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Anhörung zur Führerscheinreform

Kosten senken, Qualität halten – wie kann das gelingen?

5. Oktober 2026 Naomi Webster-Grundl

Der Führerschein soll günstiger werden. Doch kann das mit der geplanten Reform gelingen? Darum ging es in der Anhörung im Verkehrsausschuss.

Die Rückseite eines dunkelblauen Autos mit einem rot-weißen Aufkleber, auf dem Fahrschule steht.

© picture alliance / CHROMORANGE | Elke Münzel

„Die Fahrschulausbildung soll entbürokratisiert, modernisiert und zukunftsfähig gestaltet werden“, steht im Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Fahrlehrergesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Gesetze. Die Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestages zu diesem Gesetzentwurf zeigt, dass die Sachverständigen eine Reform befürworten. Doch in der konkreten Ausgestaltung sehen sie noch Verbesserungspotential.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte die Sachverständigen der öffentlichen Anhörung am 5. Oktober 2026:

  • Ulrich Chiellino, Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC), Leiter Verkehrspolitik (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU) 

  • Andreas Dietrich, Fahrlehrer und Inhaber einer Fahrschule (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der AfD) 

  • Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung e. V. (BGL) (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU) 

  • Claudia Maria Ewers-Lauer, Präsidentin der Deutschen Fahrlehrer-Akademie e. V. (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der SPD) 

  • DirProf. Dr. Ingo Koßmann, Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt), Leiter der Abteilung Verhalten und Sicherheit im Verkehr (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU) 

  • Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V. (BVF) (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) 

  • Tom Gerhard Tiessen, A&G Fahrschul-Akademie GmbH, Lengede (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion Die Linke) 

  • Marc-Philipp Waschke-Deden, ACE Auto Club Europa e. V., Ressortleiter Interessenvertretung und Strategie (Eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der SPD)

Wie viel kostet Verkehrssicherheit?

Ulrich Chiellino erklärte, dass der ADAC die Reform grundsätzlich befürworte, er aber Verbesserungspotential in der Kommunikation sehe, gerade wenn es um Begriffe wie „Laienausbildung“ und „Experimentierklausel“ gehe. Andreas Dietrich erklärte, er sehe in der Reform die Deklassierung der ausgebildeten Fahrlehrer. Dirk Engelhardt bewertete die Reform positiv, gerade mit dem Blick darauf, dem LKW-Fahrermangel in Deutschland entgegenzuwirken. 

Claudia Maria Ewers-Lauer betonte die Notwendigkeit, die Fahrausbildung zu reformieren, zeigte sich aber mit Blick auf die angedachte Optionalität von Präsenzunterricht besorgt, denn „Fahrausbildung bedeutet, Gefahren zu erkennen, Situationen einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen, eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren und Wissen in Handlungskompetenzen zu überführen“ und dafür seien Präsenzunterricht und Lernbegleitung entscheidend. Ingo Koßmann erklärte, er halte die Reform für wichtig und richtig, vor allem da sich die Fahrausbildung damit zukünftig an den jeweiligen Kompetenzen der Fahrschüler orientiere.

Jürgen Kopp betonte hingegen, dass die Qualität der Ausbildung der angehenden Fahrer nicht den Kosteneinsparungen untergeordnet werden dürfe. Eine Modernisierung und stärkere Digitalisierung begrüßte er ebenso. Tom Gerhard Tiessen hob die Bedeutung des Führerscheins für die selbstständige Mobilität und Teilhabe junger Leute hervor, weshalb eine Kostenverringerung zu begrüßen sei. Als entscheidend betonte er aber auch, dass das hohe Niveau der Verkehrssicherheit beibehalten werde, und dies sehe er gefährdet, wenn Präsenzunterricht gänzlich durch digitale Angebote ersetzt werde.

Marc-Philipp Waschke-Deden schloss sich der Einschätzung an, dass eine Kostensenkung nicht zu Lasten von Qualität und Verkehrssicherheit geschehen dürfe. Der ACE Auto Club Europa e. V. schlage deswegen vor, Mobilitätsbildung bereits in weiterführenden Schulen zu verankern und darüber hinaus ein Führerschein-BAföG für diejenigen einzuführen, die sich einen Führerschein alleine nicht leisten könnten.

Lernen und fahren ohne Fahrlehrer?

In den anschließenden Fragerunden hatten die Abgeordneten die Möglichkeit, ihre Fragen an die Sachverständigen zu richten. Dabei konzentrierten sich die Fragen vor allem auf zwei Komplexe der geplanten Reform: die Digitalisierung des Theorie-Unterrichts und die sogenannte Laienausbildung, die vorsieht, dass Fahrschüler, nachdem sie mindestens sechs Fahrstunden mit einem Fahrlehrer absolviert haben, das Fahren im Privatauto üben dürfen, angeleitet von einem Erwachsenen.

Wenn Fahrschüler sich entschieden, die Fahrtheorie nur digital zu erlernen und keinen Präsenzunterricht zu besuchen, sahen einige der Sachverständigen die Gefahr, dass bestimmte Kompetenzen auf der Strecke bleiben könnten, zum Beispiel individuelles Risikoverhalten und mögliche Ablenkungen einschätzen zu lernen. Außerdem bestehe dann die Möglichkeit, dass in der Theorie nicht Verinnerlichtes im Fahrschulauto nochmal genau erklärt werden müsse, was wiederum die Kosten in die Höhe treiben würde und den genau gegenteiligen Effekt hätte. Hinzu käme, dass sich viele kleine Fahrschulen den Aufbau einer digitalen Lernplattform nicht leisten könnten, wodurch Wettbewerbsverzerrung drohe.

Große Sorgen äußerten einige Sachverständige im Zusammenhang mit der Laienausbildung. Fahrlehrer würden intensiv dafür ausgebildet, das Verkehrsgeschehen genau zu beobachten, um frühzeitig einzugreifen, sollte es zu einer gefährlichen Situation kommen. Abgesehen von diesen Fertigkeiten fehle in einem Privatauto auch die technische Ausrüstung, um effektiv eingreifen zu können. Bei der Laienausbildung werde nicht nur die Verantwortung für die Verkehrssicherheit verlagert , sondern auch Kosten wie Sprit und Nutzung des Privatwagens. Außerdem sei auch die Gefahr von sozialer Ungleichheit gegeben, da nicht in jeder Familie ein Auto zur Verfügung stünde, mit dem geübt werden könne.

Eine Reform müsse sein und die Kosten für den Führerschein gesenkt werden – darin waren sich die Sachverständigen einig. Doch darüber, ob der vorgelegte Gesetzentwurf die Kosten wirklich senken und wie hart er Fahrschulen treffen würde, gingen die Meinungen auseinander.

Die Anhörung zur Änderung des Fahrlehrergesetzes vom 5. Oktober 2026 in voller Länge: