Bundestagspräsidentin

Gedenken an die Opfer der NS-Zeit in Bernburg

17.01.2023 – Am vergangenen Wochenende besuchte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas die Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg. 14.000 Menschen ermordeten die Nationalsozialisten dort zwischen 1940 und 1943.
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas vor einer Foto-Wand
Die Bilderwand erinnert an die Opfer von Bernburg, auch wenn ihre Namen teils unbekannt sind. © DBT/Henning Schacht

Jedes Jahr kommen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages am 27. Januar zu einer Gedenkstunde zusammen. An diesem Datum wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit, in dem die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen ermordet hatten, die allermeisten waren Jüdinnen und Juden. Auschwitz wurde zum Symbol für den Holocaust. So nennt man den systematischen Massenmord an den Juden Europas.

Auschwitz war das größte Arbeits- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten, aber bei Weitem nicht der einzige Ort, an dem sie systematisch Menschen umbrachten. Die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg in Sachsen-Anhalt wurde von den Nationalsozialisten als „Euthanasie“-Anstalt genutzt. Dort ermordeten sie kranke, behinderte und sozial auffällige Menschen sowie jüdische Häftlinge. Insgesamt kamen in Bernburg rund 14.000 Menschen ums Leben, bevor die Anstalt 1943 geschlossen wurde.

Im Vorfeld des 27. Januar hat Bundestagspräsidentin Bärbel Bas am vergangenen Samstag die Gedenkstätte in Bernburg besucht und Blumen für die Opfer niedergelegt.

Als „Lesbierin“ verhaftet und in Bernburg ermordet

Im Mittelpunkt der Gedenkstunde stehen in diesem Jahr Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beziehungsweise ihrer geschlechtlichen Identität im Nationalsozialismus verfolgt wurden. „Es ist für mich wichtig, an dem Ort zu sein, an dem eine Protagonistin ermordet wurde“, sagte Bas in Bernburg mit Blick auf Mary Pünjer (1904-1942), deren Biografie in der Gedenkstunde vorgestellt werden soll. Es habe lange gebraucht, bis sich das Parlament diesem wichtigen Thema gewidmet habe, aber es sei nicht zu spät, betonte Bas vor Ort.

Pünjer wurde 1940 als verheiratete Frau unter dem Vorwand der „Asozialität“ als „Lesbierin“ verhaftet und nach ihrer Verurteilung im KZ Ravensbrück interniert. Am 28. Mai 1942 wurde sie in Bernburg ermordet. 

An Mary Pünjer wird in Bernburg mit einem Foto erinnert. Eine Bilderwand soll den Opfern ein Gesicht geben, auch wenn ihre Namen oft unbekannt sind. Angefangen hat es mit Bildern aus Krankenakten, dann kamen private Bilder von Angehörigen hinzu. 92 Prozent der Opfer sind erfasst, nach einigen sucht die Gedenkstätte immer noch. 

Wie kann man Erinnerungskultur erhalten und ausbauen?

Weil sich die Gedenkstätte auf dem Gelände des Bernburger Salus-Fachklinikums befindet, tauschte sich Bas auch mit Vertreterinnen und Vertretern des psychiatrischen Fachklinikums und der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt über die Verbindung von Gedenkstättenarbeit und medizinischem Betrieb aus und dankte ihnen für die akribische Arbeit.

„Uns beschäftigt, was wir machen, wenn keine Zeitzeugen mehr da sind, damit die Opfer trotzdem einen Namen und ein Gesicht bekommen“, sagte Bas. „Wir haben hier noch nie Zeitzeugen gehabt, weil wir nur die Täteraussagen haben. Man sieht, dass es über Akten und biographische Zugänge trotzdem gut funktioniert“, berichtete Gedenkstätten-Leiterin Ute Hoffmann aus ihrer Praxis.

Jugendbegegnung im Bundestag

Wie in jedem Jahr wird es auch in diesem in der Woche der Gedenkveranstaltung eine Jugendbegegnung geben. Jugendliche, die sich mit dem Gedenken an die NS-Zeit beschäftigen, kommen im Bundestag zusammen, um sich intensiv mit dem diesjährigen Schwerpunkt zu beschäftigen. mitmischen.de wird darüber in der kommenden Woche ausführlich berichten.

Einblicke der Jugendbegegnung 2022 findet ihr hier:

(Lisa Brüßler/jk)

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