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Aydan Özoğuz im Interview

„Ich unterstütze die deutsche Olympia-Bewerbung“

Jasmin Nimmrich

Zwischen Skipisten, Bobbahnen und Eishallen hat sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages einen Eindruck von den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo verschafft. Neben einer gehörigen Portion Respekt für die Athleten und Ehrenamtlichen hat die Ausschussvorsitzende, Aydan Özoğuz, auch einen großen Wunsch nach deutschen Spielen mitgebracht.

Schneebedeckte Berglandschaft hinter einer Mauer mit den Olympischen Ringen und dem Schriftzug 'MILANO CORTINA 2026'

Die Athletinnen und Athleten des Team-D haben bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in Italien viele Erfolge verzeichnen können. Eine Delegation des Sportausschusses hat sich vor Ort ein Bild von dem Sportgorßereignis gemacht. © picture alliance / empics | Andrew Milligan

Sie waren mit dem Sportausschuss auf Delegationreise zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Milano-Cortina. Was war der Zweck dieser Reise?

Ich selbst habe bisher Sportgroßereignisse wie die Olympischen und Paralympischen Spiele meist im Fernsehen verfolgt. Mit dem Sportausschuss wollten wir uns natürlich in unserem Nachbarland Italien einen Eindruck direkt vor Ort verschaffen. Unsere Delegation bestand aus jeweils einem Abgeordneten jeder Fraktion. Innerhalb der drei Tage vor Ort haben wir die Athletinnen und Athleten, die Organisationsteams, die Freiwilligen und andere nationale Vertreterinnen und Vertreter kennengelernt. Wir haben verschiedene Wettkämpfe angeschaut und waren hautnah dabei, als Deutschland auf der Bobbahn die Gold-, Silber- und Bronzemedaille gewonnen hat. Diesen Moment konnte natürlich nichts toppen! Aus all diesen Eindrücken werden wir einen Bericht verfassen, der im Anschluss auch im Ausschuss debattiert wird.

Zur Person
Frau mit schulterlangem, gewelltem Haar trägt dunklen Blazer und weißes Oberteil vor hellem Hintergrund

Aydan Özoğuz (SPD)

ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 2025 ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Sport und Ehrenamt. Sie fährt seit ihrer Jugend Ski, während sie beim Bobfahren lieber aus sicherer Entfernung zuguckt.

Welchen politischen Einfluss hat der Deutsche Bundestag auf die Sportlerinnen und Sportler?

Als Deutscher Bundestag entscheiden wir über einen nicht unerheblichen Teil der Finanzmittel für die Spitzensportförderung. Daher ist es besonders in unserem Interesse, dass unsere Athletinnen und Athleten optimal auf die Wettkämpfe vorbereitet sind und entsprechende Leistungen erbringen können. Dafür, dass sich die Sportlerinnen und Sportler auf die optimale Vorbereitung konzentrieren können, sorgen wir auch mit der Bereitstellung von entsprechenden Stellenkontingenten, beispielsweise bei der Bundeswehr, beim Zoll oder bei der Bundespolizei. Die Sportlerinnen und Sportler können so bestmöglich trainieren.

Und welche konkreten politischen Handlungsbedarfe haben Sie aus Italien mitgebracht?

Eine ganz akute Baustelle, der wir uns bereits widmen, ist die Instandhaltung der Sportstätten in ganz Deutschland. Eigentlich ist das Ländersache, doch als Bund unterstützen wir an dieser Stelle bereits seit vielen Jahren mit Finanzmitteln. In der Koalition aus CDU/CSU und SPD haben wir sehr für die „Sportmilliarde“ gekämpft, die wir für die Modernisierung und Instandhaltung von Sportanlagen in den Kommunen zur Verfügung stellen. Neben der Infrastruktur bedarf es aber auch einer Stärkung der Trainerinnen und Trainer sowie des Ehrenamtes, für das wir uns im Ausschuss ebenfalls einsetzen.  

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich der Sportförderung?

Nicht zuletzt bei den Olympischen und Paralympischen Spielen haben wir gemerkt, dass andere Länder mehr und auch anders Sportförderung betreiben als wir. Beispielsweise sind im Paralympischen Eishockey die USA, China und Kanada mit einer Profi-Mannschaft angereist, während die Athleten der deutschen Mannschaft an erster Stelle einem Beruf oder Studium nachgehen müssen und Eishockey mit großem Ehrgeiz nebenher betreiben. Man merkt also, dass die Grundvoraussetzungen für andere Mannschaften oder Sportlerinnen und Sportler unterschiedlich sind. Und um zu ergründen, wie wir die Trainingsbedingungen für die deutschen Athletinnen und Athleten verbessern können, machen wir genau solche Delegationsreisen wie die nach Italien. Mit den österreichischen Entscheidungsträgern haben wir uns beispielsweise über unser Spitzensportförderungsgesetz ausgetauscht, denn auch in Österreich wurde eine Art Agentur etabliert, die Fördermittel verwaltet. Oder in den USA wird fast die gesamte Sportförderung über die Universitäten organisiert. Während des Studiums werden Sportlerinnen und Sportler dort besonders gefördert. So etwas wäre bei uns aufgrund der föderalen Strukturen und der Tatsache, dass Bildung Ländersache ist, sehr viel komplizierter.

Collage aus drei Fotos mit Menschen vor den Olympischen Ringen bei Nacht, einer Gruppe mit einem Maskottchen und einer weiteren Gruppe vor einer Hütte mit Fahnen.

Die Delegation des Sportausschusses ist mit einer großen Frage nach Italien gereist: Wie lassen sich die Trainingsbedingungen für deutschen Athletinnen und Athleten verbessern? © Aydan Özoğuz / Sportausschuss des Deutschen Bundestages

2028 in Los Angeles, 2030 in den französischen Alpen, 2032 in Brisbane, 2034 in Utah. Wo die olympische Reise danach hingehen wird, steht noch nicht fest. Was sind Ihre Argumente für eine Austragung der Olympischen Spiele in Deutschland?

Deutschland bewirbt sich offiziell um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Und ich fände es toll, wenn die Spiele in einem demokratischen Land stattfinden würden, in dem sich die Bevölkerung für die Austragung ausgesprochen hat. Daher unterstütze ich auch die deutsche Bewerbung. In diesem Herbst entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund, welche deutsche Bewerberregion ins Rennen für die internationale Bewerbung geht. Als gebürtige Hamburgerin würde ich mich natürlich freuen, wenn die Spiele in der Hansestadt stattfinden würden. Aber auch eine große Mehrheit der Münchnerinnen und Münchner hat sich in einem Bürgerentscheid im letzten Jahr für die Austragung in ihrer Stadt ausgesprochen – die Spiele sind also durchaus begehrt! Und dass Deutschland Sportgroßveranstaltungen und Begeisterung miteinander verbinden kann, haben wir nicht zuletzt mit dem Sommermärchen von 2006 bewiesen. Ich bin der festen Überzeugung, dass deutsche Spiele genau diese Begeisterung für den Sport und das friedliche Miteinander in die Welt hinaustragen können. Aber dafür müssen wir natürlich erst einmal die Bürgerentscheide, die noch folgen, die Entscheidung des DOSB über die deutsche Bewerberstadt oder -region und die generelle Entscheidung des IOC abwarten.  

Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele haben dieses Jahr inmitten politischer Spannungen stattgefunden. Haben die internationalen Spiele so noch eine Zukunft?

Angesichts der weltpolitischen Lage ist es enorm wichtig, dass wir uns auf den Ursprung der Olympischen Spiele zurückbesinnen. Der Olympische Gedanke ist von Frieden und Völkerverständigung geprägt – unsere Athletinnen und Athleten messen sich auf dem Spielfeld, aber wir führen keine Kriege gegeneinander! Wir sollten alle demokratischen Mittel nutzen, um auch im Sport deutlich zu machen, dass wir Angriffskriege ächten und dass sich eben nicht das Recht des Stärkeren durchsetzen darf. Angesichts dessen ist es wichtig, dass wir unsere demokratischen Werte hochhalten und in diesem Zuge die Olympischen und Paralympischen Spiele sogar noch mehr unterstützen. Wir müssen uns perspektivisch auch darüber Gedanken machen, wie man mit Staaten umgeht, die diesen Friedensgedanken mit Füßen treten. Das ist eine Aufgabe, der wir uns gemeinsam stellen müssen, ohne friedliche Spiele zu gefährden.