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Europäischer Wettbewerb Keine Demokratie ohne Diversität

Naomi Webster-Grundl

In Vielfalt geeint? So lautet das Motto der Europäischen Union. Aber nicht überall in Europa gilt Diversität als wertvoll. Der 70. Europäische Wettbewerb hat Schülerinnen und Schüler gebeten, sich in ihren Werken mit Themen wie Kunstfreiheit, Unterschiedlichkeit, Frieden oder Engagement auseinanderzusetzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger konnten ihre Arbeiten Ende September im Bundestag vorstellen.

Ein gemaltes Bild von einem bunten Gesicht

© Europäischer Wettbewerb / Gina Ulrich

„Europäisch gleich bunt“ - unter diesem Motto hat der 70. Europäische Wettbewerb dazu aufgereufen, sich mit Themen rund um Diversität, Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit auseinanderzusetzen. Wo ist Europa schon bunt? Und was muss sich noch ändern? Zahlreiche Schülerinnen und Schüler haben ihre Kunstwerke eingereicht. Die Preisträgerinnen und Preisträger hatten nun die Möglichkeit, sich ihre Arbeiten im Rahmen des parlamentspolitischen Schülerprogramms im Bundestag gegenseitig vorzustellen. 

Jugendliche sitzen in Reihen und blicken ernst.

Preisträgerinnen und Preisträger während der Präsentationen der Arbeiten im Bundestag. © DBT / Stella von Saldern

„Wir dürfen nicht wegsehen!“

Gemälde, ein Gesellschaftsspiel, Animationen, Essays, eine Website. Die Projekte zeigen: nicht nur die inhaltliche Interpretation des Themas ist vielfältig möglich, sondern auch die praktische Umsetzung. Drei Schülerinnen aus Monheim in Nordrhein-Westfalen haben eine Website entwickelt, mit der sie Diskriminierung bekämpfen wollen, indem sie die positiven Seiten von Vielfalt unterstreichen und dies mit konkreten Beispielen in ihrer Heimatstadt untermauern.

In dem Gemälde von Lena Kloß aus Thüringen ist Wut die bestimmende Emotion. Die Schülerin hat das Bild gemalt, nachdem sie mit Rechtsextremismus und Polizeigewalt konfrontiert war. „Wir dürfen nicht wegsehen!“, appelliert sie. Das gelte auch für Themen wie die Klimakrise und Krieg. Das Gemälde zeigt brennendes Wasser. Feuer als Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Sie habe sich auch viele Gedanken darüber gemacht, welche Probleme für eine Demokratie entstehen, wenn wirklich jede Meinung das Recht hat gehört zu werden - auch die demokratiefeindliche Meinung.

Ein gemaltes Bild von brennendem Wasser

© Europäischer Wettbewerb / Lena Kloß

Kunst als Spiegel der Gesellschaft

Die Schülerin Ricarda Löwe aus Hessen hat sich in einem Essay mit der Kunstfreiheit auseinandergesetzt. Sie beschreibt Kunstwerke als Spiegel der Gesellschaft und dass man nicht die Frage stellen sollte: Darf es dieses Kunstwerk geben? Sondern man sich bei einem polarisierenden Kunstwerk viel mehr fragen sollte: Warum gibt es das?

Das wohl provozierendste Kunstwerk stellt an diesem Tag der Schüler Andreas Malek aus Hessen vor. Es ist eine Hommage an das Deckenfresko „Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Statt Gott und Adam zeigt Maleks Bild den Teufel und Wladimir Putin. Dafür, so ein aktuelles, kritisches und direktes Bild eingereicht zu haben, bekommt Malek sehr viel Anerkennung von den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern.

Eine gemalte Hommage an Michelangelos Deckenfresko 'Die Erschaffung Adams', auf der statt Gott und Adam der Teufel und Putin gezeigt werden.

© Europäischer Wettbewerb / Andreas Malek

Europa muss bunter werden

Demokratie ist ohne Diversität nicht möglich. Das heben viele der vorgestellten Arbeiten hervor. Auch das Gesellschaftsspiel „KLIF“, das vier Schülerinnen und Schüler aus Paderborn in Nordrhein-Westfalen entwickelt haben, regt dazu an, vorherrschende Missstände zu diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze zu finden. 

Die Schülerin Gina Ulrich aus Berlin hat ein buntes, geschlechtsneutrales Gesicht gezeichnet, in dem sich Ruhe und Natur auf der einen Seite mit Zeitdruck und Krieg auf der anderen Seite konfrontiert sehen. Auf der Stirn trägt das Gesicht den EU-Sternen-Ring. Einige Sterne sind nicht ausgefüllt: Europa ist nicht fertig. Europa muss bunter und gerechter werden.


Die anderen Beiträge aus dem 70. Europäischen Wettbewerb könnt ihr euch hier anschauen.

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