Stipendiatin aus den USA

Glory, 18, Bonn

12.09.2022 – Von Oklahoma nach Bonn: Glory mag an Deutschland die Natur, das Essen und die Geschichte. Sie freut sich auf das Austauschjahr bei ihrer Gastfamilie und viele Gespräche mit Fremden, um ihr Deutsch zu verbessern.
Portrait der Autorin
Glory in ihrer neuen Heimat: Bonn. © privat

Oktober 2022: Mein persönlicher Fahrplan zum Glück

Diesen Monat bin ich zu meiner Gastfamilie in Köln gezogen. Es ist ganz nett. Ich lebe mit einer fünfköpfigen Familie und zwei Katzen zusammen. Wir sprechen größtenteils Deutsch und ich bin gespannt, wie sich mein Deutsch entwickeln wird. Vielleicht lerne ich sogar den kölschen Dialekt. Morgen beginnt mein erster Tag in der deutschen Oberschule. Es wird interessant sein zu sehen, wie sehr sie sich von der amerikanischen Schule unterscheidet, von den Stundenplänen über den längeren Unterrichtszeiten bis zum Mittagessen.

Heimweh – und meine Gegenmittel   

Ich liebe Deutschland und bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe, aber Heimweh kann sich bei jedem einschleichen. Erst als ich mich vor etwa zwei Wochen dabei ertappte, wie ich weinend die Nationalhymne summte, während ich mein Zimmer aufräumte, wusste ich, dass es auch mich erwischt hatte. Ich wusste, dass ich in den verbleibenden sieben Monaten hier schnell Abhilfe schaffen musste. Mir wurde klar, dass es weniger der Ort war, den ich vermisste, sondern mehr der Lebensstil. Es ist aufregend, sich in einer neuen Umgebung mit neuen Menschen und einer neuen Sprache zurechtzufinden, aber es ist leicht, sich in dieser Aufregung zu verlieren. Unbewusst begann ich, mich von meinen Hobbys wie Kunst, Kochen, Lesen, Sprachenlernen (außer Deutsch) zurückzuziehen. Ich sprach nicht mehr viel mit meiner Familie und sah auch meine Freunde nicht mehr, da sie vor Kurzem ebenfalls zu ihren Gastfamilien gezogen waren. Ich nahm ein Stück Papier und einen Stift zur Hand und schrieb meinen ganz persönlichen Fahrplan zum Glück auf. Ich schaute mir an, was in meinem Leben fehlte, was ich hinzufügen müsste und wie ich das anstellen könnte. Seitdem ich diese kleinen Dinge in mein tägliches Leben integriert habe, haben sich die Dinge zum Besseren gewendet.

Deutsche Supermärkte

Diese Woche hatte ich die Gelegenheit, meinen allerersten Solo-Einkaufsausflug zu machen. Eine Sache, die ich an den Lebensmittelläden hier liebe, ist die Vielfalt. Es gibt so viele verschiedene Käsesorten, Obst und Gemüse, multikulturelle Lebensmittel und so weiter.

Einige meiner Lieblingsinseln sind die Schokoladeninsel, die Müslinsel und die Fleischabteilung. Die Schokoladeninsel ist der Traum eines jeden Kindes, denke ich. Es gibt so viele verschiedene Geschmacksrichtungen und gute Marken. Ich schwöre, die Schokolade hier ist cremiger als in den USA. Apropos Schokolade, etwas, das auch gut zu Schokolade passt, ist Müsli. Müsli ist ein sehr vielseitiges deutsches Frühstück, das typischerweise aus Haferflocken, Früchten und manchmal Joghurt und Milch besteht. Beim Stöbern durch die Gänge fand ich Käsekuchen-Müsli – ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt. Auch die Verpackung war mit ihren blauen und rosafarbenen Tönen wirklich bemerkenswert. Was mir aber auf jeden Fall ins Auge fiel, waren die schön verzierten Eier, die zum Verkauf standen. Wie in vielen anderen Ländern werden auch in Deutschland die Eier normalerweise nicht gekühlt, was ich ebenfalls interessant finde. Ich könnte wirklich Stunden in den deutschen Lebensmittelgeschäften verbringen und mir die verschiedenen Thunfischsalate, Säfte und vieles mehr ansehen. Ich fühlte mich wie Charlie bei der Besichtigung von Willy Wonkas Fabrik.

Eine Entdeckung: Hawaii Toast

Habt ihr schon von Hawaii-Toast gehört? Hawaii-Toast ist ein offenes Sandwich mit einer Scheibe Schinken, Ananas und Käse, das oft mit einer Maraschino-Kirsche in der Mitte getoastet wird; manchmal wird die aber auch durch Marmelade ersetzt. Es entstand in den 1950er Jahren in Deutschland und wurde bald darauf populär. Obwohl mir die Idee auf den ersten Blick ein wenig verrückt vorkam, wusste ich, dass ich es probieren musste. Ich hatte es beim Scrollen auf TikTok entdeckt und wusste, dass jetzt der beste Zeitpunkt war, es auszuprobieren. Ich habe es eines Nachmittags zum Mittagessen gemacht und bin seitdem süchtig danach. Ich glaube, ich habe diese Woche schon drei oder mehr davon gegessen. Die Süße mit dem Bohnenkraut verdient wirklich einen Chefkoch-Kuss. 

September 2022: Wandern, Fahrradfahren, Bootstouren

Hallo, mein Name ist Glory. Ich bin 18 Jahre alt und komme aus Oklahoma. Gerade lebe ich in Bonn, da ich ein Austauschjahr mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) mache.

Das ist das PPP

Deutschland ist sehr schön: so viel Natur, leckeres Essen und Geschichte. Ich bin seit einem Monat hier bei einer wunderbaren Gastfamilie. Bei uns leben auch zwei süße Schildkröten. Wir mögen Wandern, Fahrrad- und Bootfahren. Noch ist mein Deutsch nicht so gut, aber ich versuche es zu lernen. Deshalb gehe ich zu einer Sprachschule. Ich kann mein Deutsch im Gespräch mit Menschen in der Stadt trainieren. Das ist toll. 

Ich liebe es zu schreiben, habe schon für Zeitschriften gearbeitet und ehrenamtlich als Social Media Managerin. Ich freue mich darauf, hier über ein Auslandsjahr zu berichten.

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