Erfahrungsbericht Adoption

„Wieso bin ich andersfarbig?“

04.03.2020 – Rebecca wurde mit sechs Monaten adoptiert. Ihre leiblichen Eltern wird sie nie kennenlernen, denn niemand weiß, wer sie sind. Hier erzählt sie, wie das Thema Adoption sie seit der Grundschule begleitet.
Junge Frau lächelt in die Kamera.
Rebecca ist 25 und lebt in Nordhausen. Dort studiert sie Gesundheits- und Sozialwesen. © privat

Ich komme ursprünglich aus Äthiopien. Das heißt, man sieht auf den ersten Blick, dass ich nicht das leibliche Kind meiner Eltern bin. Im Kindergarten war das kein Thema, aber in der Grundschule haben dann schon immer wieder mal Kinder gefragt, warum ich dunkle Haut habe. Also habe ich meine Eltern dann irgendwann einfach gefragt: „Wieso bin ich andersfarbig?“ Und sie haben mir von der Adoption erzählt. Ganz genau kann ich mich nicht an das Gespräch erinnern, aber schockiert war ich nicht. Ich habe es einfach zur Kenntnis genommen.

Zum Glück habe ich als Kind auch nie schlimme Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Vielleicht sind die Kinder erst mal ein bisschen auf Abstand gegangen. Aber sobald man sich näher kennengelernt hat, war das Thema schnell vom Tisch.

Drei eigene und zwei Adoptivkinder

Meine Mutter hat das mit der Adoption mehr oder weniger alleine durchgezogen. Sie hatte vor mir schon drei eigene Kinder. Nach mir hat sie dann noch meine kleine Schwester aus Nigeria adoptiert. Sie hat es mir immer so erklärt: Es gibt so viele Kinder, die keine Eltern haben und deswegen leiden müssen – wenigstens zwei davon wollte sie ein schönes Zuhause geben.

In der Familie war die Adoption kein großes Thema. Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Mutter einen Unterschied zwischen uns Kindern macht. Nur in besonders hitzigen Streitsituationen, da habe ich schon mal zu hören gekriegt, dass sie mich doch zu sich geholt habe und ich ein bisschen dankbarer sein könnte.

Als Findelkind vor die Heimtür gelegt

Über meine leiblichen Eltern weiß ich nichts. Ich wurde als Baby anonym vor der Heimtür abgelegt. Das heißt leider, dass ich keinerlei Chancen habe, jemals etwas über sie herauszufinden. Als mir meine Mutter das erklärt hat, als ich 13 oder 14 Jahre alt war, hat mich das schon traurig gemacht. Aber nicht allzu lange. Ich habe ja Eltern.

Wenn ich wüsste, dass meine leiblichen Eltern irgendwo da draußen sind und ich Kontakt aufnehmen könnte, würde mich das wahrscheinlich mehr beschäftigen. Aber das Wissen darum, dass das ausgeschlossen ist, hat mir geholfen, meinen Frieden damit zu machen.

Der Wunsch, die eigenen Wurzeln zu kennen

Trotzdem möchte ich unbedingt einmal nach Äthiopien fahren und auch das Heim besuchen. Einfach um zu wissen, wo ich herkomme. Meine Mutter ist leider schon gestorben. Aber sie hätte mich darin bestimmt unterstützt.

Früher, als ich kleiner war, ist sie oft mit mir zu Treffen gefahren, bei denen Adoptivfamilien zusammengekommen sind und sich ausgetauscht haben. Das lief über Unicef. Ich habe auch heute noch viele Kontakte zu Menschen aus Afrika.

Adoption in der gesellschaftlichen Debatte

Ich lese nicht viel über das Thema Adoption. Ohne genaue Zahlen zu kennen, glaube ich, dass zu wenige Menschen Kinder aus dem Ausland adoptieren. Natürlich ist es wahnsinnig viel Bürokratie-Aufwand – ich habe in den Unterlagen meiner Mutter haufenweise Dokumente gefunden. Und bestimmt ist es auch ein Kostenfaktor. Nicht jede Familie wird sich eine Auslandsadoption leisten können. Ich fände es schön, wenn man Familien, die dazu bereit wären, die aber einfach nicht genug Geld haben, finanziell unterstützen könnte. Es ist doch schade, wenn so etwas am Geld scheitert.

(Protokolliert von jk)

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