Junge Kandidaten

Wie war deine Wahl?

Wie war die Bundestagswahl für junge Kandidaten und Kandidatinnen, die um ein Mandat gekämpft haben? Wie haben Sie von den Ergebnissen erfahren? Und wie geht es jetzt weiter? Wir haben in allen Parteien nachgefragt.
Sie wollten alle in den Bundestag: (v. o. l. n. u. r.:) Jessica Rosenthal (SPD), Catarina dos Santos Firnhaber (CDU), Jakob Blasel (Grüne), Laura Staudacher (FDP), Jan Wenzel Schmidt (AfD) und Frederik Hintermayr (Linke). © S. H. Schroeder/ Ralph Sondermann/ Sven Brauers/ Jan Wenzel Schmidt/James Zabel.

Jessica Rosenthal (SPD)

Wie hast du den Wahltag und -abend verbracht?
Den Abend habe ich Bonn mit meinen ganzen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern von der SPD Bonn und den Jusos verbracht. Außerdem waren auch mein Freund, meine Mutter und meine Schwester dabei. Ich habe es leider ganz knapp nicht geschafft, meinen Wahlkreis in Bonn direkt zu holen, 216 Stimmen haben am Ende gefehlt. Das war schon bitter. Aber es hat auch gezeigt, dass jede Stimme zählt und dass Wahlkampf etwas bringt. Ich habe nämlich mehr Prozente bekommen, als die SPD bei der Zweitstimme, was mich schon gefreut hat. Alle haben sie mit mir gezittert und am Ende doch auch gejubelt. Denn ich bin über meinen Listenplatz in NRW jetzt in den Bundestag eingezogen. Den haben wir übrigens als NRW Jusos noch als Listenplatz für Jusos erkämpft, was richtig gut ist, gerade nochmal rückblickend.

Was hältst du vom Wahlergebnis?
Diese Wahl ist historisch. Und für mich vor allem, weil so viele junge SPD-Abgeordnete wie nie in den Bundestag eingezogen sind: Wir sind 49 junge Menschen, die nun die Stimme unserer Generation im Parlament hörbar machen. Das macht mich unglaublich stolz, weil dafür haben wir jahrelang gekämpft und in den letzten Monaten im Wahlkampf alles gegeben. Und natürlich freue ich mich, dass auch die SPD stärkste Kraft geworden ist. Die CDU ist jetzt abgewählt und wir können endlich unsere Zukunft gestalten, ohne Bremsklotz.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Diese Woche haben wir als junge Abgeordnete zunächst viel Input bekommen und jetzt geht es daran, das eigene Büro aufzubauen und den Alltag als MdB zu sortieren. Ich möchte gerne in den Haushaltsausschuss. Nebenbei bin ich ja auch noch Bundesvorsitzende der Jusos und diese Arbeit geht natürlich weiter. In diesem Bereich bleibt es unter anderem spannend, was mögliche Koalitionsverhandlungen angeht, wo wir als Jusos selbstverständlich darauf achten, dass die Interessen der jungen Menschen Beachtung finden. Ich blicke auf jeden Fall ganz gespannt auf diese kommenden Wochen!

 

Mehr über Jessica Rosenthal
Die 28-jährige Jessica Rosenthal kandidierte für den Wahlkreis 96 Bonn als Bundestagskandidatin der SPD. Der Partei trat sie 2013 bei. Bis 2020 war sie Landesvorsitzende der NRW Jusos, seit Januar 2021 ist sie Bundesvorsitzende der Jusos.

Gebürtig ist sie aus dem niedersächsischen Bad Münder und seit dem Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte bonnverliebt.

Catarina dos Santos Firnhaber (CDU/CSU)

Wie hast du den Wahltag und -abend verbracht?
Zusammen mit meinem Team und vielen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern haben wir die Ergebnisse der Bundestagswahl im Wahlkreis und auf Bundesebene verfolgt. Es war ein sehr spannender Abend für mich und viele andere auch. Erst in den frühen Morgenstunden stand fest, dass ich in den Deutschen Bundestag einziehen werde. Das war ein unglaubliches Gefühl der Freude, der Dankbarkeit und der Demut vor der Aufgabe, die vor mir liegt.

Es ist mir eine große Freude und Ehre, die Bürgerinnen und Bürger meiner Heimat in den nächsten vier Jahren in Berlin vertreten zu dürfen. Gemeinsam werden wir für eine gute und erfolgreiche Zukunft arbeiten.

Was hältst du vom Wahlergebnis?
Diese Bundestagswahl war eine ganz besondere und entscheidend für die Zukunft unseres Landes. Die Union kann mit ihrem Ergebnis nicht zufrieden sein und das müssen wir gemeinsam aufarbeiten. Dennoch braucht Deutschland, die Europäische Union und die Weltpolitik eine verlässliche, stabile und konstruktiv arbeitende Bundesregierung. Nur so können die großen Herausforderungen unserer Zeit bewältigt werden. Dieser Verantwortung sind sich Armin Laschet und die Union bewusst, sodass entsprechende Gespräche geführt werden. Wir müssen abwarten, was die nächsten Tage ergeben. Bis dahin sehe ich mich nicht in der Position, Spekulationen abzugeben.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
In weniger als einem Monat, am 26. Oktober 2021, findet wahrscheinlich die konstituierende Sitzung des 20. Deutschen Bundestages statt. Bis dahin gibt es noch eine Menge vorzubereiten in Berlin und zu Hause in der Städteregion Aachen. In Zukunft werde ich zwischen beiden Standorten pendeln. Es ist mir besonders wichtig weiterhin vor Ort im Wahlkreis für alle Menschen ansprechbar zu sein.

Gerne möchte ich auch in Berlin an den Schwerpunkten meiner bisherigen politischen Arbeit anknüpfen und an den zentralen Themen meines Wahlkampfes weiterarbeiten wie beispielweise im Ausschuss für Wirtschaft und Energie oder im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.

 

Mehr über Catarina dos Santos Firnhaber
Die 27-Jährige ist in Eschweiler in der Städteregion Aachen aufgewachsen. Sie hat in Köln und Lissabon Jura studiert und in einer Kanzlei in Düsseldorf gearbeitet. In ihrer Freizeit radelt sie gern durch ihre Region und singt in einer Cover-Band.

Jakob Blasel (Bündnis 90/Die Grünen)

Wie hast du den Wahltag und -abend verbracht?
Ich habe es nicht in den Bundestag geschafft. Davon habe ich auf der Wahlparty meines Kreisverbandes erfahren. Die Stimmung war gemischt. Wir haben unser starkes Ergebnis und unseren Wahlkampf gefeiert. Trotzdem hatten alle sich deutlich mehr erhofft.

Was hältst du vom Wahlergebnis?
Ich glaube, es wäre gut, wenn die CDU mal in die Opposition geht. Und ich hoffe, dass wir in einer Ampelkoalition trotz FDP und Scholz gute Klimapolitik machen können.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Ich werde gemeinsam mit der Klimabewegung dafür kämpfen, dass die nächste Regierung keine faulen Kompromisse beim Klimaschutz macht. Außerdem werde ich weiter Jura studieren. Alles andere wird sich bestimmt ergeben.

 

Mehr über Jakob Blasel
Jakob Blasel war Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis 4 Rendsburg-Eckernförde. Der 20-Jährige ist in Kronshagen bei Kiel aufgewachsen. Er ist einer der Gründer der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung – das war 2018. Den Grünen gehört er seit 2017 an. Seit gut einem Jahr studiert er Jura.

In seiner Freizeit ist Jakob Blasel Langstreckenläufer. Außerdem interessiert er sich für digitale Entwicklungen.

Laura Staudacher (FDP)

Wie hast du den Wahltag und -abend verbracht?
Ich habe meinen Tag in meinem Wahlkreis in Brandenburg mit Freunden und Familie verbracht und allen, die mich im Wahlkampf unterstützt haben. Morgens war ich erst selbst wählen, habe dann entspannt gefrühstückt – und abends wurde es dann spannend. Aber ich war insgesamt eher entspannt. Denn ich wusste ja schon vorher, dass es sehr gut laufen muss, damit ich, als Dritte auf der Landesliste, ein Mandat gewinne.

Trotzdem war die Stimmung bei uns den ganzen Abend sehr gut. Natürlich kann man sich mehr Prozentpunkte wünschen, aber dass die FDP ein zweistelliges Ergebnis hat und sogar zulegen könnte, ist sehr gut. Bei mir im Wahlkreis haben wir sogar das beste Ergebnis in ganz Brandenburg erzielt. Erst später ist mir klar geworden, dass ich nur ganz knapp ein Mandat verpasst habe. Mit 0,2 Prozent mehr auf Bundesebene wäre ich drin gewesen. Das ist dann schon enttäuschend.

Was hältst du vom Wahlergebnis?
Aus Sicht der Liberalen bin ich zufrieden. Wir haben zum ersten Mal bei zwei aufeinander folgenden Bundestagswahlen ein zweistelliges Ergebnis erzielt und hier in Brandenburg haben wir uns auch stark verbessert. Im Bund gibt es jetzt nur eine Option zu einer Koalition ohne die FDP – nämlich die große Koalition aus SPD und CDU/CSU. Und die will wirklich keiner. Daher freue ich mich auf vier Jahre Regierungsarbeit meiner Partei. Wer dabei Kanzler wird, ist zweitrangig – mir ist wichtig, dass die FDP ihre Themen durchsetzt. In welcher Koalition das besser gelingt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Ich werde mich jetzt wieder mehr meiner Doktorarbeit widmen, die ich vor einem Jahr begonnen habe. In der Politik bleibe ich aber weiterhin aktiv – und vielleicht klappt es ja dann in vier Jahren mit einem Sitz im Bundestag.

 

Mehr über Laura Schieritz
Laura Schieritz ist 23 Jahre alt und kandidierte im Wahlkreis 64 (Cottbus – Spree-Neiße) für den Deutschen Bundestag. In der Lausitz ist sie auch geboren, aufgewachsen und seit ihrem Studienabschluss wieder zu Hause. Sie hat im vergangenen Jahr ihr Lehramtsstudium für die Fächer Deutsch und Politik an der TU Dresden abgeschlossen und arbeitet aktuell als Pressesprecherin für einen Bundestagsabgeordneten. Sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale und Kreisvorsitzende der FDP Lausitz.

Als sie jünger war, wollte sie gern Tierärztin werden. Heute kümmert sie sich um ihren Hund Caesar, mit dem sie auch im Hundesport aktiv ist. Außerdem liest sie in ihrer freien Zeit gern und geht ins Fitnessstudio.

Jan Wenzel Schmidt (AfD)

Wie hast du den Wahltag und -abend verbracht?
Gegen 6:30 Uhr habe ich auf der Webseite des Bundeswahlleiters das vorläufige Wahlergebnis und die aufgeführten Abgeordneten gesehen. Dort stand dann mein Name schwarz auf weiß. In diesem Moment habe ich realisiert, dass ich tatsächlich in den Deutschen Bundestag eingezogen bin. Für mich war dieser Moment sehr erfüllend, da der Bundestag mit seinen Abgeordneten die Säule unserer Demokratie ist und ich fortan Teil dessen sein darf.

Es war eine schlaflose spannungsgeladene Nacht mit einem für mich persönlich glücklichen Ausgang. Etwas Wehmut kam für die vielen guten parteiübergreifenden Kandidaten auf, die den Einzug trotz ihres eigenen Engagements nicht geschafft haben. Doch so funktioniert Demokratie am Ende entscheidet der Wählerwille.

Was hältst du vom Wahlergebnis?
Die Mehrheit der Deutschen hat bürgerlich-konservativ gewählt. Normalerweise wäre eine Dreier-Koalition zwischen CDU/CSU-FDP-AfD die Schlussfolgerung. Doch gibt es derzeit zu große inhaltliche Differenzen. Ein Bündnis zwischen SPD-Grüne-FDP würde unser Land in der Entwicklung zurückwerfen. Somit ist aus meiner Sicht eine Koalition aus CDU/CSU-Grüne-FDP das geringste Übel, da die Entwicklung für Deutschland weniger stark gebremst werden würde. Spannend wird es, wer unter der zuletzt genannten Koalition Bundeskanzler wird, da bereits viel innerparteiliche Kritik an Armin Laschet geäußert wurde.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Einen Wohnortwechsel habe ich zum Wohle meiner Familie nicht geplant. Meine Heimat ist in Sachsen-Anhalt, dort werde ich auch in Zukunft leben. In den Sitzungswochen werde ich mir in Berlin eine Unterkunft nehmen.

Mein Augenmerk liegt weiterhin auf eine Stärkung der Familien in unserem Land. Deshalb strebe ich eine Mitgliedschaft im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an.

 

Mehr über Jan Wenzel Schmidt
Jan Wenzel Schmidt ist 29 Jahre alt und stammt aus Magdeburg. Für die AfD ist er Abgeordneter für den Wahlkreis 67 Börde – Jerichower Land. Er ist seit 2014 Mitglied der AfD und seit 2015 Landesvorsitzender der AfD-Jugend (Junge Alternative Sachsen-Anhalt). Von 2016 an war er Abgeordneter des Landtags von Sachsen-Anhalt.

Der Kaufmann im Einzelhandel, Immobilienkaufmann und geprüfte Handelsfachwirt ist verheiratet und hat einen Sohn. Sein eigenes Unternehmen gründete er 2015.

Frederik Hintermayr (Die Linke)

Wie hast du den Wahltag und -abend verbracht?
Ich stand mit meinem Wahlkampfleiter im großen Sitzungssaal des Augsburger Rathauses. Für uns war es bis zur letzten Minute sehr aufregend. Für die bayerische Linke ging es am Schluss um jede einzelne Stimme, damit wir wenigstens vier Mandate erhalten. Doch als die ersten Prognosen da waren, war klar, dass es für mich nicht reichen wird.

Nach diesem harten Wahlkampf schmerzt ein solches Abschneiden natürlich. Gemeinsam mit mir haben sich hier vor Ort unglaublich viele tolle junge Menschen für eine starke Linke engagiert. Gemeinsam haben wir auf mehr gehofft.

Was hältst du vom Wahlergebnis?
Ich finde es bitter, dass die Zuspitzung auf die Kanzlerfrage zum Schluss so krass war, dass wir Linke quasi hinten runtergefallen sind. Für mich war immer klar, dass SPD und Grüne ihre Forderungen nur umsetzen können, wenn sie ein Bündnis mit der Linken eingehen. Mit der FDP wird es weder Klimagerechtigkeit noch einen höheren Mindestlohn geben.

Wie geht es jetzt für dich weiter?
Bereits am Montag nach der Wahl ging es für mich zurück an meinen Arbeitsplatz als Gewerkschafter. Ich arbeite beim Deutschen Gewerkschaftsbund und bin in der Region Schwaben für die gewerkschaftliche Jugendarbeit zuständig. Ich werde mich natürlich weiter engagieren. Ich bin vor über 10 Jahren nicht in die bayerische Linke eingetreten, weil ich unbedingt Abgeordneter des Bundestages werden wollte, sondern weil ich von unseren Zielen und Forderungen überzeugt bin. Nun werde ich eben erstmal weiter als Kommunalpolitiker für diese Ziele streiten.

 

Mehr über Frederik Hintermayr
Frederik Hintermayr ist 29 Jahre alt und in Augsburg geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Zurzeit arbeitet er als Gewerkschaftssekretär, ausgebildet wurde er als Gesundheits- und Krankenpfleger. Seit 2013 ist er Mitglied des schwäbischen Bezirkstags. Seit 2020 ist er Stadtrat in Augsburg und dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender der „sozialen Fraktion“ von SPD und Die Linke. Zur Bundestagswahl 2021 trat er als Direktkandidat für den Wahlkreis 252 Augsburg-Stadt sowie auf Listenplatz 8 der Landesliste der bayerischen Linken an.

Früher wollte Frederik Hintermayr Arzt werden. In seiner Freizeit kocht er am liebsten oder sitzt mit seiner Familie im Biergarten.

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