Jugendreise

Am Ort des Verbrechens

23.01.2020 – Wie konnte geschehen, was in Auschwitz geschah? Was lernen wir für die Zukunft? Mit diesen Fragen machten sich 60 junge Erwachsene auf den Weg zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers.
Eingang zur Gedenkstätte Auschwitz
Vor 75 Jahren wurde das Lager Auschwitz-Birkenau befreit. Die Gedenkstätte erinnert an die schrecklichen Verbrechen, die dort stattfanden. © shutterstock.com/bondvit

Sprechen, gedenken, zuhören – in den vergangenen Tagen trafen sich 60 junge Erwachsene aus verschiedenen Ländern zur internationalen Jugendbegegnung des Bundestages. Sie beschäftigten sich gemeinsam mit den Opfern der Nazi-Zeit. Im Mittelpunkt der Betrachtung: das Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, das am 27. Januar 1945 befreit wurde – also vor genau 75 Jahren. 

Das war die Jugendbegegnung 2020.

Was in Auschwitz geschah

An diesem Wintertag des letzten Kriegsjahres erreichten die Soldaten der Roten Armee, also die Truppen der damaligen Sowjetunion, das Konzentrationslager im heutigen Südpolen. Kaum ein Häftling hatte überlebt, was dort vorgefallen war. Zwischen einer und eineinhalb Millionen Menschen wurden in Auschwitz von den Nazis ermordet – die meisten waren Juden, die auf grausamste Weise massenhaft in Gaskammern erstickt wurden. 

In Erinnerung an die Befreiung ist der 27. Januar in Deutschland der offizielle Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Bundestag findet alljährlich eine Gedenkstunde statt – und auch die internationale Jugendbegegnung. Da sich die Befreiung von Auschwitz in diesem Jahr zum 75. Mal jährt, fand die Jugendbegegnung 2020 teilweise in Auschwitz statt.

Mehr über die Befreiung von Auschwitz erfahrt ihr kompakt in einer Veröffentlichung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages

Das Programm der Jugendbegegnung

Drei Tage verbrachten die jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren aus insgesamt 12 Ländern in der polnischen Kleinstadt. Die meisten kommen aus Deutschland, einige aber auch aus Frankreich oder Russland, aus Polen oder etwa aus der Ukraine. Sogar die USA war mit einer Teilnehmerin vertreten. Und sie alle erlebten ein dichtes Programm. Neben der Besichtigung der dortigen Gedenkstätte und des Museums sprachen die Gäste auch mit Zeitzeugen, die die Schrecken dieser Zeit noch selbst miterlebt hatten. 

In kleinen Arbeitsgruppen reflektierten und besprachen die Teilnehmer anschließend ihre Eindrücke und Gedanken. Auch eine Führung durch die etwa 38.000-Einwohner-Stadt Auschwitz stand auf dem Programm. Und am Nachmittag des 27. Januars waren die jungen Gäste eingeladen, an der offiziellen Gedenkfeier in Auschwitz teilzunehmen. Prominente Politiker aus aller Welt waren dort vertreten.

Nach einer etwa achtstündigen Busfahrt ging es für die jungen Erwachsenen in Berlin weiter. Die beiden wichtigsten Termine: die Teilnahme an der Gedenkfeier im Plenarsaal des Bundestages und an einem Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin.

Versteckte Kinder

Die Jugendbegegnung widmet sich jedes Jahr einem anderen Thema: In einem Jahr setzten sich die Teilnehmer mit der Geschichte der Leningrader Blockade auseinander und reisten nach Sankt Petersburg. Ziel war auch schon Kiew in der Ukraine, um vor Ort etwas über die nationalsozialistischen Verbrechen wie Besatzung, Zwangsarbeit und Völkermord in Osteuropa zu erfahren.

Im vergangenen Jahr lautete das Thema „Verstecke jüdische Kinder in der Nazizeit“. Nicht nur in Deutschland, auch an anderen Orten hatten mutige Menschen jüdische Kinder vor den Nazis versteckt, um sie vor dem Tod zu bewahren. Das wohl berühmteste Kind unter ihnen: Anne Frank.

Wer darf teilnehmen?

Alle Teilnehmer der Jugendbegegnung engagieren sich in Projekten und Initiativen zur Geschichte des Nationalsozialismus oder gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus. Wer selbst in einem der kommenden Jahre an der Jugendbegegnung teilnehmen will, muss sich dafür von der Organisation, bei der er sich engagiert, vorschlagen lassen. Diese wiederum muss allerdings zuvor vom Bundestag für das Programm ausgesucht werden. Dann gibt es eine Einladung vom Bundestagspräsidenten, der Schirmherr der Begegnung ist.

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