USA-Stipendiatin

Annika, 15, Virginia

15.04.2020 – Wegen Corona musste Annika Virginia früher verlassen als geplant. Nach dem überstürzten Abschied muss sie sich nun erst mal wieder in Deutschland zurecht finden. Für die Erfahrungen der letzten Monate ist sie sehr dankbar.

März 2020: Abschied von den USA und Rückkehr nach Deutschland

Mittlerweile bin ich schon seit über drei Wochen wieder zurück in Deutschland. Ich musste meinen Auslandsaufenthalt leider fast drei Monate früher abbrechen als geplant, wegen der Corona-Krise. 

Es passierte alles sehr schnell: Ich war auf einem Trip mit anderen Austauschschülern in Hawaii, als wir an einem Mittwochmorgen die Nachricht erhielten, dass ich zurück nach Deutschland muss. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wann genau das sein wird, es hieß nur „umgehend“ und „so schnell wie möglich“. Ich wusste nicht einmal, ob noch Zeit sein würde, zurück zu meiner Gastfamilie nach Virginia zu kehren, um meine Sachen zu packen und mich zu verabschieden oder ob ich direkt von Hawaii nach Deutschland fliegen würde.

Kurze Zeit später erhielt ich dann die Informationen, dass ich in der nächsten Woche Dienstag (nicht mal eine Woche, nachdem wir die Informationen bekommen hatten) nach Deutschland fliegen würde. Um wenigstens noch zweieinhalb Tage in Virginia zu haben, brach ich meinen Hawaii-Trip einen Tag früher ab. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich nur noch zu meiner Gastfamilie, um die restliche Zeit mit ihr zu verbringen.

Die Abschiedsparty musste ausfallen  

In Virginia angekommen, gab es Richtlinien von der Regierung, sich nicht mit mehr als zehn Leuten zu treffen. Wegen dieser Richtlinien mussten wir dann auch die spontan organisierte Abschiedsparty für mich absagen. Letztendlich konnte ich mich von ein paar Freunden verabschieden, aber von den meisten nicht (Freunde, Lehrer, Mannschaftskameraden...), da ja auch die Schulen geschlossen wurden. 

Ich hatte noch sehr viel geplant für die restlichen drei Monate meines Auslandsjahres, etwa einen Trip nach New York und einen nach Nashville, und ich hatte auch eine Rolle in dem Theaterstück, das der Drama Club in meiner Schule im Frühling aufführen wollte. 

„Reverse Kulturschock“ in Deutschland

Es ist jetzt sehr schwer, sich wieder in Deutschland einzuleben und zu Recht zu finden, da ich mich nicht wirklich verabschieden konnte von meinem alten Leben und da es auch hier in Deutschland jetzt sehr schwierig ist, sich abzulenken und eine Routine zu finden. Ein „Reverse Kulturschock“ war also für mich persönlich schwer zu vermeiden. 

Trotz allem kann ich sagen, dass ich meine letzten Monate in den USA komplett genossen habe und jede Möglichkeit genutzt habe, etwas zu unternehmen und das Land besser kennen zu lernen. Der Trip nach Hawaii war auch einzigartig und etwas, das ich nie wieder vergessen werde.

In den letzten Monaten habe ich viele gute Freunde gefunden, mit denen ich jetzt auch versuche, in Kontakt zu bleiben. Sobald die Virus-Situation sich beruhigt hat, plane ich, auch noch einmal in die USA zu fliegen, um mich so richtig von allen verabschieden zu können. 

Zukunftspläne: Schauspielerin oder Diplomatin?  

Für die Zukunft plane ich jetzt erst einmal, mein Abitur zu machen und danach möchte ich definitiv einen Job haben, bei dem ich Englisch sprechen, mit Leuten aus anderen Ländern interagieren und Reisen kann. Durch meine Schule in den USA habe ich entdeckt, dass ich sehr viel Spaß am Schauspielern habe, das möchte ich jetzt definitiv als Hobby fortsetzten, wenn nicht sogar als Beruf später.

Aber ich muss auch sagen, dass ich mir vorstellen könnte, als Diplomat zu arbeiten. Als ich mit den anderen Stipendiaten in Washington D.C. war, haben wir uns mit Diplomaten aus Deutschland und den USA getroffen und unterhalten und eine typische Krisensitzung simuliert. Dieses Erlebnis war auch einzigartig und hat viel Spaß gemacht.  

Ich bin jetzt offener

Die Erfahrungen, die ich während meines Auslandsjahres gemacht habe, haben mir definitiv ein besseres Verständnis für andere Kulturen gegeben. Ich würde sagen, ich bin jetzt offener gegenüber anderen Menschen, Kulturen und Ländern und verstehe, dass nur weil für mich etwas selbstverständlich und normal ist, es noch lange nicht heißt, dass das auch in anderen Ländern und Kulturen normal ist. Ich habe auch gelernt, dass, egal wo und wann, Kommunikation sehr viele Konflikte und Missverständnisse vermeiden kann und sehr wichtig ist. 

In diesen acht Monaten habe ich so viel gelernt und so viele neue fantastische Menschen und Orte kennengelernt. Dafür bin ich sehr dankbar und das werde ich niemals vergessen. 

Dezember 2019: Rückblick auf die ersten Monate in den USA

Obwohl es sich überhaupt nicht so anfühlt, bin ich jetzt schon über vier Monate in den USA. Ich startete Anfang August in Frankfurt und flog mit den anderen PPP Stipendiaten von meiner Organisation nach Washington DC. Von dort starteten wir dann alle unsere eigenen Abenteuer und es ging in mein neues Zuhause.

In Virginia angekommen, lernte ich so langsam die Umgebung und Nachbarschaft kennen. Ich habe schon so manches klassisch amerikanisches Essen gekostet. Das Essen hier ist oft sehr süß und/oder fettig. Es gibt Pizza, Mac&Cheese, Milkshakes, Ice Cream, Tacos, … Ich habe mit meiner Gastfamilie aber auch schon deutsche Rezepte ausprobiert, wie zum Beispiel Gulasch oder Spätzle. 

Schulalltag in Virginia 

Anfang September hat dann auch die Schule angefangen. Ehrlich gesagt war ich ziemlich nervös und hatte viele Bedenken, aber glücklicherweise sind meine Befürchtungen nicht wahr geworden. In der Schule sind Schüler und auch Lehrer super freundlich und offen. Aber da am Anfang niemand wusste, dass ich eine Austauschschülerin bin, erforderte es etwas Mut, auf unbekannte Leute zuzugehen und sich vorzustellen.

Doch all das lernt man mit der Zeit und jetzt weiß ich gar nicht, wie oft ich schon „Hi, I’m Annika. I’m an exchange student from Germany, and who are you?“ zu komplett fremden Menschen gesagt habe. Und jedes Mal bin ich geduldig, wenn ich meinen Namen mindestens ein zweites Mal, meistens aber ein drittes Mal sagen muss, damit die Leute es verstehen. 

In der Schule machen mir meine Kurse sehr viel Spaß. Ich habe so viele spaßige Kurse genommen wie möglich (zum Beispiel Theater und Gitarre), aber auch etwa einen College-Niveau-Kurs Umweltwissenschaften, weil mich das sehr interessiert und eine Herausforderung hier und da auch Spaß machen kann, denn die vielen naturwissenschaftlichen Begriffe hatte ich vorher noch nie gehört. Das Schulsystem ist sehr anders als in Deutschland, es ist ein Kurssystem, es gibt keine verschiedenen Schulniveaus (alle sind auf einer Schule) und in der Highschool sind nur 9.- bis 12.-Klässler. Ich bin hier ein Junior, also in der 11. Klasse. 

Freizeit-Stress zwischen Theatre Crew und Tier-Adoptionen

Mein Alltag ist ziemlich stressig mit Schule jeden Tag bis 15 Uhr, Hausaufgaben und außerschulischen Aktivitäten. Für die Herbstaufführung war ich in der Theatre Crew (wir gestalten und bauen das Bühnenbild, die Kostüme, das Make-up für das Stück). Im nächsten Stück spiele ich selber mit.

Außerdem spiele ich Wasserball, helfe ehrenamtlich mit der Adoption von Hunden und Katzen und unternehme was mit meiner Gastfamilie oder meinen Freunden. Das alles macht mir super viel Spaß. Ich denke auch, dass man im Auslandsjahr so viel wie möglich unternehmen sollte, denn man hat diese Möglichkeit hier nur einmal, das sollte man wirklich wertschätzen, denn zuhause bleiben könnte ich ja auch in Deutschland.

Schulbusse, Riesen-Supermärkte und Komplimente von Fremden 

So wirklich eingelebt habe ich mich nach ungefähr drei Monaten, würde ich sagen. Ich habe einige Freunde gefunden, fühle mich komplett wohl mit der Sprache und ich bin einfach angekommen. Mittlerweile ist es das normalste der Welt für mich, in einem dieser riesengroßen Supermärkte einkaufen zu gehen oder jeden Morgen mit den gelben Schulbussen zur Schule zu fahren.    

Einer der größten Unterschiede hier ist: Egal wo man hingeht, die Menschen sind direkt offen, freundlich und möchten Konversation machen – woran ich mich inzwischen auch schon gewöhnt habe. Nicht selten kriegt man von komplett fremden Menschen im Supermarkt oder in der Schule Komplimente. Man fühlt sich, vor allem wenn man niemanden kennt, direkt wohler und willkommen. 

Im Moment genieße ich die Zeit, versuche so viele amerikanische Weihnachtstraditionen wie möglich kennenzulernen, versuche aber auch ein paar deutsche Traditionen in meiner Gastfamilie einzubringen und freue mich schon auf die vielen aufregenden Ereignisse, die ich noch erleben werde.

August 2019: Die Aufregung steigt...

Es geht nach Virginia!

Hallo, ich heiße Annika und bin 15 Jahre alt. Ich komme aus Nordrhein-Westfalen und besuche hier ein Gymnasium, auf welchem ich die neunte Klasse abgeschlossen habe. In meiner Freizeit spiele ich Wasserball und Klavier, mache Yoga und in der Schule bin ich Teil unseres Eine Welt Arbeitskreises, in dem wir uns für fairen Handel einsetzten. Außerdem engagiere ich mich gerne ehrenamtlich, wie zum Beispiel bei den Ferienspielen in meiner Gemeinde, bei denen ich Betreuerin bin.

Schon seit ich in der fünften Klasse war, hat mich der Austausch fasziniert. Sobald ich erfahren hatte, dass es die Möglichkeit gibt, für ein Jahr in einem anderen Land zu leben, war für mich klar: Das möchte ich unbedingt machen! Ich habe mich schon immer für andere Länder und Kulturen interessiert. Mit meiner Familie bin ich schon ziemlich viel durch Europa gereist, war aber noch nie in Amerika. Man hört immer sehr viel über die Amerikaner, über die amerikanischen High Schools und über die USA insgesamt (zum Beispiel über die politische Lage), das wollte ich einfach mal selbst erleben. Also sollten es die USA werden.

Als meine Idee vom Austausch dann so langsam realistisch wurde, fing ich natürlich an, viel zu recherchieren. Ich nahm gefühlt jede Austauschorganisation, die es gibt, unter die Lupe. Bei meinen Recherchen stieß ich dann natürlich auch auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm. Diese große Chance ließ ich mir nicht entgehen und bewarb mich. Obwohl es viele Bewerber gab und das Auswahlverfahren lang und mühsam war, gab ich nie die Hoffnung auf, was sich schließlich auch lohnte. Als ich die Nachricht erhielt, das Stipendium erhalten zu haben, war die Freude und Erleichterung unbeschreiblich groß.

Kurz nach meinem Vorbereitungsseminar in Würzburg erhielt ich dann die freudige Nachricht: Ich werde nach Virginia kommen! So lange wusste ich nicht, wo genau ich in diesem riesigen Land leben würde, deshalb freute ich mich sehr, als ich dann endlich mein Placement erhielt.

Vorfreude und mulmiges Gefühl

Die Aufregung steigert sich so langsam. Es ist noch ungefähr ein Monat bis zum Abflug und die Gefühle sind gemischt. Auf der einen Seite ist da diese riesengroße Freude, neue Leute kennenzulernen, auf eine Highschool zu gehen, einfach mal aus dem Alltag rauszukommen und ein völlig neues Leben für ein Jahr anzufangen und noch vieles mehr. Und auf der anderen Seite ist dann diese Unsicherheit, dieses mulmige Gefühl und auch ein bisschen Angst. Werde ich dort Freunde finden? Werde ich mit meiner Gastfamilie klarkommen? Werde ich in der Schule gemocht werden? Aber ich denke, dass dies Unsicherheiten sind, mit denen jeder Austauschschüler zu kämpfen hat. Und trotz aller Bedenken bin ich zuversichtlich, dass ich ein großartiges Jahr haben werde, in dem ich mich um einiges weiterentwickeln werde und an das ich mich für immer erinnern werde.

Im Moment mache ich noch viele Besorgungen: Steckdosen Adapter, Gastgeschenke etc.  Bald geht es dann ans Probepacken und dann geht es auch schon los mit diesem riesengroßen Abenteuer.

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