Landwirtschaft

Was dürfen Bauern spritzen?

13.08.2020 – Maden in Kirschen oder Himbeeren mag niemand von uns gerne. Glücklicherweise kommt das auch eher selten vor - dank Pflanzenschutzmitteln. Einige Fraktionen möchten deren Zulassungen ändern.
Traktor sprüht Pflanzenschutzmittel
Pflanzenschutzmittel sorgen für bessere Ernten, können aber auch die Umwelt belasten. © picture alliance/KEYSTONE

Maden, Pilze, Unkraut... – es gibt so einiges, was Nutzpflanzen zusetzt. Daher greifen Landwirte und Hobbygärtner zu Pflanzenschutzmitteln. Diese sollen jedoch Menschen, Tieren und der Natur nicht schaden. Deshalb gibt es Zulassungsverfahren, die sicherstellen sollen, dass die verwendeten Wirkstoffe unbedenklich sind.

Die Fraktionen von FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen fordern mit jeweils unterschiedlichen Anträgen und Akzenten, diese Verfahren zu verändern und besser zu überwachen. Der Ausschuss für Ernährung Landwirtschaft befasst sich nun mit den Vorschlägen und hatte dazu am 15. Juni externe Experten eingeladen.

FDP: Eine Regel für alle

Die FDP fordert in ihrem Antrag Transparenz und Rechtssicherheit, wenn es um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht. Die Fraktion verlangt etwa von der Bundesregierung, dass diese sich für eine einheitliche Regelung innerhalb der Europäische Union (EU) einsetzen solle. Im Moment bestimmt jeder Staat selbst, welche Unkraut- und Schädlingsgifte er zulässt und welche nicht.

Das kann dazu führen, dass ein Mittel in einem Land verboten, einige hundert Meter weiter hinter der Grenze im Nachbarland aber legal eingesetzt werden darf. Die FDP ist überzeugt: Wenn die Regelungen für alle EU-Mitgliedsstaaten gleich wären, würden Wettbewerbsvorteile für Staaten verschwinden, die Zulassungen lascher handhaben als andere.

Linke: Biologische Vielfalt erhalten

Der Linken-Fraktion ist der Schutz der biologischen Vielfalt und des Imkereiwesens besonders wichtig. Deshalb verlangt sie in ihrem Antrag, den Pflanzenschutz gezielt auf deren Schutz auszurichten. Die Linke ist der Meinung, dass in der EU zugelassene Pflanzenschutzmittel oft schädlich für die Pflanzen- und Tierwelt seien.

Die Fraktion möchte erreichen, dass Studien, welche die Wirkung von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln beurteilen, von unabhängigen Stellen in Auftrag gegeben und bezahlt werden – nicht vom Antragsteller selbst, wie bisher. Erst dadurch sei eine objektive, unbeeinflusste Prüfung möglich.

Grüne: Bienen schützen

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert in ihrem Antrag ebenfalls Änderungen bei den Zulassungsverfahren. So sollen unter anderem mehr Studien als bisher durchgeführt werden und die Hersteller der Pflanzenschutzmittel eindeutiger nachweisen, dass ihre Produkte nicht schädlich sind.

Zusätzlich legen die Grünen eine Fokus auf Bienen. Sie fordern die Bundesregierung dazu auf, sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass die sogenannten Bienenleitlinien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) angewendet werden. Darin wird geregelt, welche Anforderungen Pflanzenschutzmittel erfüllen müssen, um Bienen nicht zu schaden.

Experten: Zwei gegenteilige Meinungen

Sechs Sachverständige skizzierten ihre Meinung zu den Anträgen – zwei gegensätzliche Positionen seien hier kurz vorgestellt. Dr. Carsten Bühl vom Institut für Umweltwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau erklärte unter anderem, warum er die aktuelle Einstufung von Umweltrisiken als unzureichend empfindet. Laut Bühl werden Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln schon als „sicher“ eingestuft, wenn sie im Genehmigungsprozess eigentlich nur den Stempel „akzeptabel“ bekommen. Das wiederum führe dazu, dass Landwirte für Probleme – wie den Rückgang von Biodiversität – verantwortlich gemacht würden, für die sie eigentlich gar nichts könnten. Sie würden ja Mittel einsetzen, die als „sicher“ eingestuft wurden. Zur Erklärung: Die Biodiversität misst, wie viele verschiedene Arten von Pflanzen und Tieren in Wäldern, Seen oder Wiesen zu finden sind. Sie ist also ein Maßstab dafür, wie verschiedenartig oder divers ein Lebensraum ist.

Prof. Dr. Deising vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften und Pflanzenschutz der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hielt dagegen. Seiner Meinung nach werden alle Mittel vor der Zulassung ausreichend getestet und nur auf den Markt gebracht, wenn sie unbedenklich sind. Deising ist außerdem der Meinung, dass es für die Landwirtschaft eher nachteilig wäre, die bisherigen Regelungen zu verschärfen. Deshalb zeigte er sich eher kritisch gegenüber den Anträgen der Linken und Grünen.

Die gesamte Anhörung könnt ihr euch im Video anschauen.

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