65 Jahre Mauerbau
„Am 13. August entschied der Wohnort über Freiheit und Unfreiheit"
13. August 2026
Am 13. August 1961 wurde die Mauer errichtet, die Deutschland und Berlin für 28 Jahre trennen sollte. Anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag des Mauerbaus erinnerte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner an die Lebensrealitäten auf beiden Seiten der Mauer und die Spuren, die die deutsch-deutsche Teilung hinterlassen hat.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gedachte während der Gedenkveranstaltung an der Gedenkstätte Berliner Mauer den 140 Menschen, die zwischen 1961 und 1989 an der Mauer getötet wurden. © picture alliance/dpa | Sören Stache
Die Mauer, die die Welt teilte
„Am 13. August entschied der Wohnort, das Stadtviertel oder gar die Straßenseite über Freiheit und Unfreiheit. Die Mauer teilte nicht nur die Bernauer Straße, nicht nur Berlin. Sie teilte Deutschland, sie teilte Europa, sie teilte die Welt“, sagte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner in ihrer Rede zur Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag des Mauerbaus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Deutschland und Berlin in vier Sektoren eingeteilt: den amerikanischen, den britischen, den französischen und den sowjetischen. Das Staatsgebiet war damit seit dem 7. Oktober 1949 in zwei deutsche Staaten geteilt, die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR). In der Nacht zum 13. August 1961 hatte SED-Chef Walter Ulbricht den Befehl erteilt, die Grenzen des sowjetischen Sektors in Berlin abzuriegeln.
Eine Mauer durch eine Stadt zu ziehen, sei ein „Akt politischer Gewalt“, sagte Klöckner: „Die DDR war kein Friedensstaat – sie kämpfte gegen diejenigen, die eine eigene Meinung vertraten, die ihre Freiheit leben und sich nicht unterordnen wollten.“ Die Teilung habe nicht nur zu zwei Staaten einer Nation, sondern auch zu zwei Identitäten geführt, so Julia Klöckner. Die Bürger der Bundesrepublik und der DDR hätten die Welt in den Jahrzehnten der Teilung aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen. Über weltpolitische Geschehnisse, wie beispielsweise die Reaktorkatastrophe im sowjetischen Tschernobyl 1986, sei auf beiden Seiten der Mauer anders informiert und diskutiert worden.
Getrennte Generationen
Mehr als 28 Jahre lang stand die Mauer, ehe sie am 9. November 1989 fiel. Heute sei die frühere Grenze fast unsichtbar, Orte wie die Bernauer Straße seien zu touristischen Sehenswürdigkeiten geworden, sagte Klöckner. Doch die Mauer wirke in den Köpfen selbst der Generationen nach, die nach dem Mauerfall geboren wurden. Zugleich rücke die DDR für viele Menschen immer weiter in die Geschichte: Für viele Jugendliche sei die DDR heute so weit entfernt wie das Römische Reich, zitierte Klöckner den anwesenden Mario Röllig, der als junger Mann im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen inhaftiert war.
Mehr DDR-Geschichte in der Schule
Evelyn Zupke, die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, forderte zuletzt in der Rheinischen Post verpflichtende Gedenkstättenbesuche für Schülerinnen und Schüler: „Ich würde mir wünschen, dass jede Schülerin und jeder Schüler wenigstens einmal eine Gedenkstätte zur zweiten deutschen Diktatur besucht." Des Weiteren betonte sie die Bedeutung einer stärkeren Beleuchtung der DDR-Geschichte im Schulunterricht. Sowohl im Osten als auch im Westen sei diese wichtig, damit „die SED-Diktatur (nicht) zu einer bloßen Fußnote der Geschichte werde.“
Die Bundestagspräsidentin erinnerte auch an den Mut, der 1989 die Mauer zum Einsturz brachte. Dieser Mut, aufeinander zuzugehen, sei heute gefragt. Denn manche Erfahrungen des Übergangs wirkten bis heute nach. Wer sie verstehen wolle, müsse bereit sein, zuzuhören. Für alle Deutschen gelte: „Wir müssen verstehen wollen. Auch dafür gedenken wir, auch dafür blicken wir zurück.“
Mehr Informationen zur Gedenkveranstaltung auf bundestag.de.