Jugend und Parlament 2026
Wie viel Realität steckt im Planspiel?
Naomi Webster-Grundl
Als fiktive Abgeordnete haben die Teilnehmer von „Jugend und Parlament“ Gesetzentwürfe diskutiert, Kompromisse gefunden und Reden im Plenarsaal gehalten. Anschließend konnten sie ihre Erfahrungen mit der Realität von sechs Abgeordneten abgleichen, die sich den Fragen der jungen Erwachsenen stellten.
Michael Hose (CDU/CSU), Markus Frohnmaier (AfD), Dr. Anja Weisgerber (CDU/CSU), Derya Türk-Nachbaur (SPD), Britta Haßelmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Sören Pellmann (Die Linke) (v.l.n.r.) stellten sich den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Jugend und Parlament“ zur echten parlamentarischen Arbeit. © DBT
Die Sitzung ist geschlossen, die Stimmung noch aufgeheizt. Gerade haben die gut 270 jungen Erwachsenen noch in der Rolle von fiktiven Abgeordneten die Gesetzentwürfe diskutiert, an denen sie an den vergangenen Tagen beim Planspiel „Jugend und Parlament“ intensiv gearbeitet haben, und die Gelegenheit genutzt, ihre Planspiel-Ansichten vom Rednerpult des Deutschen Bundestages aus zu vertreten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland, die zwischen 17 und 20 Jahren alt sind, lernen bei „Jugend und Parlament“ die Arbeit von Abgeordneten kennen: in Landesgruppen, den fiktiven Fraktionen der Gerechtigkeitspartei (GP), der Partei für Engagement und Verantwortung (PEV) und der Bewahrungspartei (BP), in ihren Arbeitsgruppen, Ausschüssen und im Plenarsaal. Zum Abschluss des viertägigen Planspiels hatten sie dann noch die Chance, ihre Fragen an echte Abgeordnete zu stellen und mit ihnen zu diskutieren.
Michael Hose (CDU/CSU), Dr. Anja Weisgerber (CDU/CSU), Markus Frohnmaier (AfD), Derya Türk-Nachbaur (SPD), Britta Haßelmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Sören Pellmann (Die Linke) haben auf den Plätzen, die sonst den Mitgliedern des Bundesrates vorbehalten sind, Platz genommen.
Zur Zukunft Deutschlands
Die Podiumsdiskussion begann gleich mit einer großen Frage: Wie sehen Sie die Zukunft Deutschlands?
Derya Türk-Nachbaur (SPD) erklärte, sie wünsche sich ein Deutschland, in dem alle in Frieden und Freiheit zusammenleben können. Markus Frohnmaier (AfD) betonte, er sei sich sicher, dass alle anwesenden Parteien, das Ziel hätten, die Dinge in Deutschland zu verbessern, es aber unterschiedliche Ansichten darüber gebe, wie das gehe. Deshalb sei der Bundestag genau der Ort, an dem darüber diskutiert werde. Britta Haßelmann (Bündnis 90/Die Grünen) appellierte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Jugend und Parlament“, sich einzumischen, um Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit für alle in diesem Land zu schützen.
Zukunft von „Jugend und Parlament“
Für vier Tage sind die 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Jugend und Parlament“ in die Rollen fiktiver Abgeordneter geschlüpft. © DBT
Dann sollte es eigentlich vor allem um den parlamentarischen Alltag gehen. Doch für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen zunächst Fragen nach grundsätzlichen Werten und der Zukunft des Planspiels im Mittelpunkt. Denn im Laufe des Planspiels hatte sich eine Gruppe von Teilnehmern über Ausgrenzung beschwert, manche waren wegen unüberbrückbarer Differenzen aus ihren fiktiven Fraktionen ausgetreten, andere hatten erklärt, sich aufgrund menschenfeindlicher Äußerungen anderer Teilnehmer nicht sicher zu fühlen.
Während all die anwesenden Abgeordneten betonten, wie wertvoll und wichtig das Format „Jugend und Parlament“ sei, mahnten Michael Hose und Dr. Anja Weisgerber (beide CDU/CSU) zum gegenseitigen Respekt. So erklärte Michael Hose, dass er selbst oft den Respekt im Parlament vermisse und sich wünsche, dass die Planspiel-Teilnehmer es besser machen würden. Während Markus Frohnmaier (AfD) ausführte, dass man es ernst nehmen müsse, wenn sich Jugendliche über Ausgrenzung bei einem solchen Format beschwerten, entstand große Unruhe im Plenarsaal.
Britta Haßelmann (Bündnis 90/Die Grünen) forderte die Aufarbeitung der Geschehnisse der vergangenen Tage und Sören Pellmann (Die Linke) erklärte, er habe selbst vor 31 Jahren an „Jugend und Parlament“ teilgenommen. Die Stimmung sei damals noch eine ganz andere gewesen. Er appellierte an die jungen Erwachsenen, füreinander einzustehen.
Die Frage nach der Zukunft des Planspiels war in einer vorangegangenen Fragerunde bereits an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gerichtet worden, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie „Jugend und Parlament“ weiterführen möchte.
Auf die Frage aus dem Plenum, wie die zwischenmenschliche Stimmung denn zwischen den echten Abgeordneten sei, erklärte Weisgerber, dass auch sie vor 25 Jahren an „Jugend und Parlament“ teilgenommen habe und es sowohl unter den echten Abgeordneten als auch unter den Teilnehmern des Planspiels darauf ankomme, Brücken zu bauen.
Derya Türk-Nachbaur (SPD) entgegnete auf die Frage, wie die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien gestärkt werden könnte: „Demokratie lebt vom Austausch und Kompromiss. Unser Angebot der Zusammenarbeit endet aber dort, wo der Faschismus beginnt.“
Parlamentarische Arbeit
Nach dem Appell der Moderatorin, Fragen zur parlamentarischen Arbeit zu stellen, erkundigen sich die Teilnehmer nach den größten Herausforderungen in der jeweiligen Arbeit der Koalition und der Opposition, nach der Zusammenarbeit der Fraktionen untereinander, den ersten Erfahrungen im Bundestag und der Stimmung, als der erste Wahlgang von Friedrich Merz zum Bundeskanzler gescheitert war.
Nachdem die jungen Erwachsenen nun vier Tage lang die Luft des Abgeordnetenberufs geschnuppert haben, wollten sie auch wissen, was den anwesenden Abgeordneten am besten an der parlamentarischen Arbeit gefalle. Hier zeigten sich die sechs Parlamentarierinnen und Parlamentarier recht einig: Die Interessen der Menschen vertreten zu dürfen!