer Laienausbildung wären sie aber in diesem noch nicht reifen Zustand auf öffentlichen Straßen unterwegs. Dazu kommen Sekundäreffekte bei den Kosten wie eine Notwendigkeit bei den Fahrschulen, wegen gleichbleibender Fixkosten den Preis für die Pflichtstunden hochzusetzen, sowie Versicherungskosten bei den privaten Autos, die nun als Fahranfängerautos eingesetzt werden.
Weiterhin übersteuert die Reform. Es wird an allen Stellschrauben gleichzeitig gedreht, statt Maßnahmen gezielt auszuwählen. So bewirkt man unbeabsichtigte, schädliche Nebeneffekte.
Aus meiner Sicht ist es ein jahrelang gewachsenes politisches Versagen der regierenden Parteien, dass die Fahrerlaubnis in Deutschland so viel teurer ist als im europäischen Ausland. Es ist klar, dass hier gegengesteuert werden muss. Dabei ist es zum einen nötig, die vorgegebenen Mindestkosten zum Erwerb einer Fahrerlaubnis zu senken. Außerdem müssen wir gesellschaftliche Maßnahmen ergreifen, damit der Vorkenntnisstand der Fahrschüler ansteigt. Schließlich müssen möglichst viele junge Menschen finanziell in die Lage versetzt werden, einen Führerschein zu erwerben. Die AfD-Fraktion schlägt dazu im Antrag „Führerschein für 1 Euro“ einen staatlichen zinslosen Kleinkredit als niedrigschwelliges Angebot vor, welches Jugendlichen und junge Erwachsenen ermöglicht, ihre Mobilität und berufliche Flexibilität selbst sicherzustellen. Das entsprechende Programm in Frankreich, an dem wir uns orientieren, „Permis à 1€ par jour“, läuft dabei erfolgreich seit 2005.
Meine Führerscheinprüfung habe ich im Jahr 2011 gut zwei Wochen vor meinem 17. Geburtstag bestanden. Mit insgesamt 23 Fahrstunden inklusive der Sonderfahrten und der beiden Prüfungen habe ich ungefähr 1.500 Euro bezahlt.
Truels Reichardt
ist seit 2025 Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Er ist unter anderem Mitglied im Verkehrsausschuss.
Grundsätzlich ist es richtig, dass die stark gestiegenen Führerscheinkosten endlich politisch angegangen werden. Für viele junge Menschen ist der Führerschein inzwischen eine erhebliche finanzielle Belastung. Gerade im ländlichen Raum entscheidet er aber oft darüber, ob Ausbildung, Arbeit oder gesellschaftliche Teilhabe überhaupt möglich sind. Gleichzeitig gilt für uns ein klarer Maßstab: Kostensenkungen dürfen niemals auf Kosten der Verkehrssicherheit gehen. Die Koalition hat sich zur Vision Zero bekannt – also zum Ziel, langfristig keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr zu akzeptieren. Die geplante Reduzierung des Fragenkatalogs beispielsweise kann sinnvoll sein, wenn ausschließlich Inhalte gestrichen werden, die für die Verkehrssicherheit nicht entscheidend sind. Eine verständlichere Prüfung kann helfen, unnötige Wiederholungsprüfungen zu vermeiden. Gleichzeitig ist die Theorieprüfung nicht der zentrale Kostentreiber beim Führerschein und sollte deshalb nicht zu stark in den Fokus der Reform rücken. Die Öffnung für digitale Theorieangebote ist ebenfalls sinnvoll. Sie schafft Flexibilität für diejenigen, die digital lernen möchten. Gleichzeitig zeigen Rückmeldungen aus der Praxis, dass viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler den Unterricht weiterhin gerne in Präsenz wahrnehmen. Wichtig ist daher, dass Fahrschulen hier selbst entscheiden können, welches Format sie anbieten.
Kritisch sehe ich vor allem die geplante Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten. Gerade auf Landstraßen passieren die meisten schweren Verkehrsunfälle. Wenn dort die verpflichtende Fahrpraxis reduziert wird, muss sehr genau geprüft werden, ob das mit unseren Ansprüchen an Verkehrssicherheit vereinbar ist. Fahranfänger dürfen unter keinen Umständen eine Gefahr für sich oder andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Eltern müssen ihre Kinder mit gutem Gewissen in den Straßenverkehr schicken können. Bei der geplanten Laienausbildung sehe ich Chancen, aber auch Risiken. Mehr Fahrpraxis kann grundsätzlich die Routine und damit auch die Sicherheit erhöhen. Gleichzeitig braucht ein solches Modell klare Leitplanken und eine sorgfältige Evaluation. Aus meiner Sicht sollte es zunächst in klar abgegrenzten Modellregionen erprobt werden, etwa in einem ländlichen und einem städtischen Gebiet.
Ein wichtiger Schritt ist mehr Transparenz. Wenn Preise und Erfolgsquoten von Fahrschulen veröffentlicht werden, stärkt das Verbraucherinnen und Verbraucher und schafft fairen Wettbewerb. Darüber hinaus setzen wir auf strukturelle Verbesserungen in der Ausbildung, etwa den sinnvollen Einsatz von Fahrsimulatoren oder flexiblere Ausbildungsformate. Gleichzeitig sollten wir Möglichkeiten schaffen, zusätzliche Fahrpraxis außerhalb der klassischen Fahrstunden zu ermöglichen. Neben Verkehrsübungsplätzen könnte man prüfen, ob beispielsweise große Parkflächen – etwa Supermarktparkplätze außerhalb der Öffnungszeiten – stärker für Übungsfahrten genutzt werden können. So ließe sich zusätzliche Praxis in einem sicheren Umfeld ermöglichen.
Meinen Führerschein habe ich 1998 gemacht. Theorie und Praxis habe ich im ersten Versuch bestanden. Bezahlt wurde noch in D-Mark, allerdings erinnere ich mich nicht mehr sicher an den Betrag. Durchfallen war zu der Zeit nicht nur peinlich, sondern vor allem ein krasser Kostenfaktor – das ist auch heute noch so.
Swantje Henrike Michaelsen
sitzt seit 2021 im Deutschen Bundestag. Sie ist verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und ordentliches Mitglied im Verkehrsausschuss.
Leider vernachlässigen die Reformvorschläge des Bundesverkehrsministeriums genau diesen Punkt. Verpflichtende Lernstandskontrollen könnten Fahrschülerinnen und Fahrschüler davor bewahren, in die Prüfung zu gehen, ehe sie dafür bereit sind. Einen solchen Vorschlag enthält die Reform bisher leider nicht. Stattdessen schlägt der Minister vor, die Prüfungsdauer auf fast die Hälfte zu reduzieren – allerdings bringt das laut Expertinnen und Experten lediglich 10 Euro Ersparnis. Wenn eine Prüfung rund 150 Euro kostet, ist das kein wirklich großer Wurf.
Besonders kritisch sehe ich die Auswirkungen einiger Vorschläge auf die Verkehrssicherheit: bei einigen Punkten kommt sie unter die Räder. Zum Beispiel soll der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung um ein Drittel gekürzt werden. Dabei werden die Fragen regelmäßig überprüft und überarbeitet. Dass sich weniger Wissen positiv auf die Verkehrssicherheit auswirkt, bezweifle ich. Auch die Kürzung der Sonderfahrten halte ich für fahrlässig. Gerade auf Landstraßen gibt es doch die meisten Unfälle mit Schwerverletzten und Toten.
Ein weiterer Punkt, der mir große Sorgen bereitet, sind die Vorschläge zur Laienausbildung. Hier kommt es allerdings sehr auf die konkrete Umsetzung an. Mit dem Begleiteten Fahren ab 17 Jahren (BF17) haben wir gute Erfahrungen gemacht. Junge Fahranfängerinnen und Fahranfänger bis 25 Jahre sind deutlich seltener in Unfälle verwickelt, wenn sie zuvor begleitet gefahren sind. Allerdings haben diese jungen Menschen zunächst erfolgreich eine Führerscheinausbildung in der Fahrschule absolviert. Nach dem Vorschlag des Ministers sollen in der Laienausbildung junge Menschen bereits nach sechs Fahrstunden mit einer nahestehenden Person in deren Auto im realen Verkehr üben können. Dabei kann vom Beifahrersitz nicht in das Geschehen eingegriffen werden. Zudem senkt das die Kosten nur für all diejenigen, die mit einer nahestehenden Person üben können – alle anderen zahlen weiter die hohen Preise. Ist das gerecht?
Mehr Digitalisierung finde ich grundsätzlich gut. Einige Theoriemodule digital zu absolvieren, kann für viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler von Vorteil sein. Allerdings sollte der Unterricht nicht ausschließlich digital stattfinden. In der Corona-Zeit haben wir gelernt, dass ein reiner Digitalunterricht vielen Schülerinnen und Schüler sehr schwerfiel. Gut finde ich auch den Einsatz von Simulatoren. So können Situationen geübt werden, die man auf der Straße (zum Glück) selten erlebt. Fahrschülerinnen und Fahrschüler, die in ländlichen Räumen leben, können so zum Beispiel das Fahren in der Großstadt üben. Simulatoren bieten zudem die Möglichkeit, andere Perspektiven – zum Beispiel von Kindern oder aus der Perspektive von Radfahrenden – zu erleben.
Um die Kosten beim Führerschein wirksam zu senken, plädiere ich für digitale Lernstandskontrollen, wie sie bereits in manchen Apps zum Üben für die Theorieprüfung existieren. Sie überprüfen den Kenntnisstand, sprechen Empfehlungen zum Üben bestimmter Themen aus und geben an, wann jemand fit für die Prüfung ist. Das sollte verpflichtend für den Theorie- und Praxisbereich eingeführt werden. Denn nur wer wirklich bereit für die Prüfung ist, kann sie auch bestehen. Das spart Zeit, Nerven und jede Menge Kosten.
Ich habe meinen Führerschein 2015 gemacht und etwa 2.000 Euro dafür bezahlt. Da ich selbst im Hartz-IV-System aufgewachsen bin, war das für mich damals eine sehr große Summe.
Jorrit Bosch
sitzt seit 2025 im Deutschen Bundestag. Im Verkehrsausschuss vertritt er der Fraktion Die Linke als Obmann.
Die geplante Kürzung des Fragenkatalogs spart zunächst kein Geld. Eine Entschlackung ist dennoch grundsätzlich sinnvoll, es geht schließlich nicht darum, Fragen auswendig zu lernen, sondern Verkehrsregeln und Situationen zu verstehen. Ein rein digitaler Theorieunterricht wird diesem Anspruch allerdings kaum gerecht. Verkehrsverhalten lässt sich besser im Austausch und anhand von Beispielen in der Gruppe lernen. Sinnvoll wären außerdem verpflichtende und einheitlich geregelte Lernstandskontrollen, die auch Voraussetzung für die Anmeldung zur theoretischen Prüfung sein könnten.
Der größte Faktor sind jedoch die Fahrstunden, sie machen rund drei Viertel der Gesamtkosten aus. Die Reduktion von Sonderfahrten kann mit Blick auf andere europäische Länder durchaus diskutiert werden. Gleichzeitig muss man bedenken: Gerade auf Autobahnen und Landstraßen passieren die schwersten Unfälle.
Laienausbildung kann sinnvoll sein. Voraussetzung muss jedoch ein standardisierter Kompetenzcheck sein, wie ihn der ACE (Auto Club Europa) vorschlägt: Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer müssten bestätigen, dass die grundlegenden Fahrfähigkeiten vorhanden sind.
Auch Fahrsimulatoren können beim Üben bestimmter Situationen helfen, etwa beim Schalten oder beim Training von Gefahrensituationen, die im realen Unterricht glücklicherweise selten auftreten. Sie sind aber teuer in Anschaffung und im Betrieb, und deshalb kein Allheilmittel.
Die Vorschläge haben ein deutliches soziales Ungleichgewicht. Wer Wehrdienst leistet, soll bis zu 3.500 Euro Zuschuss zum Führerschein bekommen. Wer sich den Führerschein aus finanziellen Gründen nicht leisten kann, bekommt nichts.
Auch die Laienausbildung bevorzugt Menschen, deren Familien ein Auto haben und Zeit zum Üben. Haushalte mit wenig Einkommen haben oft gar kein eigenes Fahrzeug. Und Alleinerziehende haben schlicht nicht die Zeit, regelmäßig Fahrpraxis zu ermöglichen.
Preistransparenz bei Fahrschulen ist sinnvoll. Aber das Veröffentlichen von Bestehensquoten kann nach hinten losgehen. Dann könnten Fahrschulen versucht sein, schwierige Fahrschülerinnen und Fahrschüler gar nicht erst aufzunehmen, um ihre Statistik zu schützen.
Der Führerschein darf nicht zum Luxus werden. Deshalb sollten staatliche Zuschüsse gezielt denen helfen, die sich den Führerschein sonst nicht leisten können, statt ihn an den Wehrdienst zu knüpfen.
Gerade in ländlichen Regionen ist der Führerschein oft Voraussetzung für Ausbildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe, weil der öffentliche Nahverkehr nicht ausreichend ausgebaut ist.
Außerdem sollten wir die theoretische Ausbildung stärker in die Schulen holen. Die Verkehrserziehung könnte zu einer fundierten Vorbereitung auf den Führerschein ausgebaut werden. Davon profitieren letztlich alle, denn am Straßenverkehr nehmen wir alle teil.