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Daniel Zerbin (AfD): Kriminologe

Von der Hochschule ins Parlament

Letzte Aktualisierung: Jasmin Nimmrich

Als Kriminologie-Dozent hat Daniel Zerbin sein Wissen an Studierende weitergegeben. Im Interview erzählt er, wie er von der Lehre zur Politik gekommen ist und was den Arbeitsplatz Bundestag vom Arbeitsplatz Hochschule unterscheidet.

Ein Mann mit kurzem, nach hinten gekämmtem Haar trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine rot-weiß gestreifte Krawatte. In der Brusttasche seines Sakkos steckt ein weißes Einstecktuch. Er steht vor einem unscharfen, graublauen Hintergrund und blickt ernst nach vorne.

Bevor er Parlamentarier wurde, hatte der Diplom-Kriminologe Daniel Zerbin eine Professur für Kriminalwissenschaften inne. © IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Herr Zerbin, was war Ihr Beruf vor dem Mandat?

Ich war Berufsoffizier und Dozent an verschiedenen Bildungseinrichtungen. An der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung habe ich Kommissaranwärter ausgebildet. Und an einer privaten Hochschule habe ich Sicherheitsmanager im Bereich Kriminologie, Kriminalistik und Personalwesen ausgebildet. Außerdem habe ich eine Professur für Kriminalwissenschaften und bin Diplom-Kriminologe. Dabei beschäftige ich mich sowohl mit Kriminalistik als auch Kriminologie. Der Unterschied zwischen den beiden Disziplinen ist, dass es bei der Kriminologie um die Ursachen für Kriminalität geht, und bei der Kriminalistik dreht sich alles darum, kriminelle Handlungen und Täter aufzudecken. 

Welche Fähigkeiten aus Ihrem vorherigen Beruf helfen Ihnen in Ihrer Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter?

Gerade in meiner Tätigkeit im Verteidigungsausschuss und im Innenausschuss helfen mir mein Wissen und meine Fähigkeiten aus meiner Zeit als Berufsoffizier. Diese thematische Überschneidung war auch mein Ziel, da ich es ganz wichtig finde, den Rückenwind zu spüren, den ich durch meine Verbindung zu dem Berufsstand erhalte. Klar kann man sich in jedes Thema einarbeiten, aber mein Vorwissen zu Katastrophenschutz, Krisenbewältigung und Krisenstäben kann mir niemand nehmen. 

Wie kam es zu der Entscheidung, Vollzeit in die Politik zu gehen?

Für mich hatte das komplexere Gründe. Ich habe gemerkt, dass ich nach zehn, zwölf Jahren in meinem vorherigen Beruf einen Wechsel brauchte. Irgendwann kannte ich die Geschichten, die ich meinen Studenten erzählte, auswendig, und habe so ein inneres Bedürfnis gespürt, noch mal etwas anderes zu machen. An sich finde ich den Beruf als Hochschullehrer weiterhin spannend: Ich arbeite total gerne mit jungen Leuten zusammen und leite gerne diesen Prozess des Lernens an. Aber für mich war es natürlich auch eine intrinsische Motivation, in die Politik zu gehen, weil ich gemerkt habe, dass es sich in unserem Land nicht so gut entwickelt, wie es eigentlich sein müsste.

Und wie haben Sie diesen Karrierewechsel gegenüber Ihrem vorherigen Arbeitgeber kommuniziert?

Das Ausmaß meines politischen Engagements hat mein Arbeitgeber von alleine herausgefunden. Als ich meine Promotion abgeschlossen hatte und es im Anschluss darum ging, Professor zu werden, wurde bekannt, dass ich politisch aktiv bin, was den Arbeitgeber eigentlich gar nichts angeht. Dann bin ich aber für den Landtag nominiert worden, was natürlich für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt hat. Daraufhin hat mich mein Arbeitgeber darauf angesprochen und dann habe ich dargelegt, dass ich, wenn wir in den Landtag einziehen – was uns auch mit 5,4 Prozent gelungen ist –, das Mandat annehmen werde. 

Was könnte der Arbeitsplatz Bundestag von dem Arbeitsplatz Hochschule lernen?

Ich glaube, der Bundestag könnte sich dahingehend eine Scheibe abschneiden, dass man mehr voneinander lernt. Es gibt ja in allen Parteien kluge Leute. Und da wäre es stets angebracht, mehr auf das Argument einzugehen als auf die politische Couleur oder die Partei, die da gerade vorne am Pult steht. Denn es geht in der parlamentarischen Arbeit ja darum, dass das Leben für möglichst viele Menschen besser wird. Daher muss das Argument entscheiden und nicht andere Dinge. Und ich glaube auch, dass das gesamte politische Spektrum bespielt werden muss von links nach rechts. Daher könnte der Bundestag noch lernen, mehr auf die Inhalte einzugehen.

Können Sie sich vorstellen, in Ihren alten Beruf zurückzukehren?

Auf jeden Fall, da ich mich selbst auch gar nicht als Berufspolitiker ansehe. Meine Partei und ich lehnen auch grundlegend den Werdegang Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal ab. Ich glaube, dass es ganz, ganz wichtig ist, dass man Berufs- und Lebenserfahrung in die Politik mitbringt. Ich persönlich habe vor, dass ich meine berufliche Karriere an der Hochschule beende, dass ich jetzt also eine Art Auszeit habe und die letzten Jahre vor dem Ruhestand dann noch weiter unterrichte.

Zur Person

Daniel Zerbin

sitzt seit 2025 für die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Er ist ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss und im Unterausschuss Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und internationale Organisationen.