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Swantje Michaelsen (Bündnis 90/Die Grünen): Geschäftstellenleitung beim ADFC

Verkehrspolitik im Verband und im Bundestag

11. August 2026 Jasmin Nimmrich

Als hauptamtliche Geschäftsstellenleitung drehte sich bei Swantje Michaelsen der Arbeitsalltag um Verkehrspolitik – so ist es auch jetzt als Bundestagsabgeordnete. Im Interview erzählt sie, was genau dazu geführt hat, dass sie sich um ein politisches Mandat beworben hat

Links ist eine Frau mit kurzem braunem Haar in einer Nahaufnahme zu sehen, die einen Fahrradlenker hält und direkt in die Kamera blickt. Sie trägt eine dunkelblaue Jacke und ein helles Oberteil. Rechts befindet sich eine Straßenszene mit mehreren Menschen auf Fahrrädern. Eine Person fährt ein Lastenrad, auf dessen Vorderseite ein Schild mit der Aufschrift 'FAHRRAD STRASSEN NETZ' befestigt ist. Die Umgebung zeigt gepflasterte Straße, parkende Autos und weitere Radfahrer, darunter ein Kind mit grünem Helm.

In der Kommunalpolitik hat Swantje Michaelsen (Bündnis 90/Die Grünen) erfahren, wie sehr Mobilität und Verkehr von der Bundespolitik abhängen. Ein Grund für sie, für den Bundestag zu kandidieren. © Stefan Kaminski; Dirk Hillbrecht

Frau Michaelsen, welchen Beruf hatten Sie vor Ihrem Mandat im Deutschen Bundestag?

Ich habe die Geschäftsstelle des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Hannover geleitet, also dort schon Verkehrspolitik gemacht, aber eben auf kommunaler Ebene. Der ADFC ist ein Verband, der sich dafür einsetzt, dass mehr Menschen Fahrrad fahren und sich insbesondere für bessere Radwege stark macht, um die Sicherheit auf dem Fahrrad zu verbessern. Und ich habe in diesem Verband, der im Wesentlichen ehrenamtlich arbeitet, hauptamtlich diese ehrenamtliche Arbeit koordiniert, unterstützt, begleitet und damit auch verlässlicher gemacht und war sozusagen die Schaltzentrale.

Eigentlich habe ich Geschichte und Kunstgeschichte studiert und hatte während des Studiums immer das Ziel, später mal im Museum zu arbeiten. Daher habe ich auch viele Praktika in Museen gemacht und auch als studentische Hilfskraft im Haus der Geschichte in Bonn gearbeitet. Dann nach dem Studium kam es anders und ich bin bei einem Verein gelandet, der im internationalen Jugend- und Erwachsenenaustausch tätig war. Durch die Vereinsarbeit bin ich dann eigentlich auch zum ADFC und somit zur Verkehrspolitik gekommen. 

Und wie kam es zum Berufseinstieg in die Politik?

Verkehr und Mobilität haben für mich als einfache Bürgerin eine sehr zentrale Rolle gespielt. Einmal vor dem Hintergrund des Klimaschutzes, aber auch dadurch, dass ich selbst als Alltags-Radfahrerin immer wieder gemerkt habe, dass es an zu vielen Stellen in der Infrastruktur knirscht und dass viele Menschen davon profitieren würden, wenn man bessere Wege fürs Rad hätte. Das Straßenverkehrsgesetz hatte bis 2024 lediglich das Ziel, den Autoverkehr möglichst effizient zu gestalten. Ich war überzeugt davon, dass dieses Gesetz neue Ziele brauchte, nämlich Klima und Umweltschutz, Gesundheit und städtebauliche Entwicklung.

Nur so kann man dann in den Kommunen auch andere Entscheidungen treffen, da eben gerade Radwege, Zebrastreifen, bessere Busverbindungen immer davon ausgebremst wurden, dass es hieß, dass vor allem die Autos schnell fahren müssen. All das, und auch der Fakt, dass hier im Bundestag viel zu wenige Frauen sitzen und sich noch weniger Frauen im Bundestag der Verkehrspolitik widmen, hat mich wirklich extrem wütend gemacht. Ich bin auf einer großen Welle der Wut hier reingespült worden!

Wie hat Ihr Arbeitgeber auf den Berufswechsel reagiert?

Mein Arbeitgeber hat meinen Weggang einerseits sehr bedauert, hat mich aber gleichzeitig auch unterstützt. Schließlich habe ich ja für den Bundestag kandidiert, um genau dort für die Ziele des ADFCs zu kämpfen. Insofern haben wir auch seit meinem Einzug in den Bundestag immer gut zusammengearbeitet - und gemeinsam ja auch die Reform des Straßenverkehrsrechts durchgebracht. Ich engagiere mich auch weiterhin aktiv im ADFC und  bin beim ADFC angestellt, aber freigestellt für die Zeit des Mandats.

Können Sie sich vorstellen, wieder in Ihren alten Job zurückzukehren?

Grundsätzlich habe ich meinen Job immer super gerne gemacht. Im Moment herrscht jedoch in dem Bereich eine sehr schwierige Situation, weil es überall an Geld fehlt. Daher wäre meine Wiedereinstellung momentan eher schwierig. Aber abgesehen davon glaube ich auch, dass je länger ich aus dem Job raus bin, desto mehr haben sich meine Interessen und Fertigkeiten in anderen Bereichen weiterentwickelt. Aber wenn mein Mandat endet, möchte ich auf jeden Fall weiter im Themenfeld Verkehrspolitik und -entwicklung arbeiten. 

Was könnte der Arbeitsplatz Bundestag vom Arbeitsplatz ADFC lernen?

Im Verein liefen viele Sachen auf jeden Fall deutlich unkomplizierter und unbürokratischer. Ich glaube, ich habe hier so viele Dokumente unterschrieben wie zuvor in meinem ganzen Leben nicht! Und als Verein waren wir natürlich vor Ort und konnten, je nach Herausforderung, recht schnell reagieren. Hier im Parlament sind viele Prozesse deutlich umfangreicher und die Kommunikationsschleifen um ein Vielfaches größer. Daher würde ich mir manchmal wünschen, dass hier im Bundestag nicht alles immer so ewig dauern würde.

Zur Person

Swantje Michaelsen

sitzt seit 2021 im Deutschen Bundestag. Sie ist ordentliches Mitglied im Verkehrsausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss und im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.