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Johannes Schätzl (SPD): Informatiker

„Von geregelten Arbeitszeiten kann ich heute nur träumen“

3. August 2026

Das Wissen aus seinem vorherigen Beruf als Informatiker kann Johannes Schätzl (SPD) heute in seine politische Arbeit einfließen lassen. Was hingegen die größte Umstellung war, erzählt er im Interview.

Ein Mann in weißem Hemd und dunklem Anzug sitzt an einem Schreibtisch und blick in die Kamera.

Bevor Johannes Schätzl (SPD) in den Bundestag gewählt wurde, hat er als Informatiker gearbeitet. © Maximilian König

Herr Schätzl, was war Ihr Beruf, bevor Sie Abgeordneter geworden sind?

Bevor ich in den Bundestag kam, war ich Informatiker. Zuerst habe ich meinen Bachelor- und Masterabschluss in Passau gemacht und später dann für mehrere Jahre im Bereich Produktionsdigitalisierung gearbeitet. Hier ging es darum, Fertigungsprozesse durch digitale Technologien und Vernetzung von Maschinen effizienter und transparenter zu machen.

Hat politisches Engagement in Ihrem Beruf bereits eine Rolle gespielt?

Da gab es zunächst eigentlich keinen Zusammenhang. Ich habe mich aber in verschiedenen Vereinen in meinem Heimatort engagiert und bin nach und nach zur Kommunalpolitik gekommen. Später wurde ich dann Mitglied des Stadtrats. Dort wurde mein Interesse für die Bundespolitik geweckt, weil ich festgestellt habe, dass manche Entscheidungen nicht auf kommunaler Ebene getroffen werden können. Ich wollte mich an diesen Entscheidungsprozessen beteiligen, meine eigenen Ideen einbringen und habe dann später für den Bundestag kandidiert.

Was war die größte Umstellung von dem Beruf als Informatiker auf die Arbeit als Bundestagsabgeordneter?

Die größte Umstellung war auf jeden Fall die Arbeitszeit. Als Angestellter hatte ich weniger Verantwortung und konnte auch am Wochenende abschalten. Heute bin ich ständig erreichbar und habe auch noch abends und am Wochenende Termine. Das ist zwar manchmal anstrengend, ich lerne aber auch jeden Tag neue Menschen kennen und bin sehr dankbar für alles, was ich neu lernen darf.

Wie hat Ihr berufliches Umfeld auf den neuen Karriereweg reagiert?

Meine Kolleginnen und Kollegen und die Vorgesetzen haben mich sehr unterstützt. Der erste Bundestagswahlkampf ist immer besonders anstrengend – eigentlich arbeitet man Vollzeit, alles andere läuft nebenbei. Mir wurde aber viel Verständnis entgegengebracht und ich konnte flexibler arbeiten.

Welche Fähigkeiten aus dem alten Beruf sind Ihnen heute als Abgeordneter nützlich?

Zum einen kann ich heute viel Fachwissen aus meinem Studium und meinem Beruf nutzen, um meine Politik im Digitalausschuss und im Innenausschuss zu gestalten. Zum anderen macht es mir großen Spaß, mich analytisch in neue Themen einzuarbeiten. Das war auch in meinem alten Job so.

Identifizieren Sie sich heute noch mit Ihrem vorherigen Beruf?

Absolut. Als Digitalpolitiker beschäftige ich mich noch immer mit sehr ähnlichen Themen, die mich sowohl im Job als auch als Abgeordneter sehr begeistern.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder in Ihrem alten Beruf zu arbeiten?

Ja, definitiv. Die Aufgaben und Themen haben mir sehr viel Spaß gemacht. Natürlich sammle ich gerade auch viele Erfahrungen in der Politik – vielleicht kann ich irgendwann einmal beides verbinden. Informatiker werde ich aber immer sein und bleiben.

Was vermissen Sie an dem alten Beruf?

Da ich als Abgeordneter viel in Berlin bin, vermisse ich es, in meiner Heimat zu arbeiten. Und von geregelten Arbeitszeiten kann ich heute nur träumen. Außerdem hat man in meinem eigentlichen Beruf noch häufiger konkrete Erfolgserlebnisse der eigenen Arbeit, sprich: Ich hatte eine Idee, die wird umgesetzt und ich kann den Erfolg sehen und messen. Das ist in der Politik natürlich meistens etwas anders, auch wenn es hier genauso schöne Momente gibt.

Zur Person

Johannes Schätzl

ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und ordentliches Mitglied im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung sowie im Innenausschuss.