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Die Römischen Verträge

10.09.2021 – Die Europäische Union ist heute ein komplexes System aus vielen verschiedenen Regeln. Dabei begann alles einmal ganz einfach mit den Römischen Verträgen.

© DBT/mitmischen.de

Jobben an der Costa del Sol, Erasmus in Kopenhagen und noch einiges mehr. Das alles sind Errungenschaften der Europäischen Union. Europa: Das ist geografisch gesehen ein Kontinent, nämlich der Teil der Welt, auf dem wir leben. Die Europäische Union ist aber nur ein Zusammenschluss von einigen Ländern in Europa. Aber warum genau haben sich diese Länder nochmal zusammengeschlossen?

Nie wieder Krieg

Der Kontinent Europa war immer schon unter verschiedenen Ländern aufgeteilt. Doch darüber, wem welcher Teil gehört, gab es immer sehr viel Streit. Die schlimmsten Auseinandersetzungen waren dabei sicherlich der Erste und der Zweite Weltkrieg. Danach waren sich die Länder eigentlich nur in einer Sache einig, nämlich darüber, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Dazu gab es verschiedene Ideen und eine Idee kam von diesem Mann: Robert Schuman war 1950 französischer Außenminister. Und seine Idee war eigentlich ganz simpel: Wenn zwei Länder wirtschaftlich zusammenarbeiten, dann führen sie keinen Krieg gegeneinander. Denn wenn man einen Krieg gegeneinander führen würde, würde man sich ins eigene Fleisch schneiden.

Kohle und Stahl als Friedensgarant

Er schlug vor, dieses Modell erst einmal zwischen Deutschland und Frankreich auszuprobieren. Die beiden Länder sollten die Produktion von Kohle und Stahl gemeinschaftlich regeln. Kohle und Stahl waren damals wichtige Rohstoffe für die Industrie. Die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Produktion von Kohle und Stahl hatte für Deutschland und Frankreich einige Vorteile.

Erst einmal musste man für den Austausch der Waren keine Zölle mehr bezahlen und außerdem wusste man, was der Nachbar produziert. Diese Idee, wirtschaftlich zusammenzuarbeiten, fanden noch andere Länder gar nicht so schlecht. Und so gründeten Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg 1951 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, auch Montanunion genannt.

Die Römischen Verträge

Als das gar nicht so schlecht lief, entschied man, dass man auch in Sachen der Landesverteidigung zusammenarbeiten wollte. Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft scheiterte aber 1954. Also beschloss man, sich weiter auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu konzentrieren. Am 25. März 1957 unterschrieben die Länder in Rom neue Verträge: die sogenannten Römischen Verträge. Mit den Römischen Verträgen gründeten die sechs Länder die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomunion.

Mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wurde ein großer Wirtschaftsraum innerhalb von Europa geschaffen, in dem Waren und Güter besser und einfacher ausgetauscht werden konnten. Erstmals schuf die neue Gemeinschaft außerdem Institutionen zur Kontrolle und Verwaltung, nämlich eine Parlamentarische Versammlung, heute das Europäische Parlament und einen Europäischen Gerichtshof, den es heute noch gibt. Die Römischen Verträge schufen damit die Grundlage für die heutige Europäische Union.

Wirtschaft begründet den Frieden

Jetzt noch einmal zur Zusammenfassung: 1951 wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gegründet. Der Versuch, in Fragen der Verteidigung zusammenzuarbeiten, scheiterte leider 1954. Aber am 25. März 1957 wurde mit den Römischen Verträgen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft führte zu einer Zusammenarbeit in Fragen der Wirtschaft und Verwaltung. Außerdem bildete sich ein großer Wirtschaftsraum im Westen Europas.

Diese wirtschaftliche Zusammenarbeit begründete einerseits den lang ersehnten Frieden in Europa und andererseits auch die spätere politische Zusammenarbeit und damit die Europäische Union, die wir heute kennen. Natürlich hat sich die Europäische Union rasant verändert und es gibt auch einige Dinge zu kritisieren. Aber nichtsdestotrotz haben die Römischen Verträge die Europäische Union bestimmt, in der wir heute leben, und haben damit ganz großen Einfluss auf mein und auch auf euer Leben.

(lh)

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